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Taktstock

Ein Taktstock, auch Dirigentenstab, ist ein Stab, mit dessen Hilfe der Dirigent einem musizierenden Ensemble den Takt anzeigt, Einsätze gibt sowie Betonungen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung
  2. 2. Bauweise, Materialien und Sichtbarkeit
  3. 3. Dirigieren mit dem Taktstock
  4. 4. Entwicklung zum modernen Dirigentenstab

Aufgabe und Bedeutung

Ein Taktstock, auch Dirigentenstab, ist ein dünner Stab, mit dem ein Dirigent einem musizierenden Ensemble den Takt anzeigt, Einsätze gibt sowie Betonungen und musikalische Bewegungen verdeutlicht. Er verlängert den Arm optisch: Die Musiker können auch kleine Bewegungen aus größerer Entfernung besser erkennen. Damit ist er besonders bei großen Ensembles und in dunklen Orchestergräben wichtig.

Der Tambourstab von Tambourmajoren ist kein Taktstock. Er ist mit etwa 90–130 cm wesentlich größer und wird auch Stab oder Küs genannt.

Bauweise, Materialien und Sichtbarkeit

Ein Taktstock ist rund, zur Spitze hin schmaler und besitzt am dickeren Ende meist einen Griff. Am Griffansatz beträgt sein Durchmesser ungefähr 4 mm, an der Spitze ungefähr 2 mm. Meist ist er 35 bis 46 cm lang. Als Orientierung für die Länge ohne Griff kann die Entfernung zwischen Ellenbeuge und Fingeransatz des Mittelfingers der Dirigierhand dienen. Persönliche Vorlieben und die Größe des Orchesters sind ebenfalls entscheidend; Hartmut Haenchen empfand beispielsweise bei einem Kammerorchester einen 40 cm langen Taktstock als unangemessen groß.

Der Griff kann oval, ovalförmig, zylindrisch oder wie ein Kegelstumpf geformt sein. Es gibt auch Modelle ohne besonderen Griff, bei denen das Holz am Ende nur etwas dicker geschliffen ist. Verwendet werden vor allem Holz, Fiberglas oder Carbon (Kohlenstofffasern); Fiberglas und Carbon sind sehr stabil. Früher gab es auch Taktstöcke aus Elfenbein. Griffe bestehen meist aus Kork oder Holz. Kork ist leicht und nimmt Feuchtigkeit von den Fingern auf. Sehr leichte Taktstöcke wiegen 4 g, schwerere 20 bis 30 g.

Meist ist der Taktstock hell oder weiß, damit er sich vom üblicherweise schwarz gekleideten Dirigenten abhebt und in dunkler Umgebung besser sichtbar ist. Daneben kommen rote oder grüne Signalfarben vor. Für besondere Zwecke gibt es nachleuchtende Stäbe oder Modelle mit LED an der Spitze und Stromversorgung im Griff. Haenchen ließ sich in Amsterdam einen beleuchteten Taktstock bauen, um den Beginn von Wagners Oper Das Rheingold in völliger Dunkelheit dirigieren zu können. Taktstöcke werden oft nach den Wünschen ihres Besitzers gefertigt und können dessen Zeichen tragen; für Dirigenten haben sie eine ähnliche persönliche Bedeutung wie ein Instrument für Musiker.

Dirigieren mit dem Taktstock

Der Taktstock macht dieselbe Handbewegung über große Entfernungen deutlich sichtbarer. Riccardo Chailly schätzte, dass seine Spitze die Sichtbarkeit einer Bewegung aus 20 oder 30 Metern Entfernung um fast 50 Prozent verstärkt. Weil der Arm optisch verlängert wird, kann ein Dirigent mit kleineren Armbewegungen arbeiten und dadurch Kraft sparen.

Teilweise reicht es, den Taktstock hauptsächlich aus dem Handgelenk zu bewegen. Nach Hartmut Haenchen genügt es bei vielen Werken, sich auf die notwendigsten Informationen zu beschränken; dies könne sogar bei fortissimo, also sehr lautem Spiel, funktionieren. Dann hat die Probenarbeit die Gestaltung des Orchesters so vorbereitet, dass der Dirigent nicht mehr mit „Forderungszeichen“, sondern nur mit „Erinnerungszeichen“ leiten muss. In Opernhäusern ist ein Taktstock wegen der schlechten Lichtverhältnisse im Orchestergraben fast immer nötig.

Entwicklung zum modernen Dirigentenstab

Vor dem heutigen Taktstock nutzte man beim Dirigieren unter anderem Geigenbogen, Papierrolle oder nur die Hände. Der früheste literarische Nachweis für einen Stab beim Dirigieren ist offenbar ein Bericht von Ercole Bottrigari über ein Konzert in Ferrara am Ende des 16. Jahrhunderts: Die Nonne und maestra di concerto Vittoria Raffaella Aleotti dirigierte ihr Ensemble mit einem polierten Stab. In der deutschen Barockzeit wurde gerolltes Notenpapier verwendet. Am Hof Ludwigs XIV. in Frankreich stampfte man mit schweren, reich verzierten Stäben den Takt auf den Boden. Jean-Baptiste Lully verletzte sich 1687 bei einer Motettenaufführung mit seinem Taktstock am Fuß und starb einige Monate später an Wundbrand.

Die heutige Form entstand im 19. Jahrhundert in der Romantik. Größere Orchester und Chöre erweiterten die Aufgaben des Dirigenten, und die teilweise großen Entfernungen machten ein Hilfsmittel nötig, das Bewegungen vergrößerte und verdeutlichte. In Wien verwendete Ignaz Franz von Mosel 1812 erstmals einen Taktstock. Frühe Taktstöcke waren deutlich schwerer als heutige: Nach Tadeusz Strugała hielt man sie deshalb in der Mitte und konnte damit vor allem den Takt schlagen, nicht filigran dirigieren. Da Dirigenten damals helle Anzüge trugen, waren die Stäbe schwarz und nur an den Enden weiß. Heute ist der Taktstock auch ein Symbol für den Dirigenten.

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