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Literaturgeschichte: Die Aufklärung | STARK erklärt

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  1. Nein, die Epoche der Aufklärung hat nichts mit Bienen und Blüten zu tun! Vielmehr findet eine Erleuchtung der Menschen statt, wie es der englische Begriff Enlightenment zum Ausdruck
  2. bringt. Also Licht an! Wir erklären dir, was du zu dieser literarischen Epoche wissen musst! Die Aufklärung lässt sich ungefähr von 1720 bis 1785 datieren. Mit dieser Epoche vollzieht sich
  3. ein bedeutender Schritt in unsere moderne Welt. Insbesondere nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg begannen die Menschen, den Einfluss der Könige,
  4. Fürsten und Kirchen kritisch zu hinterfragen. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 1776 und die Französische Revolution 1789 mit ihrer Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte sind
  5. ein Resultat der Aufklärung und Ausdruck des neuen selbstbewussten Bürgertums. Aus Sicht der Aufklärung sollte der Mensch die Welt mit seinem eigenen Verstand wahrnehmen,
  6. jeder galt als autonomes Individuum, das das Wahre und Richtige selbstständig erkennen kann. „Sāpéré āūdé! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, lautete das Motto,
  7. das Kant formuliert hat. Vereinfacht: Man soll sich nicht aus Bequemlichkeit auf die Meinung anderer verlassen, sondern den eigenen Kopf benutzen und Kritik üben!
  8. Das sei die Aufgabe jedes Einzelnen, nur so könne die Menschheit Fortschritte erzielen! Die Wissenschaft und die Philosophie verpflichteten sich auf die Methoden
  9. des Rationalismus und der Empirie: Alle Erkenntnisse sollten nur noch von der Vernunft und den Sinneserfahrungen abgeleitet werden – nicht mehr von
  10. Gott oder veralteten Weltbildern. Denker wie Descartes, Locke, Voltaire, Hume und Rousseau entwickelten auf dieser Grundlage ihre einflussreichen Ideen und politischen Theorien.
  11. Die Literatur sollte bei ihren Lesern vernünftiges Handeln fördern - sie war damit Mittel der Bildung und Erziehung. Die Sprache musste deshalb klar und verständlich sein,
  12. vom barocken Schwulst wollte man nichts mehr wissen. Es entstanden sogenannte Poetiken, also genaue Anleitungen für Schriftsteller, wie man vernünftig schreibt.
  13. Die aufklärerische Literatur war in allen Gattungen tätig. Im Bildungsroman wird das Individuum in seiner Entwicklung gezeigt – in Wielands Geschichte des Agathon zum
  14. Beispiel. In Fabeln – etwa von Gellert – sind Tiere die handelnden Personen, die moralische Belehrung steht im Vordergrund. In Lehrgedichten wurden teilweise sogar naturwissenschaftliche
  15. Erkenntnisse dargestellt. Die wichtigste Gattung der Aufklärung war aber das Drama. Gotthold Ephraim Lessing hat das bürgerliche Trauerspiel erfunden: Erstmals machte er
  16. Bürger zu Protagonisten in einer Tragödie – das war bis dahin nur Adeligen vorbehalten, nur sie hielt man für würdig. Bei Lessing – zum Beispiel in Emilia Galotti – trifft das
  17. Bürgertum mit seinen moralischen Werten auf die von Machthunger und Korruption verdorbene Adelsgesellschaft. Oft ist die Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher Stände die
  18. treibende Kraft, gegen gültige Konventionen und Beschränkungen aufzubegehren – meistens endet das tragisch! Solche Geschichten sollten beim Zuschauer eine Reinigung
  19. von Emotionen und tugendhaftes Verhalten bewirken – so zumindest die Hoffnung… Lessings Ideendrama Nathan der Weise dreht sich um Humanität. Darin macht der Protagonist Nathan mit
  20. der sogenannten Ringparabel die Gleichberechtigung der drei großen monotheistischen Weltreligionen deutlich. Und Toleranz gegenüber Andersdenkenden sei auch deswegen wichtig,
  21. weil dem eigenen Verstand Grenzen gesetzt sind – ein ziemlich moderner Gedanke, oder? Nicht nur Lessings Nathan hat uns heute noch etwas zu sagen. Die Aufklärung ist
  22. mehr als eine literarische Epoche, sie ist ein geistesgeschichtliches Zeitalter, das gewaltige Auswirkungen auf den geschichtlichen Verlauf hatte. Ohne
  23. die Errungenschaften der Aufklärung wäre unsere heutige Zeit undenkbar! So, jetzt nochmal zusammengefasst:
  24. Die literarische Aufklärung dauerte etwa von 1720 bis 1785. In dieser Epoche begann man, die Macht des Adels und der Kirche kritisch zu hinterfragen. Im Mittelpunkt stand der Mensch,
  25. der die Welt mit seinem Verstand und durch wissenschaftliche Methoden wahrnehmen und verbessern sollte. Die Literatur wollte den Leser bilden und ihn zu vernünftigem und moralischem
  26. Handeln anleiten. Wichtige Gattungen waren der Bildungsroman, die Fabel, das Lehrgedicht und das Drama. Lessing machte mit seinen bürgerlichen Trauerspielen erstmals Bürger zu Tragödienfiguren.

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