Feuerbachs Religionskritik | EINFACH ERKLÄRT StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! https://www.youtube.com/watch?v=EeMJQuG9mcM Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Hey, mal ganz ehrlich, was wenn das mit Gott alles nur erfunden ist? Das ist eine der provokantesten Fragen überhaupt. Eine, die wirklich alles auf 0:08 den Kopf stellt, was viele über Religion glauben. Und genau dieser krassen Idee gehen wir heute mal auf den Grund. Gibt es also einen Gott oder haben wir 0:16 Menschen ihn uns einfach nur ausgedacht? Genau diese Frage hat sich schon im 19. Jahrhundert ein Philosophellt, Ludwig Feuerbach. Und seine Antwort, boah, die 0:26 war so radikal, dass sie das Denken von Giganten wie Karl Marx, Friedrich Nietzsche und sogar Sigmund Freud für immer geprägt hat. Also schauen wir uns 0:35 das mal genauer an. Feuerbach hat nämlich nicht nur so ein bisschen an der Religion gezweifelt. Nee, nee, er hat das ganze Ding, wirklich alles einmal 0:44 komplett umgedreht. Du kennst doch bestimmt diesen berühmten Satz aus der Bibel, oder? Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Tja, und Feuerbach 0:53 sagt dazu: "Pustekuchen, völliger Quatsch." Er dreht den Spieß einfach um 180° und behauptet: Leute, es ist genau anders herum. Nicht Gott hat uns 1:03 gemacht, sondern wir haben Gott gemacht und zwar nach unserem Bild. Das ist schon eine Ansage, oder? Und genau dieser Gedanke ist der absolute Kern 1:12 seiner ganzen Theorie. Feuerbach meint, Götter sind im Grunde nichts anderes als unsere eigenen Wünsche. Also die ganz tiefen Sehnsüchte, die wir haben und die 1:23 malen wir uns dann einfach als echte Wesen aus. Stell dir vor, alles was du gerne wärst, aber nicht sein kannst, unendlich, perfekt, allmächtig, genau 1:33 das packen wir alles zusammen und nennen es Gott. Okay, aber wer war dieser Typ eigentlich, der damals mit so einer Idee für einen Riesenskandal gesorgt hat? 1:42 Schauen wir uns den Feuerbach mal kurz an. Also Feuerbach, der startete eigentlich total vielversprechend als Philosophiedozent, aber dann 1830 macht 1:51 er was Verrücktes. Er veröffentlicht anonym eine religionskritische Schrift. Tja, und das war's dann auch schon mit seiner Unikarriere. Zack, rausgeflogen. 2:00 Aber hat er aufgegeben? Nö. 1841 haut er sein Hauptwerk raus, das Wesen des Christentums, und wird damit auf einen Schlag berühmt. Und sein Einfluss 2:10 gigantisch, wie wir ja schon gehört haben. Okay, okay, klingt ja alles spannend, aber wie genau soll das denn bitte funktionieren? Ich meine, wie 2:19 kommen wir darauf, unsere Wünsche einfach so an den Himmel zu projizieren? Tja, dafür hat Feuerbrach eine ziemlich clevere Erklärung. Das Ganze nennt sich 2:29 die Projektionstheorie und die Idee dahinter ist eigentlich total einfach. Stell dir vor, Gott gibt's nicht wirklich, also nicht da draußen, 2:37 irgendwo im Himmel. Er ist eine reine Kapfgeburt, eine mentale Konstruktion. Wir Menschen nehmen sozusagen unsere besten Eigenschaften, unsere geheimsten 2:45 Wünsche, unser Ideal Ich und beamen das alles auf ein ausgedachtes Wesen. Und deshalb ist für Feuerbach die Theologie, also die Lehre von Gott, in Wahrheit 2:55 nichts anderes als Psychologie. Die Lehre von uns selbst. Das ist im Prinzip wie ein Spiegelbild, nur umgeklärt. Schauen wir hier. Wir Menschen, wir sind 3:05 endlich sterblich. Also erfinden wir einen Gott, der klar unendlich ist. Wir sind unvollkommen, machen Fehler, also muss Gott perfekt sein. Wir fühlen uns 3:15 oft machtlos, Gott allmächtig. Wir sehen uns als sündhaft, also muss Gott heilig sein. Du siehst das Muster, oder? Jede unserer Schwächen wird umgedreht und zur 3:26 perfekten Eigenschaft von Gott. Und genau darum geht's im Kern. Religion ist für Feuerbach quasi ein Kompensationsgeschäft, ein Versuch, 3:35 unsere eigenen Mängel und Schwächen auszugleichen. Wir basteln uns ein perfektes Wesen, zu dem wir aufschauen können und das macht es irgendwie 3:42 erträglicher, selbst nicht perfekt zu sein. Okay, jetzt könnte man denken, Feuerbach wollte einfach nur die Religion kaputt machen, oder? Aber nee, 3:51 so einfach ist es nicht. Er hatte ein viel viel größeres Ziel. Für ihn war Religion sowas wie eine Art Kindheitsphase der Menschheit und sein 3:59 Ziel war, dass wir erwachsen werden, uns emanzipieren. Er sagt: "In dem Moment, wo wir kapieren, dass Gott nur eine Projektion ist, hören wir auf uns selbst 4:08 fremd zu sein. Wir holen unsere ganzen tollen Eigenschaften, Liebe, Gerechtigkeit, der Wunsch nach Glück, die wir in den Himmel projiziert haben, 4:16 wieder zurück auf die Erde. Wir erkennen, hey, das sind unsere Werte." Und erst dann können wir anfangen, wirklich Verantwortung für unser Leben 4:24 hier und jetzt zu übernehmen. Und das bringt uns zu seinem wohlberühmtesten Satz Homoomine Deus est heißt übersetzt: "Der Mensch ist dem Menschen ein Gott." 4:35 Was er damit meint? Ganz einfach. Wir sollen aufhören zu irgendeinem Wesen in Himmel aufzuschauen. Stattdessen sollten wir anfangen, uns gegenseitig als das 4:44 Wichtigste anzusehen. Wir sollen füreinander da sein. Im Grunde weg von der Gottesliebe hin zur Menschenliebe. Puh, das klingt jetzt alles ziemlich 4:54 schlüssig und rund, oder? Aber die Sache hat natürlich einen Haken. Feuerbachs Theorie ist nämlich auch nicht perfekt und es gibt ein paar echt gute 5:03 Gegenargumente, die wir uns jetzt mal anschauen müssen. Also, die drei Hauptkritikpunkte sind diese. Erstens, seine ganze Kritik ist superstart auf 5:12 das Christentum zugeschnitten. Bei Religionen wie dem Buddhismus, wo es gar nicht um so einen Gott geht, der Wünsche erfüllt, funktioniert das Ganze schon 5:19 nicht mehr so gut. Zweitens, was ist mit den strafenden zornigen Göttern? Ich meine, wer wünscht sich denn freiwillig einen Gott, der einen bestraft? Das 5:27 erklärt seine Theorie nicht wirklich. Und drittens, und das ist vielleicht der wichtigste Punkt, rein logisch hat seine Argumentation eine Schwachstelle. Ein 5:36 anderer Philosoph Eduard von Hartmann hat das mal perfekt auf den Punkt gebracht. Er sagte sinngemäß: "Klar, nur weil wir uns etwas wünschen, heißt das 5:46 noch lange nicht, dass es das auch wirklich gibt. Aber und jetzt kommt's, es heißt eben auch nicht, dass es das nicht geben kann, nur weil wir es uns 5:55 wünschen." Verstehst du? Das ist der Denkfehler. Feuerbachs Argument beweist am Ende gar nichts. Weder es Gott gibt, noch dass es ihn nicht gibt. Tja, und 6:04 damit sind wir wieder ganz am Anfang. Und die Frage gebe ich jetzt direkt an dich weiter. Was hältst du von der ganzen Sache? Ist Gott am Ende wirklich 6:12 nur eine riesige Projektion all unserer Wünsche und Hoffnungen oder steckt da doch mehr dahinter? Die Antwort, die musst du am Ende für dich selbst finden.