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Alfred Ritter (Unternehmen)

Das Unternehmen wurde 1912 von Clara und Alfred Eugen Ritter gegründet und ist seither in Familienbesitz. Vorsitzende der Geschäftsführung sind seit 2026 Moritz …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Unternehmen und Entwicklung
  2. 2. Konzern, Standorte und internationales Geschäft
  3. 3. Ritter Sport und weitere Produkte
  4. 4. Verpackung, Markenform und Kakaoplantage
  5. 5. Umwelt, Verbraucherschutz und Kritik

Unternehmen und Entwicklung

Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG ist ein deutscher Schokoladenhersteller der Lebensmittelindustrie mit Hauptsitz in Waldenbuch. Bekannt ist das Familienunternehmen vor allem durch die Marke Ritter Sport und deren quadratische Schokoladentafeln. Es wurde 1912 von Clara und Alfred Eugen Ritter gegründet und befindet sich weiterhin im Familienbesitz. Als Leitung werden Moritz Ritter und Tim Hoppe genannt; seit Mai 2026 führen beide, Urenkel der Gründer, gemeinsam den Vorsitz der Geschäftsführung. Für 2025 werden 1.900 Beschäftigte und 712 Mio. Euro Umsatz angegeben.

Die Firma entstand 1912 in Stuttgart-Cannstatt als Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik. Die erste Marke Alrika kam 1919 auf den Markt. 1930 zog das Unternehmen nach Waldenbuch. Dort entstand aus Clara Ritters Idee einer Tafel, die in die Tasche eines Sportjacketts passen sollte, Ritter Sport in quadratischer Form; Alrika wurde dadurch abgelöst. Während des Nationalsozialismus erhielt die Firma keinen Kakao und stellte ab 1935 kakaofreie Süßwaren her. Ab 1940 ruhte die Produktion vollständig.

Nach dem Tod Alfred Eugen Ritters 1952 übernahm sein Sohn Alfred Otto Ritter. Anfang der 1960er-Jahre richtete er das Geschäft auf Ritter Sport und die quadratischen Tafeln aus. Der Umsatz verdreifachte sich von 1960 bis 1970; 1972 lag er erstmals über 100 Millionen DM. Nach Alfred Otto Ritters Tod 1974 leitete seine Frau Martha das Unternehmen mit einer externen Geschäftsführung. Die dritte Generation, Alfred Theodor Ritter und Marli Hoppe-Ritter, trat 1978 in den Beirat ein. Nach Verlusten im Geschäftsjahr 2004 übernahm Alfred Theodor Ritter 2005 auch den operativen Vorsitz; 2008 schrieb das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. Andreas Ronken übernahm 2015 den Vorsitz der Geschäftsführung und verließ die Firma im Mai 2026.

Konzern, Standorte und internationales Geschäft

Mutterunternehmen des Konzerns ist die R² Holding GmbH & Co. KG in Karlsbad/Baden. Sie entstand aus der 2016 gegründeten Ritter und Hoppe KG, die schrittweise zu einer Holdinggesellschaft für sämtliche Beteiligungen ausgebaut wurde. Gesellschafter sind Alfred Theodor Ritter, Marli Hoppe-Ritter sowie Tobias und Tim Hoppe und Moritz, Lukas und Dora Ritter. Seit 2021 wurde die Holding von Tim Hoppe und Moritz Ritter in Doppelspitze geleitet; Michael Lessmann gehört seit 2023 ebenfalls zur Geschäftsführung.

Im Geschäftsjahr 2022 erzielte der Konzern 561,5 Mio. Euro Umsatz und beschäftigte 1.783 Menschen. Er umfasst 15 inländische und 11 ausländische Tochterunternehmen, unter anderem in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Italien, Österreich, Russland, Singapur, den Niederlanden, Frankreich, China und Nicaragua. Produziert wird in Waldenbuch sowie in Breitenbrunn im österreichischen Burgenland. Dort übernahm Ritter 2019 einen Produktionsstandort von Mars Austria; dies war die erste Fabrik außerhalb Deutschlands. 2020 stellte das Unternehmen rund 70.000 Tonnen Schokolade her, davon etwa 5.000 Tonnen in Breitenbrunn.

Der internationale Umsatzanteil wuchs von 35 Prozent im Jahr 2011 und 40 Prozent 2012 auf 58 Prozent im Jahr 2022. 2020 war Ritter in mehr als 100 Ländern vertreten. Auf dem deutschen Markt für 100-Gramm-Tafeln hatte das Unternehmen 2020 einen Anteil von 22,4 Prozent und lag knapp hinter Mondelēz International mit Milka. Weitere Schritte waren die Übernahme eines Konfektionierungsstandorts in Reichenbach an der Fils 2023, die Gründung von Ritter Sport USA Ende 2023 und die Übernahme des US-Herstellers Creative Natural Products aus Boulder, Colorado, im November 2025. Nach Verlusten 2025 kündigte die Firma im April 2026 erstmals Stellenabbau an: In der Verwaltung in Waldenbuch sollen rund 10 Prozent der etwa 700 Arbeitsplätze wegfallen. Als Gründe wurden höhere Kosten für Kakao, Energie und Verpackung sowie rückläufige Nachfrage genannt.

Neben dem Waldenbucher Werk befindet sich seit 2005 das von Max Dudler entworfene Museum Ritter. Es widmet sich dem Quadrat in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Ritter Sport und weitere Produkte

Ritter Sport wird seit 1932 als Marke für quadratische Schokoladen geführt und war 2020 für mehr als 90 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Von 1964 bis 2020 bot Ritter keine Produkte außerhalb dieser Marke an. Fast alle Erzeugnisse sind Tafelschokoladen. Ausnahmen waren unter anderem die 1967 eingeführten Schokoladen-Rum-Riegel, die zunächst „Ritter Bissen“, danach „Ritter Drei“ und ab 1974 „Ritter Rum“ hießen; seit 2012 heißen sie „Knusperstücke“. Seit 2021 gibt es Ritter Sport Gin, seit 2025 Ritter Sport Whisky. Der 1988 eingeführte Riegel Ritter Sport Balloon wurde 1993 wegen Erfolglosigkeit eingestellt.

Das aktuelle Angebot umfasst 19 Standardsorten der „Bunten Vielfalt“, acht Nusssorten der „Nuss-Klasse“, drei Sorten der Edelkakao-Klasse sowie Sondersorten. Die Verpackungsfarbe kennzeichnet die Sorte, beispielsweise Gelb für Knusperflakes und Weiß für Joghurt. Neben den üblichen 100-Gramm-Tafeln gibt es saisonale Geschmacksrichtungen, Minis und 250-Gramm-Tafeln. Die Minis wiegen etwa 17 Gramm je Tafel. Seit 2004 werden außerdem Schokowürfel verkauft: einzeln verpackte quadratische Stücke in Pappkartonboxen. 2009 führte „Voll-Nuss“ die Rangliste der fünf beliebtesten beziehungsweise meistverkauften Standardsorten an, vor „Nugat“, „Marzipan“, „Rum Trauben Nuss“ und „Alpenmilch“. Laktosefreie Sorten Vollmilch und Voll-Nuss gibt es seit 2012; die ersten zwei veganen Sorten kamen 2016 auf den Markt und wuchsen 2020 um 70 Prozent.

Bei der Übernahme des Standorts Breitenbrunn erwarb Ritter auch die Markenrechte an Amicelli sowie an den eingestellten Produkten Fanfare und Banjo. Jährlich werden 2.000 Tonnen Amicelli hergestellt. Eine angekündigte Wiederbelebung von Fanfare und Banjo war bis 2023 nicht umgesetzt. Die Tochtergesellschaft Hang zur Sonne GmbH betrieb interne Start-ups: PURmacherei stellte Snacks aus natürlichen Zutaten her, beendete den Betrieb aber im August 2024; dazu gehörten KakaoWUMMS und HaferHAPS. CacaoVida bietet seit 2021 Eistee, Limonade und Prosecco aus der Kakaofrucht an. Diese Produkte werden nur online sowie in Test- und Teilmärkten angeboten.

Verpackung, Markenform und Kakaoplantage

Ab 1947 war Ritter-Schokolade braun in Zellophan verpackt. Seit 1974 sorgen bunte Verpackungen für die Unterscheidung der Sorten. 1976 wurden Schlauchbeutelverpackung und Knick-Öffnung eingeführt: Das Quadrat wird durch Knicken geöffnet und kann mit der dabei entstehenden Lasche wieder verschlossen werden. Seit 1991 besteht die Verpackung aus recycelbarem Polypropylen. Das Logo nutzt den seit 1919 unveränderten Ritter-Schriftzug; darunter steht seit 1969 „Sport“ in großen Druckbuchstaben. Seit 1987 ist es auf weißem Hintergrund quadratisch umrandet, meist mit blauer Schrift und goldenem Rahmen.

Die quadratische Form ist als Marke rechtlich geschützt. Im Streit mit Mondelēz International entschied der Bundesgerichtshof im Oktober 2017 zunächst, dass Ritter Sport den Markenschutz vorläufig behalten dürfe. Nach einer erneuten Entscheidung des Bundespatentgerichts zugunsten Ritters unterlag Mondelēz 2020 auch beim Bundesgerichtshof. Eine weitere Klage Ritters richtete sich 2025 gegen den quadratisch verpackten Haferriegel „Monnemer Quadrat Bio“ der Wacker GmbH. Das Landgericht Stuttgart wies die Klage im Januar 2026 ab; Ritter legte Berufung beim Oberlandesgericht Stuttgart ein.

2012 kaufte Ritter in Nicaragua 2.500 ha landwirtschaftliche Fläche für die Kakaoplantage „El Cacao“. Dort wurden 1,5 Mio. junge Kakaobäume gepflanzt. Die Fläche soll sowohl dem Kakaoanbau dienen als auch unberührte Natur erhalten. Das Unternehmen bezeichnete sie selbst als „größte zusammenhängende Kakaoplantage der Welt“. 2018 war geplant, ein Drittel des benötigten Kakaos von dort zu beziehen.

Umwelt, Verbraucherschutz und Kritik

Ritter nimmt seit Mitte der 1990er-Jahre an der Öko-Audit-Verordnung teil. Seit 1990 unterstützte die Firma ökologisch wirtschaftende Kakaobauern-Kooperativen in Nicaragua; der Großteil des Bioanbaus wurde 2013 eingestellt, weil die damit produzierten Sorten erfolglos blieben. Unter Alfred Theodor Ritter wurden von 2005 bis Ende 2014 naturidentische Aromastoffe durch natürliche Aromen ersetzt.

Seit 2002 arbeitet in Waldenbuch ein Blockheizkraftwerk zur Energieversorgung der Schokoladenproduktion. 2012 stammte ein Drittel des Energiebedarfs dort aus selbst erzeugter erneuerbarer Energie. Nach Angaben des Unternehmens ist die Produktion in Waldenbuch seit 2020 klimaneutral und entsprechend zertifiziert. Stand 2021 deckte das Blockheizkraftwerk 70 Prozent des Wärme- und 40 Prozent des Strombedarfs. Geplant war Klimaneutralität in der gesamten Wertschöpfungskette bis 2025. 2022 ging in Dettenhausen eine solarthermische Dachanlage für die Energieversorgung der Gemeinde in Betrieb. In der „Chocolate Scorecard“ lag Ritter 2022 auf Rang 23 von 35 Unternehmen, 2024 auf Rang 2 von 38 und 2026 auf Rang 3. 2017 erhielt die Firma den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2018 als Deutschlands nachhaltigstes mittelgroßes Unternehmen.

Kritik betraf auch Arbeitsbedingungen und Wettbewerb: 2008 wurden Beschäftigte in den untersten Lohngruppen höher eingruppiert, gleichzeitig wurde die Konfektionierung an ein Subunternehmen mit niedrigeren Löhnen ausgelagert. Wegen Kartellermittlungen des Bundeskartellamts erhielt Ritter bis 2013 eine Geldbuße von insgesamt 7,5 Mio. Euro.

Die Stiftung Warentest bewertete „Voll-Nuss“ Ende 2013 mit „mangelhaft“, weil sie Piperonal nicht für natürlich gewonnen hielt. Ritter verwies auf eine Garantieerklärung des Zulieferers Symrise. Gerichte untersagten der Stiftung die Behauptung, Ritter verwende chemisch hergestellte Aromen; im September 2014 erkannte die Stiftung das Urteil an. Bei „Cacao Y Nada“ warb Ritter 2021 mit „100 % aus Kakao“. Das Produkt wurde zunächst nicht Schokolade genannt, weil kein Zucker zugesetzt war; Bundesministerin Julia Klöckner erklärte jedoch, natürlich verwendeter Kakaosaft könne die Bezeichnung Schokolade erlauben.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurde das fortgesetzte Russlandgeschäft kritisiert. Ritter erklärte, Investitionen und Marketing in Russland gestoppt zu haben; 200 Arbeitsplätze in Deutschland und die Existenz von Kakaobauern hingen nach Darstellung des Unternehmens am Geschäft. Im Januar 2023 wurde mitgeteilt, dass 1,51 Mio. Euro aus den Erlösen an Organisationen gespendet wurden; Medien berichteten, die Gewinne würden an die Ukraine gespendet. Im März 2025 verteidigten Moritz Ritter und Tim Hoppe die weiteren Lieferungen erneut.

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