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Romeo und Julia (1968)
Romeo und Julia ist eine britisch-italienische Literaturverfilmung von Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1968 nach dem gleichnamigen Theaterstück (1596) von …
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Überblick
Romeo und Julia ist eine britisch-italienische Literaturverfilmung von Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1968. Sie basiert auf William Shakespeares gleichnamigem Theaterstück von 1596. Der Film hat den Originaltitel Romeo and Juliet, ist auf Englisch gedreht, dauert 138 Minuten und ist in Deutschland ab FSK 12 freigegeben.
Die wichtigsten Hauptrollen spielen Leonard Whiting als Romeo Montague und Olivia Hussey als Julia Capulet. Weitere zentrale Figuren sind Mercutio, Pater Lorenzo, die Amme, der Prinz von Verona, Tybalt, Benvolio, Lord und Lady Capulet, Lord und Lady Montague sowie Graf Paris. Die Musik stammt von Nino Rota, die Kamera führte Pasqualino De Santis, der Schnitt lag bei Reginald Mills. Das Drehbuch schrieben Franco Brusati, Masolino D’Amico und Franco Zeffirelli nach Shakespeare.
Inhalt
Die Handlung spielt im Verona des 16. Jahrhunderts. Die reichen Familien Montague und Capulet sind seit langem verfeindet. Ihre Angehörigen und Anhänger provozieren einander immer wieder, bis es zu öffentlichen Kämpfen kommt. Nach einem Streit zwischen Benvolio, einem Neffen der Montagues, und Tybalt, einem Neffen der Capulets, verbietet der Prinz von Verona weitere Kämpfe unter Androhung der Todesstrafe.
Romeo Montague nimmt an diesem Aufruhr nicht teil. Er leidet unter Liebeskummer, weil Rosalind ihn abgewiesen hat. Zur gleichen Zeit hält Graf Paris im Haus der Capulets um die Hand der bald 14-jährigen Julia an. Die Capulets veranstalten ein Fest, damit Julia Paris kennenlernen kann. Romeo geht mit Benvolio und Mercutio maskiert zu diesem Fest. Dort begegnen Romeo und Julia einander zum ersten Mal und verlieben sich sofort. Erst danach erfahren sie, dass sie aus den verfeindeten Familien stammen.
Nach dem Fest bleibt Romeo heimlich im Garten der Capulets. In der berühmten Balkonszene gestehen sich Romeo und Julia ihre Liebe und beschließen, schnell und heimlich zu heiraten. Romeo bittet Bruder Lorenzo um Hilfe. Der Mönch ist zunächst skeptisch, weil Romeo Rosalind so schnell vergessen hat, stimmt aber zu, weil er hofft, die Ehe könne die Familienfehde beenden. Die Hochzeit findet heimlich in seiner Zelle statt.
Kurz danach fordert Tybalt Romeo zum Duell. Romeo will nicht kämpfen, weil er durch die Ehe mit Julia nun mit Tybalt verwandt ist. Mercutio versteht Romeos Zurückhaltung nicht, kämpft selbst gegen Tybalt und wird getötet. Aus Wut tötet Romeo daraufhin Tybalt. Der Prinz verbannt Romeo aus Verona; bei Rückkehr droht ihm die Todesstrafe. Romeo denkt an Selbstmord, verbringt aber nach Zuspruch des Mönchs noch eine Nacht mit Julia und flieht am Morgen nach Mantua.
Lord Capulet hat inzwischen der Heirat Julias mit Graf Paris zugestimmt und befiehlt ihr, Paris binnen drei Tagen zu heiraten. Julia weigert sich verzweifelt. Die Amme rät ihr, Romeo zu vergessen und Paris zu nehmen, worauf Julia sich von ihr innerlich abwendet. Julia sucht Bruder Lorenzo auf und droht mit Selbstmord. Lorenzo gibt ihr ein Mittel, das sie in einen scheintoten Schlaf versetzt. Romeo soll benachrichtigt werden und sie nach der Beisetzung aus der Familiengruft holen.
Der Plan scheitert, weil die Nachricht Romeo nicht rechtzeitig erreicht. Er hört nur von Julias angeblichem Tod, kauft Gift und kehrt nach Verona zurück. In der Gruft trinkt er das Gift und stirbt neben Julia. Kurz darauf erwacht Julia, sieht den toten Romeo, nimmt seinen Dolch und ersticht sich. Pater Lorenzo kommt zu spät. Am Ende werden die beiden Toten vor dem erschütterten Prinzen zu Grabe getragen. Das Volk trauert, und die Familienoberhäupter schließen angesichts ihrer Verluste Frieden.
Umsetzung und Änderungen
Der Film ist nicht vollständig textgetreu, wie es bei vielen Shakespeare-Verfilmungen der Fall ist. Auch bekannte Szenen, etwa die Balkonszene, wurden deutlich gekürzt. Insgesamt bleibt die Handlung aber weitgehend bei Shakespeares Vorlage. Die wichtigste Änderung betrifft den Schluss: Im Film gibt es keinen Kampf zwischen Romeo und Paris an Julias Grab.
Zeffirelli hatte bereits 1960 bei einer Theateraufführung von Romeo und Julia im Old Vic Regie geführt. Ursprünglich war die Verfilmung als Fernsehproduktion für die BBC geplant. Als Paramount Pictures einstieg, wurde daraus ein Kinofilm. Das Budget lag zunächst bei 800.000 US-Dollar und wurde während der Dreharbeiten auf 1,5 Millionen Dollar erhöht.
Viele Szenen wurden nicht in den Cinecittà-Studios in Rom, sondern an Originalschauplätzen gedreht, unter anderem in Artena, Tuscania, Gubbio und Pienza. Der Palazzo Piccolomini in Pienza diente als Haus der Capulets. Die Kostüme entwarf Danilo Donati. Turner Classic Movies beschrieb die Außenaufnahmen später als Glücksgriff, weil sie dem Film das Aussehen und Gefühl einer lebendigen Renaissance gaben.
Für die Hauptrollen wurden Hunderte jugendliche Schauspieler interviewt. Leonard Whiting war bei den Dreharbeiten 17 Jahre alt, Olivia Hussey 15 Jahre; damit lagen sie ungefähr im Alter der Figuren bei Shakespeare. Das unterschied diese Verfilmung von älteren Adaptionen, die oft erwachsene Darsteller in den Hauptrollen eingesetzt hatten.
Eine Nacktszene mit der minderjährigen Olivia Hussey war umstritten. Zeffirelli erhielt dafür eine Sondergenehmigung, dennoch durfte Hussey die Londoner Premiere wegen der Altersfreigabe nicht sehen. In einigen Ländern wurde die Szene herausgeschnitten. Am 30. Dezember 2022 reichten Whiting und Hussey Klage wegen sexueller Ausbeutung von Minderjährigen gegen Paramount Pictures ein; die Klage wurde abgewiesen, mit der Begründung, nicht jede Darstellung nackter Minderjähriger sei kinderpornographisch.
Laurence Olivier ist Erzähler der englischen Fassung; in der italienischen Fassung übernahm Vittorio Gassman diese Aufgabe, in der deutschen Werner Peters. Olivier sprach außerdem in der englischen Fassung Lord Capulet und verzichtete auf Bezahlung. Der Film wurde weltweit ein Erfolg, spielte allein in den USA 39 Millionen US-Dollar ein und war bis dahin die kommerziell erfolgreichste Shakespeare-Verfilmung.
Musik und Synchronfassung
Die Filmmusik von Nino Rota wurde besonders bekannt. Das Love Theme from Romeo and Juliet, auch bekannt als A Time for Us, erreichte in einer von Henry Mancini arrangierten Version für zwei Wochen Platz 1 der Billboard Hot 100. Die Musik erschien international auf Schallplatten und wurde später unter anderem von Luciano Pavarotti, André Rieu, Johnny Mathis und Andy Williams gecovert. Lana Del Reys Song Old Money aus dem Album Ultraviolence von 2014 enthält ein Sampling von Rotas Komposition.
Während des Festes im Haus der Capulets wird das Lied What is a Youth gesungen. Im Film tritt der italienische Schlagersänger Bruno Filippini als Sänger Leonardo auf. In der italienischen Fassung ist Filippini selbst zu hören; in der englischen und deutschen Fassung wurde er von Glen Weston übersynchronisiert. Der Text stammt von Eugene Walter, der Teile aus anderen Shakespeare-Stücken übernahm, besonders aus Was ihr wollt und Der Kaufmann von Venedig.
Die deutsche Synchronfassung entstand 1968 bei der Berliner Synchron GmbH. Regie führte Dietmar Behnke, das Dialogbuch schrieb Ruth Leschin. Lutz Mackensy sprach Romeo, Uschi Wolff Julia, Wolfgang Draeger Mercutio, Martin Hirthe Pater Lorenzo, Tina Eilers die Amme, Christian Brückner Tybalt und Werner Peters den Erzähler.
Auszeichnungen und Bewertung
Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Bei der Oscarverleihung 1969 war er viermal nominiert und gewann zwei Oscars: Beste Kamera für Pasqualino De Santis und Bestes Kostümdesign für Danilo Donati. Nominiert war er außerdem für Beste Regie und Bester Film. Beim British Film Academy Award gab es sieben Nominierungen und eine Auszeichnung für das Kostümdesign. Bei den Golden Globes gewann der Film drei Preise: Bester englischsprachiger ausländischer Film, Bester Nachwuchsdarsteller für Leonard Whiting und Beste Nachwuchsdarstellerin für Olivia Hussey. Außerdem erhielt er fünf Nastro-d’Argento-Auszeichnungen, unter anderem für Kamera, Kostümdesign, Regie, Produktionsdesign und Filmmusik.
In der Kritik gilt Zeffirellis Romeo und Julia oft als eine der überzeugendsten Verfilmungen des Stoffes. Bei Rotten Tomatoes sind 35 von 37 Kritiken positiv, was einer Wertung von 95 % entspricht. Roger Ebert gab dem Film am 15. Oktober 1968 vier Sterne und nannte ihn den aufregendsten Shakespeare-Film, der je gemacht worden sei. Er lobte besonders die unmittelbare Darstellung von Liebe, Gewalt, Poesie und Tragödie sowie die Schauspieler und die Kameraarbeit.
Das Lexikon des Internationalen Films beschrieb den Film als kraftvolle und moderne Interpretation des Liebesdramas und seiner tragischen Einbettung in die Familienfehde. Der Evangelische Film-Beobachter lobte die Verfilmung ebenfalls, sah aber Einschränkungen bei dem Versuch, das Renaissance-Trauerspiel filmrealistisch umzusetzen, und empfahl den Film ab 14 Jahren.