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Sabbatruhe-Advent-Gemeinschaft
Die Sabbatruhe-Advent-Gemeinschaft (SAG) oder auch engl. Sabbath Rest Advent Church (SRAC) ist eine adventistische Sondergemeinschaft.
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Gegenstand und Bedeutung
Die Sabbatruhe-Advent-Gemeinschaft (SAG), englisch Sabbath Rest Advent Church (SRAC), ist eine adventistische Sondergemeinschaft und eine Abspaltung von den Siebenten-Tags-Adventisten. Öffentlich tritt sie meist unter dem Namen live2give auf. Als geistliche Leiter werden Uta Dura und Hans-Peter Hahn genannt. Gründer war F. T. Wright; die Gemeinschaft wurde 1963 offiziell gegründet.
Kennzeichnend sind die adventistische Sabbatruhe, die Betonung einer persönlichen Beziehung zu Gott und die Vorstellung, dass Christen durch Heiligung sündlos leben müssen, um für die Versiegelung und die Aufnahme ins Reich Gottes bei der Wiederkunft bereit zu sein. Eine besondere Glaubenslehre ist die Aussage, dass Gott niemals töte. Daneben engagiert sich die Gemeinschaft unter dem Namen live2give in Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und weiteren sozialen oder gesundheitlichen Angeboten.
Entstehung und Entwicklung
Der Australier Frederic Thomas Wright verstand sich in den 1950er Jahren als Botschafter Gottes. Seine Lehre zur notwendigen Sündlosigkeit leitete er aus seinem Verständnis der Verkündigung von A. T. Jones und E. J. Waggoner aus dem Jahr 1888 ab. 1954 wurde Wright aus der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten ausgeschlossen und verlor seine Anstellung als Leiter einer neuseeländischen Missionsschule, die er seit 1953 innehatte. Ab 1961 arbeitete er Vollzeit als Prediger für seine Anhänger.
1962 zog Wright mit seiner Familie von Neuseeland in den Norden von New South Wales in Australien. Dort wurde die Gruppe 1963 erstmals offiziell gegründet. Durch jährliche Konferenzen, sogenannte Camp-Meetings, verbreitete sie sich von Australien und Neuseeland nach Nordamerika, Europa und Afrika. Wright gab ab 1964 eine monatliche Zeitschrift heraus; 1965 entstand dafür eine eigene Druckerei in Australien, 1973 eine weitere Druckerei in Deutschland.
Nach Wrights Reisen in die USA wurden 1966 Gruppen in Nordamerika, 1967 in Norwegen und 1969 in Deutschland gegründet. In den 1970er Jahren kamen Gruppen in Süd- und Ostafrika sowie in weiteren europäischen Staaten hinzu, in den 1980er Jahren eine Gruppe in Indien. 1988 wurden diese Gruppen unter dem Namen Sabbatruhe-Advent-Gemeinschaft zusammengefasst. Im Jahr 2002 hatte die Gemeinschaft etwa 2000 Mitglieder weltweit.
Wegen Wrights Parkinson-Erkrankung und seiner abnehmenden Sprachfähigkeit wurde Andreas Dura ab 1988 Hauptprediger auf Konferenzen und später Botschafter der Gemeinschaft. Bis 1993 lag das Hauptquartier in Palmwoods im australischen Bundesstaat Queensland. Wegen ungeklärter Besitzansprüche der Wright-Familie zog Wright nach Dickendorf in Deutschland und verlegte den Sitz der Gemeinschaft dorthin. Er starb dort 1997 im Alter von 71 Jahren.
In Deutschland übersetzte Wolfgang Meyer nach Wrights Besuchen von 1966 bis 1968 dessen Schriften, ab 1970 in Vollzeit. Dadurch entstand eine Gruppe, die überwiegend aus ehemaligen Siebenten-Tags-Adventisten bestand. 1973 wurde in Sonderbach im Odenwald eine Druckerei für deutschsprachige Schriften eingerichtet. Nach Meyers Tod bei einem Verkehrsunfall im Jahr 1978 übernahm Andreas Dura die deutsche Leitung; ab 1989 war er auch Nachfolger Wrights und Leiter der gesamten Gemeinschaft.
1982 erwarb die SAG ein Haus in Dickendorf und verlegte auch die Druckerei dorthin. Später kamen Büros, ein Versammlungsraum, Gästezimmer und ein Lagerraum hinzu. Das Hauptquartier dient außerdem als Ausbildungsstätte für Jugendliche, die praktische Einblicke in die Arbeit der Gemeinschaft erhalten sollen. 1998 schlossen sich verschiedene deutsche Gruppen zu einem Gemeindebund zusammen. Nach dem Tod von Andreas Dura im Jahr 2021, der nach einjähriger Krankheit eintrat, wird die Gemeinschaft von seiner Frau Uta Dura und Hans-Peter Hahn geführt. In Europa gibt es etwa 100 bis 150 Mitglieder; die meisten leben in Deutschland im Umkreis von Dickendorf. In Alessandria in Italien trifft sich eine Gruppe unter dem Namen Chiesa avventista del riposo sabatico.
Glaubensgrundsätze
Wie die meisten adventistischen Denominationen hält die SAG den Sabbat. Sie betont die persönliche Beziehung zu Gott, die Erfahrung von Frieden und gesunde Lebensgewohnheiten. Die zentrale Lehre, durch die sie sich von anderen Gruppen unterscheidet, lautet, dass Gott niemals töte. Der Tod sei nur deshalb in der Welt, weil das Gesetz, das dem Erhalt des Lebens diene, übertreten werde.
Leiter werden nach dieser Lehre ausschließlich direkt von Gott berufen und seien nur ihm verantwortlich. Daraus folge, dass sie den Gemeindegliedern keine Rechenschaft geben müssten. Den Botschaften Wrights wird ein sehr hoher Stellenwert zugeschrieben. Nur Menschen, die seine Lehre akzeptierten, würden im Gericht Gottes bestehen. Gleichzeitig sei die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft für die Rettung zweitrangig.
Arbeit unter dem Namen live2give
Die Gemeinschaft erklärt, dass sie nicht um Mitglieder werbe. Für ihren Dienst am Menschen unterhält sie die gemeinnützige Organisation live2give.
In Dickendorf betreibt live2give einen Biohofladen, in Gießen einen Gesundkostladen. Viele Produkte werden in einer eigenen Manufaktur oder Bäckerei hergestellt. In Tschechien gehören ein Bioladen in Hranice sowie eine Pizzeria mit Lebensmittelfabrik in Zámrsky zu den Einrichtungen.
In Neuseeland und Dickendorf unterhält live2give landwirtschaftliche Betriebe für Gemüseanbau. Das Gemüse wird in den eigenen Läden, auf Wochenmärkten und im Bio-Großhandel verkauft. Der Mulch-Gemüseanbau in Dickendorf, für den selbst entwickelte Maschinen eingesetzt werden, erhielt 2022 den Bundespreis Ökologischer Landbau im Bereich Pflanzenbau.
Andreas Dura betrieb gemeinsam mit Joachim Schwarz eine Arztpraxis in Gießen. Dort wurde naturheilkundlich behandelt; unter anderem wurden Studien zur physikalischen Therapie bei Morbus Bechterew mit Stangerbädern durchgeführt. Außerdem waren Physio- und Ergotherapie integriert. Anfang 2024 musste die Praxis schließen. Früher betrieb die Organisation außerdem ein Waisenheim in Tansania und von 2009 bis 2017 einen Kindergarten in Neuseeland.
Kritik und umstrittene Vorwürfe
Wright forderte, dass Mitglieder bei Krankheiten nicht zum Arzt gehen, sondern sich von Gott heilen lassen sollten. Andreas Dura, der in späteren Lebensjahren Medizin studierte, widersprach dieser Aussage in einem Interview. Spätere Veröffentlichungen erklären, jedes SAG-Mitglied habe das uneingeschränkte Recht auf freie Arzt- und Behandlungswahl. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie behauptete Dura, die Ausbrüche bei den Baptisten in Altenkirchen seien auf leichtsinnigen Glauben und Alkoholkonsum zurückzuführen.
Ehemalige Mitglieder und Angehörige behaupten, die Gemeinschaft werde wie eine Sekte geführt. Genannt werden radikale Doktrinen, darunter LGBTQ-Feindlichkeit und die Unterdrückung von Frauen. Außerdem soll psychischer Druck ausgeübt werden, damit Mitglieder unbezahlte Überstunden leisten; für Fehler seien harte Strafen verhängt worden. Nach diesen Aussagen werde das Leben der Mitglieder kontrolliert, etwa durch Vorgaben zu Kleidung und Ernährung. Aussteiger und Kritiker seien erpresst und isoliert worden.
Im Oktober 2021 wurde bekannt, dass die live2give gGmbH unter einem Wirtschaftsweg offenbar eigenmächtig Versorgungsleitungen für Strom, Wasser und Wärme verlegt hatte, um landwirtschaftliche Betriebsstätten zu erweitern.