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Musikinstrumentenkunde
Die Lehre vom Einsatz der Musikinstrumente in Kompositionen und Arrangements (die Instrumentation) nennt man Instrumentationslehre oder Instrumentationskunde.
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Gegenstand und Bedeutung
Musikinstrumentenkunde, auch Instrumentenkunde oder Organologie, ist ein Fachbereich der Musikwissenschaft. Sie erforscht, dokumentiert und vermittelt Wissen über Musikinstrumente. Dafür verwendet sie sowohl naturwissenschaftliche als auch geisteswissenschaftliche Methoden. Zum Fach gehören Beschreibungen von Instrumenten, sogenannte Organografien, die Untersuchung ihrer Spielweisen, ihrer Entwicklung im Laufe der Zeit sowie Versuche, Musikinstrumente zu klassifizieren.
Untersucht werden alle historischen und modernen, also rezenten, Musikinstrumente. Dazu zählen Instrumente der europäisch geprägten Kunstmusiktradition, der Volksmusik und der Popularmusik ebenso wie alte und moderne klangerzeugende Instrumente außereuropäischer Musiktraditionen. Die Erforschung außereuropäischer Instrumente wird auch als Ethno-Organologie bezeichnet.
Forschungsgebiete und Methoden
Die Schwerpunkte der Instrumentenkunde sind vielfältig. Ein Teilgebiet ist die Instrumentationslehre oder Instrumentationskunde. Sie befasst sich mit dem Einsatz von Musikinstrumenten in Kompositionen und Arrangements, also mit der Instrumentation.
In Überschneidung mit der musikalischen Akustik untersucht die technische Instrumentenkunde den Aufbau von Instrumenten und die daraus entstehenden Klangeigenschaften. Organologen, also Fachleute der Instrumentenkunde, arbeiten überwiegend an Musikinstrumentenmuseen, Musikhochschulen und Universitäten. Auch viele Hersteller von Musikinstrumenten betreiben Forschung auf diesem Gebiet. Seit der Digitalisierung gehören außerdem virtuelle Musikinstrumente zur Forschung.
Geschichte und Systematik der Klassifikation
Die Einteilung von Musikinstrumenten hat eine lange Geschichte. Bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. klassifizierten die Chinesen Instrumente im System der Acht Klänge nach dem verwendeten Material, zum Beispiel Stein, Bambus oder Seide. Im europäischen Mittelalter erfolgte eine Einteilung nach der Art des Musikgenres, etwa nach Musik mit oder ohne Gesang oder nach Musik zum Tanz. In der Neuzeit wurde zunehmend die Art der Tonerzeugung berücksichtigt. Diese Einteilungen blieben jedoch systematisch inkonsequent; Beispiele sind die Gruppen Blasinstrumente, Streichinstrumente und Zupfinstrumente.
Die erste moderne Systematik entwickelte Victor-Charles Mahillon 1888 als Kurator des Museums des Brüsseler Konservatoriums. Darauf baut die bis heute weltweit verwendete Hornbostel-Sachs-Systematik auf. Sie wurde von dem Wiener Erich Moritz von Hornbostel und dem Berliner Curt Sachs entwickelt, die an der „Sammlung alter Musikinstrumente bei der Staatlichen Hochschule für Musik zu Berlin“ arbeiteten. Hornbostel und Sachs verstanden ihre Ordnung selbst als einen Versuch, die weltweit existierenden Musikinstrumente in ein System zu bringen. Veröffentlicht wurde sie 1914 in der Zeitschrift für Ethnologie. 1940 ergänzte Sachs die Gruppe der Elektrophone.
Die Hauptgruppen beruhen überwiegend auf der Art der Tonerzeugung beziehungsweise auf dem Tonerzeuger, dem Oszillator. Bei den Chordophonen, also den Saiteninstrumenten, richtet sich die Einteilung dagegen nach der Form des Resonanzkörpers und der Anordnung der Saiten. Eine wichtige Erweiterung erfolgte 2011 durch das Projekt Musical Instrument Museums Online (MIMO). Dabei kamen bei den eigentlichen Blasinstrumenten die vierte Hauptgruppe Membranopipes und bei den Trompeten die Untergruppe Sucked trumpets hinzu.
Die Systematik umfasst folgende Haupt- und Untergruppen:
- Idiophone, bei denen der Instrumentenkörper selbst als klangerzeugender Körper dient: Schlagidiophone, Zupfidiophone, Reibidiophone und Blasidiophone.
- Membranophone, bei denen eine gespannte Membran den Klang erzeugt: Schlagtrommeln, Zupftrommeln, Reibtrommeln und Ansingtrommeln, auch Mirlitone genannt.
- Chordophone: einfache Chordophone oder Zithern sowie zusammengesetzte Chordophone.
- Aerophone, also Blasinstrumente: freie Aerophone und eigentliche Blasinstrumente.
- Elektrophone: elektromechanische, elektronische und digitale Musikinstrumente.
Für die Musikethnologie wurden zeitweise auch andere Klassifikationsansätze diskutiert. Dazu gehörten das 1975 von Herbert Heyde vorgeschlagene „natürliche System der Musikinstrumente“ und das ebenso komplexe System von Mantle Hood aus dem Jahr 1971, das zusätzlich die Klangqualität einbezieht.