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Was war die Neue Ostpolitik | EINFACH ERKLÄRT
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 50 Zeilen
- Hallo und herzlich willkommen. Heute schauen wir uns ein mega spannendes Kapitel der deutschen Geschichte an, das wirklich bis heute nachwirkt. Es ist
- eine Geschichte über Mut, über verfeindete Brüder und eine Geste, die um die ganze Welt ging. Also legen wir los. Stell dir mal ganz kurz diese Szene
- vor. Der deutsche Bundeskanzler ist in Polen und dann, total unerwartet, fällt er auf die Knie. Da waren keine Kameras drauf vorbereitet. Das war keine
- geplante Show. Was also steckt dahinter? Tja, um das zu kapieren, müssen wir eine kleine Zeitreise machen. Wir landen mitten im kalten Krieg. Die Welt ist
- quasi wie eingefroren, total gespalten in zwei Lager, die sich bis aufs Blut hassen und genau mittendrin eingeteiltes Deutschland. Eine Situation, die damals
- absolut, also wirklich komplett festgefahren schien. Und hier sehen wir die knallharte Realität dieser Zeit. Auf der einen Seite haben wir die
- Bundesrepublik Deutschland, also die BRD. Demokratisch, frei und ein enger Verbündeter der USA. Und auf der anderen Seite, da die deutsche demokratische
- Republik, die DDR, eine kommunistische Diktatur, komplett von der Sowjetunion kontrolliert und von der Stasi überwacht und dazwischen ein eiserner Vorhang aus
- Beton und Stacheldraht. Und diese Teilung, die wurde mit den Jahren immer schlimmer. 1949, da entstehen die beiden deutschen Staaten.
- Nur 12 Jahre später, 1961, dann der absolute Schock, die Berliner Mauer wird gebaut. Einfach nur um die Menschen an der Flucht in den Westen zu
- hindern. Und jeder, wirklich jeder versucht das System ein bisschen zu lockern, wie der Prager Frühling 1968 wurde sofort brutal von sowjetischen
- Panzern niedergewalzt. Die Hoffnungslosigkeit, die konnte man förmlich greifen. Die offizielle Politik von Westdeutschland war bis dahin
- Konfrontation, nur Konfrontation. Die sogenannte Halsteindoktrin hat im Grunde gesagt: "Hey, wenn irgendein Land auf der Welt die DDR als eigenen Staat
- anerkennt, dann seid ihr nicht mehr unsere Freunde." Und das Ergebnis: politische Eiszeit. Man hat nicht miteinander geredet, man hat sich
- komplett ignoriert. Eine absolute Sackgasse. Aber dann so gegen Ende der 60er Jahre kommen zwei Männer an die Macht, die alles, aber auch wirklich
- alles anders machen wollen. Willly Brand und sein Engsterberater Egon Bar. Und die stellen eine ganz einfache, aber für die damalige Zeit absolut revolutionäre
- Frage: Was, wenn dieser ganze Konfrontationskurs der komplett falsche Weg ist? Ihre Antwort war diese geniale Formel Wandelt durch Annährung. Die Idee
- dahinter ist eigentlich ganz simpel. Anstatt immer nur Druck zu machen und zu drohen, versuchen wir doch einfach mal miteinander zu reden. Wir schließen
- kleine Verträge, bauen Schritt für Schritt Vertrauen auf und hoffen, dass sich dieses starre System im Osten dadurch langsam ganz langsam von innen
- heraus verändert. Das war jetzt aber keine spontane Schnapsidee. Schon 1963, direkt nach dem Schock des Mauerbaus, hatte Egon Bar diesen Gedanken
- formuliert. Er hat quasi gesagt: "Leute, die Mauer ist doch ein Zeichen der Angst des DDR-Rimes. Wenn wir denen diese Angst Stück für Stück nehmen, wird
- vielleicht auch die Mauer irgendwann wieder durchlässiger." Und als Willly Brand dann 1969 Bundeskanzler wird, hat er endlich die
- Macht, diese Theorie auch in die Tat umzusetzen. Er startet eine Politik der kleinen Schritte, eine Politik, die als die neue Ostpolitik in die Geschichte
- eingehen wird. Okay, schauen wir uns das mal genauer an. Schritt 1: Der Mosgauer Vertrag. Hier ging es darum, auf Gewalt zu verzichten und die bestehenden
- Grenzen in Europa anzuerkennen. Das war ein riesiger Schritt. Schritt 2: Der Warschauervertrag, der die so unfassbar wichtige Grenze zu Polen festschreibt.
- Dann super wichtig für die Menschen im geteilten Berlin, dass vier Mächte abkommen. Das hat den freien Verkehr nach Westberlin gesichert und am Ende
- der Grundlagenvertrag. Zum allerersten Mal nehmen BRD und DDR offizielle Beziehungen auf. Der entscheidende Punkt: Man redet miteinander. Und das
- ist das Wichtigste, dass du verstehen musst. Es ging nie darum, die DDR als System irgendwie gut zu finden. Nein, es ging darum, die Situation für die
- getrennten Familien zu verbessern, Reisen einfacher zu machen und vor allem diese ständige Kriegsgefahr in Europa endlich zu verringen. Ein zutiefst
- menschliches und pragmatisches Ziel. Und damit schließt sich der Kreis und wir kommen zurück zum Anfang, zurück zu dieser unglaublichen Geste, die zum
- Symbol für diese ganze Politik geworden ist. Wir sind in Warschau am 7. Dezember 1970. Brand ist dort, um den Warschauervertrag zu unterschreiben. Er
- besucht das Denkmal für die Helden des Warschauer Ghetto Aufstands, ein Ort, an dem die Nazis 1943 ztausende Juden ermordet hatten. Brand legt einen Kranz
- nieder, tritt einen Schritt zurück, richtet sein Jackett und dann passiert es. Er fällt auf die Knie. Eine komplett spontane Geste. Er, der selbst vor den
- Nazis fliehen musste, bittet im Namen Deutschlands um Vergebung. für diese unvorstellbaren Verbrechen. Eine Geste, die einfach mehr gesagt hat, als tausend
- Reden es jeen. Die Welt war tief bewegt. Diese eine Geste hat gezeigt, dass es Deutschland mit der Versöhnung wirklich ernst meinte. Nur ein Jahr später hat
- Willy Brand für seine mutige Ostpolitik dann auch den Friedensnobelpreis bekommen. International war er ein Held. Aber jetzt kommt's und das ist wirklich
- interessant, die Reaktion zu Hause in Deutschland. Eine Umfrage zeigte, die Westdeutschen waren komplett gespalten. Fast die Hälfte fand die Geste
- übertrieben oder sogar falsch. Viele hatten wirklich Angst, Brand würde einfach so deutsche Interessen verscherbeln. Die politische Opposition
- ist damals Sturm gelaufen gegen ihn. Sie warfen ihm Verrat vor, den Ausverkauf deutscher Interessen. Und genau das zeigt, was politischer Mut wirklich
- bedeutet. Brand hat seinen Kurs durchgezogen, obwohl fast die Hälfte des Landes gegen ihn war. Die Stimmung war so aufgeheizt, dass es zu einem der
- größten Krimmis der deutschen Politik kam. Die Opposition versuchte ihn mit einem Misstrauensvotum zu stürzen. Er hat es überstanden mit nur zwei Stimmen
- Vorsprung. Wahnsinn. Trotz all dem Gegenwind hat Brand seine Politik durchgesetzt. Aber was war das Ergebnis am Ende des Tages? Was ist das Erbe
- dieser so umstrittenen, aber absolut bahnbrechenden Idee? Na ja, die Bilanz ist eigentlich ziemlich klar. Die Ostpolitik hat die
- akute Kriegsgefahr in Europa massiv verringert. Sie hat für unzählige Menschen ganz konkrete Verbesserungen gebracht. Besuche bei Verwandten im
- Osten, die waren plötzlich wieder möglich. Und ganz entscheidend, sie hat den Boden bereitet, auf dem fast 20 Jahre später die deutsche
- Wiedervereinigung überhaupt erst stattfinden konnte. Man muss also verstehen, diese Politik war kein Zauberstab, der die deutsche Teilung von
- heute auf morgen beendet hat. Aber sie hat das Eis gebrochen. Sie war der absolut notwendige erste Schritt, um aus dieser Sackgasse der Konfrontation
- rauszukommen und einen Weg in eine friedliche, gemeinsame Zukunft zu finden. Und das bringt uns zu einer letzten ganz entscheidenden Frage. Die
- Idee durch Annäherung Wandel zu bewirken, also miteinander zu reden, statt sich nur anzuschreien, ist das vielleicht eine Strategie, von der wir
- auch heute in einer Welt voller verhärteter Fronten noch etwas lernen können? Was denkst du darüber? Danke dir fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
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