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Geheimoperation Ostpolitik (WDR 2010)

Jogi Bär43:57 59.370 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 238 Zeilen
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  1. [Musik] Dezember 1970. Die Öffentlichkeit wird Zeuge einer aufsehnerregenden Gäste. Bundeskanzler
  2. Willi Brand kniet am Ehrenmal für den jüdischen Ghettoaufstand in Warschau nieder. Sichtbarer Ausdruck einer neuen Politik.
  3. Dahinter steht ein grundlegendes Konzept der Entspannung zwischen Bonn und Moskau. Die Spitzenpolitiker Leonid Brechenv und Willi Brand geradezu
  4. freundschaftlich in einem Boot. Bilder einer bis dahin nicht für möglich gehaltenen Verständigung.
  5. Eine Annäherung, die so brisant ist, dass sie zunächst in geradezu konspirativen Treffen vorbereitet werden muss in einem geheimen Kanal zwischen
  6. Brand und Breschenev. Die geheimen Verbindungsleute sind Brands Staatssekretär Egon Bar, Spitzname Tricky Egon und seine sowjetischen
  7. Gesprächspartner der Oberstleutnand im Geheimdienst KGB Bacheslav Korkov Codename Slava. Sein Freund, der inzwischen verstorbene
  8. Journalist Valeri Letniev, Codname Leo, und Valentin Falin, Abteilungsleiter für Europa im sowjetischen Außenministerium und ausgewiesener Deutschlanderte.
  9. Wenn ich am Anfang gesagt hätte, sie müssen einverstanden sein, dass wir die deutsche Einheit wollen, hätten die gesagt, das aber nett, fahren
  10. sie nach Hause. Viel Glück. [Musik]
  11. [Musik] Das größte Hindernis für eine Annäherung befindet sich mitten in Berlin. Im
  12. Sommer 1961 hat die DDR versucht mit dem Bau der Mauer die deutsch-deutsche Grenze zu zementieren. Willly Brand, der regierende Bürgermeister von Berlin und
  13. sein Sprecher Egon Bar schauen fassungslos zu. Ein Höhepunkt des kalten Krieges. Das Verhältnis zwischen Ost und West ist
  14. geprägt von Ängsten und gegenseitigem Misstrauen. Hitlers Vernichtungsfeldzug im Zweiten Weltkrieg hat furchtbare Spuren hinterlassen. 25 Millionen
  15. sowjetische Soldaten und Zivilisten wurden getötet. Weite Teile der riesigen UDSSR verwüstet.
  16. Beim späteren Vormarsch der roten Armee flohen dann auf deutscher Seite Millionen Menschen aus ihrer Heimat oder wurden vertrieben.
  17. Viele Sowjets rechten sich auch mit Plünderungen und Vergewaltigungen. Mehr als die Hälfte der 5 Millionen Sowjetrussen in deutscher
  18. Kriegsgefangenschaft starben. Auch deutsche Gefangene litt an Hunger und Krankheiten oder fanden den Tod. Die letzten Überlebenden kehrten erst 10
  19. Jahre nach Kriegsende zurück. In der Ehre Adenauer wurden die Ängste vor der kommunistischen Sowjetunion als tödliche Bedrohung des christlichen
  20. Abendlandes weitergeschürt. Ein eiserner Vorhang trennte Europa. Die Sowjets sicherten ihre Machtsphäre mit Waffengewalt. Proteste in Ostberlin 1953
  21. und der Aufstand in Ungarn 1956 wurden blutig unterdrückt. Aber es gab auch die sowjetische Furcht vor dem westdeutschen Militär.
  22. Eine Wiedervereinigung scheint 1961 auf lange Sicht ausgeschlossen. Dennoch wollen Brand und Bar die erstarrten Fronten aufbrechen. Der Hintergrund war
  23. die bittere Erkenntnis beim Bau der Mauer, dass im Grunde alle vier Mächte mit dem Status Quo, das heißt mit der
  24. Mauer, mit der deutschen Teilung, mit der europäischen Teilung, mit der Teilung der Stadt einverstanden waren. Wir waren
  25. also gezwungen, unsere Interessen zu definieren. Bereits im Sommer 1963 überrascht Egon B die Teilnehmer einer Tagung mit dem Konzept
  26. einer neuen Ostpolitik. Seine Idee: Wandel durch Annäherung. Auf beiden Seiten sollen Ängste und Vorurteile behutsam abgebaut werden.
  27. Eine Politik der kleinen Schritte. Als Bundeskanzler wird Willi Brand das damals umstrittene Konzept seines Beraters zum wichtigsten
  28. außenpolitischen Ziel machen. Ende der 60er Jahre scheint die Zeit reif. Die hochgerüsteten Armeen der
  29. Supermächte bedrohen sich in Europa gegenseitig. Zugleich führen die USA einen zermürbenden Krieg in Vietnam. Eine Entspannung in Europa käme ihnen
  30. sehr entgegen. Ebenso der Sowjetunion, die in Grenzkonflikte mit dem mächtigen Nachbarn China verwickelt ist. Und das ist nicht das einzige große Problem der
  31. Sowjets. Sie waren ökonomisch die Schwächeren, sie waren technologisch die Schwächeren und sie waren deshalb eben auch, wenn
  32. man so will, militärische Schwächeren. Sie wussten sehr wohl, dass sie sich einen Krieg mit dem Westen nicht leisten konnten. Äh und äh natürlich wollten sie
  33. Imperium absichern und wenn sie vom Westen diese Absicherung bekämen, also ein Gewaltverzicht, ein ein
  34. Zustimmung des Westen zu den Grenzen, die nun mal bestanden, das war für sie auch einiges wert. Also denkt man im Moskauer
  35. Außenministerium über eine Annäherung an die Bundesrepublik nach. Valentin Fahin analysiert für Minister Andre Gromiko die Chancen. Selbst der Chef des
  36. Geheimdienstes KGB Juri Andropow will künftig lieber Brücken schlagen als springen. Dies Papier, diese Analyse erst mit
  37. Andropov besprochen. war sehr dafür und dann wurde das zum Gegenstand einer Erörterung in Palbüro und trotz mancher Einwände war diese
  38. neue Politik akzeptiert. Im Oktober 1968 sind Außenminister Willly Brand und sein Berater Egon Bar zu Gesprächen bei den Vereinten Nationen
  39. in New York. Wichtiger aber ist ein Treffen am Rande. Brand und sein sowjetischer Amtskollege Andre Romiko nutzen die Gelegenheit zu einem ersten
  40. Gespräch zum Thema Gewaltverzicht. Ein noch vorsichtiger, unverbindlicher Meinungsaustausch. Dann testeten wir zum ersten Mal
  41. in wie weit die bundesdeutsche Seite bereit ist statt Papier Krieg oder Papierdialog, egal wie wir das nennen, mit einem äh
  42. normalen menschlichen Dialog unter vier Augen oder mehreren Augen zu führen, um alle Schlüsselprobleme unserer Beziehungen
  43. an den Tisch zu legen und solche so besprächen und Wille Brand zeigte die Bereitschaft darüber Gedanken zu machen,
  44. aber er war nur Außenminister in dieser Kiesinger Regierung. In der großen Koalition mit der CDU CSU Kanzler Kurtgeo Kiesinger lässt sich
  45. eine neue Ostpolitik noch nicht realisieren. Doch Egon Bar schmiedet schon Pläne für eine künftige SPD Regierung.
  46. war war ja damals der Leiter der Grundsatzabteilung im Auswärtigen Amt und da ist das sicherlich vorbereitet worden und für jeden war klar, wenn es
  47. jetzt eine neue Regierung gibt, dann wird man ohne den die Bremse durch die Union wird man versuchen zu einem Arrangement zu kommen.
  48. Am Abend der Bundestagswahl 1969 präsentieren sich Willi Brand und Walter Schel als strahlende Sieger. ist damit jetzt die kleine Koalition besiegelt mit
  49. dem Hand und das heiß klein mit der Bildung einer soziallberalen Regierung unter einem Kanzler Brand und
  50. einem Außenminister Schel ist der Weg endlich frei für den Beginn einer neuen Ostpolitik. Die Konzepte dazu liegen längst fertig in Bars Schublade.
  51. Für den Strategen Egon Bar liegt der Schlüssel zu einer Verständigung mit den Staaten des Ostblocks, etwa mit der DDR und Polen, allein in Moskau. Eine
  52. deutschsowjetische Annäherung ist für Bar die wichtigste Grundlage. Uns war völlig klar,
  53. dass es völlig sinnlos ist, mit den Polen oder der DDR direkte Spräche zu wollen. Das waren ja Satelliten praktisch. Die
  54. waren gar nicht handlungsfähig allein, sondern die Handlungsfähigkeit und die Entscheidung, ob es geht oder nicht geht, war überhaupt nur zu erreichen
  55. zwischen B und Moskau. Der neue Staatssekretär Egon Bar entwirft im November 1969 einen Brief, in dem Brand, dem sowjetischen
  56. Ministerpräsidenten Alexei Kossigin vertrauliche Gespräche anbietet. Ziel ist der Abschluss eines Vertrages über gegenseitigen Gewaltverzicht.
  57. Bar fliegt in die USA, um Präsident Nixons Berater Henry Kissinger frühzeitig über die Absichten der Bundesregierung zu informieren.
  58. Der war sehr misstrauisch, kann man sich ja auch vorstellen und hat mir, na ja, man, wie man so sagt, ein Loch in Bauch gefragt,
  59. äh bis ich ihm gesagt habe, ich bin nicht hierhergekommen, um zu konsultieren, sondern ich bin hergekommen, um zu
  60. informieren. Es war ja zum ersten Mal, dass eine deutsche Regierung äh eigene Politik machte, sicherlich äh nicht hinter dem Rücken der Allien, immer mit
  61. Information, aber doch eigene Politik. Bei dieser Gelegenheit habe ich zum ersten Mal von der Existenz
  62. eines Back Channels, das heißt eines inoffiziellen Kanals erfahren zwischen Kissinger im Weißen Haus zum
  63. Kremmel an den Außenministerien vorbei und habe habe ihm äh gesagt, der Brand hat in Bonn
  64. an seinen Kollegen Kossigin, den Ministerpräsidenten, äh in Moskau einen Brief geschrieben, um ihn einen
  65. informellen Meinungsaustausch anzubieten, aber bisher keine Antwort bekommen. Zuerst kam der Brief an äh Kosigen, das
  66. war der Regierungschef, aber da die äh bei uns war etwas anders als in Deutschland. Regierungschef Kigen
  67. führte die Auslandsbezügen nicht und da sah er das vertrauliche also Gespräche schickte er sofort das nach Brechnevn schickte das sofort nach Andropow und
  68. sagte das ist vertraulich macht das. In Moskau sind die Verfechter der Entspannungspolitik erleichtert. Willy Brands Gesprächsangebot weckt Hoffnung
  69. auf eine friedliche Absicherung des sowjetischen Machtbereichs in Europa. Vorangetrieben wird diese Strategie vom starken Mann im Kremmel, dem
  70. Generalsekretär der KPDSU Leonid Brejenv und vom Geheimdienstchef mit Hang zur Diplomatie Juri Andropov. Von ihm stammt die Idee zu einem geheimen Kanal mit
  71. Bon. In der KGBzentrale gibt Andropov, Oberstleutnand Kivorkov und dem
  72. Journalisten Valeri Ledniev den Auftrag mit der Bundesregierung Kontakt aufzunehmen. Geworkov als Geheimdienstoffizier kann nur in Berlin
  73. tätig werden. Letnie fliegt weiter nach Bonn. Es ist heiligabend 1969. Egon Bar fährt noch einmal ins
  74. Kanzleramt. Ein sowjetischer Journalist ist ihm zu einem Gespräch angekündigt worden. Bar ist in Gedanken schon beim Schmücken des Weihnachtsbaums, als
  75. Valeri Letev mit einer kleinen Plastiktanne als präsent sein Büro betritt. Lif hat ihm also ein Bäumchen geschenkt
  76. und hat gesagt, also ich bin von der Zeitung und zwar äh will ich mit ihnen über die Politik sprechen. Der Bach hat gesagt, also wir haben nicht so viel
  77. Zeit, um die Politik zu sprechen, also äh fassen Sie kurz. Doch da erwähnt Letev den Brief Willy
  78. Brandz, indem er Kossigin vertrauliche Gespräche angeboten hat. Plötzlich war ich elektrisiert, weil er sagte, er hätte eine Mitteilung zu machen von
  79. Herrn Konzigin für den Bundeskanzler. Und zwar die Antwort heißt ja. Die sowjetische Seite ist bereit zu einem informellen Meinungsaustausch
  80. und ich war damals der Auffassung natürlich die Sowjetunion ist ein Staat der auf sich hält und Ordnung hält. Das heißt,
  81. das musste in der Tat von ganz oben kommen. So begann das, was man diesen Kanal genannt hat. Und dieser Kanal, ich nehme das gleich
  82. vorweg, hat fabelhaft gearbeitet. Wir gingen nach der Anweisungen von Brechennev, als wir zum ersten Mal
  83. fuhren, hat er gesagt, also was kann ich Ihnen raten? Also, wir haben sehr viel gelogen. Also jetzt keine Lüge mehr. kannst du nicht
  84. beantworten. Etwas schweige weiter nichts. Und wir haben so wir haben nie gelogen wegen zu ärgern wegen er zu uns. Wir
  85. haben immer offen gesprochen. Der Kern war hier ist ohne die Einschaltung von Protokoll,
  86. ohne die Einschaltung von Ämtern und Administrationen. Ein Weg der Vertrauenschaft, ein Weg auch des näheren Kennenlernens,
  87. denn das Bild der Sowjetunion ist geprägt von Klischees. Differenzierte Hintergrundinformationen fehlen. Unsere Kenntnis
  88. von Moskau war damals, heute muss man sagen, erschreckend,
  89. dürend. Das war ein geheimnisvolles Ganzes. Erst durch den Kanal
  90. haben wir einen Begriff davon bekommen, dass es selbstverständlich auch in Moskau unterschiedliche Auffassungen gab.
  91. Über die wahre Identität seines Kontaktmannes, des hohen KGBoffiziers Kevkov habe er damals nichts gewusst, erklärt Bar später.
  92. Es war völlig klar, der Kanal funktionierte zu der Spitze des Kremmel. Was dazwischen war,
  93. haben wir nicht gewusst. Es war uns auch völlig egal. Es funktionierte. Er sagte mir so, es war mir ganz egal,
  94. von wo du bist. Das wichtigste, dass ich sah, du machst das, was ich will, das was ich brauche, die Beziehungen, höchste Beziehungen zu
  95. zum Staatschef. Weiter brauchte ich nicht. Das war die Antwort von Bar. Westberlin Pücklerstraße 14. Die
  96. Dienstwilla des Berlin beauftragten Egon Bar, ist nun der heimliche Treffpunkt. Wir fuhren nach Deutschland fast in der Woche zwei, dreimal
  97. hin und zurück. Sogar manchmal zwei zweimal am Tag früher, morgen und zurück und wieder zurück.
  98. haben sehr viele Fragen gelöst, hatten viel zu lösen. Ja, die Informationen aus Bonn und Berlin
  99. landen in Moskau zunächst bei Andropov. Der KGBchef kontrolliert den Kanal und macht damit Außenpolitik. Ich brach die Information zu Andropov.
  100. Wir besprachen mit ihm, dann schickt er das zu Brechef und wenn Bresnev Fragen hatte, da hat er mich sofort telefonisch, da habe ich telefonisch ihn
  101. beantwortet. Im Außenministerium registriert man misstrauisch die Konkurrenz des KGB. Kromiko würde lieber mit den USA über
  102. die Lösung des Deutschlandproblems verhandeln. hat mir so mal gesagt Breev na ja du weißt Gröcke ist so erfahren, er ist so von
  103. seinen äh als her Außenminister ist geprägt und weiß vieles besser als wir, aber manchmal braucht man auch in ein
  104. bisschen in richtige Richtung zu leiten. In Berlin bleiben die konspirativen Treffen nicht unbemerkt. Auch das nicht
  105. eingeweihte CIA Büro hat die ständigen Besucher aus Moskau im Visier. Selbstverständlich war ja Berlin also ein Spionagenest
  106. par excellence. Und in dem Augenblick, indem die beiden Sowjetmenschen da in Westberlin auftauchten und sich da bewegen konnten,
  107. waren sie im Ziel Fern aller. Äh, da haben uns immer verfolgt zwei, drei Autos und das dauerte 5 Jahre und einmal habe
  108. ich Ergon gesagt, Ergon, was passiert? Ich bin dein Gast. äh wie lange kann das dauern? Und sie sie verfolgten das ganz offen, ganz offen, zuerst heimlich, dann
  109. ganz offen. Und ich bin dann zum regierenden Bürgermeister gegangen, das war damals Schütz und habe ihm gesagt, du
  110. sag doch mal den Alliierten Verbindungsoffizieren, sie sollen das abstellen. Die beiden sind jedenfalls
  111. a unter unserer Überwachung und b erwünscht. Das ist dann auch geschehen. [Musik] Drof hat gesagt, das Wichtigste, dass er
  112. dass ihre Gespräche geheim bleiben und äh natürlich alle Gespräche mit Ergon, mit äh Valeri zu dritt waren wir äh ich wusste, dass ich abgehört bin und wir
  113. sprachen immer Ergon war immer empört. Ich schaltet da also ein Radio ein, der sagte, ich kann nicht sprechen mit Radio zusammen. Ich sage, ergon muss man so
  114. sprechen? Ja, die haben keinen anderen Ausweg. Nicht nur neugierige Agenten aus dem Westen versuchen jahrelang die Gespräche
  115. des geheimen Kanals zu belauschen. Auch in der Ostberliner Stasiizentrale spekulieren Erich Milke und seine Agenten über die konspirativen
  116. Aktivitäten der sozialistischen Brüder. DR war nicht eingeschaltet zu deren Beunruhigung natürlich.
  117. Das musste dann erst der Gromiko machen, indem er ihn erzählte, was sie jetzt zu akzeptieren haben.
  118. Im Januar 1970, kurz nach Aufnahme der geheimen Kontakte, wird Egon Bar von Willi Brand offiziell nach Moskau geschickt. Er soll nun in vertraulichen
  119. Gesprächen mit dem sowjetischen Außenminister die Chancen für Verhandlungen über einen Gewaltverzicht sondieren.
  120. Ich bin der Auffassung, man sollte vor Verhandlungen keine Erklärungen abgeben und äh vor einem derartigen Meinungsaustausch in Moskau noch viel
  121. weniger. Ich ähm weiß, das werden schwierige, vielleicht sogar sehr schwierige Gespräche und ich
  122. hoffe, sie alle drücken die Daumen. Von Meinungsaustausch ist die Rede. Tatsächlich werden es Verhandlungen argwöhnisch beobachtet von der
  123. Opposition. In der CDU war man natürlich skeptisch allein deswegen, weil wir ja die Meinungen von Ego und Bart ziemlich
  124. genau kannten und wir Bedenken hatten, dass er auf diesem Wege der Annäherung
  125. der anderen Seite zu weit entgegenkommt. heißt, dass er möglicherweise Substanzen unserer Deutschland und Ostpolitik aufgeben würde. Wenn ich am Anfang
  126. gesagt hätte, sie müssen einverstanden sein, dass wir die deutsche Einheit wollen. Hätten die gesagt, das aber nett, fahren
  127. sie nach Hause. Viel Glück. Für beide Seiten steht großes auf dem Spiel.
  128. Bars Treffen mit Außenminister Gromiko wirken nach außen freundlich entspannt. Doch hinter verschlossenen Türen prallen die Vorstellungen heftig aufeinander.
  129. Gromigo besteht auf der völkerrechtlichen Anerkennung der DDR. Das aber würde den Anspruch der Bundesrepublik auf Wiedervereinigung zu
  130. nichte machen. Die Definition der Grenzen wird zum Hauptproblem. Über mehrere Monate feilschen beide
  131. Seiten um Formulierungen. Gromigo entpuppt sich als knallharter Verhandlungspartner. Nicht umsonst ist sein Spitzname Mr.
  132. Niet. Er versucht immer soweit es möglich aus erster seiner sozusagen Eingangsposition das beste größte rauszu
  133. rauszuholen. Gomiko sagte, solange wir uns nicht über die Grenzen geeinigt haben, haben wir uns über nichts geeinigt.
  134. Die Grenzen in Europa und zwar alle Grenzen in Europa, egal wer, wann, wo, wie sie gezogen worden sind, sollten unantastbar,
  135. unangreifbar, unverletzbar. Äh, das heißt für uns unakzeptabel
  136. gemacht werden, weil das der Sinn unserer ganzen Politik war, die Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR aufzuheben.
  137. Als der Frühling kommt, tüftelt Bar im Garten der deutschen Botschaft immer noch an neuen Vorschlägen für seine Treffen mit Gromiko und dessen
  138. Abteilungsleiter Valentin Fahin. Regelmäßig fährt Tricky Egon mit dem deutschen Botschafter Helmut Allad ins
  139. sowjetische Außenministerium. Auch wenn greifbare Ergebnisse auf sich warten lassen, wollen doch beide Seiten nicht aufgeben. Die Chance zur
  140. Entspannung in Europa steht auf dem Spiel. Bar ist im Hotel Ukraina abgestiegen. Frustriert von den zehn Verhandlungen
  141. berät sich dort mit seinen Kontaktleuten Keborkow und Ledjev. Auch Valentin Fahin, um Fortschritte bemüht, nimmt an den Erörderungen teil.
  142. Ihre Stimmungsberichte bieten Kremmelchef Brejen eine vertrauliche Alternative zu Grumikos Sicht der Dinge. Bar kam in der Nacht von der Gesprächen,
  143. da habe ich Valen angerufen, haben gesagt, Valentin, wir kommen zu dir oder du kommst zu und wir haben das besprochen, bevor
  144. unser Verhandlungschef Andre Grammücker etwas berichtete. Wir berichteten, ich persönlich und Georgov,
  145. wie es außerer Rahmen dieser offizieller Sitzungen am Tische erwählt worden war, besprochen worden
  146. war, welche Meinungen geäußert worden waren und Bri war so vorbereitet zu berichten von Andre Gramücke und konnte und wollte manchmal ihn ein
  147. bisschen korrigieren. Schließlich überreizt Gromiko das Spiel und selbst Bar verliert die Geduld.
  148. Gromiko bewegt sich dickhäutig wie ein Elefant und trampelt auf meinen Nerven, schreibt Bar später.
  149. Manchmal gab es sogar Sackgassen in unserem verheiligen Mittagenbar. Einmal hat sogar nach einem solchen Treffen,
  150. wo Gramücka mit seiner tiefer Stimme forderte, dies soll und jene soll geschehen als Notwendigkeit und es gibt keine andere Möglichkeit. formuliert.
  151. Ja. Äh hat B äh bestellt Flugzeug, der wollte nach Bonn fliegen. Als Bars Gesprächspartner Geworkov davon
  152. erfährt, informiert er umgehend seinen Chef. Andropov seinerseits schildert Brenjev die prikäre Situation. Egon Bar sitze schon auf seinen Koffern zur
  153. Abreise bereit. Das Scheitern der Verhandlungen stehe bevor. Sofort greift der Generalsekretär zum Telefon und stellt Außenminister Gromiko
  154. zur Rede. Bri sagt und ich habe Nachrichten bekommen, dass dass Ergon Bach also sehr enttäuscht ist.
  155. Er hat schlechte Nerven. Ja, im Gespräch mit Außenminister muss man gute Nerven haben. Ja. Äh, das muss man ihm sagen. Dann der sagt also äh Andrej, du musst
  156. also in Betracht ziehen. Du musst unbedingt diese Frage lösen. Und Gram ruft mich an. Sie sollen
  157. diesbeugen. [Musik] Bar darf nicht Moskau verlassen. Das ist, sagte mir Gramcka, Beschluss des
  158. Palitbüros. Ich sagte ich tue mein Bestes, aber war soer Mann, er wird so entscheiden, wie er entscheiden woll auf ihre Verantwortlichkeit
  159. Reaktion. Na ja, Gott sei Dank irgendwan nicht äh so wirklich bereit Moskau zu verlassen. Das war mehr eine Druckmethode seinerseits.
  160. Dann kommt es doch noch zur Sensation. Eine Definition zum Bestand der Grenzen wird gefunden. Der Vertrag ist perfekt. Lakonisch meldet Egon Bar nach Bonn.
  161. Geschafft. Telegram folgt. Und wir haben uns dann nach mühsamen Verhandlungen. Fahin hat dabei eine große Rolle und
  162. hilfreiche Rolle gespielt, weil er auch Gefühl für die deutsche Sprache natürlich hatte. Wir haben da allein miteinander
  163. lange und oft geredet, kamen wir zu dem Ergebnis, die Grenzen sollten in gegenseitigem Einfahrnehmen und nur in gegenseitigem
  164. Einvernehmen und friedlich veränderbar sein. Das war akzeptabel. Am 12. August 1970 wird der Vertrag in Moskau unterzeichnet.
  165. Bon erkennt damit die DDR-Grenze und die Oderise Linie als Westgrenze Polens an. Eine völkerrechtliche Anerkennung der DDR wird aber vermieden. In einem
  166. Zusatzschreiben beharrt die Regierung auf dem Recht des ganzen deutschen Volkes zur Einheit. Tricky Egons wichtigste Mission ist
  167. erfüllt. Er kann sehr wohl und konnte damals sozusagen von der Sowjetunion her
  168. denken, wie was haben die für Interessen, was haben die vielleicht für Wünsche, woher haben die für Ängste äh und
  169. wie kann ich wie kann ich meine Interessen so formulieren, dass es auch als ihre äh verstehen? Also, ich glaube, da kenne ich
  170. jedenfalls ähm meiner politischen Erfahrung niemanden, der das so gut kann wie der Egon Bar. Sie können wirklich stolz
  171. sein, dass solche Leute, solche Politiker in Dienste ihres Landes überhaupt gab, weil ein Lhrung zu schaffen, das ist das die leichteste
  172. Aufgabe. Aber aus Lik zu machen, dazu braucht man ein Talent. Jetzt ist ein weiteres Problem zu lösen. Der Sonderstatus der geteilten Stadt
  173. Berlin. Die drei Sektoren Westberlins liegen wie eine Insel mitten im Herrschaftsgebiet der DDR. Immer wieder gibt es Streit zwischen den früheren
  174. Alliierten über die Rechtsverhältnisse in der Stadt, über Besucherregelungen und über Störungen im Transitverkehr zur Bundesrepublik.
  175. Im März 1970 haben in Westberlin Verhandlungen der vier Siegermächte begonnen. Ihre Botschafter diskutieren vor allem die Zuständigkeit der vier
  176. Mächte für die gesamte Stadt. Die Sowjets gestehen dies nur für Westberlin zu. Die Verhandlungen stagnieren.
  177. Die Bundesregierung hat die Ratifizierung des Moskauer Vertrages vom positiven Abschluss der Berlengespräche abhängig gemacht. Obwohl nur die vier
  178. Siegermächte zuständig sind, schaltet sich Egon Bar heimlich ein. Im Kanzleramt trifft er sich mit den Sonderbeauftragten der Sowjetunion und
  179. der USA zu strengen vertraulichen Verhandlungen. Ich sage, ohne Übertreibung,
  180. ohne diesen funktionierenden Kanal wäre sehr fraglich gewesen, ob wir dann später das Viereabkommen überhaupt bekommen hätten, denn wir
  181. haben das Firmchteabkommen äh in Bonn verhandelt zwischen dem amischen Botschafter Ken Rush, der ein
  182. Beauftragter von Kissinger war und am State Department vorbei. Fallin das gleiche für die Sowjets und Bar das gleiche für die Deutschen.
  183. Kenr war sehr interessante amerikanische Botschafter. Er war kein Diplomat, er war ein ein Businessman und für ihn diese
  184. verschiedene diplomatische sozusagen äh Manöver waren relativ fremd. Er sagte, was er will. Ich erklärte ihm auf gleiche direkte Weise, was wir wollen
  185. und wir versuchten eine gemeinsame Basis aufzubauen, wie es weitergehen soll. Es war von uns zu dritt herabredet. Die Briten werden nicht informiert, die
  186. Franzosen werden nicht informiert und die DDR werden nicht informiert. Am Ende soll Valentin Fahin die DDR vorendete Tatsachen stellen
  187. und ich bekam Auftrag Ulbricht damit Vertrauen zu machen und ihn überzeugen, warum das nötig ist, warum das wichtig
  188. ist und so weiter. Dies Gespräch mit Ulbich dauerte vier oder 5 Stunden im Wandlitz und mein Auftrag war so formuliert von
  189. Gramm. Sie brauchen, wenn es nötig ist eine Woche oder zwei Wochen in West in Ostberlin zu bleiben, aber sie wir sowjetische Führung brauchen Akzeptanz
  190. der DDR. Weiter viele viele viele Worte waren ausgewechselt und dann sagte mir Ulbrich am Ende, bitte informieren Sie Genosse
  191. Breche von Gramüka wir die derführung sind damit einverstanden. So war freie Luft zum Franzosen Briten zu informieren. Ein
  192. weiteres Husarenstück. Am 3. September 1971 wird das vier Mächteabkommen über Berlin von den Botschaftern unterzeichnet.
  193. Moskau garantiert den freien Zugang und akzeptiert die faktische Zugehörigkeit Westberlins zur Bundesrepublik. Zugleich wird aber auch festgestellt, dass
  194. Westberlin rechtlich kein Bestandteil der Bundesrepublik ist. Ein Kompromiss, der in Bonn ausgehandelt wurde, ein weiterer Erfolg der Geheimdiplomatie.
  195. Sie Ende gut. Alles gut. Die neue Ostpolitik ist nicht nur in der Bevölkerung heiß umstritten, sondern
  196. auch in den Fraktionen im Bundestag. Mehrere Abgeordnete wechseln die Partei. Die knappe Mehrheit der SPD FDP Koalition brückelt. Ampel des
  197. Es ist richtig, dass ein nicht unerheblicher Teil der SPD Fraktion ebenfalls Bedenken hatten und teilweise ja auch ihre Position
  198. gewechselt haben, das heißt aus der SPD ausgeschieden sind oder mindestens ihre andere Position deutlich gemacht haben. Oppositionsführer Reiner Barzel will die
  199. Schwäche der Regierungskoalition nutzen und den Kanzler durch ein konstruktives Misstrauenswotum stürzen. Es geht um jede Stimme, das weiß man auch in
  200. Moskau. Als es um das Misstrauensvotum ging, äh wollten die Sowjets natürlich alles, was sich mit Geld machen lässt, mit Geld
  201. machen. Da gab es eine Idee von Bresnev, dass wir also das Geld geben, damit die die Partei, die richtige Partei gewinnt. Und das habe ich natürlich äh mit
  202. Entrüstung, aber höflich, aber klar abgelehnt und plötzlich als mein Freund in Bond
  203. war und ich in äh Westberlin saß, äh rief mich an der Vertreter von unser KGB Vertreter in Ostberlin verden und sagte, also ich habe eine Aufgabe. Komm zu mir.
  204. Ich kam zu ihm. Er gab mir eine Tasche voll mit Geld. Eine Million äh dort äh Dollar lag dort drin und er sagte, ich habe ein Befehl, du musst das abgeben.
  205. Dem Mann der was da passiert bis heute verstehe ich nicht. Die sowjetische Seite scheint die Bundesregierung zu ihrem Glück zwingen
  206. zu wollen. Kev setzt sich mit der eine Million Dollar Tasche nach Westberlin in Marsch und ruft von dort aus seinen Freund
  207. Valeri Ledniev in Bonn an. Er soll Egon Bar noch einmal Geld zum Kauf von Abgeordneten anbieten. Die Realität als Agentenroman.
  208. Valeri war in Berlin in in Bonn. Ich habe ihn angerufen, haben gesagt, also sagt ja, wir lösen diese Frage. ehrlich gesagt, er war sehr schwer
  209. betrunken und irgendwan beschwipst und äh da dachte ich, sie haben sich
  210. verabredet und er nimmt diese Million äh und das Geschäft wird abgeschlossen.
  211. Geduldig wartet Keborokov in Westberlin auf einen Anruf von Ledev mit näheren Anweisungen zur Geldübergabe. Endlich meldet er sich aus Bon mit Bars Antwort
  212. und die ist eindeutig. Ergon hat gesagt: "Nein, kein Geld, nichts geändert. Ich nehme kein Geld von ihnen." Und Schluss, wir kamen zurück.
  213. Glücklich gab diese Million zurück und ja, das war Schluss dieser Geschichte. Am 27. April 1972 wird über das Misstrauensvotum und damit auch über die
  214. Ostpolitik abgestimmt. Die Republik hält den Atem an. Am Ende fehlen Barzel zwei Stimmen zum Sieg. Die soziallberale Koalition bricht in Jubel aus.
  215. [Applaus] Willi Brand lässt sich feiern. Was er nicht weiß, zwei Abgeordnete der Opposition sind bestochen worden.
  216. Allerdings nicht mit Dollars aus Moskau, sondern mit DMark der DDR Staatssicherheit. [Applaus]
  217. Dann am 17. Mai 1972 schlägt die Stunde der Wahrheit. Der Bundestag entscheidet über die Ratifizierung des Moskauer Vertrages. Die Christdemokraten sind
  218. zerstritten in der Frage, ob sie nun doch zustimmen sollen. Schließlich setzt sich CSU Chef Franz Josef Strauß gegen Barzel durch. Die CDU CSU Fraktion
  219. enthält sich der Stimme. Für Reiner Barzel ist das politische Aus. Ja, das war letztenendes für die Fraktion
  220. die Notlösung in dem Zwiegpalt zu den Verträgen. Das heißt, auf der einen Seite sie nicht scheitern zu lassen, auf der anderen
  221. Seite aber dafür die Verantwortung nicht zu übernehmen. CDU hatte es mit etwas zu tun, was sie wie gesagt A nicht für möglich gehalten hatte und b auch nicht
  222. für wünschbar. Und sie stellte nun fest, dass da etwas gelungen war, was möglicherweise nicht mehr revidierbar war, dass neue
  223. politische Fakten geschaffen waren, mit denen sie leben musste. Es sind abgegeben worden uneingeschränkt stimmberechtigte Stimmen. 496
  224. davon mit ja 248 mit nein 10 Enthaltungen 238 damit ist dieser Vertrag des Ratifizierungsgesetz
  225. angenommen. [Musik] Es ist der Beginn einer neuen Era der Entspannung in Europa, der
  226. Verständigung. Ein Erfolg der neuen Ostpolitik und vor allem der Geheimdiplomatie. Die Geschichte hat Egon Bar recht
  227. gegeben. Der Schlüssel zur Lösung der deutschen Frage lag in Moskau von Brejenvchow. Der geheime Kanal hat mit der Schaffung
  228. gegenseitigen Vertrauens entscheidend dazu beigetragen, ein friedlicheres Miteinander zu schaffen. Heimlich und unauffällig, aber am Ende mit
  229. spektakulären Folgen. Natürlich hat diese Politik die Wirkung gehabt, dass nicht nur wir mehr von Moskau
  230. wussten oder erfuhren, sondern auch die Moskoviter von uns. Brev hat festgestellt, der Brand ist einer, der nicht jeden
  231. Morgen zum Frühstücken halben Kommunisten verspeisen will. Das ist ein interessanter Mann. Äh und das war mit Gorbatschow natürlich
  232. genau das gleiche. Das heißt, das Bild der Deutschen, in diesem Falle der Westdeutschen, hat sich selbstverständlich durch diese
  233. Ostpolitik so gewandelt, dass man noch viel später dann von einer strategischen Partnerschaft reden konnte.
  234. Ohne Moskauvertrag gäbe es keine Regelung aller Wahrscheinlichkeit zwischen der Bundesrepublik und Polen, zwischen der Bundesrepublik der
  235. Tschechoslowakei und manchen anderen Ländern. Und deswegen muss man diesen Vertrag als einer der wichtigsten Schritte in
  236. Entwicklung der ganzen europäischen und Weltsituation verstehen. Und ich hoffe und kann nur hoffen, dass es solche Kanäle bis heute gibt,
  237. denn die Welt ist sicherer, wenn die Leute an der Spitze wissen, dass sie dem anderen der Opposite Zeit vertrauen können. เฮ
  238. [Musik] [Musik]

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