Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Aland (Fisch)

Der Aland (Leuciscus idus), auch Orfe oder Nerfling genannt, ist eine Fischart aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae).

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Merkmale und Einordnung
  2. 2. Verbreitung und Lebensräume
  3. 3. Lebensweise, Nahrung und Fortpflanzung
  4. 4. Goldorfe und weitere Farbformen
  5. 5. Unterarten und Gefährdung

Merkmale und Einordnung

Der Aland trägt den wissenschaftlichen Namen Leuciscus idus und wird auch Orfe oder Nerfling genannt. Er ist eine Fischart der Karpfenartigen (Cypriniformes); in der Systematik wird er der Gattung Leuciscus und der Familie Weißfische (Leuciscidae) zugeordnet. Im einleitenden Text wird er als Art aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) bezeichnet.

Alande werden 30 bis 85 Zentimeter lang. Ihr Körper ist gestreckt und seitlich abgeflacht, das Maul steht endständig, also vorne an der Kopfspitze. Sie ähneln dem Döbel (Leuciscus cephalus), besitzen aber kleinere Schuppen und eine nach innen gebogene Afterflosse. Der Rücken ist grau-bläulich, die Flanken silbern und die Flossen rötlich schimmernd. In ihrem natürlichen Lebensraum können sie bis zu 18 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 22 Jahre leben.

Verbreitung und Lebensräume

Der Aland ist in fast ganz Mittel- und Osteuropa nördlich der Alpen sowie auf dem Balkan heimisch; in Finnland reicht seine nördliche Grenze bis zum Polarkreis. Er zählt zu den charakteristischen Leitfischarten – Arten, die für einen bestimmten Gewässertyp typisch sind – im Unterlauf langsam fließender Tieflandsflüsse und -ströme. Dazu gehören Rhein, Weser, Elbe, Oder und Weichsel, die in Nord- oder Ostsee münden.

Die Art lebt nicht nur im Süßwasser, sondern auch im Brackwasser, also leicht salzhaltigem Wasser. Unter den Weißfischen ist der Aland am wenigsten empfindlich gegenüber Salzwasser. Deshalb kommt er besonders häufig in der Küstenzone der Ostsee vor, etwa in der Wismarbucht, den schwedischen Schären, um die Insel Åland und am Fehmarnsund. Außerdem ist er im Gewässernetz der Donau sowie in großen Strömen des europäischen Teils Russlands bis zur Lena und nach Jakutsk in Sibirien verbreitet. Außerhalb des natürlichen eurasischen Verbreitungsgebietes wurde er in der Neuen Welt vom nördlichen Kanada bis zum südlichen Mexiko verbreitet.

Vor allem in Osteuropa hat der Aland wirtschaftliche Bedeutung. In Polen wird er zusammen mit Karpfen in größeren Teichwirtschaften gehalten.

Lebensweise, Nahrung und Fortpflanzung

Alande sind Schwarmfische der Brachsenregion und werden meist im Mittelwasser gefangen. Sie leben oberflächennah in Flüssen und Seen. Jungfische suchen auch ufernah nach Nahrung. Größere Tiere halten sich in kleineren Fließgewässern, ähnlich wie Döbel, bevorzugt unter überhängenden Bäumen oder Sträuchern auf und warten auf vorbeitreibende Nahrung.

Jungfische fressen Zooplankton. Später gehören Insektenlarven, Schnecken, Muscheln und kleinere Fische zur Nahrung. Als Nahrungsopportunist nutzt der Aland unterschiedliche verfügbare Nahrung und ist an verschiedene Gewässerhabitate gut angepasst.

Zum Laichen wandern die Fische im Frühjahr, von März bis Mai, in strömungsberuhigte Flussbereiche. Abhängig von der Wassertemperatur legen sie von April bis Juni bis zu 100.000 Eier. Die meisten Tiere wandern anschließend wieder in den Unterlauf zurück. In Flüssen mit Verbindung zur Ostsee laichen sie im Flusssystem, verbringen dort ihre Jugend und leben als erwachsene Tiere küstennah. Die Geschlechtsreife wird mit fünf bis sechs Jahren erreicht.

Durchschnittlich werden Alande 30–50 cm lang und wiegen 0,25 bis 2 kg. Bekannt sind Höchstwerte von 80 cm Länge und 6 kg Gewicht. Der deutsche Rekordfisch wog 4 kg und wurde 2000 im Rhein auf Pistazien-Boilie gefangen.

Goldorfe und weitere Farbformen

Die Goldorfe ist eine weißgolden bis orangerot glänzende Zuchtvariation des Alands. Sie wird besonders zum Besatz von Teichen in Parks und Gärten gezüchtet. Als geselliger Allesfresser lebt sie meist knapp unter der Wasseroberfläche und ist daher gut zu beobachten. Sie benötigt sauberes, sauerstoffreiches Wasser und zieht sich im Winter in tiefere Bereiche zurück.

Goldorfen werden als Vertilger von Mücken und unerwünschten Jungfischen geschätzt. Normalerweise scheue Tiere gewöhnen sich schnell an Zufütterung. Weil sie ihre Nahrung hauptsächlich im Freiwasser oder an der Oberfläche aufnehmen, trüben sie das Wasser durch Gründeln weniger als Karpfen, Karauschen oder Goldfische. Neben Gold- und Silberorfen gibt es die auf dem Rücken bläulich gefärbte Blauorfe. In einem Teich bei Dinkelsbühl wurde beobachtet, dass junge Silberorfen ihre Farbe spontan zu Goldorfen änderten. In Naturgewässern können Goldorfen durch natürliche Selektion durch Raubfische wieder die Farbe des Wildtyps annehmen.

Goldorfen reagieren ähnlich empfindlich wie Zebrabärblinge auf Gewässerverschmutzung. Sie wurden in Laboratorien zur Messung der Toxizität bestimmter Stoffe und der Wassergüte mittels Fischtest verwendet. Diese Versuche wurden seit 2005 durch den Fischeitest ersetzt.

Unterarten und Gefährdung

In der Literatur wurden mehrere meist lokale Unterarten beschrieben, darunter die Goldorfe (Leuciscus idus auratus Bade 1901), Leuciscus idus idus (Linnaeus, 1758), der als Synonym geführte Sibirische Aland Leuciscus idus idus natio sibiricus Kirillov 1958, der Lappländische Aland Leuciscus idus lapponicus Günther, 1868 sowie Leuciscus idus oxianus (Kessler, 1877). Heute gilt allein die Bezeichnung Leuciscus idus als Taxon.

Die Weltnaturschutzunion IUCN führt den Aland auf ihrer Roten Liste, beurteilt ihn derzeit jedoch als nicht gefährdet („Least Concern“). In Österreich war er Fisch des Jahres 2004.

Weiterlesen

Art (Biologie) Jede biologische Art ist ein Resultat der Artbildung. Bislang gelang keine allgemeine Definition der Art, welche die theoretischen und praktischen Anforderungen … Alpen Die Alpen sind das höchste Hochgebirge in Europa. Sie erstrecken sich in einem 1200 Kilometer langen und zwischen 150 und 250 Kilometer breiten Bogen vom … Polarkreis Polarnacht und Polartag · Gebiete innerhalb des Polarkreises überschreiten nicht jeden Tag die Tag-Nacht-Grenze. Daher kommt es hier zur Polarnacht, d. h. · Ein … Süßwasser Die globalen Süßwasservorkommen schrumpfen nicht nur, sie sind darüber hinaus ungleich verteilt, daher werden sich die Konflikte um Wasser in Zukunft, auch … Ostsee Geprägt ist die Ostsee durch ihren geringen Salzgehalt, den eingeschränkten Wasseraustausch und die starke Schichtung des Wasserkörpers. Diese Faktoren machen … Donau Die Donau ist mit einem Abfluss (MQ) von rund 6855 m³/s im langjährigen Mittel und einer Gesamtlänge von 2857 Kilometern nach der Wolga der zweitgrößte und … Russland Russia: The Migration Dimension of the War in Ukraine . Brain Drain from Russia after February 24th 2022. In: Russian Analytical Digest (RAD) Polen Das Abitur wird nach dem Abschluss eines Lyzeums oder einer Berufsoberschule abgelegt werden. Die Abiturprüfung soll wieder bedeutend schwieriger werden … Kanada Kanada (englisch und französisch Canada) ist ein föderaler Staat in Nordamerika, der zwischen dem Atlantik im Osten und dem Pazifik im Westen liegt und … Insekten Blutkreislauf. Das Blutgefäßsystem von Insekten besteht im Wesentlichen aus einem Hohlraum, dem Haemocoel, in dem alle inneren Organe in Blut (Hämolymphe) … Schnecken Schnecken (Gastropoda, griechisch für ‚Bauchfüßer'), von althochdeutsch snahhan, ‚kriechen', sind eine Tierklasse aus dem Stamm der Weichtiere (Mollusca). Muscheln Die Muscheln (Bivalvia von dem lateinischen Wort bi-valvius „zwei-klappig“ abgeleitet) sind eine Klasse der Weichtiere (Mollusca). Merkmale der Klasse sind …