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Der Gottesbegriff nach Auschwitz (Hans Jonas): Warum Gott in Auschwitz mitstirbt 🕯️
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 54 Zeilen
- Herzlich willkommen bei unserem Podcast Berufskolleg to go Allgemeinbildung. Heute geht es um das Thema Der Gottesbegriff nach Auschwitz des
- jüdischen Philosophen Hans Jonas. Puh, ich weiß, das ist ein wirklich schweres Thema, keine Frage. Aber es ist nicht nur absolut abiturrelevant, sondern es
- stellt eine der ganz großen grundlegenden Fragen des Lebens. Und gerade wenn ihr später mal in sozialen Berufen, im Gesundheitswesen oder auch
- in der Technik arbeitet, ihr werdet mit dem Leid von Menschen konfrontiert sein und genau dann steht diese eine Frage plötzlich mitten im Raum. Ja, genau die
- hier. Wie konnte Gott das zulassen? Das ist die Frage, die nach den Greuultaten von Auschwitz einfach unausweichlich wird. Sie trifft uns mitten ins Herz,
- sie fordert unseren Glauben heraus, egal wie fester ist. Und in der Philosophie, da hat dieses Riesenpremen Namen, die Theodfrage, also der Versuch irgendwie
- zu rechtfertigen, wie ein allmächtiger und guter Gott existieren kann, wenn die Welt doch voller Leid ist. Okay, bevor wir uns aber anschauen, was für eine
- sehr spezielle Antwort Hans Jonas darauf gefunden hat, müssen wir erstmal das logische Problem verstehen, das dahinter steckt. Man kann es sich wirklich
- vorstellen wie so ein unlösbares Rätsel, an dem sich Denker seit Jahrhunderten die Zähne ausbeißen. Schauen wir uns mal die eiskalte Logik dahinter an. Die
- klassische Theologie sagt, Gott hat drei Kerneigenschaften. Erstens, er ist allmächtig. Er kann also alles tun. Zweitens, er ist allwissend,
- er weiß also alles. Und drittens, er ist allgütig. Er will also nur das Beste für uns. So, wenn diese drei Punkte wirklich zutreffen, dürfte es Leid logischerweise
- gar nicht geben. Aber wir alle wissen, die Welt ist voller Leid. Das heißt, diese vier Aussagen hier können unmöglich alle gleichzeitig wahr sein.
- Und genau das ist diese Zerreißprobe der Kern des Theod Crblems. Der Philosoph Gesang, der zeigt, dass es im Grunde drei Hauptauswege aus diesem Dilemma
- gibt. Erstens, man versucht das Leid irgendwie zu rechtfertigen. Kennt ihr vielleicht so Sprüche wie: "Das ist eine Prüfung Gottes oder ohne Leid wüssten
- wir das Gute nicht zu schätzen." Zweitens, man passt eine der Eigenschaften Gottes an. Man sagt also, vielleicht ist er ja gar nicht
- allmächtig. Oder drittens, man verweigert die ganze Frage, sagt, das ist für uns Menschen einfach eine Nummer zu groß, das können wir nicht
- beantworten. Hans Jonas, und das ist jetzt das entscheidende, der wählt den zweiten Weg. Er passt das Gottesbild an und zwar radikal. Und warum macht er
- das? Tja, weil die ganze abstrakte Theorie an der brutalen Realität von Auschwitz einfach zerbricht. Und um das wirklich zu fühlen, nicht nur zu
- verstehen, müssen wir uns einer der erschütternsten Szenen der Weltliteratur stellen. Beschrieben von Eli Wiesel, einem Überlebenden von Auschwitz, in
- seinem Buch Die Nacht. Wiesel beschreibt da die öffentliche Hinrichtung eines kleinen Jungen. Weil der Junge so leicht ist, bricht ihm der Strick nicht das
- Genick. Er stirbt nicht sofort. Er kämpft qualvoll minutenlang zwischen Leben und Tod vor den Augen der versammelten Häftlinge, die gezwungen
- werden, dabei zuzusehen. Mitten in diesem unvorstellbaren Grauen, da stellt ein Mitgefangener die Frage aller Fragen, diesen Schrei der Menschheit: Wo
- ist denn Gott jetzt? Wo ist der Allmächtige, der gütige Beschützer in diesem einen furchtbaren Moment? Und das das ist die Antwort, die Eli Wiesel in
- sich selbst hört. Und das ist keine atheistische Ablehnung so nach dem Motto Gott ist tot. Nein, das ist eine radikale, eine erschütternde
- Neuinterpretation. Gott ist nicht irgendwo weit weg. Er ist auch kein passiver Zuschauer. Gott ist in diesem leidenden Kind. Gott
- stirbt mit den Unschuldigen an diesem Geigen. Genau diese Erfahrung, dieser unfassbare Gedanke, den nimmt der jüdische Philosoph Hans Jonas auf. Er
- sagt: "Nach Auschwitz können wir einfach nicht mehr so über Gott denken wie bisher. Es geht nicht." Und er stellt uns vor eine knallharte logische Wahl.
- Jonas sagt im Prinzip, wir können immer nur zwei von drei Dingen gleichzeitig über Gott glauben, dass er absolut gut ist, dass er absolut mächtig ist und
- dass wir ihn irgendwie verstehen können. Gehen wir es mal durch. Wenn Gott gut und allmächtig ist, dann ist sein Handeln für uns absolut unverständbar.
- Warum lässt er das Grauen zu? Keine Ahnung. Wenn er allmächtig und verstehbar ist, na ja, dann kann er nicht gut sein. Und wenn er, und das ist
- Jonas Punkt, wenn er gut und für uns irgendwie verstehbar sein soll, dann kann er nicht allmächtig sein. Die entscheidende Frage an uns alle lautet
- also, welches dieser Attribute sind wir bereit aufzugeben? Für Hans Jonas ist die Antwort darauf vollkommen eindeutig. An der Allgüte Gottes, an seiner
- grundsätzlichen Güte, daran kann und will er nicht rütteln. Und auch die Vorstellung, dass wir sein Handeln zumindest den Ansätzen verstehen können,
- ist für ihn fundamental. Also bleibt nur eine einzige logische Konsequenz. Das Attribut, das weichen muss, dass wir opfern müssen, ist die Allmacht. Und
- diese Entscheidung, die führt uns jetzt zu einem komplett neuen, ja, man kann schon sagen, fast revolutionären Gottesbild. Lasst uns mal schauen, wie
- das dann aussieht. Es ist nämlich das Bild eines Gottes, der uns vielleicht viel viel näher ist, als wir bisher dachten. Jonas spricht vom Sorgenden
- Gott. Das ist kein ferner Weltenlenker mehr, kein Zauberer, der mit einem Fingerschnippen alles wieder in Ordnung bringt. Nein, das ist ein Gott, der sich
- im Akt der Schöpfung selbst zurückgenommen hat. Er hat freiwürig auf seine totale Macht verzichtet, um uns Menschen überhaupt erst Freiheit zu
- geben. Er ist, so sagt Jonas, verwickelt in das Schicksal der Welt. Er hat sozusagen Haut im Spiel und das bedeutet, dieser Gott ist verletzlich.
- Er ist gefährdet, denn sein ganzer Plan, die Schöpfung, die kann durch unsere Freiheit ja auch komplett scheitern. Er ist abhängig und zwar von unserem
- Handeln, weil er uns die Verantwortung übergeben hat. Und vor allem, und das knüpft wieder an Elli Visell an, er ist leidend. Er leidet mit dem Kind am
- Galgen. Er leidet mit jedem Opfer von Gewalt und Ungerechtigkeit auf dieser Welt. So, jetzt die große Frage: Was heißt das
- jetzt konkret für uns vor euren Alltag, vor euren zukünftigen Beruf? Warum ist dieser Gedanke so wichtig? Weil sich dadurch einfach alles verschiebt, unsere
- ganze Perspektive. Also, erstens, wir können nicht mehr die Hände in den Schoß legen und auf ein Wunder von oben warten. Gott ist kein Lückenbüßer für
- unsere Probleme, die wir selbst lösen müssen. Zweitens, unsere Verantwortung wächst ins Unermessliche. Wir sind nicht mehr nur Geschöpfe, wir sind Partner
- Gottes. Wir sind diejenigen, die seine Schöpfung vollenden oder eben zerstören können. Das Leid ist der schreckliche, furchtbare Preis für unsere Freiheit.
- Aber und das ist gerade für euch in den sozialen und pflegenden Berufen vielleicht das Wichtigste, es kann auch Trost spenden. Der Gedanke im Leid nicht
- allein zu sein, dass da ein Gott ist, der mitfühlt, der mitleidet, das kann eine unheimliche Kraftquelle sein. Wir haben also einen weiten Weg zurückgelegt
- oder vom logischen, fast mathematischen Theodc Problem über die unvorstellbare Realität von Auschwitz hinzu Hans Jonas radikaler, aber vielleicht auch
- tröstlicher Antwort. Und so will ich euch mit dieser letzten Frage zum Nachdenken zurücklassen. Ein Gott, der auf die Hilfe des Menschen angewiesen
- ist, der unsere Verantwortung braucht, um seine Schöpfung zu einem guten Ende zu führen. Ist das noch der Gott, an den wir so gewöhnt sind? Ist das überhaupt
- noch Gott? Denkt mal über diese Frage nach. Schreibt eure Gedanken dazu doch gerne mal in die Kommentare. Das würde mich wirklich interessieren. Wenn euch
- dieser Einblick geholfen hat, dann lasst uns gerne einen Like da, abonniert unseren Kanal Berufskolleg to go Allgemeinbildung und ganz wichtig,
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Zum Nachlesen
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