Der Gottesbegriff nach Auschwitz (Hans Jonas): Warum Gott in Auschwitz mitstirbt 🕯️ Berufskolleg to go I Allgemeinbildung https://www.youtube.com/watch?v=pPU9hoNzRDg Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Herzlich willkommen bei unserem Podcast Berufskolleg to go Allgemeinbildung. Heute geht es um das Thema Der Gottesbegriff nach Auschwitz des 0:07 jüdischen Philosophen Hans Jonas. Puh, ich weiß, das ist ein wirklich schweres Thema, keine Frage. Aber es ist nicht nur absolut abiturrelevant, sondern es 0:15 stellt eine der ganz großen grundlegenden Fragen des Lebens. Und gerade wenn ihr später mal in sozialen Berufen, im Gesundheitswesen oder auch 0:23 in der Technik arbeitet, ihr werdet mit dem Leid von Menschen konfrontiert sein und genau dann steht diese eine Frage plötzlich mitten im Raum. Ja, genau die 0:32 hier. Wie konnte Gott das zulassen? Das ist die Frage, die nach den Greuultaten von Auschwitz einfach unausweichlich wird. Sie trifft uns mitten ins Herz, 0:41 sie fordert unseren Glauben heraus, egal wie fester ist. Und in der Philosophie, da hat dieses Riesenpremen Namen, die Theodfrage, also der Versuch irgendwie 0:51 zu rechtfertigen, wie ein allmächtiger und guter Gott existieren kann, wenn die Welt doch voller Leid ist. Okay, bevor wir uns aber anschauen, was für eine 1:00 sehr spezielle Antwort Hans Jonas darauf gefunden hat, müssen wir erstmal das logische Problem verstehen, das dahinter steckt. Man kann es sich wirklich 1:08 vorstellen wie so ein unlösbares Rätsel, an dem sich Denker seit Jahrhunderten die Zähne ausbeißen. Schauen wir uns mal die eiskalte Logik dahinter an. Die 1:17 klassische Theologie sagt, Gott hat drei Kerneigenschaften. Erstens, er ist allmächtig. Er kann also alles tun. Zweitens, er ist allwissend, 1:27 er weiß also alles. Und drittens, er ist allgütig. Er will also nur das Beste für uns. So, wenn diese drei Punkte wirklich zutreffen, dürfte es Leid logischerweise 1:37 gar nicht geben. Aber wir alle wissen, die Welt ist voller Leid. Das heißt, diese vier Aussagen hier können unmöglich alle gleichzeitig wahr sein. 1:47 Und genau das ist diese Zerreißprobe der Kern des Theod Crblems. Der Philosoph Gesang, der zeigt, dass es im Grunde drei Hauptauswege aus diesem Dilemma 1:57 gibt. Erstens, man versucht das Leid irgendwie zu rechtfertigen. Kennt ihr vielleicht so Sprüche wie: "Das ist eine Prüfung Gottes oder ohne Leid wüssten 2:05 wir das Gute nicht zu schätzen." Zweitens, man passt eine der Eigenschaften Gottes an. Man sagt also, vielleicht ist er ja gar nicht 2:12 allmächtig. Oder drittens, man verweigert die ganze Frage, sagt, das ist für uns Menschen einfach eine Nummer zu groß, das können wir nicht 2:18 beantworten. Hans Jonas, und das ist jetzt das entscheidende, der wählt den zweiten Weg. Er passt das Gottesbild an und zwar radikal. Und warum macht er 2:28 das? Tja, weil die ganze abstrakte Theorie an der brutalen Realität von Auschwitz einfach zerbricht. Und um das wirklich zu fühlen, nicht nur zu 2:37 verstehen, müssen wir uns einer der erschütternsten Szenen der Weltliteratur stellen. Beschrieben von Eli Wiesel, einem Überlebenden von Auschwitz, in 2:46 seinem Buch Die Nacht. Wiesel beschreibt da die öffentliche Hinrichtung eines kleinen Jungen. Weil der Junge so leicht ist, bricht ihm der Strick nicht das 2:54 Genick. Er stirbt nicht sofort. Er kämpft qualvoll minutenlang zwischen Leben und Tod vor den Augen der versammelten Häftlinge, die gezwungen 3:03 werden, dabei zuzusehen. Mitten in diesem unvorstellbaren Grauen, da stellt ein Mitgefangener die Frage aller Fragen, diesen Schrei der Menschheit: Wo 3:13 ist denn Gott jetzt? Wo ist der Allmächtige, der gütige Beschützer in diesem einen furchtbaren Moment? Und das das ist die Antwort, die Eli Wiesel in 3:22 sich selbst hört. Und das ist keine atheistische Ablehnung so nach dem Motto Gott ist tot. Nein, das ist eine radikale, eine erschütternde 3:32 Neuinterpretation. Gott ist nicht irgendwo weit weg. Er ist auch kein passiver Zuschauer. Gott ist in diesem leidenden Kind. Gott 3:43 stirbt mit den Unschuldigen an diesem Geigen. Genau diese Erfahrung, dieser unfassbare Gedanke, den nimmt der jüdische Philosoph Hans Jonas auf. Er 3:51 sagt: "Nach Auschwitz können wir einfach nicht mehr so über Gott denken wie bisher. Es geht nicht." Und er stellt uns vor eine knallharte logische Wahl. 4:01 Jonas sagt im Prinzip, wir können immer nur zwei von drei Dingen gleichzeitig über Gott glauben, dass er absolut gut ist, dass er absolut mächtig ist und 4:10 dass wir ihn irgendwie verstehen können. Gehen wir es mal durch. Wenn Gott gut und allmächtig ist, dann ist sein Handeln für uns absolut unverständbar. 4:20 Warum lässt er das Grauen zu? Keine Ahnung. Wenn er allmächtig und verstehbar ist, na ja, dann kann er nicht gut sein. Und wenn er, und das ist 4:28 Jonas Punkt, wenn er gut und für uns irgendwie verstehbar sein soll, dann kann er nicht allmächtig sein. Die entscheidende Frage an uns alle lautet 4:36 also, welches dieser Attribute sind wir bereit aufzugeben? Für Hans Jonas ist die Antwort darauf vollkommen eindeutig. An der Allgüte Gottes, an seiner 4:45 grundsätzlichen Güte, daran kann und will er nicht rütteln. Und auch die Vorstellung, dass wir sein Handeln zumindest den Ansätzen verstehen können, 4:52 ist für ihn fundamental. Also bleibt nur eine einzige logische Konsequenz. Das Attribut, das weichen muss, dass wir opfern müssen, ist die Allmacht. Und 5:02 diese Entscheidung, die führt uns jetzt zu einem komplett neuen, ja, man kann schon sagen, fast revolutionären Gottesbild. Lasst uns mal schauen, wie 5:11 das dann aussieht. Es ist nämlich das Bild eines Gottes, der uns vielleicht viel viel näher ist, als wir bisher dachten. Jonas spricht vom Sorgenden 5:19 Gott. Das ist kein ferner Weltenlenker mehr, kein Zauberer, der mit einem Fingerschnippen alles wieder in Ordnung bringt. Nein, das ist ein Gott, der sich 5:27 im Akt der Schöpfung selbst zurückgenommen hat. Er hat freiwürig auf seine totale Macht verzichtet, um uns Menschen überhaupt erst Freiheit zu 5:35 geben. Er ist, so sagt Jonas, verwickelt in das Schicksal der Welt. Er hat sozusagen Haut im Spiel und das bedeutet, dieser Gott ist verletzlich. 5:46 Er ist gefährdet, denn sein ganzer Plan, die Schöpfung, die kann durch unsere Freiheit ja auch komplett scheitern. Er ist abhängig und zwar von unserem 5:56 Handeln, weil er uns die Verantwortung übergeben hat. Und vor allem, und das knüpft wieder an Elli Visell an, er ist leidend. Er leidet mit dem Kind am 6:05 Galgen. Er leidet mit jedem Opfer von Gewalt und Ungerechtigkeit auf dieser Welt. So, jetzt die große Frage: Was heißt das 6:13 jetzt konkret für uns vor euren Alltag, vor euren zukünftigen Beruf? Warum ist dieser Gedanke so wichtig? Weil sich dadurch einfach alles verschiebt, unsere 6:21 ganze Perspektive. Also, erstens, wir können nicht mehr die Hände in den Schoß legen und auf ein Wunder von oben warten. Gott ist kein Lückenbüßer für 6:30 unsere Probleme, die wir selbst lösen müssen. Zweitens, unsere Verantwortung wächst ins Unermessliche. Wir sind nicht mehr nur Geschöpfe, wir sind Partner 6:38 Gottes. Wir sind diejenigen, die seine Schöpfung vollenden oder eben zerstören können. Das Leid ist der schreckliche, furchtbare Preis für unsere Freiheit. 6:46 Aber und das ist gerade für euch in den sozialen und pflegenden Berufen vielleicht das Wichtigste, es kann auch Trost spenden. Der Gedanke im Leid nicht 6:54 allein zu sein, dass da ein Gott ist, der mitfühlt, der mitleidet, das kann eine unheimliche Kraftquelle sein. Wir haben also einen weiten Weg zurückgelegt 7:02 oder vom logischen, fast mathematischen Theodc Problem über die unvorstellbare Realität von Auschwitz hinzu Hans Jonas radikaler, aber vielleicht auch 7:12 tröstlicher Antwort. Und so will ich euch mit dieser letzten Frage zum Nachdenken zurücklassen. Ein Gott, der auf die Hilfe des Menschen angewiesen 7:19 ist, der unsere Verantwortung braucht, um seine Schöpfung zu einem guten Ende zu führen. Ist das noch der Gott, an den wir so gewöhnt sind? Ist das überhaupt 7:27 noch Gott? Denkt mal über diese Frage nach. Schreibt eure Gedanken dazu doch gerne mal in die Kommentare. Das würde mich wirklich interessieren. Wenn euch 7:35 dieser Einblick geholfen hat, dann lasst uns gerne einen Like da, abonniert unseren Kanal Berufskolleg to go Allgemeinbildung und ganz wichtig, 7:41 aktiviert die Glocke, damit ihr unser nächstes Thema nicht verpasst. Vielen Dank fürs Zuhören.