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Seufzermotiv
Ein Seufzermotiv besteht in der Regel aus einem Sekundschritt abwärts oder (seltener) aufwärts, bei welchem der erste Ton deutlich betont und der folgende …
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Grundidee und Wirkung
Ein Seufzermotiv ist ein musikalisches Ausdrucksmittel. Es besteht in der Regel aus einem Sekundschritt, also dem Schritt von einem Ton zum direkt benachbarten Ton, meist abwärts und seltener aufwärts. Der erste Ton ist dabei deutlich betont; der folgende Ton ist angebunden, unbetont und leiser. Dadurch entsteht der Eindruck eines musikalischen „Seufzers“.
Unter Umständen können auch Tonverbindungen mit größeren Intervallen als Seufzer gedeutet werden, wenn sie denselben Ausdruckscharakter haben. Das Seufzermotiv gehört zu den häufig verwendeten Ausdrucksmitteln der Musik vom Barock bis zur Romantik und darüber hinaus. Sein Ausdruck kann je nach Zusammenhang unterschiedlich sein: Schmerz, Trauer, Klage, Jammer, Angst, Verzweiflung und Nervosität, aber auch positive Gefühle wie Wonne oder freudige Erregung.
Sekundschritte als typische Form
Die typische Form des Seufzermotivs ist der Sekundschritt. Ein Beispiel nennt der Artikel aus Mozarts d-Moll-Fantasie. Dort erscheinen typische Seufzermotive, deren ängstlich atemloser Charakter durch eingefügte Pausen verstärkt wird. Solche Pausen werden als suspiratio bezeichnet.
Ein weiteres Beispiel für eine besonders reichhaltige und ausdrucksintensive Verwendung ist Adolf Jensens Kreuz am Wege aus dem Zyklus Wanderbilder. Dort dienen die Seufzer dem Ausdruck eines Schmerzes, der die Leiden Christi nachempfindet.
Größere Intervalle
Seufzermotive müssen nicht immer nur aus kleinen Sekundschritten bestehen. Im Lacrimosa aus Mozarts Requiem beginnen die Motive im ersten Takt mit Sekundschritten; im zweiten Takt kommen aber auch größere Intervalle vor. Der seufzende Charakter bleibt dabei erhalten, und die größeren Intervalle steigern sogar das Pathos, also die feierliche und gefühlsstarke Wirkung.
Auch in der Bass-Arie Ächzen und erbärmlich weinen aus der Bachkantate Meine Seufzer, meine Tränen, BWV 13, treten die „Seufzer“ nicht nur in kleinen Sekunden auf. Der Artikel nennt dort auch ungewöhnliche Fortschreitungen wie Tritonus und übermäßige Sekund.
Seufzerketten
Seufzermotive werden häufig zu Ketten verbunden, die aufwärts oder abwärts verlaufen können. Dabei ist oft, aber nicht immer, der betonte Ton der folgenden Gruppe eine Wiederholung des unbetonten Tons der vorhergehenden Gruppe. So entsteht eine fortgesetzte Folge von Seufzern.
Als typisches Beispiel nennt der Artikel den Choral O Mensch bewein dein Sünde groß in der Matthäuspassion BWV 244. Ein weiteres Beispiel sind Seufzerketten in Wagners Oper Tannhäuser, die das Leiden der Pilger unterstreichen sollen. Hector Berlioz scheint sie nicht als solche erkannt zu haben; er beschrieb die wiederkehrende Violinfigur als hartnäckig und bemerkte, sie komme hundertund zweiundvierzigmal in der Ouvertüre vor.