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Webspinnen
Die Webspinnen (Araneae) sind die bekannteste Ordnung der Spinnentiere (Arachnida), einer Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda). Sie teilen sich weiter in …
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Einordnung und Grundbau
Webspinnen (Araneae) sind eine Ordnung der Spinnentiere und gehören zu den Gliederfüßern. Nach den Milben bilden sie die artenreichste Ordnung der Spinnentiere. Der World Spider Catalog verzeichnete am 21. Januar 2026 insgesamt 139 Familien, 4504 Gattungen und 53.712 Arten; in Deutschland sind rund 1000 Arten nachgewiesen. Eine andere, ältere Angabe im Artikel nennt für Januar 2025 weltweit 134 Familien, 4.417 Gattungen und 52.637 Arten.
Der Körper besteht aus dem Vorderkörper, dem Prosoma oder Cephalothorax, und dem meist größeren Hinterleib, dem Opisthosoma. Beide sind durch einen dünnen Stiel, den Petiolus, verbunden. Wie alle Spinnentiere besitzen Webspinnen acht Beine und unterscheiden sich dadurch von Insekten mit sechs Beinen. Jedes Laufbein besteht aus sieben Gliedern.
Die vorderen Kopfgliedmaßen heißen Cheliceren oder Kieferklauen. Sie greifen die Beute und enden in einklappbaren Klauen, in die gewöhnlich Giftdrüsen münden. Das Gift betäubt oder tötet kleinere Beutetiere. Dahinter liegen die Pedipalpen oder Kiefertaster. Bei vielen Männchen ist ihr Endglied zum Bulbus verdickt und dient als Begattungsorgan.
Am Hinterleib liegen die Geschlechtsöffnung, Atemöffnungen und gewöhnlich vier oder sechs Spinnwarzen. Aus Hunderten feinen Röhrchen tritt ein eiweißhaltiges Sekret aus, das an der Luft schnell zu Spinnfäden erhärtet. Mit Fußklauen, einem Borstenkamm namens Calamistrum und teilweise Spinnspulen verarbeitet die Spinne die Fäden zu Netzen oder anderen Gespinsten.
Wahrnehmung und innere Organe
Das Nervensystem umfasst das Gehirn und eine Brustganglienmasse. Webspinnen besitzen meistens acht, seltener sechs Punktaugen. Das Paar der vorderen Mittelaugen bildet die Hauptaugen. Ihre Netzhaut kann durch Muskeln seitlich verschoben werden, eine Scharfstellung durch Akkommodation findet jedoch nicht statt. Die übrigen drei Augenpaare sind Nebenaugen und besitzen meist eine lichtreflektierende Schicht, das Tapetum. Trotz ihres weiten Gesichtsfeldes können nur wenige Gruppen, beispielsweise Springspinnen, Formen erkennen. Wahrscheinlich sehen diese auch Farben; außerdem sind Rezeptoren für ultraviolettes Licht vorhanden.
Für Erschütterungen sind Spaltsinnesorgane wichtig. Mehrere solcher Spalten bilden ein lyriformes Organ, das vor allem an den Beinen sitzt und Netz- sowie Bodenvibrationen wahrnimmt. Becherhaare oder Trichobothrien dienen besonders der Wahrnehmung von Luftbewegungen und Schall. Ihr Frequenzoptimum liegt bei 300 bis 700 Hz; Luftschwingungen werden zwischen 100 und 2500 Hz wahrgenommen. Vibrationen dienen unter anderem der Partnerwahl, der Kommunikation und der Abwehr von Feinden.
Webspinnen haben keine kauenden Kiefer. Sie geben Verdauungssaft in die Beute, lösen deren Gewebe außerhalb des eigenen Körpers auf und saugen die Nahrung mit einem muskulösen Vorderdarm ein. Der Verdauungstrakt umfasst Speiseröhre, Magen mit fünf Paar Blindschläuchen und Darm.
Als Atemorgane dienen Buchlungen und häufig zusätzlich Tracheen, also luftgefüllte Röhren. Ursprüngliche Gruppen besitzen zwei Paar Buchlungen; bei vielen Echten Webspinnen wurde das hintere Paar zu einem Tracheensystem umgebildet. Der Sauerstoff wird teilweise durch Hämocyanin transportiert, einen blau gefärbten Blutfarbstoff in der Hämolymphe. Das im Hinterleib liegende Herz pumpt diese Körperflüssigkeit durch einen offenen Kreislauf: Sie fließt in Gefäßen zu Kopf und Gliedmaßen, umspült die Organe und kehrt über seitliche Herzöffnungen zurück.
Lebensweise, Nahrung und Feinde
Webspinnen leben überwiegend räuberisch und erbeuten vor allem Insekten und andere Gliederfüßer. Viele Arten fangen ihre Beute in Netzen; andere jagen laufend oder springend. Die Beute wird mit den Cheliceren getötet oder gelähmt, durch Verdauungssaft verflüssigt und ausgesaugt. Fast alle Arten nehmen auch frisch getötete Tiere auf. Pollen kann zusammen mit altem Netzmaterial gefressen werden. Eine besondere Ausnahme ist die Springspinne Bagheera kiplingi, die sich fast ausschließlich pflanzlich von den Futterkörperchen bestimmter Akazien ernährt.
Die Form der Gespinste unterscheidet sich nach Art und Gattung. Manche Spinnen halten sich neben dem Netz in röhren- oder trichterförmigen Verstecken auf. Fast alle Webspinnen sind Landtiere und weltweit verbreitet; in warmen Regionen leben die meisten und größten Arten. Argyroneta aquatica ist die einzige im Wasser lebende Spinnenart. Weitere Arten jagen auf der Wasseroberfläche.
Zu den wichtigsten Wirbeltierfeinden gehören Vögel, seltener Amphibien, Reptilien und Fledermäuse. Auch andere Spinnen, Ameisen und einige Libellen fressen sie. Wegwespen und manche Grabwespen lähmen Spinnen mit einem Giftstich und tragen sie als Nahrung für ihre Larven ins Nest. Einige Schlupfwespen und Kugelfliegen entwickeln sich als Parasitoide in lebenden Spinnen. Parasitoide töten ihren Wirt im Verlauf ihrer Entwicklung. Weitere Parasiten sind Fadenwürmer und Milben.
Fortpflanzung, Entwicklung und Häutung
Männchen sind meist kleiner als Weibchen. Vor der Paarung setzen sie einen Spermatropfen auf einem kleinen Netz ab und saugen ihn in die Bulben ihrer Pedipalpen. Bei der Begattung führen sie einen Bulbus in die weibliche Geschlechtsöffnung ein. Das Weibchen speichert das Sperma in Samentaschen, den Receptacula seminis; die Befruchtung erfolgt erst bei der Eiablage. Ein artspezifisches Balzverhalten ist wichtig, weil das Weibchen das Männchen sonst möglicherweise nicht als Partner erkennt und frisst.
Alle Webspinnen legen Eier, oft geschützt in einem Eikokon. Der Embryo zeigt zunächst einen in zehn bis zwölf Segmente gegliederten Hinterleib mit Beinanlagen; später verschwindet diese Gliederung bei fast allen Gruppen. Die Jungtiere besitzen im Wesentlichen bereits die Gestalt erwachsener Tiere und durchlaufen keine Metamorphose. Junge Spinnen verschiedener Arten können sich im Herbst an langen Fäden vom Wind tragen lassen; dieses Verhalten heißt Spinnenflug und ist mit dem Altweibersommer verbunden.
Wegen des festen Außenskeletts müssen Webspinnen sich häuten, um zu wachsen. Kleine Arten benötigen bis zur Reife etwa fünf, große bis zu zehn Häutungen. Weibliche Glieder- und Vogelspinnenartige häuten sich auch als erwachsene Tiere regelmäßig. Vor der Häutung ziehen sich die Tiere zurück und fressen nicht. Das alte Außenskelett wird von innen geschwächt; Hämolymphe erhöht den Druck im Vorderkörper auf etwa 200 mbar beziehungsweise 150 mmHg, bis der Rückenpanzer aufbricht. Anschließend werden Hinterleib und Beine aus der alten Haut, der Exuvie, gezogen. Gelingt das Herausziehen der Beine nicht, kann die Spinne sterben.
Die Häutung dauert bei kleinen Spinnen etwa zehn Minuten, bei Vogelspinnen mehrere Stunden. Bis die neue Körperhülle ausgehärtet ist, bewegt die Spinne ihre Gelenke. Verlorene Gliedmaßen können bei späteren Häutungen ersetzt werden.
Systematik und Evolution
Die Webspinnen werden in drei Hauptgruppen gegliedert: Gliederspinnen (Mesothelae), Vogelspinnenartige (Mygalomorphae) und Echte Webspinnen (Araneomorphae). Zur Einordnung dienen unter anderem Form und Größe der Spinndrüsen, Augenstellung, Bau von Cheliceren und Pedipalpen sowie das Cribellum, eine Platte mit feinen Spinnspulen. Zunehmend werden genetische Analysen verwendet.
Gliederspinnen besitzen als einzige heute lebende Webspinnen einen deutlich segmentierten Hinterleib. Liphistius hat vier Paare angelegter Spinnwarzen, von denen eines funktionslos ist. Vogelspinnenartige haben meist zwei, Echte Webspinnen in der Regel drei Paare. Bei cribellaten Spinnen wurde ein weiteres Paar zum Cribellum umgebildet. Heute gilt es meist als ursprüngliches Merkmal, das in verschiedenen Entwicklungslinien unabhängig verloren ging. Die Cheliceren der Echten Webspinnen bewegen sich gegeneinander quer zur Körperachse; bei Vogelspinnenartigen klappen sie parallel zur Körperlängsachse ein.
Die ältesten sicheren Webspinnenfossilien stammen aus dem Karbon und besitzen einen segmentierten Hinterleib. Der devonische Attercopus fimbriunguis gilt heute nicht als echte Webspinne, sondern gehört zu den Uraraneida, einer möglichen Wurzel- oder Schwestergruppe. Diese Tiere konnten bereits Spinnstoff erzeugen, besaßen aber weder Spinnwarzen noch Giftdrüsen an den Cheliceren. Sicher bestimmbare Vogelspinnenartige und Echte Webspinnen sind erst aus dem Mesozoikum bekannt. Am Ende der Kreide lassen sich fast alle modernen Familien fossil nachweisen. Besonders aussagekräftig sind Einschlüsse in Bernstein.
Webspinnen und Menschen
Viele Menschen empfinden Spinnen als unangenehm, obwohl in westlichen Industrieländern außerhalb Australiens kaum für Menschen gefährliche Arten vorkommen. Von einfachem Unbehagen ist die Arachnophobie zu unterscheiden, eine krankhafte Angststörung mit der ICD-10-Kennung F40.2. Frauen sind fünfmal häufiger betroffen als Männer. In anderen Kulturen werden Spinnen als nützliche Insektenjäger toleriert, als Nahrung genutzt oder religiös verehrt. In Teilen Kambodschas und Südamerikas werden Vogelspinnen gegessen; in Westafrika gilt Anansi als hohe Gottheit und Urheber von Wissen und Klugheit.
Spinnengifte können vor allem neurotoxisch, also auf das Nervensystem wirkend, oder nekrotisch, also zellzerstörend, sein. Unter den im Artikel genannten gefährlichen Arten sind Einsiedlerspinnen der Gattung Loxosceles, Echte Witwen der Gattung Latrodectus, die Sydney-Trichternetzspinne Atrax robustus und Kammspinnen der Gattung Phoneutria. Seit 1927 wurden trotz häufiger Begegnungen nur 13 Todesopfer durch Atrax robustus gezählt, weil ein wirksames Gegengift verfügbar ist. Vogelspinnen sind entgegen verbreiteter Vorstellungen normalerweise nicht lebensgefährlich; einzelne Gattungen wie Poecilotheria können jedoch stärkere Vergiftungen auslösen. Brennhaare mancher amerikanischer Vogelspinnen verursachen mechanische Haut-, Augen-, Schleimhaut- oder Atemwegsreizungen.
In Mitteleuropa können nur wenige Arten die menschliche Haut durchdringen; Bisse sind sehr selten. Der regional heimische Ammen-Dornfinger kann schmerzhafte Bisse verursachen, gelegentlich mit Übelkeit, Kopfweh, Erbrechen, Fieber oder Schüttelfrost. Die Beschwerden klingen meist nach etwa drei Tagen ab. Gartenkreuzspinne und Wasserspinne können schmerzhaft, aber gewöhnlich folgenlos beißen. Bei jeder Art kann eine Allergie im seltenen Fall bis zum anaphylaktischen Schock führen.
In Nordrhein-Westfalen regelt das Gifttiergesetz seit dem 1. Januar 2021 die Haltung bestimmter gefährlicher Webspinnen. Erfasst sind unter anderem die Gattungen Atrax, Hadronyche, Illawara, Latrodectus, Loxosceles, Sicarius, Hexophthalma, Phoneutria und Missulena sowie Poecilotheria einschließlich Unterarten und Kreuzungen.