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Satz vom zureichenden Grund
Der Satz vom zureichenden Grund (lat. principium rationis sufficientis) ist in der Geschichte der Logik und der Philosophie der allgemeine Grundsatz, …
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Grundidee und philosophische Bedeutung
Der Satz vom zureichenden Grund (lateinisch: principium rationis sufficientis) ist ein allgemeiner Grundsatz der Logik und Philosophie. Er besagt in unterschiedlichen Formulierungen und Funktionen: Jedes Sein oder Erkennen könne und/oder solle angemessen kausal auf etwas anderes zurückgeführt werden. Vereinfacht: Für das, was existiert, geschieht oder als wahr erkannt wird, soll es einen Grund geben.
In der rationalistischen Metaphysik wird angenommen, dass Denkordnung und Seinsordnung einen gemeinsamen Grund haben. Deshalb stimmen Denk- und Seinsformen für ihre Vertreter überein. Spinoza führte etwa das Verhältnis von Ursache und Wirkung auf eine Grund-Folge-Beziehung zurück. Kant unterschied dagegen zwischen Seinsgrund und Erkenntnisgrund. Im Anschluss an Christian August Crusius bevorzugte er die Bezeichnung „Satz des bestimmenden Grundes“, weil „zureichend“ mehrdeutig sein könne: Ein bestimmender Grund schließt jedes Gegenteil aus und erklärt eine Sache mit Gewissheit so und nicht anders.
Leibniz: Grund als Voraussetzung von Wahrheit und Existenz
Gottfried Wilhelm Leibniz machte den Satz vom zureichenden Grund zu einem tragenden Prinzip seiner Philosophie. In der Monadologie nennt er ihn raison suffisante, in der Theodizee auch raison déterminante. Neben dem Satz vom Widerspruch ist er für Leibniz eines der beiden Prinzipien, auf die menschliche Vernunftschlüsse beruhen.
Nach Leibniz kann keine Tatsache als wahr oder existierend und keine Aussage als richtig gelten, ohne dass es einen zureichenden Grund dafür gibt, „dass es so und nicht anders ist“. Diese Gründe können Menschen allerdings meist unbekannt sein.
In der Theodizee beschreibt Leibniz den bestimmenden Grund als eine Gesetzmäßigkeit, die vor aller Erfahrung gilt. Nichts geschieht ohne eine Ursache oder wenigstens ohne einen bestimmenden Grund. Dieser soll a priori, also unabhängig von Erfahrung, erklären können, weshalb etwas eher existiert als nicht existiert und weshalb es gerade auf diese statt auf eine andere Weise existiert. Kurzformel: „Nichts geschieht ohne Grund“ (lat. nihil fit sine causa).
Schopenhauer: Vier Formen des Satzes vom Grunde
Arthur Schopenhauer versteht den „Satz vom Grunde“ als gemeinsame Wurzel aller Relationsarten, also aller Beziehungen zwischen Gegenständen in der vorgestellten Welt. Er unterscheidet vier Klassen von Vorstellungen. In jeder gilt eine eigene Form des Satzes vom Grunde.
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Bei den „anschaulichen, vollständigen, empirischen Vorstellungen“ gilt der „Satz vom zureichenden Grunde des Werdens“. Dies ist die physikalische Ebene der Naturwissenschaft: Damit etwas wird, muss eine Ursache auf es wirken.
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Bei Begriffen, den Erzeugnissen der Vernunft und damit auch der Sprache, gilt der „Satz vom zureichenden Grunde des Erkennens“. Abstraktes Denken arbeitet mit Urteilen. Wahre Urteile drücken Erkenntnis aus; der Satz beschreibt hier das Verhältnis zwischen Prämissen und Schluss beziehungsweise zwischen Erkenntnisgrund und Folge.
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Für Zeit und Raum in ihrer rein formalen Gestalt gilt der „Satz vom zureichenden Grunde des Seyns“. Zwischen Teilen des Raums besteht das Verhältnis der Lage, zwischen Teilen der Zeit das Verhältnis der Folge. Diese Verhältnisse bilden nach Schopenhauer die Grundlage allen Seins. Zeit und Raum treten bereits in der ersten Klasse zusammen als Materie auf; für Schopenhauer ist Zeit, vereinigt mit Raum, Materie und damit Kausalität.
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Die vierte Klasse betrifft das „Subjekt des Wollens“. Der Mensch nimmt den inneren Vorgang seines Wollens als Objekt wahr und betrachtet sich als wollendes Subjekt. Hier besteht eine innere Kausalität: Das Motiv entspricht der Ursache, die Handlung der Wirkung. Es gilt der „Satz vom zureichenden Grunde des Handelns“.
Jeder Klasse entspricht ein subjektives Korrelat, durch das sie uns erscheint: der ersten der Verstand, der zweiten die Vernunft, der dritten die reine Sinnlichkeit und der vierten der innere Sinn oder das Selbstbewusstsein.