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St. Maria Himmelfahrt (Herxheim)

St. Maria Himmelfahrt (Herxheim) ; Konfession, katholisch ; Ort, Herxheim bei Landau/Pfalz, Deutschland ; Diözese · Bistum Speyer ; Patrozinium, Mariä Himmelfahrt.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Bauwerk
  4. 4. Künstlerische und liturgische Ausstattung
  5. 5. Glocken und Orgel
  6. 6. Laurentius-Brotweihe

Überblick und Bedeutung

St. Maria Himmelfahrt ist die katholische Pfarrkirche von Herxheim bei Landau/Pfalz im Bistum Speyer. Sie ist der Aufnahme Mariens in den Himmel geweiht und prägt durch ihre zentrale, erhöhte Lage das Ortsbild. Seit der Gründung der Pfarrei Hl. Laurentius Herxheim am 1. Januar 2016 ist sie deren Hauptgottesdienstort und größtes Kirchengebäude.

Die Kirche entstand durch mehrere Um- und Erweiterungsbauten und verbindet deshalb verschiedene Baustile. Besonders wichtig sind der spätgotische Chor von 1507, die Glockenstube von 1585 und das 1776/1777 errichtete, hallenartige Kirchenschiff im spätbarocken Stil. Die Ausstattung umfasst außerdem spätgotische, Rokoko- und moderne Elemente.

Geschichtliche Entwicklung

Als frühester Vorgänger wird eine kleine Hofkirche nach der Gründung Herxheims im Jahr 773 angenommen; gesicherte Angaben fehlen jedoch. 1213 wurde erstmals ein Kirchengebäude in Herxheim urkundlich erwähnt. Vermutlich war es bereits eine zweite, romanische Kirche. Im mittelalterlichen Eigenkirchenwesen unterstand eine Kirche häufig einem adeligen Grundherrn, der unter anderem für Gebäude und Priester verantwortlich war. Zwei Drittel des Kirchenzehntes gingen an Herxheimer Adelsfamilien, während seit 1213 ein Drittel dem Domsänger zu Speyer zustand. Dieser kümmerte sich auch um den Ausbau von Chor und Pfarrhaus. Seit dem 16. Jahrhundert besaß die Familie der Löwensteiner die Hälfte des Kirchenzehntes.

Bis zur Französischen Revolution waren politische und kirchliche Gemeinde weitgehend miteinander verbunden. Der Friedhof lag um die Kirche; verwitterte Grabreste südöstlich des Chores sind erhalten. Nach der Reformation durften dort nur katholische Christen bestattet werden. Während der Revolutionszeit wurde das Pfarrhaus verwüstet und anschließend von der politischen Gemeinde renoviert. Diese veranlasste auch den Kirchenumbau von 1833/1834.

Am 15. August 1910, dem Fest des Patroziniums, verzichtete die Ortsgemeinde zugunsten des pfarrlichen Verwaltungsrates auf ihre Besitzansprüche am Kirchturm. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Pfarrei die vollständige Verantwortung für Turm, Glocken und Turmuhr; seit 1948 trägt sie sämtliche Bau- und Unterhaltungspflichten.

Bauwerk

Der spätgotische Chor von 1507 bildet das Herzstück der Kirche. Eine Inschrift am südlichen Grundstein lautet „Anno ◊ dni ◊ MCCCCC VII ◊ uf ◊ viti ◊ und ◊ modesti ◊“, übersetzt: „Im Jahre des Herrn 1507 auf Vitus und Modestus“. Ihr Gedenktag ist der 15. Juni. Ob dieses Datum Baubeginn, Fertigstellung oder Weihe bezeichnet, ist unbekannt. Der Chor besitzt ein dreijochiges Netzgewölbe mit einem Abschluss in Achteckseiten. An seinen Seitenwänden stehen Figuren der Nebenpatrone St. Sebastian und St. Laurentius.

Das etwa 40 m × 20 m große Kirchenschiff wurde 1776/1777 wegen des starken Bevölkerungswachstums nach Plänen von François Gavillet errichtet. Es ist ein schlichter, saalartiger Funktionsbau. Einschließlich der Empore bietet die Kirche Sitzbänke für 1000 Menschen. Die Empore ruht auf zwölf Eichenstämmen in Marmoroptik. Zum Innenraum gehören außerdem 14 von J. Mayr aus München geschaffene Kreuzwegstationen in Öl von 1868 und vier Rokoko-Seitenaltäre aus dem 18. Jahrhundert.

Das untere Mauerwerk des Kirchturms entstand wahrscheinlich um 1400; die jüngeren Teile sind an helleren Steinstrukturen erkennbar. Die Glockenstube trägt die Jahreszahl 1585. Beim Umbau 1833/1834 wurde der Turm um etwa sechs Meter erhöht, an der Südseite ein gotisches Portal eingebaut und die mittelalterliche Spitze durch eine kleinere Laterne ersetzt. 1967 entstand die heutige Spitze: Der Turm wurde um 20 Meter auf insgesamt 57 Meter erhöht. Den Abschluss bilden eine Kugel mit 0,70 Meter Durchmesser und ein 3,10 Meter hohes Kreuz.

Nach schweren Schäden wurde der Turmhelm ab 2015 mit einer Holzverschalung und 18.000 spanischen Schieferplatten in altdeutscher Deckung erneuert. Das korrodierte Turmkreuz und die Kugel wurden nach dem Originalzustand neu vergoldet. Die 19-monatige Sanierung endete im Juni 2017.

Künstlerische und liturgische Ausstattung

Im Chor steht der Hochaltar von 1950, geschaffen von den Professoren Panzer aus München und Burkhart aus Frankfurt. Sein versilberter Tabernakelschrein dient zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien. Der darüberliegende Flügelaltar zeigt in der Mitte die Entschlafung Mariens im Kreis der Jünger Jesu. Acht Bilder auf den Seitenflügeln behandeln Stationen aus ihrem Leben, von der Verkündigung bis zur Hochzeit zu Kana. Auf den Rückseiten erscheinen St. Laurentius und St. Sebastian. In Advent und Fastenzeit werden die Flügel geschlossen. Darüber stellt eine Strahlenmandorla die Aufnahme Mariens in den Himmel dar.

Bischof Anton Schlembach weihte im April 1994 einen achteckigen Zelebrationsaltar aus hellgelbem Sandstein. Bronzene Weinreben beziehen sich auf Jesu Wort „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15,5). Der gleichartig gestaltete Ambo, also der Ort für die Verkündigung des Wortes Gottes, zeigt bronzene Dornen und Getreide als Hinweis auf das Gleichnis vom Sämann (Mt 13,19–23). Zugleich greifen beide Werke den Wein- und Getreideanbau der Südpfalz auf. Zelebrationsaltar, Altarkreuz und Ambo stammen von Ulrich Langohr aus Menden.

Die um 1725 entstandene Rokoko-Kanzel ist ein künstlerischer Schwerpunkt. Ihr runder Korpus besitzt Volutenpilaster und Figuren der vier Evangelisten. Der Schalldeckel trägt Engelfiguren; den geschwungenen Aufgang schmücken durchbrochene Rokokomuscheln. An der Rückwand befindet sich ein Holzkruzifix mit Laub- und Bandwerkschnitzerei und einem Pelikan.

Die 1909 von Ostermann-Hartwein in München gefertigten und von Herxheimer Familien gestifteten Fenster des Langhauses zeigen vor allem Szenen aus dem Leben Mariens und Jesu sowie St. Wendelin, St. Cäcilia und König David. Von den fünf Spitzbogenfenstern des Chores sind die beiden seitlichen unbemalt. Die drei Ostfenster wurden von Albert Burkhart entworfen und 1949 von Wilhelm Pütz ausgeführt; sie zeigen die zwölf Apostel, Engel und verschiedene Heilige.

Auf dem Kirchberg liegen eine Nachbildung der Lourdesgrotte und eine 1813 errichtete Kreuzigungsgruppe. Letztere wird wegen ihrer Widmung zu Ehren Napoleons I. auch Napoleonskreuz, nach ihrer Inschrift aber häufiger Missionskreuz genannt.

Die Osterrieder-Krippe wurde 1928 angeschafft, in den 1970er-Jahren privat abgegeben und 1994 zurückerworben. Sie wird von Heiligabend bis Mariä Lichtmess am 2. Februar aufgestellt; am 6. Januar kommen die Heiligen Drei Könige hinzu. Die detailreichen Gipsfiguren wurden im von Sebastian Osterrieder entwickelten „französischen Hartguss“ hergestellt, teils mit echten Stoffen bekleidet und mit gläsernen Augen versehen.

Glocken und Orgel

Das sechsstimmige Geläut hat das Grundmotiv „Salve Regina“. Fünf Glocken wurden 1952 von Hermann Hamm in Frankenthal gegossen: Christkönig mit 2650 kg und Ton h°, St. Maria mit 1960 kg und cis′, St. Michael mit 1350 kg und dis′, St. Laurentius mit 780 kg und fis′ sowie St. Bonifatius mit 570 kg und gis′. Die kleinste Glocke St. Georg wiegt 388 kg, klingt auf h′ und stammt von 1936. Sie überstand als einzige Glocke des früheren fünfstimmigen Geläuts den Zweiten Weltkrieg.

Bis 1934 besaß die Kirche eine Orgel von H. Koulen & Sohn mit zwei Manualen und 33 Registern. Gebr. Späth Orgelbau erweiterte sie 1934 auf drei Manuale und 52 Register. Ein Gutachten von Josef Depré kritisierte 1935 jedoch die schwache und indirekte Klangwirkung. Daher entstand später ein neues Instrument der Firma Rudolf von Beckerath aus Hamburg, das Bischof Anton Schlembach am 22. September 1985 weihte.

Die Beckerath-Orgel besitzt drei Manuale, Pedal und 50 Register. Das Hauptwerk steht im Zentrum der Emporenbrüstung, seitlich befinden sich die Pedaltürme; über dem Spieltisch liegt das Schwellwerk, dessen Lautstärke durch bewegliche Jalousien beeinflusst werden kann. 82 Pfeifen sind sichtbar, weitere 3505 stehen in den vier Gehäusen. Die längste Pfeife misst fünf Meter, die kleinste einen Zentimeter. Eine elektrische Registertraktur steuert die Klangfarben. 2005 modernisierte Gerhard Kuhn Orgelbau das Instrument; dabei wurde unter anderem eine Setzeranlage der Firma Laukhuff für 8000 speicherbare Klangkombinationen eingebaut.

Laurentius-Brotweihe

Die jährlich gefeierte Laurentius-Brotweihe geht auf die Pestwelle von 1666/67 zurück. Nachdem viele Einwohner gestorben waren, gelobten die Herxheimer, bei einer Befreiung von der Seuche jedes Jahr nach der Ernte das erste Brot priesterlich weihen zu lassen. Ein mit Brot beladener Zweispänner sollte zum Finsterloch fahren, wo das Brot an Arme aus den unterstützenden Gemeinden Offenbach an der Queich, Ottersheim, Knittelsheim und Bellheim verteilt wurde.

Das Gelöbnis wird bis heute am Sonntag nach dem Laurentiustag, dem 10. August, in einem Hochamt erneuert. Bürger füllen auf dem unteren Kirchberg einen Zweispänner mit frischem Brot. Gegen 12 Uhr fährt der Wagen unter Glockengeläut zur ehemaligen Banngrenze am Finsterfeld beziehungsweise Finsterloch; dort wird das Brot verteilt. Der Brauch drückt Dankbarkeit gegenüber den Wohltätergemeinden und für die rettende Hilfe Gottes aus. Eine Bronzeplastik im Dorfbrunnen erinnert daran.

Am 14. August 2016 wurde das Gelöbnis im Jubiläumsjahr zum 350. Mal erneuert. Bischof Karl-Heinz Wiesemann leitete das Pontifikalamt, und rund 3000 Menschen nahmen an der Brotverteilung teil. Im Oktober führte das Chawwerusch Theater vor insgesamt 2000 Zuschauern dreimal das Schauspiel „Die wundersame Brotvermehrung“ auf.

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