Mathematik · Klasse 12 · aktualisiert
Lineare Abhängigkeit von Vektoren prüfen
Du prüfst, ob Vektoren linear abhängig sind: zwei mit dem Vielfachentest, drei mit dem Gauß-Verfahren oder der Determinante, mehr mit der Dimensionsregel.
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Kurz gesagt
Vektoren sind linear abhängig, wenn \lambda_1\vec v_1+\cdots+\lambda_n\vec v_n=\vec 0 eine Lösung hat, bei der nicht alle \lambda_i null sind. Zwei Vektoren prüfst du mit \vec a=\lambda\vec b, drei im \mathbb R^3 mit dem Gauß-Verfahren oder der Determinante: Bei \det(A)=0 sind sie abhängig.
Vektoren sind linear abhängig, wenn sich der Nullvektor durch eine Linearkombination erzeugen lässt, bei der nicht alle Koeffizienten null sind. Anschaulich ist dann mindestens ein Vektor durch die übrigen darstellbar. Auf dieser Seite lernst du, Abhängigkeit bei zwei oder drei Vektoren zu erkennen und mit einem Gleichungssystem, dem Gauß-Verfahren oder einer Determinante nachzuweisen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Betrachte die Vektoren \vec v_1,\ldots,\vec v_n. Du suchst Skalare \lambda_1,\ldots,\lambda_n, für die gilt: \lambda_1\vec v_1+\cdots+\lambda_n\vec v_n=\vec 0 Die Wahl \lambda_1=\cdots=\lambda_n=0 funktioniert immer. Sie heißt triviale Lösung und beweist noch keine Abhängigkeit. Sind dagegen alle Koeffizienten zwingend null, heißen die Vektoren linear unabhängig. Das Kriterium lässt sich auch anders lesen: Eine Familie ist abhängig, wenn sich mindestens einer ihrer Vektoren als Linearkombination der übrigen darstellen lässt. Enthält die Familie den Nullvektor, ist sie ebenfalls abhängig.
Definition
Lineare Abhängigkeit
Eine Vektorfamilie ist linear abhängig, wenn die Gleichung \lambda_1\vec v_1+\cdots+\lambda_n\vec v_n=\vec 0 mindestens eine Lösung besitzt, bei der nicht alle Koeffizienten null sind. Eine solche Lösung heißt nichttrivial.
Merke: Nicht die Darstellung des Nullvektors allein entscheidet, sondern eine Darstellung mit mindestens einem Koeffizienten ungleich null.
Teste dich
Bei zwei Vektoren, die nicht der Nullvektor sind, genügt eine kurze Prüfung: Ist einer ein Vielfaches des anderen, also \vec a=\lambda\vec b? Berechne \lambda für jede Komponente einzeln. Kommt überall derselbe Wert heraus, sind die Vektoren abhängig. Geometrisch zeigen sie dann in dieselbe oder in die entgegengesetzte Richtung. Ein häufiger Fehler ist, nur eine oder zwei Komponenten zu vergleichen. Der Faktor muss alle Komponenten gleichzeitig erfüllen.
Beispiel: Vielfachentest: \vec a=(3,-6,9) und \vec b=(-1,2,-3)
- 1Ansatz: \vec a=\lambda\vec b
- 21. Komponente: \lambda=\frac{3}{-1}=-3
- 32. Komponente: \lambda=\frac{-6}{2}=-3
- 43. Komponente: \lambda=\frac{9}{-3}=-3
- 5Überall derselbe Faktor: \vec a=-3\vec b, also linear abhängig.
- 6Das Minus zeigt: Die Vektoren zeigen in entgegengesetzte Richtungen.
Teste dich
Für drei Vektoren setzt du die homogene Gleichung an: \lambda_1\vec a+\lambda_2\vec b+\lambda_3\vec c=\vec 0. Schreibe die Vektoren als Spalten einer Matrix und bringe sie mit Zeilenumformungen in Stufenform. Hat jede Spalte eine Pivotposition, ist nur \lambda_1=\lambda_2=\lambda_3=0 möglich: Die Vektoren sind unabhängig. Bleibt eine freie Variable, gibt es eine nichttriviale Lösung: Sie sind abhängig. Kurztest Determinante: Bei genau drei Vektoren im \mathbb R^3 ist die Matrix quadratisch. \det(A)\ne0 heißt unabhängig, \det(A)=0 heißt abhängig. Für die Matrix im Beispiel ist \det(A)=0. Probe: 2\vec a+3\vec b=(2,4,2)+(0,-3,6)=(2,1,8)=\vec c. Also ist \vec c eine Linearkombination von \vec a und \vec b.
Beispiel: Gauß-Verfahren: \vec a=(1,2,1), \vec b=(0,-1,2), \vec c=(2,1,8)
- 1Vektoren als Spalten: A=\begin{pmatrix}1&0&2\\2&-1&1\\1&2&8\end{pmatrix}
- 2Z_2\leftarrow Z_2-2Z_1 und Z_3\leftarrow Z_3-Z_1: \begin{pmatrix}1&0&2\\0&-1&-3\\0&2&6\end{pmatrix}
- 3Z_3\leftarrow Z_3+2Z_2: \begin{pmatrix}1&0&2\\0&-1&-3\\0&0&0\end{pmatrix}
- 4Die dritte Spalte hat keine Pivotposition: \lambda_3 ist frei.
- 5Wähle \lambda_3=-1: Dann folgen \lambda_2=3 und \lambda_1=2.
- 62\vec a+3\vec b-\vec c=\vec 0 ist nichttrivial, also linear abhängig.
Merke: Die Determinante hilft nur bei einer quadratischen Matrix, also genau n Vektoren im \mathbb R^n. Das Gauß-Verfahren funktioniert immer. Es zählt die Zahl der Pivotpositionen, nicht irgendeine Nullzeile.
Teste dich
Linear unabhängige Vektoren bringen jeweils eine neue Richtung in den aufgespannten Raum ein. Deshalb kann es im \mathbb R^n höchstens n linear unabhängige Vektoren geben. Daraus folgen wichtige Spezialfälle: Mehr als zwei Vektoren in einer Ebene sind abhängig. Mehr als drei Vektoren im \mathbb R^3 sind abhängig. Drei unabhängige Vektoren im \mathbb R^3 bilden eine Basis des Raumes. Eine Basis ist eine unabhängige Vektorfamilie, die den ganzen Raum aufspannt. Die Standardbasis des \mathbb R^3 ist \begin{pmatrix}1\\0\\0\end{pmatrix},\quad \begin{pmatrix}0\\1\\0\end{pmatrix},\quad \begin{pmatrix}0\\0\\1\end{pmatrix}. Jeder Vektor im \mathbb R^3 lässt sich als Linearkombination dieser drei Vektoren darstellen. Fügt man einen vierten Vektor hinzu, ist die gesamte Familie aus vier Vektoren abhängig.
Merke: Mehr als n Vektoren im \mathbb R^n sind immer abhängig. Bei höchstens n Vektoren musst du dagegen tatsächlich prüfen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Lineare Abhängigkeit von Vektoren
Kernkriterium
nichttriviale Linearkombination zum Nullvektor
Zwei Vektoren
gemeinsames skalares Vielfaches prüfen
Drei Vektoren
Gleichungssystem und Gauß-Verfahren verwenden
Quadratische Matrix
Determinante als Kurztest nutzen
Geometrische Bedeutung
keine neue unabhängige Richtung
Dimension
höchstens n unabhängige Vektoren im \mathbb R^n
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Sind \vec a=(1,0,2), \vec b=(2,1,0) und \vec c=(0,3,1) linear unabhängig?
- 1Vektoren als Spalten: A=\begin{pmatrix}1&2&0\\0&1&3\\2&0&1\end{pmatrix}
- 2Z_3\leftarrow Z_3-2Z_1: Die dritte Zeile wird (0,-4,1).
- 3Z_3\leftarrow Z_3+4Z_2: Die dritte Zeile wird (0,0,13).
- 4Rückwärts: 13\lambda_3=0, also \lambda_3=0
- 5Dann \lambda_2+3\lambda_3=0, also \lambda_2=0, und \lambda_1+2\lambda_2=0, also \lambda_1=0
- 6Nur die triviale Lösung: linear unabhängig. Kontrolle: \det(A)=13\ne0
Fehler finden
Sind \vec a=(1,3,2) und \vec b=(2,6,5) linear abhängig? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die dritte Komponente fehlt: 5=\lambda\cdot2 ergibt \lambda=2{,}5. Es gibt keinen gemeinsamen Faktor, also sind \vec a und \vec b linear unabhängig.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Zwei Vektoren sind abhängig, wenn derselbe Faktor in Komponenten passt. Bleibt beim Gauß-Verfahren eine freie Variable, gibt es eine Lösung. Für drei Vektoren im \mathbb R^3 zeigt \det(A)=0, dass sie sind.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback