Mathematik · Klasse 8 · aktualisiert
Streuung: Spannweite, Varianz und Standardabweichung
Streuung zeigt, wie weit Daten auseinanderliegen. Du lernst, Spannweite, Varianz und Standardabweichung zu berechnen und das passende Maß zu wählen.
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Kurz gesagt
Die Streuung beschreibt, wie weit die Werte eines Datensatzes um ihren Mittelwert verteilt sind. Wichtige Streumaße sind die Spannweite (Maximum minus Minimum), die Varianz als mittlere quadrierte Abweichung und die Standardabweichung als deren Wurzel. So streut 10, 20, 30 stärker als 19, 20, 21.
Die Streuung zeigt dir, wie eng oder weit Datenwerte verteilt sind. Zwei Datensätze können denselben Mittelwert besitzen und trotzdem sehr unterschiedlich streuen. Streumaße machen diesen Unterschied als Zahl sichtbar.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Vergleiche die beiden Datenreihen: Reihe A: 10, 20, 30. Reihe B: 19, 20, 21. Beide Reihen haben den Mittelwert 20. In Reihe A liegen die äußeren Werte jedoch jeweils 10 vom Mittelwert entfernt. In Reihe B beträgt dieser Abstand nur 1. Reihe A streut daher stärker. Die Abweichung eines Wertes x_i vom Mittelwert \bar x lautet: x_i-\bar x Eine einfache Addition dieser Abweichungen ist kein Streumaß. Sie ergibt immer 0, weil sich positive und negative Abweichungen ausgleichen: \sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar x)=0 Deshalb verwenden Streumaße beispielsweise Beträge oder Quadrate der Abweichungen.
Definition
Streuung
Die Streuung beschreibt, wie weit die Werte eines Datensatzes um ein Zentrum verteilt sind. Als Zentrum wird häufig der arithmetische Mittelwert verwendet.
Merke: Der Mittelwert beschreibt die Mitte. Ein Streumaß beschreibt, wie weit die Werte von dieser Mitte oder voneinander entfernt liegen.
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Die Spannweite ist das einfachste Streumaß. Du ziehst den kleinsten Wert vom größten Wert ab: R=x_{\max}-x_{\min} Die Spannweite ist schnell berechnet, verwendet aber nur Minimum und Maximum. Ein einzelner ungewöhnlich großer oder kleiner Wert kann sie stark verändern. Solch ein weit von den übrigen Werten entfernter Wert heißt Ausreißer.
Beispiel: Spannweite einer Messreihe
- 1Minimum 11{,}8\,\mathrm{cm}, Maximum 34{,}3\,\mathrm{cm}
- 2R=34{,}3\,\mathrm{cm}-11{,}8\,\mathrm{cm}=22{,}5\,\mathrm{cm}
- 3Die Werte erstrecken sich somit über einen Bereich von 22{,}5\,\mathrm{cm}.
Beispiel: Ein Ausreißer verändert die Spannweite
- 1Reihe 19,20,21: R=21-19=2
- 221 durch den Ausreißer 100 ersetzen: R=100-19=81
Teste dich
Die Spannweite betrachtet nur zwei Werte. Varianz und Standardabweichung berücksichtigen dagegen die Abweichung jedes Wertes vom Mittelwert. Für eine vollständig beschriebene Datenreihe gehst du so vor: Berechne den Mittelwert \bar x. Bestimme jede Abweichung x_i-\bar x. Quadriere die Abweichungen, damit sie nicht negativ sind. Addiere die Quadrate und teile durch die Anzahl n der Werte. Das ergibt die Varianz. Ziehe aus der Varianz die Quadratwurzel. Das ergibt die Standardabweichung. Die Varianz hat die quadrierte Einheit der Daten. Bei Längen in Zentimetern lautet ihre Einheit also \mathrm{cm}^2. Die Standardabweichung besitzt wieder die ursprüngliche Einheit \mathrm{cm} und lässt sich deshalb meist leichter im Sachzusammenhang deuten.
Definition
Varianz und Standardabweichung
Die deskriptive Varianz s^2 ist die mittlere quadrierte Abweichung vom Mittelwert: s^2=\frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar x)^2 Die Standardabweichung s ist die positive Quadratwurzel der Varianz: s=\sqrt{\frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar x)^2}
Beispiel: Varianz und Standardabweichung von 10,20,30
- 1Mittelwert: 20
- 2Abweichungen: -10, 0, 10, Quadrate: 100, 0, 100
- 3s^2=\frac{100+0+100}{3}=\frac{200}{3}\approx66{,}67
- 4s=\sqrt{\frac{200}{3}}\approx8{,}16
- 5Zum Vergleich die Reihe 19,20,21:
- 6s^2=\frac{1+0+1}{3}=\frac{2}{3}\approx0{,}67
- 7s=\sqrt{\frac{2}{3}}\approx0{,}82
- 8Die deutlich größere Standardabweichung bestätigt, dass die erste Reihe stärker streut.
Merke: Je größer die Standardabweichung, desto stärker streuen die Werte um ihren Mittelwert. Ist sie 0, sind alle Werte gleich.
Teste dich
Kein Streumaß ist für jede Situation gleich gut geeignet. Die Spannweite liefert einen schnellen Überblick, reagiert aber stark auf Ausreißer. Die Standardabweichung berücksichtigt alle Werte, reagiert wegen der Quadrate jedoch ebenfalls deutlich auf Ausreißer. Der Interquartilsabstand betrachtet die mittleren 50\,\% der sortierten Daten und ist gegenüber einzelnen Extremwerten weniger empfindlich. Der Variationskoeffizient vergleicht die Streuung von Datenreihen mit unterschiedlichen Größenordnungen. Der Interquartilsabstand ist die Differenz zwischen dem oberen Quartil Q_3 und dem unteren Quartil Q_1: \mathrm{IQR}=Q_3-Q_1 Quartile teilen sortierte Daten in vier Bereiche. Wie einzelne Quartile bei bestimmten Anzahlen von Werten bestimmt werden, kann von der verwendeten Konvention abhängen. Für einen Vergleich musst du daher bei allen Datensätzen dieselbe Methode verwenden. Relative Streuung vergleichen: Absolute Streumaße besitzen eine Einheit. Für Vergleiche unterschiedlicher Größenordnungen kann der dimensionslose Variationskoeffizient sinnvoll sein: V=\frac{s}{\bar x}\cdot100\,\% Dabei muss der Mittelwert positiv und als Bezugsgröße sinnvoll sein. Vertiefung: Warum steht manchmal n-1 in der Formel? Beschreibst du nur die vorliegenden Daten, wird die Varianz durch n geteilt. Soll eine unabhängige Stichprobe zur Schätzung der Varianz einer größeren Grundgesamtheit dienen, wird häufig durch n-1 geteilt: s_k^2=\frac{1}{n-1}\sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar x)^2 Darum können Taschenrechner oder Programme für dieselben Daten unterschiedliche Ergebnisse anzeigen. Prüfe immer die verwendete Formel; das Symbol allein verrät den Divisor nicht zuverlässig.
Beispiel: Gleiche Standardabweichung, verschiedene Mittelwerte
- 1Zwei Messreihen haben jeweils die Standardabweichung s=1\,\mu\mathrm{m}.
- 2Bei \bar x=10\,\mu\mathrm{m} gilt V=\frac{1}{10}\cdot100\,\%=10\,\%.
- 3Bei \bar x=100\,\mu\mathrm{m} gilt V=\frac{1}{100}\cdot100\,\%=1\,\%.
- 4Die absolute Streuung ist gleich. Im Verhältnis zum jeweiligen Mittelwert streut die erste Reihe aber zehnmal so stark.
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Alles auf einen Blick
Streuung
Grundidee
Streuung ergänzt den Mittelwert und misst Abstände
Spannweite
Maximum minus Minimum, sehr ausreißerempfindlich
Varianz
mittlere quadrierte Abweichung, quadrierte Einheit
Standardabweichung
Wurzel der Varianz, ursprüngliche Einheit
Interquartilsabstand
mittlere Hälfte der Daten, weniger ausreißerempfindlich
Variationskoeffizient
relative Streuung für verschiedene Größenordnungen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Streumaße der Reihe 2,4,4,6
- 1Mittelwert: \bar x=\frac{2+4+4+6}{4}=\frac{16}{4}=4
- 2Spannweite: R=6-2=4
- 3Abweichungen: -2, 0, 0, 2, Quadrate: 4, 0, 0, 4
- 4Varianz: s^2=\frac{4+0+0+4}{4}=2
- 5Standardabweichung: s=\sqrt{2}\approx1{,}41
- 6Kommt der Wert 20 hinzu, steigen Spannweite, Varianz und Standardabweichung deutlich: 20 liegt weit von den übrigen Werten entfernt.
Fehler finden
Varianz der Reihe 3,5,7,9 In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Abweichungen müssen vor dem Addieren quadriert werden, sonst heben sie sich immer zu 0 auf. Richtig: s^2=\frac{9+1+1+9}{4}=5 und s=\sqrt{5}\approx2{,}24.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Spannweite ist Maximum Minimum. Die Varianz hat die Einheit der Daten. Gegenüber Ausreißern ist der Interquartilsabstand empfindlich als die Spannweite.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback