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Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt
Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt ist ein 1958 unter dem Titel Brave New World Revisited erschienenes Buch des britischen Schriftstellers Aldous Huxley …
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Gegenstand und zentrale These
Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt ist ein 1958 unter dem englischen Titel Brave New World Revisited erschienenes Buch des britischen Schriftstellers Aldous Huxley. Es bezieht sich auf seine 1932 veröffentlichte Romandystopie Schöne neue Welt. Huxley untersucht, wie weit sich die Gesellschaft seitdem dem dort entworfenen Szenario angenähert hat. Er kommt zu dem Schluss, dass viele seiner ursprünglich für das Jahr 2540 gedachten Vorhersagen schon in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden könnten.
Als Bedingungen, die eine wissenschaftlich gestützte Diktatur begünstigen könnten, behandelt Huxley Überbevölkerung, Überorganisierung, Propaganda, Gehirnwäsche, chemische Überzeugung, unbewusste Überzeugung und Hypnopädie, also eine als Schlafschule bezeichnete Form der Beeinflussung im Schlaf. Im Kapitel The Art of Selling kritisiert er außerdem, dass die politische Meinungsbildung in den Vereinigten Staaten verflache und zunehmend den Regeln der Werbung folge. Gleichzeitig vertritt er in Education for Freedom die Auffassung, dass Menschen besser zur Freiheit erzogen werden könnten. Die zuvor beschriebenen Methoden der Beeinflussung können eine solche Erziehung jedoch gezielt unterdrücken.
Aufbau und behandelte Themen
Das Buch besteht aus einem Vorwort und zwölf aufeinanderfolgenden Essays. Sie beziehen sich auf Schöne neue Welt und besonders auf das Vorwort, das späteren Ausgaben dieses Romans beigegeben wurde. Die dort vorgestellten Gedanken werden in den Essays ausführlicher behandelt.
Die zwölf Themen lauten: Übervölkerung; Quantität, Qualität, Moralität; Überorganisierung; Propaganda in einer Demokratie; Propaganda in einer Diktatur; Verkaufskünste; Gehirnwäsche; Chemische Überredung; Unterbewusste Überredung; Hypnopädie; Erziehung zur Freiheit; Was lässt sich tun?.
Ausgangspunkt sind politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen der 1920er und 1930er Jahre, die Huxley kritisch beurteilt. Seine Überlegungen reichen von demografischen und bevölkerungssoziologischen Fragen über Eugenik und Dysgenik bis zur Propaganda in Demokratien und Diktaturen. Eugenik bezeichnet hier bevölkerungspolitische Versuche, als erwünscht betrachtete Erbanlagen zu fördern; Dysgenik meint die angenommene gegenteilige Entwicklung.
Weitere Essays untersuchen Werbung, Indoktrination sowie medikamentöse und psychologische Manipulation. Bei der medikamentösen Beeinflussung geht es unter anderem um Psychopharmaka und Hormone. Abschließend stellt Huxley zwei Formen der Erziehung gegenüber: Die Hypnopädie soll junge Menschen auf ein politisch erwünschtes Verhalten ausrichten, während die Erziehung zur Freiheit selbstständiges und freies Handeln fördern soll. Der letzte Essay fragt danach, was zur Einrichtung einer freien Gesellschaft nötig wäre.
Literarische Einordnung und Grenzen
Das Werk gilt als Essayband und lässt sich weder als Fiktion im Sinne einer Utopie oder Science-Fiction noch als wissenschaftliche Gesellschaftsanalyse mit fundierter Prognose einordnen. Insgesamt bildet es einen größeren zeitkritischen und gesellschaftspolitischen Essay, der in kleinere Kapitel beziehungsweise Einzelessays gegliedert ist. Er soll Leser zu eigenen Überlegungen und Wissenschaftler zu weiteren Forschungen anregen.
Huxley führt zahlreiche Zitate ohne Quellenbelege an. Dadurch lassen sich seine Argumentation und die verwendeten Literaturstellen nur schwer überprüfen. Zwar beruft er sich auf Aussagen von Wissenschaftlern, doch seine Prognosen besitzen keine durchgehend nachvollziehbare wissenschaftliche Herleitung oder stringente theoretische Grundlage. Seine Ausführungen wirken deshalb teilweise spekulativ und visionär. Zugleich verlangt die literarische Form des Essays weder wissenschaftlich korrektes Zitieren noch vollständig schlüssige theoretische Ableitungen.
Editionsgeschichte
Die US-amerikanische Erstausgabe erschien 1958 als Brave New World Revisited bei Harper & Brothers in New York. 1959 folgte die britische Erstausgabe bei Chatto & Windus in London, dem Verlag von Huxleys Werken.
Die erste deutsche Ausgabe veröffentlichte der Piper Verlag in München 1960. Herberth E. Herlitschka übersetzte das Buch; die Einzelausgabe trug zunächst den Titel Dreißig Jahre danach oder Wiedersehen mit der Wackeren Neuen Welt. Spätere Ausgaben, darunter Lizenzausgaben anderer Verlage, übernahmen häufig den ersten deutschen Titel und verbanden den Essayband als Doppelausgabe mit dem Roman von 1932. Solche deutschsprachigen Doppelausgaben erschienen bis in die 1990er Jahre. Im Mai 2017 legte Piper Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt erneut als Einzelausgabe auf.
Wichtige Buchausgaben
Zu den englischsprachigen Ausgaben gehören neben den Erstausgaben von 1958 und 1959 eine Doppelausgabe von Brave New World und Brave New World Revisited aus dem Jahr 2005 mit einem Vorwort von Christopher Hitchens sowie eine Einzelausgabe von Brave New World Revisited aus dem Jahr 2006. Beide erschienen als Nachdrucke in der Reihe Harper Perennial Modern Classics bei HarperCollins in New York.
Deutschsprachig erschien 1960 bei Piper in München Dreißig Jahre danach oder Wiedersehen mit der Wackeren Neuen Welt in der Übersetzung von Herberth E. Herlitschka. Außerdem veröffentlichte Piper ab 1960 Taschenbuchausgaben unter dem Titel Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt.