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Opium fürs Volk - Religionskritik bei Marx | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 5:09 654 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 34 Zeilen
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  1. Das hier, das ist eines der berühmtesten Zitate der Welt und die Chancen stehen echt gut, dass du es bisher komplett falsch verstanden hast. Lass uns das mal
  2. aufdröseln und schauen, was Karl Marx damit wirklich gemeint hat. Okay, hier ist er, der Satz: Religion ist das Opium des Volkes. Bum. Man hört das und denkt
  3. sofort an, na ja, an knallharten Atheismus, an Religionsverbot. Gesagt hat ihm Karl Marx mitten im 19. Jahrhundert.
  4. Das klingt erstmal wie eine totale Kampfansage an alle gläubigen Menschen, oder? Aber Achtung, hier kommt der Twist. Marx wollte damit gar nicht in
  5. erster Linie die Religion angreifen. Er hatte etwas ganz ganz anderes im Visier. Um das zu kapieren, müssen wir die Welt mal kurz durch die Augen von Mark sehen.
  6. Er nannte sie die verkehrte Welt und seine Religionskritik war eigentlich, na ja, Gesellschaftskritik in Verkleidung. Dafür müssen wir aber einen winzigen
  7. Schritt zurückgehen und zwar zu seinem Vordenker Ludwig Feuerbach. Der hat nämlich quasi die Vorlage geliefert, die Marx dann genommen und ja einmal
  8. komplett auf den Kopf gestellt hat. So und hier seht ihr den Knackpunkt. Für Feuerbach war die Sache noch recht persönlich. Du als einzelner Mensch hast
  9. Wünsche, hast Ängste und daraus bastelst du dir dann deinen Gott. Marx sagt aber halt stopp. Falscher Ansatz. Es ist nicht das Individuum, es ist die ganze
  10. kaputte Gesellschaft, die Religion hervorbringt, weil sie voller Ungerechtigkeit und Leid steckt. Und da haben wir sie, seine verkehrte Welt,
  11. eine Gesellschaft, die für ihn einfach falsch herumlief. Die Arbeiter im Industriezeitalter lebten im Elend, wurden ausgebeutet, hatten null
  12. Perspektive und genau aus diesem sozialen Elend so Marx entsteht Religion. Sie ist für ihn also nur ein Symptom, nicht die Ursache des Problems.
  13. Und damit kommen wir zurück zum Opium. Um zu verstehen, warum er genau dieses Wort gewählt hat, müssen wir mal kurz schauen, was Opium damals eigentlich
  14. war. Das ist nämlich der absolute Schlüssel. Im 19. Jahrhundert war Opium nicht einfach nur eine Rauschdroge. Es war vor allem ein weit verbreitetes und
  15. oft das einzige verfügbare Schmerzmittel. Es hat also echtes körperliches Leid gelindert, aber gleichzeitig die Sinne vernebelt und die
  16. Wahrnehmung der Realität verzerrt. Und genau diese Doppelfunktion sah Marx in der Religion. Auf der einen Seite ist sie der ehrliche Seufzer der bedrängten
  17. Kreatur, also ein echter Ausdruck von Leid und der Wunsch nach Trost. Auf der anderen Seite wirkt sie eben betäubend. Sie vertröstet die Menschen auf ein
  18. besseres Leben nach dem Tod und hält sie so davon ab, ihre miesen Lebensumstände hier und jetzt zu verändern. Der entscheidende Punkt ist also für Marx
  19. ist Religion wie ein Schmerzmittel. Es macht das Leid erträglicher, ja, aber es heilt nicht die eigentliche Krankheit und die Krankheit war für ihn die
  20. ungerechte kapitalistische Gesellschaft. Okay, wenn Religion also nur das Schmerzmittel ist, was war dann Marxherapie für die eigentliche
  21. Krankheit? Sein Plan war radikal, aber aus seiner Sicht die einzig logische Konsequenz. Und dieser Satz hier, der bringt seine
  22. ganze Haltung perfekt auf den Punkt. Marx wollte nicht nur rumsitzen und die Welt analysieren, er wollte sie aktiv umkrempeln. Reden allein reicht nicht,
  23. es muss gehandelt werden. Sein Plan war im Grunde eine dreistufige Therapie. Erstens, aufwachen und kapieren, dass der Glaube nur ein Trostpflaster ist.
  24. Zweitens, nicht gegen die Religion kämpfen, sondern gegen die Ausbeutung, die das Leid verursacht. Und drittens, das große Ziel: Gesellschaft erschaffen,
  25. die so gerecht ist, dass niemand mehr ein solches Trostpflaster braucht. Und das ist die wichtigste Erkenntnis aus der ganzen Sache. Marx wollte Religion
  26. nicht verbieten, anders als es viele kommunistische Staaten später getan haben. Er war überzeugt, dass Religion von ganz alleine verschwinden würde,
  27. wenn die Menschen in einer fairen und menschlichen Welt leben. Sie wäre dann schlicht nicht mehr nötig. Aber ist diese Theorie aufgegangen? Natürlich
  28. gibt es auch eine Menge Kritik an Marxi Ideen und die müssen wir uns fairerweise jetzt auch ansehen. Kritiker bringen hier einige starke Punkte. Erstens, die
  29. Geschichte hat gezeigt, dass Religion selbst in offiziell atheistischen Staaten wie der Sowjetunion nicht einfach verschwunden ist, sondern oft im
  30. Untergrund weiterlebte. Zweitens, Marx reduziert Leid fast nur auf soziale Ungerechtigkeit. Aber was ist mit Krankheit, Verlust oder der Angst vor
  31. dem Tod? Das sind Nöte, die es in jeder Gesellschaft gibt. Und drittens, glaube kann, anders als Marx dachte, auch eine extrem motivierende Kraft sein, die
  32. Menschen dazu antreibt, für Gerechtigkeit zu kämpfen, anstatt sie davon abzuhalten. So, und jetzt die Frage an dich. Wenn wir Marx Idee mal
  33. auf heute übertragen, was sind unsere modernen Opiumdrogen? Was lenkt uns vielleicht davon ab, die wirklich großen Probleme unserer Zeit anzugehen? Konsum,
  34. Social Media, Netflix Binch Watching. Schreibt deine Gedanken mal in die Kommentare. ist eine extrem spannende Frage.

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