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Ökologieorientierte Betriebswirtschaftslehre

Ihr Ziel ist es, den durch wirtschaftliches Handeln entstandenen Schaden zu vermeiden, vermindern oder vorzubeugen. Durch diese vordergründig ökologische …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Umweltschutz als Unternehmensziel
  3. 3. Nachhaltigkeitsstrategien
  4. 4. Rahmenbedingungen und Anspruchsgruppen
  5. 5. Ökologische Steuerung der Wertschöpfung
  6. 6. Erweiterung zum Nachhaltigkeitsmanagement

Grundidee und Bedeutung

Die ökologieorientierte Betriebswirtschaftslehre, auch Betriebliche Umweltökonomie genannt, ist ein Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre. Sie untersucht, wie Unternehmen ökologische Aspekte bewusst in ihre Entscheidungen und ihre Steuerung einbeziehen können. Ihr Ziel ist es, Schäden zu vermeiden, zu vermindern oder ihnen vorzubeugen, die durch wirtschaftliches Handeln entstehen. Daraus können zugleich ökonomische Vorteile entstehen, etwa geringere Kosten durch einen sparsameren Einsatz von Ressourcen.

Die ökologische Orientierung betrifft nicht nur eine einzelne Unternehmensfunktion. Sie greift in die gesamte Wertschöpfungskette von der Beschaffung bis zum Vertrieb ein und beeinflusst nahezu alle Wissensbereiche der Betriebswirtschaftslehre. Deshalb ist sie eine fachübergreifende Disziplin mit einem umfangreichen Aufgabenfeld.

Die direkte Auseinandersetzung der Wirtschaft mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz begann vor allem in den 1970er Jahren. Wichtige Anstöße waren die UN-Umweltkonferenz 1972 in Stockholm und die Ölkrise 1973/74. Einzelne Ansätze und Programme hatte es allerdings schon zuvor bis zurück ins Altertum gegeben.

Umweltschutz als Unternehmensziel

Umweltschutz kann als eigenständiges Formalziel, also als übergeordnetes Ziel für das wirtschaftliche Handeln, in das Zielsystem eines Unternehmens aufgenommen werden. Dafür muss das Unternehmen von einem allgemeinen Leitbild konkrete ökologische Ziele ableiten. Indikatorensysteme dienen dazu, den Grad der Zielerreichung zu messen. Werden Lücken zwischen dem Ziel und dem tatsächlichen Ergebnis festgestellt, sind geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Zwischen ökologischen Zielen und klassischen Unternehmenszielen wie der Gewinnmaximierung sind vier Beziehungen möglich:

  • Komplementäre Ziele unterstützen sich gegenseitig. Ressourceneinsparungen können beispielsweise zugleich die Umwelt entlasten und die Kosten senken.
  • Konkurrierende Ziele behindern sich gegenseitig. Dieser Zielkonflikt wird als Trade-off bezeichnet.
  • Indifferente Ziele beeinflussen sich weder positiv noch negativ und können unabhängig voneinander erreicht werden.
  • Identische Ziele liegen vor, wenn sich ein ökologisches Ziel vollständig in ein klassisches Unternehmensziel überführen lässt.

Unternehmen beurteilen ihren Erfolg zunehmend nicht nur anhand kurzfristiger Gewinne. Eine Rolle spielen auch die langfristige Existenzsicherung, beispielsweise der Gewinn über mehrere Perioden, und die Akzeptanz wichtiger Stakeholder wie der Kapitalgeber. Stakeholder sind Personen oder Gruppen, die Ansprüche an ein Unternehmen stellen oder von seinem Handeln betroffen sind.

Nachhaltigkeitsstrategien

Unternehmerische Nachhaltigkeit kann mit drei grundlegenden Strategien verfolgt werden: Effizienz, Konsistenz und Suffizienz.

Die Effizienzstrategie soll Wirtschaftsleistung und Umweltverbrauch entkoppeln. Produkte und Verfahren werden durch ressourcenschonendere Alternativen ersetzt, wobei vor allem technischer Fortschritt genutzt wird. Beispiele sind sparsamere Fahrzeuge und die Verringerung des Energie- und Materialverbrauchs in der Fertigung. Eine Grenze bildet der Rebound-Effekt, auch Jevons’ Paradoxon genannt: Eine Effizienzsteigerung wirkt ähnlich wie eine Preissenkung und kann unter sonst gleichen Bedingungen die Nachfrage nach dem betreffenden Gut oder der Dienstleistung erhöhen.

Die Konsistenzstrategie richtet wirtschaftliche Prozesse an natürlichen Stoffkreisläufen aus. Stoffe und Energie sollen im Kreislauf geführt und materielle sowie energetische Durchflüsse geschlossen werden. Beispiele sind die Nutzung von Abwärme und die Wiederverwendung von Brauchwasser. Weiter reichen vollständige Stoffkreisläufe bis hin zur Industriellen Symbiose, bei der wirtschaftliche Akteure Stoff- oder Energieströme miteinander verbinden. Dafür sind neben technischen Veränderungen erhebliche organisatorische Anpassungen beim Design, bei Produktion und Distribution sowie bei der Rückführung von Produkten nötig.

Die Suffizienzstrategie setzt am Nutzungsverhalten und an den Bedürfnissen von End- oder Unternehmenskunden an. Sie zielt darauf, Konsum- und Nutzungsmuster zu verändern. Dazu gehören Geschäftsmodelle, bei denen der Zugang zum Nutzen eines Produkts wichtiger ist als dessen Besitz. Als Beispiel nennt der Artikel Carsharing, das zu einem bewussteren Konsum von Mobilitätsleistungen führen kann.

Rahmenbedingungen und Anspruchsgruppen

Ökologieorientiertes Handeln entsteht nicht nur dadurch, dass Unternehmen ökologische Knappheit selbst wahrnehmen. Es wird durch Anforderungen verschiedener Stakeholder verstärkt. Zwischen Unternehmen und Anspruchsgruppen bestehen wechselseitige Abhängigkeiten, sogenannte Interdependenzen. Zu unterscheiden sind das Makroumfeld, dessen Rahmenbedingungen grundsätzlich für alle Unternehmen gelten, und das Aufgabenumfeld, in dem einzelne Stakeholder jedes Unternehmen unterschiedlich stark beeinflussen.

Zum Makroumfeld gehören fünf Gruppen von Rahmenbedingungen:

  • Ökologische Bedingungen ergeben sich aus der ökologischen und ökonomischen Knappheit von Boden, Wasser, Luft und fossilen Ressourcen sowie aus Umweltfolgen wie Treibhauseffekt, Eutrophierung und Versauerung des Bodens.
  • Ökonomische Bedingungen hängen besonders von Branche, Marktdynamik und Wettbewerb ab. Umweltschutzmaßnahmen können kurzfristig einen Wettbewerbsnachteil bedeuten, langfristig aber durch den ökologischen Zusatznutzen eines Produkts einen Imagegewinn und eine höhere Gewinnspanne ermöglichen.
  • Technologische Bedingungen umfassen den „Stand der Wissenschaft“, den „Stand der Technik“ und die „allgemein anerkannten Regeln der Technik“. Neue Technologien können Marktchancen eröffnen; Restriktionen können dagegen ganze Industriezweige wie die Kohleindustrie betreffen. Auch örtliche Forschung, Bildung und die gesellschaftliche Akzeptanz einer Technologie, etwa einer Biogasanlage, spielen eine Rolle.
  • Gesellschaftliche Bedingungen werden besonders durch Anwohner, Bürgerinitiativen und Verbände, Massenmedien sowie die breite Bevölkerung geprägt. Steigendes Umweltbewusstsein verändert das Verhalten der Verbraucher und erhöht den Druck auf Unternehmen, soziale Verantwortung im Sinne der Corporate Social Responsibility zu übernehmen.
  • Politische und rechtliche Bedingungen wirken durch nicht-fiskalische Instrumente wie Umweltauflagen und durch fiskalische Instrumente wie die Ökosteuer. Staatliche Regeln sind ein Hauptantrieb ökologischen Unternehmenshandelns; weitere Instrumente der Umweltpolitik sind beispielsweise Finanzhilfen.

Im Aufgabenumfeld treffen unterschiedliche und teilweise kollidierende Forderungen aufeinander. Ihre Intensität wird mit dem Konzept der ökologischen Betroffenheit erfasst. Kunden können umweltfreundliche Produkte wie Bio-Lebensmittel nachfragen; Unternehmen können Einstellungen wiederum durch ökologieorientiertes Marketing beeinflussen. Lieferanten und ihre Leistungen werden anhand umweltbezogener Kriterien geprüft, etwa durch Selbstauskünfte, Lieferantenbewertungsverfahren, Zertifizierungen unabhängiger Dritter, Zusammensetzungszertifikate oder Umweltmanagementsysteme wie EMAS und DIN EN ISO 14001.

Wettbewerber werden mithilfe einer ökologieorientierten Konkurrenzanalyse untersucht. Sie soll mögliche neue Wettbewerber und Substitute erkennen, Stärken und Schwächen beispielsweise durch eine SWOT-Analyse bestimmen, zukünftige ökologische Strategien einschätzen und Reaktionsprofile ableiten. Ziel ist es, eigene strategische Wettbewerbsvorteile durch Ökologieorientierung aufzubauen und zu erhalten.

Für die Umsetzung müssen alle Mitarbeiter einbezogen werden. Die oberste Managementebene bestimmt Umweltpolitik und Organisation, die mittlere Ebene leitet Projekte und Schwachstellenanalysen, und die unterste Managementebene entwickelt konkrete Umweltprojekte und überwacht umweltgefährdende Anlagen. Gesetzliche Grundlagen wie BImSchG oder KrW-/AbfG verlangen Umweltzuständigkeiten auf Führungsebene. Betriebsbeauftragte, beispielsweise Immissionsschutz- oder Abfallbeauftragte, übernehmen die Eigenüberwachung. Das Verhalten aller weiteren Mitarbeiter beeinflusst die tatsächliche Umsetzung.

Kreditgeber berücksichtigen sowohl Chancen der Umweltbranche als auch Umwelt-, Akzeptanz-, Ertrags- und Umsatzrisiken anderer Branchen. Eine ökologieorientierte Kreditwürdigkeitsprüfung soll diese Risiken verringern und kann Unternehmen zu stärkerer Ökologieorientierung bewegen. Anteilseigner können Aktien und Anleihen nach ökologischen Kriterien auswählen oder in Umweltfonds investieren. Zur Bewertung dienen Öko-Ratings wie Oekom Research und Öko-Indizes wie der Dow Jones Sustainability Index. Motive reichen von sozialer Verantwortung und Imagepflege bis zu Kosteneinsparungen; negatives Verhalten kann von Anlegern sanktioniert werden.

Ökologische Steuerung der Wertschöpfung

Da ein Produkt nur so umweltfreundlich ist wie seine Bestandteile, müssen Lieferanten anhand umweltrelevanter Kriterien bewertet und ausgewählt werden. Auch Umweltzeichen können die Auswahl unterstützen. Grundlage einer umfassenden Beurteilung ist die ökologisch orientierte Analyse des Produktlebenszyklus. Die Umweltmanagement-Normenreihe ISO 14000ff beschreibt sie in ISO 14040 als Life Cycle Assessment (LCA).

Der Lebenszyklus wird in die primären Funktionsbereiche Beschaffung, Produktion, Absatz und Entsorgung sowie in die sekundären Bereiche Forschung und Entwicklung, Logistik, Personal und Organisation, Marketing und Controlling gegliedert. Für jeden Bereich werden die Umweltwirkungen ermittelt und in einer Ökobilanz zusammengeführt. Dadurch lassen sich Produktalternativen über sämtliche Wertschöpfungsstufen vergleichen und ökologische Schwachstellen erkennen.

Zur Steuerung dienen vor allem Öko-Budgetierung und Ökologie-Ergebnis-Konzept. Bei der Öko-Budgetierung wird ein Etat gebildet, der ausschließlich Ökologiekosten enthält. Das Unternehmen kann damit entweder vorgegebene ökologische Anforderungen bei möglichst niedrigen Kosten erfüllen oder Investitionen nach dem Ziel eines möglichst hohen ökologischen Nutzens auswählen. Beim Ökologie-Ergebnis-Konzept, auch Profit-Center-Konzept genannt, werden neben den Kosten die Erlöse von Umweltmaßnahmen berücksichtigt. Diese Erlöse können tatsächlich entstehen oder intern verrechnet werden, etwa durch den Gebrauch von Verschmutzungsrechten.

Erweiterung zum Nachhaltigkeitsmanagement

Die Betrachtung wird zunehmend über das einzelne Unternehmen hinaus auf dessen gesellschaftliches und wirtschaftliches Umfeld erweitert. Dazu gehören Corporate Social Responsibility (CSR), Corporate Citizenship (CC), Corporate Sustainability (CS) und das Nachhaltigkeitsmanagement. Unternehmen nehmen ihre gesellschaftliche Rolle in einer globalisierten Welt stärker wahr oder reflektieren sie und berücksichtigen ökologische und soziale Belange in ihrer Tätigkeit.

Nachhaltigkeitsmanagement verbindet ökologische, soziale und ökonomische Ziele. Es soll Umwelt- und Sozialmanagement nicht getrennt behandeln, sondern in das herkömmliche ökonomische Management des Unternehmens integrieren.

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