Mathematik · Klasse 12 · aktualisiert
Verteilungsfunktion: Wahrscheinlichkeiten berechnen
Die Verteilungsfunktion sammelt Wahrscheinlichkeiten bis zu einer Stelle. Du lernst, sie aufzustellen, zu deuten und Bereiche damit zu berechnen.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Die Verteilungsfunktion einer Zufallsvariablen X ist F(x)=P(X\le x): Sie gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit X höchstens den Wert x annimmt. Damit berechnest du Bereiche wie P(a\lt X\le b)=F(b)-F(a) und P(X>b)=1-F(b). Beim fairen Würfel ist F(4)=\frac46=\frac23.
Die Verteilungsfunktion beantwortet für jeden Wert x die Frage: „Wie wahrscheinlich ist es, dass die Zufallsvariable X höchstens x beträgt?“ Kurz: F(x)=P(X\le x) Sie sammelt also alle Wahrscheinlichkeiten links von x einschließlich der Stelle x. Auf dieser Seite lernst du, Verteilungsfunktionen zu lesen, selbst aufzustellen und damit Wahrscheinlichkeiten zu berechnen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir vor, X ist die Augenzahl eines fairen Würfels. Dann bedeutet F(4)=P(X\le 4). Gesucht sind die Ergebnisse 1, 2, 3 und 4. Weil jede Augenzahl die Wahrscheinlichkeit \frac16 hat, gilt: F(4)=\frac16+\frac16+\frac16+\frac16=\frac46=\frac23. Die Schreibweise hilft beim Übersetzen: höchstens x, maximal x oder nicht mehr als x bedeutet X\le x und damit F(x). Mehr als x bedeutet X>x und damit 1-F(x). Genau x bedeutet X=x; das ist im diskreten Fall nur die Wahrscheinlichkeit an einer einzelnen Stelle.
Definition
Verteilungsfunktion
Die Verteilungsfunktion einer reellen Zufallsvariablen X ordnet jedem Wert x die kumulierte Wahrscheinlichkeit F(x)=P(X\le x) zu. „Kumuliert“ bedeutet: Die Wahrscheinlichkeiten werden bis einschließlich x angesammelt.
Merke: F(x) ist keine Einzelwahrscheinlichkeit. Es ist die Summe oder angesammelte Fläche aller Wahrscheinlichkeiten bis einschließlich x.
Teste dich
Eine diskrete Zufallsvariable nimmt einzelne, voneinander getrennte Werte an. Ihre Verteilungsfunktion entsteht, indem du die Einzelwahrscheinlichkeiten von links nach rechts addierst. Betrachte ein Losspiel. Der Gewinn X kann die Werte -2\,€, 1\,€ und 2\,€ annehmen. Die Tabelle zeigt ihre Wahrscheinlichkeiten. Damit lautet die Verteilungsfunktion: F(x)=\begin{cases}0,&x\lt-2,\\\frac16,&-2\le x\lt1,\\\frac56,&1\le x\lt2,\\1,&x\ge2.\end{cases} Der Graph ist eine Treppenfunktion: Zwischen zwei möglichen Werten bleibt F konstant, weil dort keine neue Wahrscheinlichkeit hinzukommt. An einem möglichen Wert springt F nach oben. Die Sprunghöhe bei x ist genau P(X=x). So kannst du die Einzelwahrscheinlichkeit aus dem Sprung zurückgewinnen. Schreibe F(x-) für den Wert, dem sich die Funktion von links nähert. Dann gilt: P(X=x)=F(x)-F(x-).
| Gewinn x | P(X=x) | angesammelte Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| -2\,€ | \frac16 | \frac16 |
| 1\,€ | \frac23 | \frac16+\frac23=\frac56 |
| 2\,€ | \frac16 | \frac56+\frac16=1 |
Beispiel: F(0) und F(1) im Losspiel
- 1Für x=0 liegt nur der Wert -2 links von 0: F(0)=\frac16
- 2Für x=1 gehören -2 und 1 dazu: F(1)=\frac16+\frac23=\frac56
- 3Der Wert an der Sprungstelle gehört schon zur oberen Stufe. Das passt zum Zeichen \le in P(X\le x).
Teste dich
Mit einer Verteilungsfunktion kannst du Wahrscheinlichkeiten für Bereiche berechnen. Drei Regeln sind besonders wichtig: P(X\le b)=F(b) P(X>b)=1-F(b) P(a\lt X\le b)=F(b)-F(a) Die letzte Regel funktioniert, weil F(b) alles bis b enthält. Wenn du F(a) abziehst, entfernst du alles bis einschließlich a. Übrig bleibt der Bereich a\lt X\le b. Bei einer diskreten Zufallsvariablen musst du auf offene und geschlossene Grenzen achten. Soll die untere Grenze dazugehören, brauchst du den linksseitigen Wert: P(a\le X\le b)=F(b)-F(a-). Für den Würfel gilt zum Beispiel P(2\le X\le5)=\frac46, denn 2, 3, 4 und 5 gehören dazu. Würdest du F(2) abziehen, würdest du die 2 fälschlich entfernen. Übersetze deshalb zuerst den Text in ein Zeichen wie X\le b und wähle dann die Regel.
Beispiel: P(2\lt X\le5) beim fairen Würfel
- 1F(5)=\frac56 und F(2)=\frac26
- 2P(2\lt X\le5)=F(5)-F(2)=\frac56-\frac26=\frac36=\frac12
- 3Kontrolle: Die Augenzahlen 3, 4 und 5 sind drei von sechs gleich wahrscheinlichen Ergebnissen.
Beispiel: „Höchstens 1 €“ oder „genau 1 €“?
- 1Im Losspiel gilt F(1)=\frac56.
- 2P(X\le1)=F(1)=\frac56
- 3P(X=1)=F(1)-F(1-)=\frac56-\frac16=\frac23
- 4Der Unterschied ist die schon vor 1 angesammelte Wahrscheinlichkeit \frac16.
Merke: Die sichere Standardregel lautet P(a\lt X\le b)=F(b)-F(a). Im diskreten Fall entscheidet jedes \lt oder \le darüber, ob eine Sprungwahrscheinlichkeit dazugehört.
Teste dich
Eine stetige Zufallsvariable kann Werte in ganzen Intervallen annehmen. Wenn sie eine Dichtefunktion f besitzt, ist die Verteilungsfunktion die angesammelte Fläche unter der Dichte: F(x)=\int_{-\infty}^{x}f(t)\,dt. Die Höhe f(x) ist dabei keine Wahrscheinlichkeit an der einzelnen Stelle. Für jeden einzelnen Wert gilt im stetigen Fall: P(X=x)=0. Deshalb machen offene oder geschlossene Intervallgrenzen bei stetigen Verteilungen keinen Unterschied. Zum Beispiel gilt: P(a\lt X\lt b)=P(a\le X\le b)=F(b)-F(a). Jede Verteilungsfunktion, ob diskret oder stetig, erfüllt vier Bedingungen. Sie fällt nie, denn mit wachsendem x kommen nur Ergebnisse hinzu. Links nähert sie sich 0, rechts nähert sie sich 1. Sie ist rechtsstetig: An einer Sprungstelle gehört der Punkt wegen X\le x schon zum oberen Wert. Waagerechte Abschnitte sind erlaubt, dort liegt keine Wahrscheinlichkeit. Ein fallender Abschnitt oder ein Wert unter 0 oder über 1 ist dagegen unmöglich.
Beispiel: Verteilungsfunktion aus der Dichte f(x)=\frac{x}{8}
- 1f(x)=\begin{cases}0,&x\lt0,\\\frac{x}{8},&0\le x\le4,\\0,&x>4.\end{cases}
- 2Zwischen 0 und 4 sammelst du die Fläche durch Integration:
- 3F(x)=\int_0^x\frac{t}{8}\,dt=\frac{x^2}{16}.
- 4Insgesamt gilt daher:
- 5F(x)=\begin{cases}0,&x\lt0,\\\frac{x^2}{16},&0\le x\le4,\\1,&x>4.\end{cases}
- 6Für den Bereich von 1 bis 3 erhältst du:
- 7P(1\lt X\lt3)=F(3)-F(1)=\frac{9}{16}-\frac{1}{16}=\frac{8}{16}=\frac12.
Merke: Eine Verteilungsfunktion ist nicht fallend und rechtsstetig, strebt links gegen 0 und rechts gegen 1. Sprünge und waagerechte Abschnitte sind erlaubt.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Verteilungsfunktion
Bedeutung
Wahrscheinlichkeit bis einschließlich x
Diskret
Summe von Einzelwahrscheinlichkeiten
Stetig mit Dichte
Fläche unter f
Bereiche
Differenz zweier Funktionswerte
Gegenbereich
1-F(x)
Eigenschaften
nicht fallend, rechtsstetig, Grenzen 0 und 1
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Verteilungsfunktion eines Glücksrads
- 1Das Glücksrad zeigt 1 Punkt, 2 Punkte oder 5 Punkte: P(X=1)=\frac12, P(X=2)=\frac13, P(X=5)=\frac16
- 2F(1)=\frac12
- 3F(2)=\frac12+\frac13=\frac56
- 4F(5)=\frac56+\frac16=1
- 5Zwischen den Sprüngen bleibt F gleich: F(4)=F(2)=\frac56
- 6Mehr als 1 Punkt: P(X>1)=1-F(1)=1-\frac12=\frac12
Fehler finden
P(3\le X\le6) beim fairen Würfel In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die 3 soll dazugehören, also musst du F(2) abziehen, nicht F(3): P(3\le X\le6)=F(6)-F(2)=1-\frac26=\frac46=\frac23.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Verteilungsfunktion beschreibt mit F(x)= eine angesammelte Wahrscheinlichkeit. Für den Bereich a\lt X\le b rechnest du . Bei einer diskreten Verteilung entspricht die Sprunghöhe an x der Wahrscheinlichkeit .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback