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Übersetzungsmethode (Lateinunterricht)

das Analysieren: erste ungerichtete Erfassung des Textsinnes durch Hören oder Lesen, dann Analyse von weiteren Textmerkmalen durch ergänzende Fragen, z. · die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Übersetzungsmethode
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Phrastische und transphrastische Zugänge
  4. 4. Methoden der Satzerschließung
  5. 5. Methoden der Texterschließung
  6. 6. Bedeutung für den Unterricht

Grundidee der Übersetzungsmethode

Unter Übersetzungsmethode versteht man im Lateinunterricht Verfahren, mit denen lateinische Texte dekodiert und rekodiert werden. Dekodieren bedeutet, den Text sprachlich, grammatikalisch und möglicherweise stilistisch zu erschließen. Rekodieren bedeutet, den erschlossenen Sinn in die Zielsprache, im Unterricht meist Deutsch, zu übertragen.

Die Übersetzung ist dabei kein bloßes Ersetzen einzelner Wörter, sondern ein aufwändiger und auch kreativer Prozess. Besonders bei längeren und komplexen lateinischen Satzperioden reicht intuitives Verstehen oft nicht aus. Deshalb werden mehrere Schritte der Texterschließung und Übersetzung genutzt, damit Schülerinnen und Schüler systematisch vom lateinischen Ausgangstext zu einer verständlichen deutschen Übersetzung gelangen.

Geschichtliche Entwicklung

Nachdem der lateinische Schulaufsatz 1890 als Abituranforderung aufgegeben wurde und die deutsch-lateinische Übersetzung im Unterricht allmählich zurückging, wurde die Frage wichtiger, wie die lateinisch-deutsche Übersetzung angemessen unterrichtet werden sollte.

Lange Zeit dominierte die Konstruktionsmethode. Sie galt auch als logische Denkübung. Dabei wird der Satz formal analysiert, um seine grammatische Struktur zu verstehen. Kritisiert wurde diese Methode, weil sie oft ohne echtes Sinnverstehen arbeite, gegen die Wortfolge vorgehe und den Satz zu früh in Einzelteile zerlege. Kritiker bevorzugten eine Satzanalyse, die zuerst vom Sinn des Ganzen ausgeht und von dort aus die Einzelheiten erschließt. Häufig wurde dies mit einem Vorgehen verbunden, das zunächst Wort für Wort vorangeht und sich dem vermuteten Satzsinn nähert.

Nach 1945 standen sich vor allem zwei Prinzipien gegenüber: rein sukzessive Methoden, also ein Wort-für-Wort-Verstehen, und pragmatische Kombinationen aus Konstruktionsmethode, Satzanalyse und sukzessiven Methoden. Die rein sukzessiven Methoden fanden in der Unterrichtspraxis wenig Resonanz. Durchgesetzt haben sich eher Mischformen, weil sie besser auf unterschiedliche Schwierigkeiten beim Übersetzen reagieren können. Lehrpläne greifen in der Regel nicht streng in die Wahl der Methode ein.

Phrastische und transphrastische Zugänge

In den 1990er Jahren wurde besonders darüber diskutiert, ob Übersetzungsmethoden eher phrastisch oder transphrastisch arbeiten sollen. Phrastische Methoden, von griechisch phrasis, beziehen sich auf einen einzelnen Satz. Transphrastische Methoden erfassen dagegen einen ganzen Text.

Der Unterschied ist wichtig, weil der Sinn eines lateinischen Satzes manchmal erst aus späteren Informationen im Text verständlich wird. Phrastische Methoden helfen vor allem bei der genauen Satzerschließung. Transphrastische Methoden sollen stärker den Zusammenhang mehrerer Sätze und den Sinn des gesamten Textes berücksichtigen.

Methoden der Satzerschließung

Zu den phrastischen Methoden gehören mehrere Verfahren der Satzerschließung. Die Wort-für-Wort-Methode überträgt jedes Wort unmittelbar in der richtigen Form im Satz. Sie folgt also stark der Reihenfolge des Textes.

Die Konstruktionsmethode beginnt mit dem Satzkern, also mit Prädikat und Subjekt. Danach werden die übrigen Wörter nach Form, Bedeutung und Stellung im Satz bestimmt. Zuerst wird der Hauptsatz bearbeitet, danach die Gliedsätze. Diese Methode ist nach wie vor die verbreitetste Methode.

Beim linearen Dekodieren nach Hans-Joachim Glücklich werden zunächst alle Verbalformen der Reihe nach ermittelt. Danach folgen Konnektoren wie Konjunktionen, Subjunktionen und Relativpronomen, dann die zugehörigen Subjekte, eindeutigen Objekte und Adverbien. Auch typische lateinische Satzkonstruktionen werden erkannt, etwa Accusativus cum Infinitivo, ablativus absolutus und participium coniunctum. Zunächst entsteht eine Groberschließung des Satzes, anschließend werden schwierigere Satzteile genauer bestimmt.

Die Drei-Schritt-Methode, kurz DSM, stammt von Dieter Lohmann und wird auch Pendelmethode genannt. Sie geht vom Satzanfang zum Satzende und dann zum Rest. Zuerst wird das erste Satzglied bestimmt, danach die Personalform des Prädikats, danach die übrigen Satzglieder in der Reihenfolge ihres Vorkommens. Für Gliedsätze gilt eine abgewandelte Reihenfolge: zuerst das Einleitungswort, dann Subjekt oder Personalendung des Prädikats, danach die übrigen Satzteile und am Schluss das Prädikat.

Kritisch wird bei solchen Methoden gesehen, dass viele Schülerinnen und Schüler nicht genügend Formensicherheit erwerben, um sie sicher anwenden zu können.

Methoden der Texterschließung

Transphrastische Methoden arbeiten nicht nur mit einem einzelnen Satz, sondern mit einem Text aus mehreren Sätzen. Eine ganzheitliche Texterschließung wurde besonders 1967 von Werner Emrich befürwortet. Ziel ist, den Zusammenhang des gesamten Textes zu erfassen.

Eine Möglichkeit ist das Analysieren. Dabei wird der Textsinn zunächst ungerichtet durch Hören oder Lesen aufgenommen. Danach werden weitere Textmerkmale durch ergänzende Fragen untersucht, zum Beispiel Beziehungen und Entsprechungen im Text, Eigennamen oder Satzzeichen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Kombination von Analysieren und Konstruktionsmethode. Dabei wird der Blick auf den ganzen Text mit genauer grammatischer Satzanalyse verbunden.

Die „natürliche Lesemethode“ beginnt beim Verstehen der einzelnen Wörter in ihrer Reihenfolge im Satz. Über das Erkennen von Abhängigkeiten und Beziehungen führt sie zum Verstehen der Sätze und des ganzen Textes. Das „verstehende Lesen“ arbeitet mit mehreren Durchgängen: Der Text wird in der vorliegenden Wortfolge zunehmend besser verstanden und erst am Ende übersetzt.

Kritiker der transphrastischen Methoden sehen vor allem zwei Probleme: eine zu starke Lehrerlenkung und teilweise eher dürftige Ergebnisse.

Bedeutung für den Unterricht

Für den Lateinunterricht ist es nicht sinnvoll, alle Methoden in einer Lerngruppe einzuführen. Wenn zu viele Verfahren nebeneinander verwendet werden, kann keine ausreichende methodische Sicherheit entstehen.

Entscheidend ist, dass Schülerinnen und Schüler nicht bloß raten, sondern einen systematischen Zugang entwickeln. Eine Übersetzungsmethode soll ihnen helfen, auch bei schwierigen lateinischen Texten weiterzukommen und Schritt für Schritt zu einem begründeten Textverständnis und einer passenden deutschen Übersetzung zu gelangen.

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