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Taschlich
Als Taschlich (hebräisch תשליך „du wirst werfen“) oder Taschlich machen bezeichnet man einen jüdischen Brauch im Anschluss an das Mincha-Gebet des ersten …
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Bedeutung und Ablauf
Taschlich ist ein jüdischer Brauch im Anschluss an das Mincha-Gebet des ersten Neujahrstages, Rosch ha-Schana. Die Zeremonie soll zur Buße vor Gott und zur inneren Läuterung anregen. Sünden des vergangenen Jahres werden dabei symbolisch abgeschüttelt und im Wasser versenkt.
Möglichst kurz vor Sonnenuntergang begeben sich die Gläubigen an ein Gewässer, etwa an einen Bach, Fluss, See oder Meeresstrand. Auch ein Brunnen oder eine Quelle kann genügen. Dort schütteln sie ihre Kleider aus, leeren ihre Taschen und bürsten die Kleidersäume aus; teilweise werden Brotkrumen ins Wasser gestreut. Die Krümel stehen symbolisch für Sünden, die an einem Menschen haften geblieben sind.
Dreimal wird ein Gebet nach Micha 7,19 gesprochen: „Du wirst … alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen (we-taschlich).“ Das Taschlichgebet ist zugleich ein Flehen um Vergebung und um das Vergessen der Sünden. Es enthält außerdem Bitten um ein Jahr des Lebens, des Friedens und der Erfüllung der Wünsche.
Das Gebet wird vor Sonnenuntergang am ersten Neujahrstag gesprochen. Fällt der erste Neujahrstag auf einen Schabbat, findet Taschlich am zweiten Neujahrstag statt. Wurde der Brauch an Rosch ha-Schana nicht begangen, kann er bis Jom Kippur und sogar bis Hoschana Rabba, dem 7. Tag von Sukkot, nachgeholt werden.
Gebet und zentrale Aussage
Der Gebetstext beruht auf Micha 7,18–20. Er beginnt mit den Worten מִי אֵל כָּמֽוֹךָ („Mi El Kamócha“): „Wer ist ein G’tt wie Du“. Diese Eingangsworte verbinden die Not des Betenden mit dem Vertrauen darauf, dass Gott helfen kann.
Der Text preist Gott als denjenigen, der Schuld verzeiht, an der Sünde vorübergeht und sich erneut erbarmt. Er bittet darum, alle Sünden zunichtezumachen und sie „in die Tiefen des Meeres“ zu werfen. Danach werden Gottes Treue gegenüber Jakob und seine Güte gegenüber Abraham genannt, entsprechend dem Schwur an die Vorfahren in früheren Zeiten.
Der Artikel gibt den vollständigen Abschnitt in hebräischer Schrift sowie in aschkenasischer und israelischer Transkription und deutscher Übersetzung wieder. Zu den zentralen Formulierungen gehören:
- „Du wirst Dich aufs Neue über uns erbarmen“.
- „Unsere Sünden wirfst Du in die Tiefen des Meeres“.
- „Du erweist Ja’akow Deine Treue und Awraham Deine Güte“.
Mit der Zeit wurde das Taschlich-Ritual durch weitere, optionale Gebete ergänzt. Der symbolische Vorgang am Wasser veranschaulicht dabei den Inhalt des Gebets: Die Sünden werden nicht tatsächlich durch Krümel oder das Ausschütteln der Kleidung entfernt, sondern bildlich Gott zur Vergebung anvertraut.
Ungeklärter Ursprung und Kritik
Der Ursprung des Brauches ist nicht geklärt. Es lässt sich heute nicht mehr feststellen, ob Taschlich ursprünglich auf den genannten Bibelvers gestützt wurde oder ob Micha 7,19 erst nachträglich als Erklärung für das Ritual herangezogen wurde.
Im Mittelalter lehnten einige bedeutende jüdische Gelehrte den Brauch ab, weil sie einen heidnischen Ursprung vermuteten. Rabbi Jesaja Horowitz, ein Kabbalist des 16. Jahrhunderts, hielt es für unsinnig zu glauben, man könne sich durch das Entleeren der Taschen in ein Gewässer von seinen Sünden befreien. Er schlug jedoch vor, an ein fischreiches Gewässer zu gehen. Die Fische sollten daran erinnern, dass der Mensch ihnen gleiche und ständig auf der Hut sein müsse, nicht gefangen zu werden.
Ein mögliches Missverständnis des Brauches könnte zur hochmittelalterlichen antijudaistischen Verschwörungstheorie beigetragen haben, Juden hätten während der Verbreitung der Pest Brunnen vergiftet. Der Artikel stellt diesen Zusammenhang als Möglichkeit dar, nicht als gesicherte Tatsache.