Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Trachee (Wirbellose)

Tracheen (Singular: Trachee oder Trachea) sind verzweigte Kanäle zur Versorgung der Gewebe eines Tieres mit Luft. Sie sind charakteristisch für die …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Funktion und Bedeutung der Tracheen
  2. 2. Aufbau und Belüftung
  3. 3. Vorkommen bei Gliederfüßern

Funktion und Bedeutung der Tracheen

Tracheen (Singular: Trachee oder Trachea) sind verzweigte Kanäle, die Gewebe eines Tieres mit Luft versorgen. Sie sind charakteristisch für die Gliederfüßer (Arthropoda) und namensgebend für die Tracheentiere (Tracheata). An der Körperoberfläche liegen Öffnungen, die als Stigmen oder Stigmata bezeichnet werden; die Einzahl lautet Stigma.

Über die Tracheen gelangt Sauerstoff direkt zu den Geweben, während Kohlendioxid abtransportiert wird. Damit übernehmen sie teilweise Aufgaben, die bei Wirbeltieren die Körperflüssigkeiten erfüllen. Außerdem sind Gewebe häufig am Tracheensystem fixiert. Dadurch bestimmt es ihre Lage im Körper und erfüllt teilweise eine Funktion, die bei Wirbeltieren das Skelettsystem übernimmt.

Die Körperflüssigkeit, also Lymphflüssigkeit oder Blut mit Hämocyanin beziehungsweise Hämoglobin, spielt bei der Gasversorgung über Tracheen meist nur eine geringe Rolle. Sie kann jedoch Sauerstoff im Gewebe fein verteilen oder bei Tieren aus sauerstoffarmen Gewässern als Sauerstoffspeicher dienen. Tracheensysteme sind wahrscheinlich im Laufe der Evolution mehrmals unabhängig aus dünnen Hautstellen entstanden und ergänzten oder ersetzten dadurch den Luftaustausch über die Körperoberfläche.

Aufbau und Belüftung

Tracheen entstehen als Einstülpungen der Haut und sind von einer Chitin-Cuticula ausgekleidet. Diese ist meist sehr dünn, damit Sauerstoff leichter in das Gewebe gelangen kann. Zur Stabilisierung besitzt sie häufig ring- oder spiralfederartige Verdickungen, die Taenidien heißen; die Einzahl ist Taenidium.

Von einem Hauptast zweigen sekundäre und tertiäre Äste ab. Die feinsten Verzweigungen werden Tracheolen genannt. Sie bilden an inneren Organen und Muskeln ein dichtes Geflecht und versorgen nahezu jede Körperzelle. Meist sind sie von sternförmigen Tracheenendzellen umgeben.

Die Atmung wird nicht ausschließlich durch einfache Diffusion bestimmt. Die Diffusionsgeschwindigkeit des Sauerstoffs begrenzt die Leistungsfähigkeit des Systems und gilt als ein Grund für die relativ geringe Größe vieler tracheenatmender Tiere. Zusätzlich werden Tracheenwände komprimiert und entspannt. Dadurch entsteht ein aktiver Luftaustausch. Bei einer Laufkäfer-Art wurde eine Atembewegung mit einer Frequenz von 0,5 Hz nachgewiesen; dabei wurde jeweils ein Drittel bis die Hälfte der Luft ausgetauscht.

Eine wichtige Form dieses Luftaustauschs ist die Autoventilation. Dabei wird Luft durch Körperbewegungen, etwa beim Laufen oder Fliegen, im Tracheenvolumen bewegt. Bei größeren Tieren können Luftsäcke hinzukommen, die wie Blasebälge funktionieren und die Ventilation innerhalb des Tracheensystems unterstützen. Druckveränderungen der Hämolymphe können die Öffnungsweite der Tracheen beeinflussen. Außerdem lassen sich die Enden der Tracheolen mehr oder weniger stark mit Flüssigkeit füllen.

Vorkommen bei Gliederfüßern

Bei Tausendfüßern (Myriapoda) und Sechsfüßern (Hexapoda), zu denen auch die Insekten gehören, sind Tracheen ursprünglich paarig in jedem Körpersegment angelegt. Häufig sind die Tracheen innerhalb eines Segments sowie zwischen verschiedenen Segmenten durch Quer- und Längskanäle verbunden. Bei Fluginsekten (Pterygota) entsteht dadurch ein zusammenhängendes Netzwerk. Zusätzlich können Luftsäcke ausgebildet sein. Die Stigmen besitzen oft komplizierte Reusensysteme, die Fremdkörper abhalten und das Verschließen der Öffnungen ermöglichen. Bei vollständig verbundenen Tracheensystemen sind die Stigmen häufig auf ein bis zwei Paare am Vorder- oder Hinterende reduziert.

Bei Spinnentieren (Arachnida) entstehen Tracheen an Einstülpungen, Muskelansätzen oder in ein oder zwei Paaren in den Atemhöhlen der Buchlungen. Viele Spinnentiere, besonders Webspinnen mit gut entwickelten Buchlungen, besitzen jedoch keine oder nur schwach entwickelte Tracheen. Bei Stummelfüßern (Onychophora) entspringen unverzweigte Tracheen an unregelmäßig über die Körperoberfläche verteilten Stigmen. Dort erfolgt ein großer Teil des Luftaustauschs weiterhin über die Körperoberfläche.

Auch im Wasser lebende Gliederfüßer können Tracheen zur Luftatmung besitzen. Häufig nimmt das Stigmenpaar am Hinterende Atemluft an der Wasseroberfläche auf. Bestimmte Insektenlarven, beispielsweise von Libellen oder Eintagsfliegen, entwickeln dagegen Tracheenkiemen. Bei ihnen fehlen Stigmen; Luft wird über bewegliche, von Tracheen durchzogene Kiemensysteme direkt aus dem Wasser aufgenommen.

Lernvideos zu Trachee (Wirbellose)

Weiterlesen

Gewebe (Biologie) Ein Gewebe oder Zellgewebe ist eine Ansammlung differenzierter Zellen einschließlich ihrer extrazellulären Matrix. Die Zellen eines Gewebes besitzen … Luft Als Luft bezeichnet man das Gasgemisch der Erdatmosphäre. Trockene Luft besteht hauptsächlich aus den zwei Gasen Stickstoff (rund 78,08 Vol. Evolution Darunter wird die von Generation zu Generation stattfindende allmähliche Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen und von anderen … Atmung Atmung oder Respiration (lateinisch respiratio) bezeichnet in der Biologie und Physiologie: als innere Atmung oder Zellatmung: enzymatisch katalysierte … Diffusion Diffusion tritt in Gasen, Flüssigkeiten, Feststoffen und Plasmen auf. Die Eigenschaft eines Materials, die Ausbreitung von gelösten Stoffen durch Diffusion zu … Sauerstoff Es ist ein farb- und geruchloses Gas, das in der Luft zu 20,942 % enthalten ist. Es ist an vielen Verbrennungs- und Korrosionsvorgängen beteiligt. Fast alle … Wirbeltiere Wirbeltiere (Vertebrata, deutsch Vertebraten) sind Chordatiere mit einer Wirbelsäule. Zu diesem Unterstamm gehören fünf traditionell als Klassen geführte … Endoskelett Als Endoskelett (auch Innenskelett genannt) bezeichnet man in der Biologie eine mechanische Stützstruktur (Skelett), die nicht Teil der äußeren Hülle des … Exoskelett Exoskelette sind zum Beispiel kennzeichnend für die Gliederfüßer, den größten Stamm des Tierreichs. Auch andere Tierstämme wie Weichtiere (Mollusca) und … Insekten Blutkreislauf. Das Blutgefäßsystem von Insekten besteht im Wesentlichen aus einem Hohlraum, dem Haemocoel, in dem alle inneren Organe in Blut (Hämolymphe) … Spinnentiere Die Spinnentiere (Arachnida, eingedeutscht: Arachniden oder Arachnoiden; altgriechisch ἀράχνη aráchnē „Spinne“) sind eine Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda) … Webspinnen Die Webspinnen (Araneae) sind die bekannteste Ordnung der Spinnentiere (Arachnida), einer Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda). Sie teilen sich weiter in …