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Shark Island (Namibia)
Jürgen Zimmerer, Joachim Zeller: Völkermord in Deutsch-Südwestafrika: Der Kolonialkrieg 1904 – 1908 . ... Dort wurden sowohl Herero wie Nama interniert und ihrem …
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Lage und Bedeutung
Shark Island, deutsch Haifischinsel, ist ein nationaler Gedenkort im äußersten Südwesten Namibias. Sie liegt im Südatlantik in der Lüderitzbucht bei Lüderitz. In der postkolonialen Literatur wird sie selten auch „Todesinsel“ genannt. Die geografischen Koordinaten sind 26° 38′ 11,6″ S, 15° 9′ 7,9″ O.
Ursprünglich war Shark Island eine Insel. Durch eine künstliche Landbrücke im Süden zum afrikanischen Festland wurde sie 1906 zur Halbinsel. Das Gebiet heißt in Khoekhoegowab ǃNamiǂNûs. Die Halbinsel ist etwa 1,7 × 0,33 Kilometer groß und umfasst knapp 32 Hektar. Im Norden liegt das sogenannte Haifischriff; etwa einen Kilometer weiter nördlich befindet sich Penguin Island, das wie die frühere Insel zu den Penguin Islands gerechnet wird.
Die Haifischinsel wurde im April 2018 zur Aufnahme in die Liste des Nationalen Erbes Namibias vorgeschlagen. Seit dem 15. Februar 2019 ist sie als nationales Erbe anerkannt und dient als nationaler Gedenkort. Auf der Halbinsel befinden sich unter anderem der Leuchtturm Shark Island, ein historischer Friedhof und ein Campingplatz von Namibia Wildlife Resorts (NWR).
Konzentrations- und Internierungslager
Von 1904 bis 1912 befanden sich auf Shark Island ein Lazarett sowie ein Konzentrations- und Internierungslager. Während des Völkermords an den Herero und Nama wurden dort rund 2000 gefangen genommene Orlam und Nama mit ihren Familien inhaftiert.
Die Lebensbedingungen waren lebensgefährlich. Durch schlechte Hygiene- und Witterungsverhältnisse, systematische Unterernährung, insbesondere Skorbut, sowie durch Erschöpfung starben dort zwischen 1032 und 3000 Menschen. Viele Gefangene mussten schwere körperliche Arbeit leisten, etwa beim Bau von Eisenbahnschienen und des Hafens oder als Bedienstete weißer Siedler. Die unterschiedlichen Angaben zur Zahl der Toten werden im Artikel nebeneinandergestellt.
Zu den Einschüchterungs- und Gewaltmethoden gehörten Vergewaltigungen, verschiedene Formen der Folter, Vergiftungen, medizinische Experimente und öffentliche Hinrichtungen. Gefangene Frauen mussten die Köpfe getöteter Häftlinge kochen und abschaben. Diese Schädel wurden zu pseudowissenschaftlichen Forschungszwecken nach Berlin verschifft.
Zu den Gefangenen, die auf Shark Island starben, gehörte der Nama-Widerstandskämpfer und Anführer ǃAman Cornelius Fredericks. Er wurde am 16. Februar 1907 auf der Insel enthauptet; auch sein Schädel wurde nach Deutschland geschickt.
Umgestaltung zur Halbinsel
Am 26. September 1906 ließ das Hafenamt Kriegsgefangene an der Südostseite der Insel Sprengungen und Aufschüttungen durchführen. Diese Arbeiten schufen die künstliche Landverbindung zum Festland und machten aus der Insel eine Halbinsel. Die Umgestaltung erfolgte somit während der Zeit, in der das Konzentrations- und Internierungslager betrieben wurde.
Aufarbeitung und heutiger Umgang
Das Forschungsprojekt „German Colonial Genocide in Namibia“ untersuchte und rekonstruierte die Verbrechen auf der Todesinsel in einer multidisziplinären Recherche. Beteiligt waren die Künstlergruppe Forensis, Forensic Architecture, das European Center for Constitutional and Human Rights, der Jurist John Nakuta von der Universität Namibia und Kambanda Veii, ein Gründungsmitglied der Ovaherero Genocide Foundation.
Die Untersuchung dokumentierte auch die bis heute andauernde Unrechtserfahrung der Bevölkerung im Zusammenhang mit den Kolonialverbrechen. Ihre Karte und ihr Bericht beruhen auf digitaler Recherche, Feldforschung, Archivmaterial und Aussagen von Nachfahren der Opfer. Sie sind Teil einer größeren Untersuchung.
Pläne vom April 2024, den Hafen von Lüderitz zu erweitern, wurden von Vertretern der Herero und Nama abgelehnt. Sie befürchten, dass dadurch die Halbinsel als historischer Gedenkort gefährdet wird. Ende Juli 2025 kündigte NWR an, die touristische Nutzung des Gebietes bis Ende 2025 einzustellen und es dem namibischen Denkmalrat zur weiteren Nutzung zu übergeben. Damit soll dem historischen Wert der Haifischinsel Rechnung getragen werden.
Zum weiteren Kontext werden im Artikel Konzentrationslager in Deutsch-Südwestafrika und Robben Island bei Kapstadt genannt. Außerdem verweist er auf Literatur zur Zwangsarbeit im Lager sowie auf den Dokumentarfilm „German Colonial Genocide: Shark Island“ der Künstlergruppe Forensis mit Forensic Architecture vom 28. Juni 2024.