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Siebter Kreuzzug

Der Siebte Kreuzzug war eine „bewaffnete Pilgerfahrt“ im Jahr 1270, die nach nur wenigen Monaten nach einer erfolglosen Belagerung von Tunis und dem Tod …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Anlass
  2. 2. Planung und überraschendes Ziel
  3. 3. Landung, Seuche und Tod Ludwigs IX.
  4. 4. Frieden, Heimreise und Folgen

Einordnung und Anlass

Der Siebte Kreuzzug war eine „bewaffnete Pilgerfahrt“ von Juli bis November 1270 in Tunesien. Er endete nach der erfolglosen Belagerung von Tunis und dem Tod seines Anführers, König Ludwig IX. von Frankreich. Das Ergebnis war ein Scheitern; der Zustand vor dem Krieg blieb im Wesentlichen erhalten (Status quo ante bellum).

Eigentlich sollte der Kreuzzug die christlichen Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land entlasten. Diese waren seit 1263 den Angriffen des ägyptisch-syrischen Mamelukensultans as-Zahir Baibars ausgesetzt. Nach der Machtübernahme der Mamluken in Ägypten 1250 und ihrem Sieg über die Mongolen bei ʿAin Dschālūt 1260 beherrschten sie auch Syrien. Baibars eroberte zahlreiche Festungen und Städte, ließ sie meist zerstören und tötete oder versklavte die Bevölkerung. 1268 nahm und vernichtete er Antiochia; auch die Grafschaft Tripolis war bedroht. Die christlichen Fürsten in Outremer wurden zusätzlich durch den Krieg von St. Sabas zwischen Venedig und Genua geschwächt.

Die Zählung ist nicht überall gleich: Im deutschsprachigen Raum heißt das Unternehmen meist „Siebter Kreuzzug“, weil der Kreuzzug von Damiette (1217–1221) und der Kreuzzug Friedrichs II. (1228–1229) zusammen als fünfter Kreuzzug gezählt werden. In französischer und englischer Literatur gilt er meist als achter Kreuzzug.

Planung und überraschendes Ziel

Papst Clemens IV. ließ den Kreuzzug in Europa predigen. Ludwig IX. erklärte Ende 1266 seine Teilnahmebereitschaft und nahm am 24. März 1267 in Paris gemeinsam mit seinen Söhnen das Kreuz. Der französische Adel beteiligte sich jedoch nur begrenzt, auch wegen der Erinnerung an Ludwigs verlustreichen Kreuzzug nach Ägypten 1248–1250. Das Hauptheer bestand deshalb vor allem aus dem persönlichen und höfischen Umfeld des Königs.

Ludwig erhielt Zusagen seines Bruders Karl von Anjou, König von Sizilien, von König Jakob I. von Aragón und vom englischen Kronprinzen Eduard Plantagenet. Als Sammlungshafen wurde Aigues-Mortes bestimmt, als Abreisetag der 15. August 1270. Ludwig ließ erstmals eigene Schiffe bauen. Jakob I. brach schon am 1. September 1269 von Barcelona auf, musste seinen Zug nach einem Sturm aber abbrechen; lediglich ein kleines Kontingent erreichte im Dezember 1269 Akkon.

Ludwig segelte bereits am 2. Juli 1270 ab, ohne auf Eduard zu warten. In Cagliari auf Sardinien gab er das bis dahin geheim gehaltene Ziel bekannt: nicht Ägypten oder Syrien, sondern das Sultanat Tunis. Die Gründe sind nicht eindeutig geklärt. Die Forschung ist sich vor allem darin einig, dass Tunis als Zwischenetappe auf dem Weg nach Outremer gedacht war. Als mögliche Gründe gelten die Hoffnung auf die Bekehrung des Hafsidensultans Muhammad I. al-Mustansir zum Christentum sowie der Einfluss Karls von Anjou. Muhammad hatte einen Glaubenswechsel diplomatisch angedeutet, doch wird dies als politisches Täuschungsmanöver bewertet. Ausgeschlossen wird heute die mittelalterliche These, Ludwig habe Tunis irrtümlich für nahe bei Kairo gehalten.

Landung, Seuche und Tod Ludwigs IX.

Am 17. Juli 1270 erreichte die Kreuzfahrerflotte die Küste vor Tunis. Sultan Muhammad zog seine Kräfte in die Hauptstadt zurück. Ein Erkundungskommando unter Admiral Florent de Varennes nahm gegen Ludwigs Befehl die Hafeneinfahrt ein. Obwohl dies eine günstige Ausgangsposition für die Eroberung der Stadt war, befahl Ludwig die Räumung. Am nächsten Tag landete das gesamte Heer auf derselben Landzunge.

Statt Tunis sofort zu belagern, nahm Ludwig nach kurzem Kampf das nahe Karthago ein und errichtete dort das Lager. Noch vor Beginn der Belagerung brach eine Dysenterieseuche, also Ruhr, aus; offenbar war schlechtes Trinkwasser die Ursache. Die militärische Führung, Ludwig selbst, seine Söhne und sein Bruder Alfons von Poitiers erkrankten. Ludwig erfuhr noch vom Tod seines Sohnes Johann Tristan und starb am 25. August 1270. Der Legende nach lauteten seine letzten Worte: „Wir werden einziehen nach Jerusalem.“

Frieden, Heimreise und Folgen

Karl von Anjou traf am Todestag seines Bruders im Lager ein. Philipp III. von Frankreich übernahm zwar nominell den Oberbefehl, Karl führte aber wegen seiner größeren Autorität das Kommando. Nach der Genesung eines großen Teils des Heeres begann er die Belagerung von Tunis, verfolgte eine Eroberung jedoch offenbar nicht ernsthaft. Am 30. Oktober 1270 wurde Frieden geschlossen. Der Sultan gewährte Christen freien Handel sowie christlichen Priestern und Mönchen Aufenthalt in seinem Reich. Für Karl war vermutlich wichtiger, dass Tunis wieder in ein tributäres Verhältnis zu Sizilien trat. Muhammad trat nicht zum Christentum über. Am 10. November traf Prinz Eduard in Karthago ein; am folgenden Tag verließen die Kreuzfahrer Afrika.

Das Heer überwinterte in Sizilien. Die Franzosen kehrten heim; unterwegs starben weitere Angehörige Ludwigs IX. an Folgen der Seuche, darunter Alfons von Poitiers, Johanna von Toulouse, Isabella und König Theobald II. von Navarra. Philipp III. zog am 21. Mai 1271 in Paris ein, ließ seinen Vater am nächsten Tag bestatten und wurde am 15. August 1271 in Reims gekrönt.

Eduard setzte den Zug im Frühjahr 1271 mit einem englischen Kontingent nach Palästina fort. Sein meist getrennt gezählter Kreuzzug endete im April 1272 mit einem zehnjährigen Waffenstillstand mit Baibars. Papst Gregor X. versuchte 1274 auf dem 2. Konzil von Lyon erfolglos, einen weiteren Kreuzzug zu organisieren. Karl von Anjou gewann 1277 Akkon für sich und plante später mit Venedig einen Zug gegen Konstantinopel, musste ihn aber wegen der Sizilianischen Vesper vom 31. März 1282 abbrechen. 1291 wurden die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben.

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