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Umweltrassismus
Eine seit den 1980er Jahren entstandene Bewegung stellt dem Umweltrassismus als positive Alternative besonders das Konzept der Umweltgerechtigkeit entgegen.
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Grundidee und Bedeutung
Umweltrassismus bezeichnet rassistische Diskriminierung im Zusammenhang mit Umweltfragen. Dazu gehören drei zentrale Formen: die diskriminierende Umsetzung von Umweltregulierung, eine überdurchschnittliche Belastung bestimmter Gruppen durch Umweltverschmutzung und der Ausschluss von Minderheiten aus umweltrelevanten Entscheidungsprozessen.
Der Begriff wurde in den USA durch Benjamin Chavis geprägt. Im Artikel werden zwei Jahresangaben genannt: einleitend 1987, im Abschnitt zur Geschichte 1982. Chavis definierte Umweltrassismus als rassistische Diskriminierung in der Umweltpolitik, bei der Durchsetzung von Vorschriften und Gesetzen, bei der gezielten Ansiedlung giftiger Abfallanlagen in nicht-weißen Gemeinschaften, bei der offiziellen Billigung lebensgefährlicher Schadstoffe in solchen Gemeinden und beim Ausschluss von People of Color aus Führungspositionen ökologischer Bewegungen.
Wichtig ist der Begriff, weil er zeigt, dass Umweltbelastungen nicht zufällig verteilt sind. Minderheiten, BIPoC und einkommensschwache Gruppen sind oft stärker betroffen, während Gruppen mit mehr Geld, politischer Macht und Mobilität eher Schutzmöglichkeiten haben. Als positive Gegenbewegung entstand seit den 1980er Jahren besonders das Konzept der Umweltgerechtigkeit.
Entstehung und Umweltgerechtigkeit
Die Anerkennung von Umweltrassismus war ein wichtiger Auslöser für die Umweltgerechtigkeitsbewegung, die in den 1970er und 1980er Jahren begann. Frühere Bürgerrechtsbewegungen beeinflussten diese Entwicklung stark. Basisorganisationen machten darauf aufmerksam, dass Minderheiten nicht nur stärker von Umweltgefahren betroffen waren, sondern auch in der Umweltpolitik zu wenig Einfluss hatten.
Ein wichtiges Ereignis war der Widerstand gegen die Platzierung gefährlicher polychlorierter Biphenylabfälle (PCB) in einer Deponie in Warren County, North Carolina. Nach diesen Ereignissen veröffentlichten die Commission for Racial Justice der United Church of Christ und das US General Accounting Office Berichte. Sie zeigten, dass gefährliche Abfallstandorte überproportional häufig in armen Minderheitenvierteln lagen.
Benjamin Chavis und Robert D. Bullard betonten, dass institutioneller Rassismus das Handeln von Regierungen und Unternehmen beeinflusse und so zu Umweltrassismus führe. Bullard beschrieb Umweltrassismus als jede Politik, Praxis oder Richtlinie, die Einzelpersonen, Gruppen oder Gemeinschaften aufgrund von Rasse oder Hautfarbe unterschiedlich beeinflusst oder benachteiligt, unabhängig davon, ob dies beabsichtigt ist oder nicht.
Ursachen und Muster
Der Artikel nennt vier zentrale Faktoren, die zu Umweltrassismus führen: Mangel an bezahlbarem Land, Mangel an politischer Macht, Mangel an Mobilität und Armut. Konzerne und staatliche Stellen suchen häufig billiges Land. Gemeinschaften ohne ausreichende politische Macht können sich solchen Entscheidungen oft nicht wirksam widersetzen und nicht über gerechte Kosten verhandeln.
Minderheitengemeinden verfügen oft nicht über genügend Geld, Ressourcen und politische Vertretung, um sich gegen Sondermülldeponien oder andere belastende Anlagen zu wehren. Solche Anlagen werden als lokal unerwünschte Landnutzungen bezeichnet, abgekürzt LULUs. Sie können zwar der gesamten Gesellschaft nutzen, verschlechtern aber häufig die Lebensqualität der unmittelbaren Nachbarschaft.
Manche betroffene Gemeinden sind wirtschaftlich von solchen Anlagen abhängig und zögern deshalb, Widerstand zu leisten, obwohl ihre Gesundheit gefährdet sein kann. Umstrittene Projekte werden außerdem eher nicht in Gebieten angesiedelt, in denen keine Minderheiten leben und in denen starker kollektiver Widerstand erwartet wird.
In Städten des globalen Nordens entstehen weitere Muster durch Suburbanisierung und Gentrifizierung. Wenn weiße Bevölkerungsgruppen aus Industriegebieten in sauberere Vororte ziehen, bleiben Minderheitengemeinschaften häufiger in Innenstädten und in der Nähe verschmutzter Industriegebiete zurück. Hohe Arbeitslosigkeit, geringe Investitionen und niedrige Immobilienwerte verstärken diese Ungleichheit.
Globale Dimension und Verschmutzung
Obwohl der Begriff in den USA geprägt wurde, beschreibt der Artikel Umweltrassismus als internationales Phänomen. Mit strengeren Umweltgesetzen in Industrieländern verlagern Unternehmen Abfälle teilweise in den globalen Süden. Weniger entwickelte Länder haben oft schwächere Umweltvorschriften und können dadurch zu „Verschmutzungsoasen“ werden.
Besonders gefährdet sind marginalisierte Gemeinschaften, die nicht über genügend sozioökonomische und politische Mittel verfügen, um sich großen Unternehmen entgegenzustellen. Umweltgerechtigkeit richtet sich deshalb gegen Barrieren, die gleichberechtigten Zugang zu Arbeit, Erholung, Bildung, Religion und sicheren Nachbarschaften verhindern.
Der Artikel nennt mehrere Beispiele für Umweltverschmutzung: Bohrstaub trägt zu giftiger Luft bei, Kohlekraftwerke haben in Städten wie Detroit, Memphis und Kansas City Menschen krank gemacht oder getötet, und Bewohner von Tennessee und West Virginia müssen giftige Asche einatmen, die durch Sprengungen in den Bergen für den Bergbau entsteht. Dürre, Überschwemmungen, Bodenverarmung und schlechte Luftqualität beeinflussen Gesundheit und Sicherheit der Menschen vor Ort. BIPoC und einkommensschwache Gemeinden sind davon besonders häufig direkt betroffen.
Als weiteres Beispiel wird Süd-Durban genannt. Dort arbeitete Desmond D'Sa mit Gemeinden, deren Bewohner während der Apartheid zwangsumgesiedelt wurden und heute unter starker industrieller Umweltverschmutzung leiden.
Gesundheitliche Folgen
Umweltrassismus wirkt sich direkt auf die Gesundheit betroffener Gemeinden aus. Ein wichtiger Risikofaktor ist die Belastung durch gefährliche chemische Gifte in Mülldeponien und Flüssen. Solche Gifte können nach Darstellung des Artikels auch die Entwicklung des Gehirns schwächen oder verlangsamen.
Die Tierschutzorganisation In Defense of Animals behauptet, intensive Tierhaltung schade der Gesundheit umliegender Gemeinden. Genannt werden Güllelagunen, die Schwefelwasserstoff produzieren und die örtliche Wasserversorgung verunreinigen können. Dies werde mit mehr Fehlgeburten, Geburtsfehlern und Krankheitsausbrüchen in Verbindung gebracht. Solche Farmen befinden sich laut Artikel überproportional oft in einkommensschwachen Gebieten und in Gemeinden von BIPoC.
Weitere Risiken sind Pestizide, chemische Abwässer und Feinstaub in der Luft. Auch Landarbeiter können durch mangelnde Sauberkeit in Anlagen und chemische Belastung betroffen sein; bei ihnen handelt es sich häufig um BIPoC. Der Artikel weist außerdem darauf hin, dass Klimawissenschaftler Informationen und Daten stärker diversifizieren müssen. Als Beispiel wird ein gravierender Mangel an Daten über sich verschlimmernde Hitzewellen in Afrika genannt, obwohl viele Menschen davon betroffen sind.
Gegenmaßnahmen und Beteiligung
Zur Bekämpfung von Umweltrassismus fordern Aktivisten stärker partizipative und bürgernahe Vorstellungen von Gerechtigkeit. Die Bewegung für Umweltgerechtigkeit und die Bewegung für Klimagerechtigkeit machen auf ungleiche Belastungen aufmerksam und wollen verhindern, dass marginalisierte Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig stark dem Klimawandel und der Umweltverschmutzung ausgesetzt sind.
Eine mögliche Lösung ist das Vorsorgeprinzip. Nach der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung bedeutet es: Bei der Gefahr ernster oder irreversibler Schäden darf das Fehlen vollständiger wissenschaftlicher Gewissheit kein Grund sein, kosteneffiziente Maßnahmen zur Verhinderung von Umweltschäden aufzuschieben. Der Initiator einer potenziell gefährlichen Tätigkeit muss nach diesem Prinzip deren Sicherheit nachweisen. Aktivisten betonen außerdem die Verringerung von Abfall, um Gesamtbelastung und Methanemissionen zu senken.
Ein weiterer Ansatz ist Verfahrensgerechtigkeit. Das bedeutet, dass Entscheidungsprozesse fair, transparent und unparteiisch ablaufen sollen. Alle Beteiligten sollen ihre Positionen, Meinungen und Bedenken äußern können, und betroffene Gruppen sollen von der Planung bis zur Umsetzung einbezogen werden. Dadurch sollen mächtige Akteure wie korrupte Staaten oder private Einrichtungen weniger allein bestimmen können.
Der Artikel nennt außerdem indigene Frauenbewegungen in Kanada. Die Sisters in Spirit Initiative der Native Women’s Association of Canada erstellt Berichte über Tod und Verschwinden indigener Frauen, um Bewusstsein zu schaffen und politisches Handeln anzustoßen. Obwohl die kanadische Bundesregierung 2010 die Finanzierung beendete, unterstützt die NWAC weiterhin Frauen, Two-Spirit und LGBTQ+ indigene Völker. Indigene Gruppen nutzen auch Spiritualität, traditionelle Praktiken und rechtliche Wege wie Verträge, Gesetze gegen Menschenhandel, Gesetze gegen Gewalt gegen Frauen und die UNDRIP. Diese Lösungen gelten vielen indigenen Gruppen jedoch als unzureichend, weil nicht alle Stimmen gehört werden und der Staat die Souveränität indigener Nationen nicht ausreichend respektiert oder anerkennt.