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Städtischer Raum
Städtischer Raum, auch städtisches Gebiet oder urbaner Raum, ist in der Siedlungsgeographie in Abgrenzung zum ländlichen Raum und zum nicht besiedelten Raum …
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Begriff und zentrale Merkmale
Ein städtischer Raum, auch städtisches Gebiet oder urbaner Raum genannt, ist in der Siedlungsgeographie ein vorwiegend städtisch besiedeltes Gebiet. Er wird vom ländlichen und vom nicht besiedelten Raum unterschieden und ist ein wichtiger Begriff der Stadtgeographie und Stadtsoziologie.
Kennzeichnend sind die Größe des Gebietes, eine hohe Bevölkerungs- und Bebauungsdichte, die Spezialisierung verschiedener Teilräume auf bestimmte Funktionen sowie die sozialräumliche Differenzierung, also die räumliche Gliederung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Städtische Räume erfüllen außerdem eine Zentrumsfunktion: Sie besitzen politische, wirtschaftliche oder religiöse Bedeutung für ihr Umfeld. In ihnen spiegeln sich die Entwicklungsphasen einer Gesellschaft wider. Infolge der Urbanisierung, also der zunehmenden Verstädterung, lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Räumen.
Als Beispiel wird Guangzhou genannt: Die chinesische Stadt im Perlflussdelta hat 18,68 Millionen Einwohner und gehört zu einer der größten zusammenhängenden Stadtlandschaften beziehungsweise Megalopolen der Welt.
Abgrenzung von Stadt und Land
Früher war die Grenze zwischen Stadt und Land häufig deutlich sichtbar. In der Antike und im Mittelalter markierte der Mauerring den städtischen Raum. Seit dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit entstanden außerhalb davon erste vorstädtische Räume.
Heute lässt sich der städtische Raum wegen der abgestuften Verdichtung im Umland, auch Ballungsraum genannt, meist nicht mehr scharf vom ländlichen Raum trennen. Die Stadt greift in das Land über, während zugleich ländliche Elemente in den städtischen Raum hineinreichen. Dieser Vorgang wird häufig als Suburbanisierung bezeichnet, also als Ausdehnung städtischer Siedlungs- und Lebensformen in das Umland.
Gerhard Isbary und andere Forscher hielten die Gegenüberstellung von ländlichem und städtischem Raum für die Siedlungsgeographie und Soziologie für unbrauchbar. Andere behielten sie bei, verzichteten aber auf die Vorstellung einer eindeutigen Grenze. Als städtisch gilt danach ein Raum mit großen Siedlungseinheiten, hoher Bevölkerungsdichte, fast ausschließlich nichtlandwirtschaftlicher Tätigkeit, Naturferne, einer heterogenen Bevölkerung, starker gesellschaftlicher Schichtung beziehungsweise Stratifizierung, hoher Mobilität sowie überwiegend formalen und sekundären Sozialbeziehungen.
Abgestufte Raumtypen
Zwischen eindeutig städtischen und eindeutig ländlichen Gebieten werden heute meist mehrere Zwischentypen unterschieden. Dadurch wird der Begriff des städtischen Raumes teilweise enger gefasst und mit Kernstadt oder Innenstadt gleichgesetzt.
Andrew Hacker unterschied Anfang der sechziger Jahre vier Typen: städtisch (urban), vor- und trabantenstädtisch (suburban), mittelstädtisch (midurban) und ländlich (rural). Nach seiner Einteilung gelten Räume als städtisch, wenn mindestens 60 % ihrer Einwohner in einer zentralen Stadt leben.
Reinhold Grotz ergänzte aus geographischer Sicht den verstädterten Raum als Zwischenform. Seine Typisierung richtet sich danach, wie sich die Bevölkerung auf das Zentrum und auf unterschiedlich große Siedlungen im Umland verteilt:
• Ländlicher Raum: 20–40 % Zentrumsbevölkerung, 0–20 % der Umlandbevölkerung in Siedlungen mit mindestens 2000 Einwohnern und 50–75 % in Siedlungen mit weniger als 2000 Einwohnern.
• Verstädterter Raum: 25–50 % Zentrumsbevölkerung, 25–40 % der Umlandbevölkerung in Siedlungen mit mindestens 2000 Einwohnern und 15–40 % in kleineren Siedlungen.
• Städtischer Raum: 25–50 % Zentrumsbevölkerung, 45–75 % der Umlandbevölkerung in Siedlungen mit mindestens 2000 Einwohnern und 0–25 % in kleineren Siedlungen.
Weitere Typologien städtischer Räume
Olaf Kühne ordnet zwischen dem ländlichen und dem städtischen Raum den suburbanen Raum ein. Innerhalb städtischer Räume unterscheidet er Landschaften nach ihrer funktionalen und symbolischen Bedeutung. Polyvalente Landschaften erster und zweiter Ordnung erfüllen mehrere Bedeutungen oder Funktionen; dazu zählen Stadtteile mit hoher symbolischer Aufladung wie die Reeperbahn, außerdem Citybereiche, Parks und Einkaufszentren. Wohn- und Industriegebiete gelten als monovalente Landschaften, weil sie vorwiegend einer Funktion dienen. Industriebrachen, aufgegebene Stadtteile und stillgelegte Gleisanlagen werden als „non-valente“ Landschaften bezeichnet. Diese Dreiteilung verwendet auch das Schweizerische Bundesamt für Statistik und Volkszählung.
Die OECD unterscheidet vorwiegend städtische, vorwiegend ländliche und intermediär geprägte Raumtypen. Deutsche Typisierungen verwenden unter anderem die Kategorien Kernstädte sowie ländliche und verdichtete Bezirke. Besonders differenziert ist die Einteilung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Insgesamt zeigen diese Modelle, dass Stadt und Land heute meist nicht als einfacher Gegensatz, sondern als Abstufung verschiedener Siedlungs- und Verdichtungsformen verstanden werden.