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Wendekreis (Breitenkreis)

Die beiden Wendekreise sind besondere Breitenkreise der Erde. Sie sind durch die Orte definiert, an denen die Sonne zur nördlichen oder südlichen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Astronomische Grundlage
  3. 3. Lageveränderung
  4. 4. Nördlicher Wendekreis
  5. 5. Südlicher Wendekreis

Definition und Bedeutung

Die beiden Wendekreise sind besondere Breitenkreise der Erde. Sie markieren die Orte, an denen die Sonne zur nördlichen oder südlichen Sommersonnenwende am Mittag genau im Zenit steht. Zenit bedeutet: Die Sonne steht senkrecht über dem Beobachtungsort; dadurch kann ein senkrechter Gegenstand keinen seitlichen Schatten werfen.

Zwischen den beiden Wendekreisen liegt die Zone der solaren Tropen. Dort steht die Sonne an jedem Ort zweimal im Jahr im Zenit. Außerhalb der Wendekreise geschieht das niemals. Deshalb sind die Wendekreise wichtige Grenzen für das Verständnis von Sonnenstand, Jahreszeiten und Klimazonen.

Die Wendekreise verlaufen parallel und symmetrisch zum Äquator. Ihre geographische Breite beträgt 23° 26′ 05″, also 23,43472°, nördlich und südlich des Äquators. Dieser Wert entspricht der Schiefe der Ekliptik. Jeder Wendekreis ist knapp 36.800 km lang und liegt gut 2609 km vom Äquator entfernt.

Astronomische Grundlage

Astronomisch entsprechen die Wendekreise Kreisen am Himmel, die parallel zum Himmelsäquator verlaufen. Der Himmelsäquator ist die gedachte Projektion des Erdäquators an die Himmelskugel. Die Ekliptik ist die scheinbare Jahresbahn der Sonne am Himmel; sie schneidet den Himmelsäquator schräg und ist ebenfalls ein Großkreis.

Die Wendekreise berühren die Ekliptik. Ihr Winkelabstand vom Himmelsäquator beträgt ebenfalls ±23°26′05″. Dieser Wert ist zugleich die Grenze für den Deklinationswinkel der Sonne. Deklination bedeutet hier der Winkelabstand eines Himmelskörpers vom Himmelsäquator.

Zur Sommersonnenwende dauert der Tag am entsprechenden Wendekreis 13,5 Stunden. Zur Wintersonnenwende dauert er am gleichen Wendekreis 10,5 Stunden.

Lageveränderung

Die Lage der Wendekreise ist nicht völlig unveränderlich. Der Grund ist, dass sich die Schiefe der Ekliptik langfristig verändert. Ursache dafür sind Perturbationen, also Störungen durch andere Körper im Sonnensystem.

Zurzeit bewegen sich die Wendekreise, abgesehen vom kurzfristigen Taumeln der Erdachse, im Mittel auf den Erdäquator zu. Die Geschwindigkeit beträgt etwa eine Bogenminute in 128 Jahren, das entspricht ungefähr 14,4 m pro Jahr. Trotzdem nimmt man an, dass die Schiefe der Ekliptik seit der Entstehung des Mondes insgesamt ungefähr in der heutigen Größenordnung blieb.

Nördlicher Wendekreis

Am nördlichen Wendekreis steht die Sonne zur Sommersonnenwende der Nordhalbkugel um den 21. Juni im Zenit. Er wird auch Wendekreis des Krebses genannt, lateinisch tropicus cancri und englisch Tropic of Cancer.

Der Name bezieht sich auf die tropischen Tierkreiszeichen, die in der späten Antike festgelegt wurden. In der westlichen Astrologie markiert dieser Punkt auch heute den Beginn des Tierkreiszeichens Krebs. Das tatsächliche Sternbild, in dem die Sonne zur Sonnenwende stand, war bis 15 v. Chr. ebenfalls der Krebs. Durch die Präzession der Erdachse, also die langsame Verschiebung der Äquinoktialpunkte im siderischen Bezugssystem, wanderte dieser Punkt danach in das Sternbild Zwillinge und befindet sich seit 1990 im Sternbild Stier.

Der nördliche Wendekreis verläuft vom Nullmeridian ostwärts durch die Sahara in Algerien, Libyen und Ägypten. Danach führt er über die Arabische Halbinsel, das Arabische Meer, Indien, Bangladesch, Myanmar, den Süden Chinas und Taiwan. Im Pazifik verläuft er 136 km nördlich der zu Hawaii gehörenden Insel Kauaʻi. Anschließend durchquert er Mexiko, den Golf von Mexiko und den Atlantik, bevor er wieder Afrika und die Sahara erreicht.

Völkerrechtlich ist der nördliche Wendekreis im Nordatlantikvertrag wichtig. Er begrenzt nach Süden hin den Wirkungsbereich der NATO für Inseln im Nordatlantik, die zur Gebietshoheit von NATO-Bündnispartnern gehören. Artikel 6 nennt bewaffnete Angriffe auf Inseln im nordatlantischen Gebiet nördlich des Wendekreises des Krebses als Teil des Anwendungsbereichs von Artikel 5.

Südlicher Wendekreis

Am südlichen Wendekreis steht die Sonne zur Sommersonnenwende der Südhalbkugel um den 21. Dezember im Zenit. In Europa entspricht dies der Wintersonnenwende. Er wird auch Wendekreis des Steinbocks genannt, lateinisch tropicus capricorni und englisch Tropic of Capricorn.

Auch dieser Name stammt aus dem Zusammenhang der tropischen Tierkreiszeichen der Antike. Wegen der Präzession steht die Sonne zur Sonnenwende heute jedoch im Sternbild Schütze.

Der südliche Wendekreis verläuft vom Nullmeridian ostwärts durch den Süden Afrikas: Namibia, Botswana, Südafrika, Mosambik und Madagaskar. Danach führt er durch den Indischen Ozean, Australien, den Pazifik und Südamerika. In Südamerika durchquert er Chile, den nördlichsten Zipfel Argentiniens, Paraguay und Brasilien. Danach verläuft er weiter durch den Südatlantik.

Zu den Ländern, die vollständig südlich des Wendekreises des Steinbocks liegen, zählen Eswatini, Lesotho, Neuseeland und Uruguay.

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