Mathematik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Komplexe Zahlen: Rechnen und Darstellen
Komplexe Zahlen machen Gleichungen wie x² = −1 lösbar. Du lernst die gaußsche Zahlenebene, die vier Grundrechenarten und die Polarform kennen.
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Kurz gesagt
Eine komplexe Zahl hat die Form z=a+bi mit reellen Zahlen a und b und der imaginären Einheit i, für die i^2=-1 gilt. a ist der Realteil, b der Imaginärteil. So hat x^2=-1 die Lösungen i und -i, und 3+4i liegt in der gaußschen Zahlenebene beim Punkt (3,4).
Komplexe Zahlen erweitern die reellen Zahlen um die imaginäre Einheit i mit i^2=-1. Dadurch wird zum Beispiel die Gleichung x^2=-1 lösbar: Ihre Lösungen sind i und -i. Auf dieser Seite lernst du, komplexe Zahlen darzustellen, zu berechnen und zwischen kartesischer Form und Polarform zu wechseln.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Im Bereich der reellen Zahlen kann kein Quadrat negativ sein. Deshalb besitzt x^2=-1 dort keine Lösung. Mit der Festlegung i^2=-1 entsteht ein erweiterter Zahlbereich: die Menge der komplexen Zahlen \mathbb C. Für z=5-3i gilt also \operatorname{Re}(z)=5 und \operatorname{Im}(z)=-3. Ist b=0, dann ist z=a eine reelle Zahl. Ist a=0, nennt man z=bi rein imaginär. Zwei komplexe Zahlen sind genau dann gleich, wenn ihre Realteile und ihre Imaginärteile jeweils übereinstimmen. Allgemeine komplexe Zahlen lassen sich nicht wie reelle Zahlen mit „größer als“ oder „kleiner als“ ordnen.
Definition
Komplexe Zahl
Jede komplexe Zahl lässt sich eindeutig in der Form z=a+bi schreiben. Dabei sind a und b reelle Zahlen. Es gilt: a ist der Realteil: \operatorname{Re}(z)=a. b ist der Imaginärteil: \operatorname{Im}(z)=b. Der Imaginärteil ist der reelle Koeffizient b, nicht der Ausdruck bi.
Teste dich
Die komplexe Zahl z=a+bi entspricht dem Punkt (a,b) in der gaußschen Zahlenebene: Die waagerechte Achse zeigt den Realteil. Die senkrechte Achse zeigt den Imaginärteil. 3+4i liegt daher beim Punkt (3,4). Der Pfeil vom Ursprung zu diesem Punkt kann zugleich als Vektor aufgefasst werden. Die komplex konjugierte Zahl zu z=a+bi lautet \bar z=a-bi. Beim Konjugieren bleibt der Realteil gleich, während der Imaginärteil sein Vorzeichen wechselt. Geometrisch wird der Punkt an der reellen Achse gespiegelt. Für z=3+4i ist \bar z=3-4i. Außerdem gilt z\bar z=(a+bi)(a-bi)=a^2+b^2=|z|^2.
Definition
Betrag
Der Betrag |z| ist der Abstand der Zahl z=a+bi vom Ursprung. Nach dem Satz des Pythagoras gilt |z|=\sqrt{a^2+b^2}.
Beispiel: Betrag von z=3+4i
- 1|z|=\sqrt{3^2+4^2}=\sqrt{9+16}=\sqrt{25}=5
- 2Der Punkt (3,4) hat also den Abstand 5 vom Ursprung.
Merke: Konjugation spiegelt an der reellen Achse. Der Betrag misst den Abstand vom Ursprung.
Teste dich
Für z=a+bi und w=c+di werden Realteil und Imaginärteil getrennt geordnet. Addieren und subtrahieren: z+w=(a+c)+(b+d)i z-w=(a-c)+(b-d)i Multiplizieren: Du multiplizierst wie bei zwei Klammern und ersetzt anschließend i^2 durch -1: zw=(a+bi)(c+di)=(ac-bd)+(ad+bc)i. Dividieren: Bei der Division soll im Nenner kein Imaginärteil bleiben. Dazu erweiterst du mit der konjugierten Zahl des Nenners. Für w=c+di\ne0 gilt \frac{z}{w}=\frac{z\bar w}{w\bar w}. Der Nenner wird reell, denn w\bar w=c^2+d^2.
Beispiel: Für z=5+3i und w=4+2i
- 1z+w=(5+4)+(3+2)i=9+5i
- 2z-w=(5-4)+(3-2)i=1+i
- 3zw=20+10i+12i+6i^2
- 4Mit i^2=-1: zw=20+22i-6=14+22i
Beispiel: Berechne \frac{5+3i}{4+2i}
- 1Konjugierte des Nenners: 4-2i
- 2\frac{5+3i}{4+2i}=\frac{(5+3i)(4-2i)}{(4+2i)(4-2i)}
- 3Zähler: (5+3i)(4-2i)=20-10i+12i-6i^2=26+2i
- 4Nenner: (4+2i)(4-2i)=4^2+2^2=20
- 5\frac{26+2i}{20}=\frac{13}{10}+\frac{1}{10}i
Merke: Bei einer Division multiplizierst du Zähler und Nenner mit der konjugierten Zahl des Nenners. Nur den Nenner zu verändern wäre keine zulässige Erweiterung.
Teste dich
Die kartesische Form a+bi zeigt die beiden Koordinaten. Die Polarform beschreibt eine von null verschiedene komplexe Zahl durch ihren Betrag r und einen Winkel \varphi: z=r(\cos\varphi+i\sin\varphi)=re^{i\varphi} Dabei gilt r=|z|=\sqrt{a^2+b^2}, a=r\cos\varphi und b=r\sin\varphi. Der Winkel \varphi heißt Argument und wird von der positiven reellen Achse aus gemessen. \varphi und \varphi+2\pi k mit ganzem k beschreiben denselben Punkt, für z=0 ist kein Argument bestimmt. Beim Bestimmen von \varphi reicht \arctan(b/a) allein nicht: Prüfe die Vorzeichen von a und b. Für a>0 passt der Arkustangens, für a<0 musst du \pi addieren oder abziehen. Für a=0 ist \varphi=\frac{\pi}{2} bei b>0 und \varphi=-\frac{\pi}{2} bei b<0. In Polarform wird das Multiplizieren übersichtlich: r_1e^{i\varphi_1}\cdot r_2e^{i\varphi_2}=r_1r_2e^{i(\varphi_1+\varphi_2)}. Die Beträge werden multipliziert und die Winkel addiert, die Zahl wird also gestreckt und gedreht. Beim Dividieren (mit r_2\ne 0) teilst du die Beträge und subtrahierst die Winkel. Nach dem Satz von de Moivre gilt \left(re^{i\varphi}\right)^n=r^ne^{in\varphi}: Du potenzierst den Betrag und multiplizierst den Winkel mit n. Die Potenzen von i wiederholen sich in einem Viererzyklus: i^1=i, i^2=-1, i^3=-i, i^4=1. Bei großen Exponenten zählt deshalb der Rest bei Division durch 4, etwa i^7=i^3=-i. Umgekehrt hat w^n=z für z=re^{i\varphi}\ne 0 genau n Lösungen w_k=\sqrt[n]{r}\,e^{i(\varphi+2\pi k)/n} mit k=0,1,\ldots,n-1. Sie liegen gleichmäßig auf einem Kreis, ihre Winkel unterscheiden sich um \frac{2\pi}{n}.
Beispiel: Polarform von z=-1+\sqrt{3}i
- 1r=\sqrt{(-1)^2+(\sqrt{3})^2}=\sqrt{4}=2
- 2Der Punkt liegt im zweiten Quadranten.
- 3\varphi=\frac{2\pi}{3}, denn 2\cos\frac{2\pi}{3}=-1 und 2\sin\frac{2\pi}{3}=\sqrt{3}
- 4z=2e^{i2\pi/3}
Beispiel: z=2e^{i\pi/3} quadrieren
- 1z^2=2^2e^{i2\pi/3}=4e^{i2\pi/3}
- 2Der Betrag wächst von 2 auf 4, der Winkel verdoppelt sich.
Beispiel: Die dritten Wurzeln von 8=8e^{i0}
- 1w_k=2e^{i2\pi k/3} mit k=0,1,2
- 2Winkel: 0, \frac{2\pi}{3} und \frac{4\pi}{3}
- 3Jede der drei Zahlen ergibt hoch 3 wieder 8.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Komplexe Zahlen
Kartesische Form
z=a+bi mit i^2=-1
Gaußsche Ebene
Punkt (a,b), Betrag \sqrt{a^2+b^2}
Konjugation
\bar z=a-bi, Spiegelung an der reellen Achse
Grundrechenarten
komponentenweise addieren, ausmultiplizieren, mit der Konjugierten dividieren
Polarform
z=re^{i\varphi}, Beträge multiplizieren und Winkel addieren
Potenzen und Wurzeln
de Moivre, Wurzeln gleichmäßig auf einem Kreis
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Berechne \frac{3+i}{1-i}
- 1Konjugierte des Nenners: 1+i
- 2Zähler: (3+i)(1+i)=3+3i+i+i^2=2+4i
- 3Nenner: (1-i)(1+i)=1^2+1^2=2
- 4\frac{3+i}{1-i}=\frac{2+4i}{2}=1+2i
- 5Probe: (1+2i)(1-i)=1-i+2i-2i^2=3+i
Fehler finden
Berechne (3+2i)(1+4i) In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3i^2 ist -1, nicht 1. Aus 8i^2 wird -8: 3+14i-8=-5+14i.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Zahl z=6-2i hat den Realteil , den Imaginärteil und die konjugierte Zahl .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback