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Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste Freunde (Originaltitel: Intouchables, französisch für Die Unberührbaren) ist eine französische Tragikomödie der Regisseure Olivier Nakache …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Handlung und Entwicklung der Freundschaft
  3. 3. Wahre Begebenheit und Entstehung
  4. 4. Veröffentlichung, Erfolg und Bewertung
  5. 5. Auszeichnungen und Neuverfilmungen

Gegenstand und Bedeutung

Ziemlich beste Freunde (Originaltitel: Intouchables, französisch für „Die Unberührbaren“) ist eine französische Tragikomödie aus dem Jahr 2011. Regie und Drehbuch stammen von Olivier Nakache und Éric Toledano. Der 112 Minuten lange, französischsprachige Film erzählt die zunächst ungewöhnliche Beziehung zwischen dem querschnittgelähmten, wohlhabenden Philippe und seinem neuen Pflegehelfer Driss. Driss begegnet Philippe ohne Mitleid und mit einer unkonventionellen, oft respektlosen Art. Dadurch hilft er ihm, neuen Lebensmut zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, gegenseitige Veränderung und das Zusammentreffen unterschiedlicher sozialer und kultureller Lebenswelten.

Die Hauptrollen spielen François Cluzet als Philippe und Omar Sy als Driss. Weitere wichtige Figuren sind die Hausdame Yvonne, Philippes Adoptivtochter Elisa, seine Brieffreundin Éléonore sowie Driss’ Cousin Adama. Der Film wurde unter anderem in Paris, Seine-Saint-Denis, Savoie und Cabourg gedreht. Die Altersfreigaben lauten FSK 6 und JMK 6. Die Musik stammt überwiegend von Ludovico Einaudi; außerdem verwendet der Soundtrack unter anderem Stücke von Earth, Wind & Fire und Nina Simone.

Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Christa Kistner Synchronproduktion GmbH in Potsdam. Michael Nowka verfasste das Dialogbuch und führte die Dialogregie. Philippe wird in der deutschen Fassung von Frank Röth gesprochen, Driss von Sascha Rotermund.

Handlung und Entwicklung der Freundschaft

Der Film beginnt mit einer Vorausblende: Driss fährt Philippe nachts in einem Maserati Quattroporte V GTS durch Paris, während sie von der Polizei verfolgt werden. Driss wettet, den Polizisten zu entkommen. Als der Wagen gestoppt wird, täuscht Philippe einen epileptischen Anfall vor. Driss erklärt, die Raserei habe damit zu tun gehabt. So entgehen beide einer Strafe und werden sogar von der Polizei zu einem Krankenhaus eskortiert.

Danach setzt die eigentliche Handlung ein. Philippe ist seit einem Paragleiter-Absturz vom dritten Halswirbelkörper an abwärts gelähmt und sucht eine neue Pflegekraft. Driss hat gerade eine sechsmonatige Haftstrafe wegen eines Raubüberfalls verbüßt. Er bewirbt sich nur zum Schein, weil er eine Unterschrift für das Arbeitsamt benötigt und mit einer Absage rechnet. Philippe beeindruckt jedoch, dass Driss kein Mitleid zeigt und sogar über seine Behinderung scherzt. Deshalb stellt er ihn zunächst auf Probe ein.

Driss lebt bei seiner Tante, die zugleich seine Ziehmutter ist, und deren Kindern. Nach einem eskalierenden Streit wird er aus der Wohnung geworfen und verbringt die Nacht auf der Straße. Philippe lebt dagegen als verwitweter, vermögender Mann mit seiner Adoptivtochter und mehreren Hausangestellten in einem Palais im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Prés. Obwohl Philippes Umfeld wegen Driss’ krimineller Vergangenheit besorgt ist, stellt Philippe vor allem darauf ab, ob Driss seine Arbeit zuverlässig erledigt.

Im gemeinsamen Alltag bringen sich beide gegenseitig neue Erfahrungen näher. Philippe führt Driss an klassische Musik und Malerei heran. Driss zwingt Philippe zugleich, seine Brieffreundin Éléonore in Dünkirchen anzurufen und ihr ein Foto zu schicken. Ein erstes Treffen scheitert, weil Philippe kurz vorher Angst bekommt und das Lokal verlässt. Anschließend fliegt er mit Driss in einem Privatjet fort. Dort erzählt er, dass er für ein von Driss gemaltes Bild 11.000 Euro erhalten hat, und übergibt ihm das Geld. Außerdem nimmt Driss bei dieser Reise erstmals an einem Tandemflug mit dem Gleitschirm teil.

Nach einigen Monaten verlässt Driss Philippe, weil sein Cousin Adama in der Villa auftaucht und in kriminelle Machenschaften verwickelt ist. Driss kehrt zu seiner Familie zurück und arbeitet als Kurierfahrer. Philippe probiert mehrere andere Pfleger aus, doch keiner genügt seinen Ansprüchen. Vor allem vermisst er Driss’ Anwesenheit und dessen besondere Art. Die Hausdame Yvonne holt Driss zurück.

Nun ereignet sich die zu Beginn gezeigte Verfolgungsjagd. Vor dem Krankenhaus fragt Philippe: „Und wie geht es jetzt weiter?“ Driss fährt ihn daraufhin unter dem Vorwand eines Restaurantbesuchs an die Kanalküste. Dort lässt er Philippe zunächst allein am Tisch zurück, weil er ein Treffen mit Éléonore organisiert hat. Sie erscheint kurz darauf. Am Ende werden in einer kurzen Einstellung der echte Philippe Pozzo di Borgo und sein Freund Abdel Yasmin Sellou gezeigt.

Wahre Begebenheit und Entstehung

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit, erzählt diese jedoch lose. Das Vorbild für Philippe ist Philippe Pozzo di Borgo, ehemaliger Geschäftsführer des Champagnerherstellers Pommery. Er verunglückte am 27. Juni 1993 beim Paragleiten und war seitdem vom Hals abwärts querschnittgelähmt, also Tetraplegiker. Nach dem Unfall suchte er einen Pfleger für die Betreuung rund um die Uhr. Unter den Bewerbern fiel ihm der 21-jährige Algerier Abdel Yasmin Sellou auf, der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war und die Stelle eigentlich nicht annehmen wollte. Pozzo di Borgo stellte ihn trotzdem ein; Sellou blieb zehn Jahre lang sein Pfleger.

Nach dem Tod von Pozzo di Borgos erster Ehefrau an Krebs im Jahr 1996 geriet der damals 45-Jährige in eine Depression und dachte an Selbstmord. Sellou half ihm aus dieser Krise. Beide unternahmen zahlreiche Reisen, und aus dem Arbeitsverhältnis entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Eine ihrer letzten gemeinsamen Reisen führte sie 2003 nach Marrakesch, wo Pozzo di Borgo seine zweite Ehefrau kennenlernte. Später lebte er mit ihr und seinen zwei Töchtern in der Nähe der marokkanischen Hafenstadt Essaouira. Pozzo di Borgo starb 2023 im Alter von 72 Jahren in Marrakesch. Sellou lebt ebenfalls in Marokko, ist Vater von drei Kindern und betreibt eine Geflügelzucht in Algerien.

Grundlage der Verfilmung war Pozzo di Borgos 2001 in Frankreich veröffentlichte Autobiografie Le second souffle („Der zweite Atem“). Filmangebote hatte er zunächst abgelehnt. Erst 2010 überzeugten ihn Nakache und Toledano. Die Regisseure waren bereits seit 2003 an der Geschichte interessiert, nachdem sie eine Dokumentation von Mireille Dumas über die Freundschaft gesehen hatten. Pozzo di Borgo stimmte unter zwei Bedingungen zu: Fünf Prozent der Erlöse sollten an seinen Förderverein für Menschen mit Behinderungen, die Fédération Simon de Cyrène, gehen, und eine Filmvorführung sollte in seinem Reha-Zentrum in der Bretagne stattfinden. Auf diesem Weg wurden bisher rund eine Million Euro gespendet.

Das Produktionsbudget betrug 9,5 Millionen Euro. Weltweit spielte der Film über 426 Millionen US-Dollar ein, ungefähr 321 Millionen Euro. Davon entfielen über 166 Millionen US-Dollar auf Frankreich und weitere 79 Millionen US-Dollar auf Deutschland.

Veröffentlichung, Erfolg und Bewertung

Der Kinostart in Frankreich und Belgien war am 2. November 2011. In Frankreich wurde der Film mit über 19,2 Millionen Kinobesuchern zur erfolgreichsten Komödie und zum dritterfolgreichsten Film des Jahres. In Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz startete er am 5. Januar 2012. In Deutschland erreichte er am ersten Wochenende rund 290.000 Zuschauer und Platz 2 der Media-Control-Kinocharts. Eine Woche später stand er mit 468.000 Besuchern an der Spitze und hielt sich dort mehrere Wochen. Insgesamt sahen ihn in deutschen Kinos über 9 Millionen Menschen. In der Schweiz wurden bisher über 1,4 Millionen Zuschauer gezählt, in Österreich 704.000 Besucher und Einnahmen von insgesamt 4,67 Millionen Euro.

Die Kritiken fielen überwiegend positiv aus. Bei Rotten Tomatoes erreichte der Film 75 Prozent, basierend auf 119 Kritiken; bei Metacritic einen Metascore von 57, basierend auf 31 Kritiken. Besonders häufig gelobt wurden das Zusammenspiel von François Cluzet und Omar Sy sowie die tragikomische Inszenierung. Der Film verbinde ein schwieriges Thema mit Ernst und Leichtigkeit und erzähle seine Geschichte in einem schnellen Rhythmus. Mehrere Kritiker sahen die Beziehung der beiden Hauptfiguren als emotionales Zentrum des Films.

Es gab jedoch auch zurückhaltende und kritische Stimmen. Fritz Göttler urteilte, der Film halte sich an eine bewährte Formel und vermittle durch Driss vor allem Lektionen in Lebenslust. Philippe werde von Cluzet unpathetisch und würdevoll gespielt, während Driss’ Rolle sich teilweise auf Draufgängertum beschränke. Dadurch fehle am Ende die nötige beinahe tragische Fallhöhe; als Metapher funktioniere der Film stärker als vollständig überzeugender Film.

Emilia Roig kritisierte in ihrem Buch Why we matter, der Film reproduziere diskriminierende Rollenklischees: einem gebildeten, reichen Weißen werde ein grober, einfacher und stets gut gelaunter Schwarzer gegenübergestellt. Mehrere US-amerikanische Kritiker bezeichneten den Film deshalb als „rassistisch“ oder „beschämend“. David Denby und Jay Weissberg bemängelten insbesondere, Driss werde als unterhaltsamer Tänzer und „befreiender“ Gegenpol zum erstarrten weißen Mann dargestellt. Diese Deutung steht neben der positiven Bewertung des Films als lebensbejahende und berührende Tragikomödie.

Auszeichnungen und Neuverfilmungen

Bei der 37. César-Verleihung im Februar 2012 erhielt Ziemlich beste Freunde neun Nominierungen; Omar Sy gewann den César als Bester Hauptdarsteller. Außerdem wurde der Film für einen Golden Globe als Bester fremdsprachiger Film und für den BAFTA Award als Bester nicht-englischsprachiger Film nominiert. Frankreich wählte ihn als offiziellen Beitrag für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film aus.

Weitere im Artikel genannte Auszeichnungen sind der TIFF Award für François Cluzet und Omar Sy als Beste Hauptdarsteller sowie für den Besten Film, der David di Donatello für den Besten europäischen Film, der DIVA Publikumspreis, der Étoile d’Or, mehrere Auszeichnungen von Kritikerverbänden für den Besten fremdsprachigen Film, der Sarajevo Film Festival Audience Award, die Goldene Leinwand, der Goya, der Image Award, der Virtuoso Award für Omar Sy, der German Paralympic Media Award und der Deutsche Hörfilmpreis für den Kinofilm.

Der Soundtrack verbindet Stücke von Ludovico Einaudi, darunter „Fly“, „Writing Poems“, „L’origine Nascosta“, „Cache-Cache“ und „Una Mattina“, mit populärer Musik wie „September“ und „Boogie Wonderland“ von Earth, Wind & Fire, „The Ghetto“ von George Benson und „Feeling Good“ von Nina Simone.

Die Geschichte wurde mehrfach neuverfilmt. 2016 erschien die indische Fassung Oopiri, die zugleich unter dem tamilischen Titel Thozha gedreht wurde, sowie der argentinische Film Inseparables von Marcos Carnevale mit Oscar Martínez und Rodrigo de la Serna. Die US-amerikanische Version Mein Bester & Ich mit Bryan Cranston und Kevin Hart feierte am 8. September 2017 beim Toronto International Film Festival Premiere und startete am 11. Januar 2019 regulär in den USA und Großbritannien. In der Türkei entstand Yan Yana, vollständig Soyut Dışavurumcu Bir Dostluğun Anatomisi Veyahut Yan Yana, mit Haluk Bilginer und Feyyaz Yiğit. Der Film überträgt die Grundkonstellation in einen türkischen Kontext und kam am 14. November 2025 in die türkischen Kinos.

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