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Der Gottesbegriff nach Auschwitz (Hans Jonas): Warum Gott in Auschwitz mitstirbt 🕯️

Berufskolleg to go I Allgemeinbildung7:49 695 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 54 Zeilen
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  1. Herzlich willkommen bei unserem Podcast Berufskolleg to go Allgemeinbildung. Heute geht es um das Thema Der Gottesbegriff nach Auschwitz des
  2. jüdischen Philosophen Hans Jonas. Puh, ich weiß, das ist ein wirklich schweres Thema, keine Frage. Aber es ist nicht nur absolut abiturrelevant, sondern es
  3. stellt eine der ganz großen grundlegenden Fragen des Lebens. Und gerade wenn ihr später mal in sozialen Berufen, im Gesundheitswesen oder auch
  4. in der Technik arbeitet, ihr werdet mit dem Leid von Menschen konfrontiert sein und genau dann steht diese eine Frage plötzlich mitten im Raum. Ja, genau die
  5. hier. Wie konnte Gott das zulassen? Das ist die Frage, die nach den Greuultaten von Auschwitz einfach unausweichlich wird. Sie trifft uns mitten ins Herz,
  6. sie fordert unseren Glauben heraus, egal wie fester ist. Und in der Philosophie, da hat dieses Riesenpremen Namen, die Theodfrage, also der Versuch irgendwie
  7. zu rechtfertigen, wie ein allmächtiger und guter Gott existieren kann, wenn die Welt doch voller Leid ist. Okay, bevor wir uns aber anschauen, was für eine
  8. sehr spezielle Antwort Hans Jonas darauf gefunden hat, müssen wir erstmal das logische Problem verstehen, das dahinter steckt. Man kann es sich wirklich
  9. vorstellen wie so ein unlösbares Rätsel, an dem sich Denker seit Jahrhunderten die Zähne ausbeißen. Schauen wir uns mal die eiskalte Logik dahinter an. Die
  10. klassische Theologie sagt, Gott hat drei Kerneigenschaften. Erstens, er ist allmächtig. Er kann also alles tun. Zweitens, er ist allwissend,
  11. er weiß also alles. Und drittens, er ist allgütig. Er will also nur das Beste für uns. So, wenn diese drei Punkte wirklich zutreffen, dürfte es Leid logischerweise
  12. gar nicht geben. Aber wir alle wissen, die Welt ist voller Leid. Das heißt, diese vier Aussagen hier können unmöglich alle gleichzeitig wahr sein.
  13. Und genau das ist diese Zerreißprobe der Kern des Theod Crblems. Der Philosoph Gesang, der zeigt, dass es im Grunde drei Hauptauswege aus diesem Dilemma
  14. gibt. Erstens, man versucht das Leid irgendwie zu rechtfertigen. Kennt ihr vielleicht so Sprüche wie: "Das ist eine Prüfung Gottes oder ohne Leid wüssten
  15. wir das Gute nicht zu schätzen." Zweitens, man passt eine der Eigenschaften Gottes an. Man sagt also, vielleicht ist er ja gar nicht
  16. allmächtig. Oder drittens, man verweigert die ganze Frage, sagt, das ist für uns Menschen einfach eine Nummer zu groß, das können wir nicht
  17. beantworten. Hans Jonas, und das ist jetzt das entscheidende, der wählt den zweiten Weg. Er passt das Gottesbild an und zwar radikal. Und warum macht er
  18. das? Tja, weil die ganze abstrakte Theorie an der brutalen Realität von Auschwitz einfach zerbricht. Und um das wirklich zu fühlen, nicht nur zu
  19. verstehen, müssen wir uns einer der erschütternsten Szenen der Weltliteratur stellen. Beschrieben von Eli Wiesel, einem Überlebenden von Auschwitz, in
  20. seinem Buch Die Nacht. Wiesel beschreibt da die öffentliche Hinrichtung eines kleinen Jungen. Weil der Junge so leicht ist, bricht ihm der Strick nicht das
  21. Genick. Er stirbt nicht sofort. Er kämpft qualvoll minutenlang zwischen Leben und Tod vor den Augen der versammelten Häftlinge, die gezwungen
  22. werden, dabei zuzusehen. Mitten in diesem unvorstellbaren Grauen, da stellt ein Mitgefangener die Frage aller Fragen, diesen Schrei der Menschheit: Wo
  23. ist denn Gott jetzt? Wo ist der Allmächtige, der gütige Beschützer in diesem einen furchtbaren Moment? Und das das ist die Antwort, die Eli Wiesel in
  24. sich selbst hört. Und das ist keine atheistische Ablehnung so nach dem Motto Gott ist tot. Nein, das ist eine radikale, eine erschütternde
  25. Neuinterpretation. Gott ist nicht irgendwo weit weg. Er ist auch kein passiver Zuschauer. Gott ist in diesem leidenden Kind. Gott
  26. stirbt mit den Unschuldigen an diesem Geigen. Genau diese Erfahrung, dieser unfassbare Gedanke, den nimmt der jüdische Philosoph Hans Jonas auf. Er
  27. sagt: "Nach Auschwitz können wir einfach nicht mehr so über Gott denken wie bisher. Es geht nicht." Und er stellt uns vor eine knallharte logische Wahl.
  28. Jonas sagt im Prinzip, wir können immer nur zwei von drei Dingen gleichzeitig über Gott glauben, dass er absolut gut ist, dass er absolut mächtig ist und
  29. dass wir ihn irgendwie verstehen können. Gehen wir es mal durch. Wenn Gott gut und allmächtig ist, dann ist sein Handeln für uns absolut unverständbar.
  30. Warum lässt er das Grauen zu? Keine Ahnung. Wenn er allmächtig und verstehbar ist, na ja, dann kann er nicht gut sein. Und wenn er, und das ist
  31. Jonas Punkt, wenn er gut und für uns irgendwie verstehbar sein soll, dann kann er nicht allmächtig sein. Die entscheidende Frage an uns alle lautet
  32. also, welches dieser Attribute sind wir bereit aufzugeben? Für Hans Jonas ist die Antwort darauf vollkommen eindeutig. An der Allgüte Gottes, an seiner
  33. grundsätzlichen Güte, daran kann und will er nicht rütteln. Und auch die Vorstellung, dass wir sein Handeln zumindest den Ansätzen verstehen können,
  34. ist für ihn fundamental. Also bleibt nur eine einzige logische Konsequenz. Das Attribut, das weichen muss, dass wir opfern müssen, ist die Allmacht. Und
  35. diese Entscheidung, die führt uns jetzt zu einem komplett neuen, ja, man kann schon sagen, fast revolutionären Gottesbild. Lasst uns mal schauen, wie
  36. das dann aussieht. Es ist nämlich das Bild eines Gottes, der uns vielleicht viel viel näher ist, als wir bisher dachten. Jonas spricht vom Sorgenden
  37. Gott. Das ist kein ferner Weltenlenker mehr, kein Zauberer, der mit einem Fingerschnippen alles wieder in Ordnung bringt. Nein, das ist ein Gott, der sich
  38. im Akt der Schöpfung selbst zurückgenommen hat. Er hat freiwürig auf seine totale Macht verzichtet, um uns Menschen überhaupt erst Freiheit zu
  39. geben. Er ist, so sagt Jonas, verwickelt in das Schicksal der Welt. Er hat sozusagen Haut im Spiel und das bedeutet, dieser Gott ist verletzlich.
  40. Er ist gefährdet, denn sein ganzer Plan, die Schöpfung, die kann durch unsere Freiheit ja auch komplett scheitern. Er ist abhängig und zwar von unserem
  41. Handeln, weil er uns die Verantwortung übergeben hat. Und vor allem, und das knüpft wieder an Elli Visell an, er ist leidend. Er leidet mit dem Kind am
  42. Galgen. Er leidet mit jedem Opfer von Gewalt und Ungerechtigkeit auf dieser Welt. So, jetzt die große Frage: Was heißt das
  43. jetzt konkret für uns vor euren Alltag, vor euren zukünftigen Beruf? Warum ist dieser Gedanke so wichtig? Weil sich dadurch einfach alles verschiebt, unsere
  44. ganze Perspektive. Also, erstens, wir können nicht mehr die Hände in den Schoß legen und auf ein Wunder von oben warten. Gott ist kein Lückenbüßer für
  45. unsere Probleme, die wir selbst lösen müssen. Zweitens, unsere Verantwortung wächst ins Unermessliche. Wir sind nicht mehr nur Geschöpfe, wir sind Partner
  46. Gottes. Wir sind diejenigen, die seine Schöpfung vollenden oder eben zerstören können. Das Leid ist der schreckliche, furchtbare Preis für unsere Freiheit.
  47. Aber und das ist gerade für euch in den sozialen und pflegenden Berufen vielleicht das Wichtigste, es kann auch Trost spenden. Der Gedanke im Leid nicht
  48. allein zu sein, dass da ein Gott ist, der mitfühlt, der mitleidet, das kann eine unheimliche Kraftquelle sein. Wir haben also einen weiten Weg zurückgelegt
  49. oder vom logischen, fast mathematischen Theodc Problem über die unvorstellbare Realität von Auschwitz hinzu Hans Jonas radikaler, aber vielleicht auch
  50. tröstlicher Antwort. Und so will ich euch mit dieser letzten Frage zum Nachdenken zurücklassen. Ein Gott, der auf die Hilfe des Menschen angewiesen
  51. ist, der unsere Verantwortung braucht, um seine Schöpfung zu einem guten Ende zu führen. Ist das noch der Gott, an den wir so gewöhnt sind? Ist das überhaupt
  52. noch Gott? Denkt mal über diese Frage nach. Schreibt eure Gedanken dazu doch gerne mal in die Kommentare. Das würde mich wirklich interessieren. Wenn euch
  53. dieser Einblick geholfen hat, dann lasst uns gerne einen Like da, abonniert unseren Kanal Berufskolleg to go Allgemeinbildung und ganz wichtig,
  54. aktiviert die Glocke, damit ihr unser nächstes Thema nicht verpasst. Vielen Dank fürs Zuhören.

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