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Wolfgang Sander (Erziehungswissenschaftler, 1953)

Gemäß seinem Politikbegriff ist Politik die Regelung gemeinsamer Angelegenheiten menschlicher Gesellschaften. Dabei ist das, was politisch, also …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und akademischer Werdegang
  2. 2. Grundgedanken zur politischen Bildung
  3. 3. Fachliche Wirkung und Arbeitsfelder
  4. 4. Ausgewählte Veröffentlichungen

Person und akademischer Werdegang

Wolfgang Sander (* 18. Juli 1953 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Sozial- und Erziehungswissenschaftler. Sein Schwerpunkt liegt auf der Didaktik der politischen Bildung; er ist Professor im Ruhestand.

Nach dem Abitur studierte Sander in Gießen und Marburg unter anderem bei Kurt Gerhard Fischer, Wolfgang Hilligen und Wolfgang Klafki. 1976 legte er die Lehramtsprüfung für Haupt- und Realschule ab, 1980 promovierte er zum Dr. phil. 1988 habilitierte er sich für das Lehrgebiet „Didaktik der Gesellschaftswissenschaften“.

Nach mehreren Jahren in der Erwachsenenbildung übernahm Sander 1993/94 eine Vertretungsprofessur an der Universität Passau. 1994 wechselte er auf die Professur für Didaktik der Politik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 1998 nahm er einen Ruf auf die Professur für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen an. Von 2008 bis 2010 war er dort beurlaubt, um eine Professur für Didaktik der Politischen Bildung an der Universität Wien wahrzunehmen.

Grundgedanken zur politischen Bildung

Sander vertritt in der wissenschaftlichen Diskussion einen konstruktivistisch orientierten Ansatz der Didaktik. Anlass seiner Überlegungen ist unter anderem die Erwartung, politische Bildung müsse bestimmte Werte vermitteln. Sander sieht darin eine Herausforderung. Erfolgreich begegnen lasse sie sich vor allem durch eine weitere Professionalisierung des Faches.

Sein Politikbegriff lautet: Politik ist die Regelung gemeinsamer Angelegenheiten menschlicher Gesellschaften. Was dabei politisch und damit regelungsbedürftig ist, bleibt umstritten. Politische Bildung muss daher mit kontroversen Fragen umgehen.

Im Politikunterricht soll die Auswahl der Inhalte nicht hauptsächlich durch eine feste Stoffsystematik bestimmt werden, sondern durch den Lernprozess der Adressaten, also der Lernenden. Allerdings eignen sich Themen unterschiedlich gut dazu, eine politische Problemlage sichtbar zu machen. Nach Sander lassen sich grundlegende politische Probleme bestimmen, mit denen sich politische Bildung auseinandersetzen sollte.

Ein wichtiges Ziel ist der Erwerb von Kompetenzen. Für die politische Urteilsbildung gilt die Universalisierbarkeit als angemessene Entwicklungsrichtung der moralischen Urteilsfähigkeit. Das bedeutet eine Bewegung vom individuellen Urteil hin zu seiner Bedeutung für die Gesellschaft. Politische Bildung soll Handlungen nicht vorschreiben, sondern Menschen zur Handlung befähigen.

Bei handlungsorientierten Methoden soll sich die Unterrichtsgestaltung von der traditionellen „Unterrichtsplanung“ zur Gestaltung einer Lernumgebung entwickeln. Dadurch werden Methoden wichtiger, die eine „politikdidaktische Diagnostik“ ermöglichen. Dazu zählen etwa Brainstorming, Collagen, das Vier-Ecken-Spiel und Erwartungsabfragen sowie weitere Teilmethoden aus der Moderationsmethode. In der Kontroverse über die Reformierung des Bildungswesens zu einem Bildungsmarkt fordert Sander von den Didaktikern der politischen Bildung eine stärkere positive Einmischung und weniger strukturkonservatives Auftreten.

Fachliche Wirkung und Arbeitsfelder

Sander war von 1985 bis 1995 Hessischer Landesvorsitzender und von 1994 bis 2000 Zweiter Bundesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für politische Bildung (DVPB). Von 2000 bis 2002 war er Sprecher der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE). Seit 2009 gehört er dem Vorstand des österreichischen Fachverbands Interessensgemeinschaft für politische Bildung (IGPB) an.

Von 2002 bis 2010 war Sander Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn sowie des Wissenschaftlichen Ausschusses des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig. Die Fachzeitschrift „kursiv – Journal für politische Bildung“ leitete er von 1997 bis 2010 als Chefredakteur. Seit 2010 ist er Mitherausgeber der „Zeitschrift für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften (zdg)“.

Seine wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte, Theorie und Didaktik der politischen Bildung in Schule und Erwachsenenbildung. Außerdem beschäftigt er sich mit bildungs- und erkenntnistheoretischen Fragen der Didaktik. Sander ist Anhänger eines Integrationsfaches Gesellschaftslehre.

Ausgewählte Veröffentlichungen

Zu Sanders ausgewählten Veröffentlichungen gehören:

  • „Zur Geschichte und Theorie der politischen Bildung. Allgemeinbildung und fächerübergreifendes Lernen in der Schule“ (2. Auflage, Schüren, 1989).
  • „Beruf und Politik. Von der Nützlichkeit politischer Bildung“ (Wochenschau, Schwalbach, 1996).
  • „Digitale Medien in der Grundschule. Ein Forschungsprojekt zum Sachunterricht“ (Wochenschau, Schwalbach, 2007).
  • „Politik in der Schule. Kleine Geschichte der politischen Bildung in Deutschland“ (3. Auflage, Schüren, Marburg, 2013).
  • „Politik entdecken – Freiheit leben. Didaktische Grundlagen politischer Bildung“ (4. Auflage, Wochenschau, Schwalbach, 2013).

Darüber hinaus gab Sander mehrere Sammelwerke heraus, darunter „Politische Bildung in den Fächern der Schule“ (J.B. Metzler, Stuttgart, 1985), „Konzepte der Politikdidaktik. Aktueller Stand, neue Ansätze und Perspektiven“ (J.B. Metzler, Hannover, 1992) und das „Handbuch politische Bildung“ (4. Auflage, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 2014). Gemeinsam mit Ludwig Duncker und Carola Surkamp gab er außerdem „Perspektivenvielfalt im Unterricht“ (Kohlhammer, Stuttgart, 2005) heraus.

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