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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Kaunertal

Das Kaunertal ist ein nord-südlich verlaufendes Tal in den Ötztaler Alpen im österreichischen Bundesland Tirol, das vom Inntal abzweigt.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Landschaft, Siedlung und Klima
  3. 3. Gestein, Schutz und Entwicklung
  4. 4. Verkehr und Wirtschaft
  5. 5. Bergsport

Überblick und Lage

Das Kaunertal ist ein etwa 20 km langes, nord-südlich verlaufendes Trogtal in den Ötztaler Alpen in Tirol, Österreich. Es zweigt bei Prutz vom Inntal ab, liegt auf etwa 900 bis 1900 m ü. A. und wird von der Fagge durchflossen. Teile des Tals stehen als Naturpark Kaunergrat unter Schutz.

Bei Prutz verläuft das Tal zunächst rund 5 km nach Osten und knickt dann scharf nach Süden. Im Osten begrenzt der Kaunergrat das Tal, im Westen der Glockturmkamm. Den Talschluss bildet der Gepatschferner, der zweitgrößte Gletscher Österreichs. Der hintere Talabschnitt wird vom rund 6 km langen Gepatschspeicher eingenommen; bei Feichten zweigt nach Osten das Verpeiltal ab.

Landschaft, Siedlung und Klima

Die Fagge fließt vom Gepatsch-Stausee zunächst nach Norden, biegt dann nach Westen ab und mündet bei Prutz in den Inn. Zwischen Prutz und Nufels ist der Talabschnitt steil und eng. Ab Nufels wird der Talboden breiter, verläuft nach Süden und steigt zunächst nur sanft an; zum Stausee folgt wieder eine Talstufe.

Nach der schluchtartigen Ausmündung bei Nufels liegen auf der Sonnenseite Wiesenhänge, auf der Schattenseite fast geschlossener Fichtenwald. Die meisten umgebenden Berge sind höher als 3000 m und bestehen aus weglosen Felsgeländen mit eingelagerten Gletschern. Besiedelt ist vor allem der untere Talabschnitt. Der größte Teil gehört zur Gemeinde Kaunertal; am Talausgang liegen Anteile der Gemeinden Kauns, Kaunerberg, Faggen und Prutz.

Im Winter liegen die Durchschnittstemperaturen bei −8 bis 2 °C, im Sommer bei 13 bis 25 °C. Der Juni ist der wärmste, der Januar der kälteste Monat. Das gemäßigte Klima begünstigt Sommer- und Wintertourismus. Das Kaunertal ist zudem eine KLAR!-Region, also eine Klimawandel-Anpassungs-Modell-Region. Zu den genannten Anpassungsprojekten am Kaunergrat gehören naturnaher Waldbau, Regenwassernutzung, „Obst für alle“ und Trinkbrunnen im Projekt „Wasser für alle“.

Gestein, Schutz und Entwicklung

Kaunergrat und Glockturmkamm bestehen aus Ötztalkristallin. Dort überwiegen feste Granitgneise gegenüber den in den Ötztaler Alpen sonst verbreiteten, leichter erodierbaren Schiefergneisen und Glimmerschiefern. Dieses Gestein erklärt das besonders kantige und steil aufragende Erscheinungsbild des Kaunergrats.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Tal für Post- und Fremdenverkehr schwer erreichbar. Wegen der Almen entstand eine Zufahrt; erste Besucher kamen ins Tal, Einheimische arbeiteten als Reiseführer und Gasthöfe entstanden. 1873 wurden einzelne Bergbauern zu Bergführern, nachdem im selben Jahr das Gepatschhaus als erste deutsche Alpenvereinshütte in Österreich errichtet worden war. Ein Verkehrsverein entstand 1930; die Weltkriege von 1914 und 1939 sowie die NS-Regierung bremsten die Entwicklung.

Seit Mitte der 1950er Jahre nahm der Tourismus stetig zu. Der Bau der Gletscherstraße begann 1960; Gepatschspeicher und Kraftwerk ermöglichten 1980 das Gletscherskigebiet auf dem Weißseeferner. 1966 wurde in Fendels der erste Lift eröffnet. Das Gebiet wurde in den 1980er Jahren auch bei Snowboardern bekannt: 1985 fand erstmals das Snowboarder-Kaunertal-Opening statt, und es entstand eine der ersten Halfpipes der Alpen. Seit 2003 gehört das Tal zum Naturpark Kaunergrat; seit 2007 gibt es in Fließ das Naturparkhaus Kaunergrat, auch mit barrierefreien Themenwegen. Starker Tourismus beeinträchtigt laut Artikel Biodiversität und Lebensräume und kann Murenabgänge sowie Lawinen begünstigen. Am 25. Juli 2019 verschüttete eine Mure nach Starkregen die Straße ins hintere Tal; 40 eingeschlossene Personen wurden am Folgetag mit Helikoptern ausgeflogen.

Verkehr und Wirtschaft

Die Kaunertalstraße L 18 zweigt in Prutz von der Reschenstraße ab. Etwa 1,3 km südlich von Feichten geht sie in die mautpflichtige Kaunertaler Gletscherstraße über. Diese führt auf 26 km am Gepatschspeicher und Gepatschhaus vorbei bis an den Rand des Weißseeferners. Ihr Ende liegt auf 2750 m ü. A. Vom Bahnhof Landeck-Zams besteht mit Umstieg in Prutz eine regelmäßige Busverbindung; Stand 03/2025 fährt im Winter die Linie 230 fünfmal täglich bis zum Gletscherskigebiet, sonst gibt es je zwei Relationen.

Land- und Forstwirtschaft verloren stark an Bedeutung: Die Zahl der Bauernhöfe sank von 63 im Jahr 1960 auf 39 im Jahr 2020. Davon wurden 5 als Haupterwerb, 4 als juristische Person und 30 im Nebenerwerb geführt. Nur noch 8 Personen waren als Bauern tätig, 242 dagegen im Dienstleistungsgewerbe. Wichtigste Einnahmequelle ist der Tourismus: Wandern prägt den Sommer, Skigebiete den Winter. Die Gastankünfte stiegen von 16.339 im Jahr 1981 auf 63.705 im Jahr 2013; die Einwohnerzahl der Gemeinde Kaunertal lag 2013 bei 620.

Bergsport

Die Skiregion besteht aus Kaunertaler Gletscher und Winterberg Fendels und bietet zusammen 61 km Pisten. Der Kaunertaler Gletscher umfasst 50 km Pisten und 8 Lifte, Winterberg Fendels 11 km Pisten und 6 Lifte. Auf dem wegen Gletscherschmelze zurückweichenden Weißseeferner ist liftunterstützter Skiabfahrtslauf vom Herbst bis zum Frühsommer möglich. Die 2019 eröffnete, barrierefreie Falginjochbahn führt über ein 2000 m langes Spannseil auf 3113 m Seehöhe, den höchsten Punkt des Gletscherskigebiets. Ihr Doppelseilsystem erlaubt Betrieb bei starkem Wind. Zwischen Feichten und Platz gibt es Langlaufloipen verschiedener Schwierigkeitsgrade sowie Naturrodelbahnen.

Das abgeschiedene Tal zwischen zwei Bergkämmen bietet moderate und anspruchsvolle Wanderungen. Ein Beispiel ist der Anstieg zur Gsallalm: 690 Hm und etwa 4 Stunden im steilen Gelände. Die Besteigung des Glockturms (3353 m) ist ein Gipfelziel für erfahrene Bergwanderer; sie verlangt ausgezeichnete Erfahrung in Fels und Eis und dauert einschließlich Abstieg mindestens 7 Stunden. Im Verpeiltal ist das Gebiet um die Verpeilhütte für Eisklettern bedeutsam. An den Granitplatten der Fernergrieswände im hinteren Tal gibt es Sportkletter- und Mehrseillängenrouten mit eher moderaten Schwierigkeiten.

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