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Trilemma des Wechselkursregimes

Das Trilemma des Wechselkursregimes beschreibt einen der Zielkonflikte, dem ein Staat bei seinen wechselkurspolitischen Entscheidungen ausgesetzt ist.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee des Trilemmas
  2. 2. Wechselkursstabilität und Kapitalverkehr
  3. 3. Feste Wechselkurse
  4. 4. Flexible Wechselkurse und Währungssysteme
  5. 5. Währungskrisen und Mexiko

Grundidee des Trilemmas

Das Trilemma des Wechselkursregimes beschreibt einen zentralen Zielkonflikt der Wechselkurspolitik. Ein Staat kann nach diesem Modell höchstens zwei von drei Zielen gleichzeitig erreichen: Wechselkursstabilität, geldpolitische Autonomie und freie Kapitalbewegungen. Alle drei Ziele zugleich gelten als unmöglich. Das Modell wurde unabhängig voneinander von John Marcus Fleming 1962 und Robert Alexander Mundell 1963 entwickelt und wird auch „Impossible Trinity“ oder „Unmöglichkeit der Dreieinigkeit“ genannt.

Das Mundell-Fleming-Modell erweitert das IS-LM-Modell. Während das IS-LM-Modell Güter- und Geldmarkt einer geschlossenen Volkswirtschaft betrachtet, bezieht das Mundell-Fleming-Modell zusätzlich den Devisenmarkt und internationale Kapitalbewegungen ein. Für offene Volkswirtschaften ergeben sich drei Grundentscheidungen: Freie Kapitalbewegungen und geldpolitische Autonomie führen zu flexiblen Wechselkursen, wie etwa in den USA oder der EU. Fixe Wechselkurse und geldpolitische Autonomie erfordern Beschränkungen des Kapitalverkehrs, wie im Artikel China als Beispiel genannt wird. Fixe Wechselkurse bei freiem Kapitalverkehr bedeuten den Verzicht auf geldpolitische Autonomie, wie im Beispiel Hongkong.

Wechselkursstabilität und Kapitalverkehr

Wechselkursstabilität bedeutet, dass ein Wechselkurs unterstützt oder fixiert wird. Zentralbank oder Regierung können dazu Zinspolitik betreiben oder am Devisenmarkt intervenieren. Interventionen der Zentralbank wirken besonders stark auf die nationale Geldmenge. Manche Industrieländer nutzen kontrolliert schwankende Wechselkurse als Mischform zwischen festem und flexiblem Wechselkurs. Viele Entwicklungsländer koppeln ihre Währung dagegen an eine andere Währung, häufig an den Dollar.

Ein Land kann seine Währung einseitig an eine andere Währung oder an einen Korb mehrerer Währungen binden. Weicht der Wechselkurs um mehr als ein Prozent ab, muss die Zentralbank intervenieren. Das Land übernimmt damit faktisch die geldpolitischen Entscheidungen des Ankerwährungslandes und verliert eigenständige Geldpolitik. Bei festen Wechselkursen entsteht ein Zielkonflikt zwischen Wechselkursstabilität und Preisniveaustabilität: Erhöht die Zentralbank bei freiem Kapitalverkehr die inländische Geldmenge, sinkt der Zinssatz. Anleger legen dann eher im Ausland an, Kapital fließt ab, und die heimische Währung gerät unter Abwertungsdruck. Um den Kurs zu stabilisieren, muss die Zentralbank Devisen verkaufen und inländische Währung kaufen. Dadurch zieht sie die zuvor geschaffene Geldmenge wieder ein und verliert Währungsreserven.

Freie Kapitalbewegungen bedeuten grenzüberschreitenden Kapitalverkehr. Kapitalverkehrskontrollen können die Konvertibilität, also die Tauschbarkeit von Währungen, beschränken und Kapitalzuflüsse oder Kapitalabflüsse verhindern. Theoretisch ermöglichen liberalisierte Finanzströme eine effizientere Ressourcenallokation, bessere Risikodiversifikation und Entwicklung des Finanzsektors. Empirisch hängt ihre Wirkung aber stark von den wirtschaftspolitischen Zielen, der Zentralbank und dem Entwicklungsniveau eines Landes ab.

Feste Wechselkurse

Zu den besonders festen Wechselkursregimen, den Hard Pegs, zählen formale Dollarisierung, Currency Boards und Währungsunionen. Bei der formalen Dollarisierung verwendet ein Land offiziell eine andere Währung, meist den US-Dollar, als gesetzliches Zahlungsmittel. Die heimische Währung wird ersetzt. Beispiele sind Panama 1904, Ecuador 2000 und El Salvador 2001. Mit dem US-Dollar übernehmen diese Länder auch die Geldpolitik der US Federal Reserve. Vorteile sind unter anderem der Ausschluss des Währungsrisikos, niedrigere inländische Zinssätze, geringere Schuldendienstkosten und teilweise ein Rückgang der monetären Inflation. Nachteile sind der Verlust unabhängiger Geldpolitik, der Verlust von Geldschöpfungsgewinnen durch Seignorage und der Wegfall der Zentralbank als „lender of last resort“, also als letzte Liquiditätsquelle in Krisen.

Ein Currency Board ist eine unabhängige Finanzinstitution, die einen gesetzlich festgelegten Wechselkurs verteidigt. Die gesamte Geldmenge ist durch Währungsreserven gedeckt. Das soll Spekulationen erschweren und wurde besonders in Entwicklungsländern zur Bewältigung von Finanzkrisen empfohlen. Beispiele sind Hongkong sowie Litauen, Estland und Bosnien, die ihre Währungen an den Euro gebunden haben. Voraussetzung ist eine annähernd gleiche wirtschaftliche Entwicklung der beteiligten Länder. Vorteile sind fehlendes Abwertungsrisiko, mögliche Inflationssenkung, besserer Zugang zu internationalen Kapitalmärkten und hohe Währungsreserven als Schutz vor spekulativen Angriffen. Nachteile sind der Verzicht auf autonome Geldpolitik und die Notwendigkeit flexibler nationaler Güter- und Faktormärkte.

Eine Währungsunion ist ein einheitliches Währungsgebiet. Sie kann durch fixe Wechselkurse oder durch eine gemeinsame Währung mit Zentralbank entstehen. Die Skandinavische Münzunion von Dänemark, Norwegen und Schweden bestand von 1872 bis 1924. Die Europäische Union wird als Beispiel für eine gemeinsame Währung mit Zentralbank genannt; der Euro wurde am 1. Januar 1999 in 11 Ländern eingeführt. Vorteile sind Preisstabilisierung, Wachstumseffekte im Außenhandel, geringere Transaktionskosten und weniger Wechselkursrisiken. Probleme entstehen durch den Verlust geldpolitischer Autonomie und die schwierige gemeinsame Ausrichtung der Finanzpolitik.

Flexible Wechselkurse und Währungssysteme

Bei völlig flexiblen oder freien Wechselkursen bildet sich der Kurs ausschließlich durch Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt; staatliche Eingriffe bleiben aus. Seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems haben die Weltwährungen US-Dollar, japanischer Yen und Euro flexible Wechselkurse. Administrierte Wechselkurse sind ebenfalls flexibel, aber nur innerhalb bestimmter Bandbreiten. Erreicht der Kurs einen Interventionspunkt, greift die Zentralbank ein. Dieses Verfahren heißt auch „kontrolliertes floaten“. Als Beispiele nennt der Artikel Kanada, Japan und viele Entwicklungsländer.

Historisch war der Goldstandard zwischen 1717 und 1933 die wichtigste Grundlage fester Wechselkurse. Jedes Land legte das Wertverhältnis von Gold zur eigenen Währung fest. Für ein Britisches Pfund galten rund 1/4 Unze Gold, für einen US-Dollar 1/20 Unze Gold; daraus ergab sich ein Wechselkurs von 5 US-Dollar zu 1 Pfund. David Hume zeigte 1752, dass vom Gold ein automatischer Anpassungsmechanismus ausgeht, der das Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz wiederherstellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden wichtige Institutionen: der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und das Bretton-Woods-System. Der IWF überwacht das internationale Währungssystem sowie die Finanz- und Wirtschaftspolitik seiner Mitglieder und vergibt Kredite gegen Auflagen. Die Weltbank vergibt niedrig verzinste Kredite für Entwicklung, etwa in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Verwaltung, Agrarwirtschaft und Umweltmanagement. Das Bretton-Woods-System beruhte auf dem Gold-Devisen-Standard. Am 15. August 1971 hob US-Präsident Richard Nixon die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold auf; dies gilt als „Anfang vom Ende“ des Systems. Als Gründe nennt der Artikel unter anderem die Rolle des US-Dollars als nationale Währung und internationales Zahlungsmittel sowie zu zögerliche Wechselkursanpassungen.

Währungskrisen und Mexiko

Durch die starke Zunahme freien Kapitalverkehrs kam es besonders in Schwellenländern zu gefährlichen Währungskrisen. Typische Anzeichen sind eine systematische Überbewertung der Währung, geringe Währungsreserven, hohe Leistungsbilanzdefizite mit starker Kreditaufnahme im Ausland und höhere Inflationsraten als in Industrieländern.

Der Artikel unterscheidet drei Generationen von Währungskrisen. Krisen der ersten Generation entstehen meist in Ländern mit festen Wechselkursen, wenn sich makroökonomische Rahmenbedingungen verschlechtern und der Wechselkurs nicht oder zu spät angepasst wird. Krisen der zweiten Generation beruhen auf spekulativen Angriffen und mangelndem Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Politik. Krisen der dritten Generation übertragen sich schnell auf andere Länder und entstehen häufig durch mikroökonomische Defizite, etwa übermäßige Verschuldung und Schwächen im Finanzsystem.

Die Mexikokrise von 1994/1995 zeigt solche Zusammenhänge. Ölpreisschocks 1973/74 und 1979/80 führten in nicht erdölexportierenden Ländern zu hohen Leistungsbilanzdefiziten; Argentinien, Brasilien und Mexiko verschuldeten sich stark. 1982 wurde Mexiko zahlungsunfähig. Ab 1989 folgten Reformen: Deregulierung, Privatisierung, Zollsenkungen, 1994 der Beitritt zur NAFTA und ab 1991 ein breites Wechselkursband mit wechselkursorientierter Stabilisierungsstrategie. 1993 war der Peso gegenüber dem US-Dollar nahezu stabil, doch Wachstum blieb aus und die private Sparquote sank. Politische Unsicherheit 1994 führte zu Kapitalflucht, Peso-Abwertung und steigenden Zinsen. Im Dezember 1994 wurde erst die Bandbreite erweitert, zwei Tage später der Wechselkurs freigegeben. Der Peso wertete in den folgenden zwei Jahren stark gegenüber dem Dollar ab. Als Ursachen nennt der Artikel die Überbewertung des Pesos, Schwächen bei Privatisierung und Deregulierung sowie die Mitverantwortung internationaler Anleger. Der IWF gewährte Mexiko 17,8 Milliarden US-Dollar Kredit; 1996 wuchs die Wirtschaft wieder.

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