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Umweltökonomische Gesamtrechnung

Die UGR ist keine selbständige Rechnung, sondern eine Erweiterungsrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR). Die nötigen Daten für die UGR werden …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Aufbau
  2. 2. Material- und Energieflüsse
  3. 3. Nutzung von Fläche und Raum
  4. 4. Indikatoren des Umweltzustands
  5. 5. Umweltschutz und Vermeidungskosten
  6. 6. Nachhaltigkeit und europäische Regelung

Grundidee und Aufbau

Die Umweltökonomischen Gesamtrechnungen (UGR) sind ein vom Statistischen Bundesamt und den Statistischen Ämtern der Länder veröffentlichtes Rechenwerk auf Grundlage verschiedener Statistiken. Sie zeigen die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Natur: Einerseits untersuchen sie die Auswirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten auf die Umwelt, andererseits die Bedeutung der Umwelt für die Wirtschaft.

Die UGR erweitert die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR), die vor allem Arbeit, Kapital und monetäre Größen erfasst, um den Faktor Natur. Natur wird wirtschaftlich genutzt, indem Rohstoffe und andere Ressourcen entnommen werden und indem die Umwelt Rest- und Schadstoffe aufnimmt. Betrachtet werden daher die Umweltbelastung durch die Wirtschaft, der gegenwärtige Umweltzustand und die Maßnahmen zum Schutz oder zur Verbesserung der Umwelt.

Die UGR ist keine selbständige Rechnung, sondern eine Erweiterungsrechnung der VGR. Ihre Daten stammen aus verschiedenen Quellen, beispielsweise vom Umweltbundesamt. Häufig werden die Ergebnisse nach Produktions- und Wirtschaftsbereichen gegliedert. Das Ziel besteht darin, sichtbar zu machen, wie stark wirtschaftliche Aktivitäten die Natur beanspruchen und welche Umweltschutzmaßnahmen ergriffen werden.

Material- und Energieflüsse

Umweltprobleme entstehen, wenn Rohstoffe, Energieträger und andere Materialien aus der Umwelt entnommen, in Produktion und Konsum eingesetzt, verändert oder verbraucht und anschließend wieder an die Umwelt abgegeben werden. Zu diesen Abgaben gehören etwa Abfälle, Abwasser, Luftschadstoffe, Abraum und Wärme.

Die Material- und Energieflussrechnung bilanziert diese physischen Ströme zwischen Umwelt und Wirtschaft, beispielsweise in Tonnen oder Joule. Damit ergänzt sie die VGR, die nur monetäre Größen darstellt, und macht Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Tätigkeit und Umweltbelastung erkennbar.

Grundlagen sind monetäre und physische Input-Output-Tabellen. Die monetäre Input-Output-Tabelle (MIOT) zeigt Aufkommen und Verwendung von Gütern nach ihrem Wert. Die physische Input-Output-Tabelle (PIOT) stellt diese Vorgänge mengenmäßig dar. Zusätzlich erfasst sie die Inputs aus der Umwelt in die Wirtschaft, etwa Rohstoffe, Wasser und Sauerstoff, sowie die Outputs der Wirtschaft an die Umwelt, darunter Luftemissionen, Abfall und Abwasser.

Das Materialkonto besteht grundsätzlich aus einer Materialentnahme- und einer Materialabgabeseite. Die Entnahmen umfassen Rohstoffe, Gase wie Sauerstoff und Stickstoff sowie importierte Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren. Die Abgaben umfassen Luftemissionen, Emissionen ins Abwasser, Stoffausbringungen wie Saatgut, Dünger und Streusalz, dissipative Verluste wie Reifenabrieb, abgegebene Gase und exportierte Güter.

Unterschieden wird zwischen verwerteten und nicht verwerteten Entnahmen beziehungsweise Abgaben. Nicht verwertete Materialien wie Abraum und Bergematerial werden in gleicher Menge auf beiden Seiten gebucht, weil sie der Umwelt entnommen und unmittelbar wieder an sie abgegeben werden. Der verbleibende Saldo gilt als Materialverbleib innerhalb der Wirtschaft. Auch deponierter Abfall zählt dazu; Emissionen aus Deponien in Luft oder Wasser werden dagegen als Abgaben erfasst.

Die Ergebnisse zeigen, wie effizient die Umwelt als Produktionsfaktor genutzt wird. Zeitvergleiche über mehrere Jahre können verdeutlichen, wie technischer Fortschritt das Verhältnis von Natur, Arbeit und Kapital verändert. Inzwischen erfassen auch die Bundesländer regionale Materialflüsse. Ergänzend werden beispielsweise Verkehrsleistungen sowie die Nutzung von Siedlungs- und Verkehrsflächen berechnet.

Nutzung von Fläche und Raum

Die Bodengesamtrechnung bildet das Kernstück der Beschreibung des Umweltzustands. Sie untersucht, wie viel Bodenfläche einzelne Wirtschaftsbereiche zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitraums für Siedlungs- und Verkehrszwecke nutzen und wie intensiv diese Nutzung ist.

Landschaften und Ökosysteme gehören als nicht selbst produzierter Bestandteil zum Naturvermögen und tragen zum Produktionsergebnis bei. Flächen werden zwar nicht im eigentlichen Sinn aufgebraucht, können nach ihrer Nutzung aber für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung stehen. Veränderungen oder Verschmutzungen des Bodens können außerdem die Artenvielfalt, den Wasserhaushalt und die Bodenfunktionen beeinträchtigen.

Die Flächennutzung wird nicht in Geld, sondern in Quadratkilometern und meist tabellarisch dargestellt. Als Datenquellen dienen das Statistische Bodeninformationssystem (STABIS), das EU-System zur Erfassung der Bodenbedeckung (CORINE land over) und auf Länderebene auch das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem (ATKIS).

Indikatoren des Umweltzustands

Indikatoren sind messbare Merkmale, mit denen der Zustand der Umwelt beschrieben und in die UGR einbezogen wird. Der Artikel unterscheidet vier Gruppen:

• Verkehrsbezogene Merkmale: Fahrleistungen, Gütertransportleistungen, Personentransportleistungen, Fahrzeugbestände und Verkehrswege.

• Umweltbezogene Merkmale: Energieverbrauch und Luftemissionen, wobei hier Schadstoffausstöße, aber keine Treibhausgase gemeint sind.

• Ökonomische Merkmale: Wertschöpfung, Investitionen und Beschäftigung. Bei der Wertschöpfung werden Kosten der Volkswirtschaft aufgrund der begrenzten Umweltnutzbarkeit betrachtet. Investitionen umfassen Gelder für Entwicklung, Herstellung und Verwendung umweltschonender Maßnahmen und Geräte.

• Soziale Merkmale: Bevölkerung und Haushalte.

Umweltschutz und Vermeidungskosten

Umweltschutzmaßnahmen werden anhand von Investitionen und laufenden Ausgaben berechnet. Die Rechnung folgt den Grundsätzen und Sektoren der VGR. Zwei wichtige Gesamtgrößen sind:

Laufende Ausgaben des produzierenden Gewerbes + laufende Ausgaben des Staates + Anlageinvestitionen = Gesamtausgaben

Laufende Ausgaben des produzierenden Gewerbes + laufende Ausgaben des Staates + Abschreibungen = Gesamtaufwendungen

Anlageinvestitionen sind Ausgaben für dauerhaft reproduzierbare Produktionsmittel des Umweltschutzes mit einer Nutzungsdauer von mehr als einem Jahr. Dazu zählen Maschinen, maschinelle Anlagen, Fahrzeuge und Bauten wie Gebäude, Kanalisationsanlagen und Deponien. Abschreibungen erfassen Wertminderungen des reproduzierbaren Anlagevermögens für den Umweltschutz, etwa durch Verschleiß und wirtschaftliches Verhalten.

Zu den laufenden Ausgaben des produzierenden Gewerbes gehören Personalausgaben einschließlich Wartung und Reparaturen sowie Ausgaben für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe. Die laufenden Ausgaben des Staates umfassen unter anderem Bruttolöhne und -gehälter, tatsächliche Sozialbeiträge sowie Sachausgaben für Geschäftsbedarf, Treibstoffe oder Mieten.

Vermeidungskosten sind geschätzte Kosten der Maßnahmen, die Umweltbelastungen reduzieren oder verhindern sollen. Berechnet wird nicht der Wert bereits entstandener Schäden, sondern der Aufwand zu ihrer Vermeidung. Maßnahmen können technisch sein, beispielsweise Filteranlagen zur Verringerung von Emissionen, oder auf Verhaltensänderungen beruhen, etwa auf der Fahrt mit dem Bus statt mit dem Auto.

Direkte Vermeidungskosten entstehen durch vorbeugende Maßnahmen bei den Verursachern, beispielsweise durch Katalysatoren zur Senkung des Schadstoffausstoßes. Indirekte Vermeidungskosten betreffen die Geschädigten, etwa beim Einbau von Schallschutzfenstern in Wohnhäusern neben Autobahnen.

Da die Maßnahmen im Voraus geplant werden müssen, lassen sich mögliche Alternativen nicht immer vergleichen und nach den geringsten Kosten auswählen. Bei der Lärmreduzierung kommen zum Beispiel Nachtfahrverbote, Lärmschutzwände oder lärmarme Fahrzeuge infrage. Wird nur eine Strategie bewertet, bleiben die anderen unberücksichtigt. Ziel der Kalkulation ist die Schätzung der Kosten, die für eine vollständige Vermeidung von Umweltbelastungen erforderlich wären. Wegen ungenügender Aussagekraft wird dieser Themenbereich neuerdings nicht mehr berücksichtigt.

Nachhaltigkeit und europäische Regelung

Die Bundesregierung veröffentlichte im April 2002 die nationale Strategie für nachhaltige Entwicklung „Perspektiven für Deutschland“. Ihr Kern sind 21 Indikatoren, mit denen die Zielerreichung der Nachhaltigkeit messbar werden soll. Die UGR liefert eine wichtige Grundlage für eine integrierte Nachhaltigkeitspolitik. Zu den in ihr enthaltenen Beispielen gehören Indikator 1 „Rohstoffe- und Energieproduktivität“, Indikator 2 „Treibhausgasemissionen“, Indikator 4 „Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsflächen“, Indikator 11 „Transportaufkommen“ und Indikator 13 „Luftschadstoffe“. Teilgebiete der UGR werden außerdem zur genaueren Berechnung einzelner Indikatoren verwendet.

Am 11. August 2011 trat die EU-Verordnung „über europäische umweltökonomische Gesamtrechnungen“ (Verordnung 691/2011/EU) in Kraft. Sie besitzt transnationale Gesetzeswirkung und verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten zur Erstellung von Umweltbilanzen. Langfristig sollen diese die Berechnung eines Ökosozialproduktes ermöglichen, indem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um Angaben zu Emissionen, Umweltsteuern und Materialflüssen ergänzt wird. Die EU-Kommission veröffentlicht dazu alle drei Jahre einen Bericht.

Die umweltökonomischen Gesamtrechnungen orientieren sich an der Entwicklung eines Systems einer Integrierten Umwelt- und ökonomischen Gesamtrechnung, dem System of Environmental-Economic Accounting.

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