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Ritter aus Leidenschaft

Ritter aus Leidenschaft (Originaltitel: A Knight's Tale) ist eine Filmkomödie des US-amerikanischen Regisseurs Brian Helgeland, die im Jahr 2001 in Prag …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Film und Grundidee
  2. 2. Williams Weg zum Ritter
  3. 3. Figuren, Aufbau und Konflikte
  4. 4. Zeit und historische Bezüge
  5. 5. Mittelalter und moderne Inszenierung

Film und Grundidee

„Ritter aus Leidenschaft“ (Originaltitel: „A Knight’s Tale“) ist eine 132 Minuten lange US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2001. Brian Helgeland führte Regie und schrieb das Drehbuch; die Hauptrolle spielt Heath Ledger. Der Film wurde 2001 in Prag gedreht und ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben.

Im Mittelpunkt steht der aus einfachen Verhältnissen stammende William Thatcher. Da im mittelalterlichen Europa nur Adlige an Ritterturnieren teilnehmen dürfen, gibt er sich als „Sir Ulrich von Liechtenstein aus Gelderland“ aus. Durch Mut, sportlichen Erfolg und ritterliches Verhalten versucht er, seine gesellschaftliche Herkunft zu überwinden. Der Film verbindet damit eine Aufstiegsgeschichte, eine Liebeshandlung und die Rivalität zweier Turnierkämpfer.

Die Handlung spielt in England und Frankreich vor dem Hintergrund des Hundertjährigen Kriegs. Als Turnierorte erscheinen nacheinander Rouen, Lagny-sur-Marne, Bordeaux, Paris und London. Alle genannten Orte existieren tatsächlich. Historische Stoffe werden bewusst mit moderner Musik, heutigen Sportbildern und modernem Verhalten verbunden.

Williams Weg zum Ritter

William Thatcher ist der Sohn des armen Londoner Dachdeckers John Thatcher. Sein Vater gibt ihn als Jungen in die Obhut des Turnierkämpfers Sir Hector, damit er dessen Knappe wird. Zwölf Jahre später stirbt Hector während eines Turniers in Frankreich. William trägt daraufhin unerlaubt dessen Rüstung, beendet den Wettkampf und gewinnt. Gemeinsam mit den Knappen Wat und Roland beschließt er, weiterhin an Turnieren teilzunehmen.

Da William keinen Adelstitel besitzt, fälscht der mittellose Schriftsteller Geoffrey Chaucer für ihn die notwendigen Adelsbriefe. William tritt nun als Sir Ulrich auf, während Geoffrey als wortgewandter Herold und Wat und Roland als Knappen erscheinen. Beim Turnier in Rouen verliebt William sich in Lady Jocelyn. Gleichzeitig beginnt seine Rivalität mit dem unbesiegten Grafen Adhemar von Anjou, der ebenfalls um Jocelyn wirbt und William wegen seiner alten Rüstung und seines Kampfstils verspottet.

William kämpft außerdem gegen den angeblichen Sir Thomas Colville. Als Colville verletzt wird, ermöglicht William ihm einen ehrenvollen Rückzug. Später erfährt er, dass sein Gegner in Wirklichkeit Prinz Edward, der Schwarze Prinz von Wales, ist. Williams Verhalten gewinnt Edwards Anerkennung. Die Schmiedin Kate ersetzt unterdessen Hectors beschädigte Rüstung durch einen leichteren, aber stabileren Harnisch aus gehärtetem Stahl. Trotzdem verliert William das Turnier in Rouen gegen Adhemar.

In Lagny-sur-Marne zieht Adhemar seinen Kampf gegen Edward zurück, als er dessen Identität erkennt. William tritt dagegen trotz dieses Wissens an. Edward schätzt seinen Mut, und William gewinnt das Turnier. In Bordeaux und bei weiteren Turnieren wird William anschließend zum erfolgreichsten Kämpfer der Saison.

Für das Turnier in Paris verlangt Jocelyn von William zunächst, absichtlich zu verlieren, um seine Liebe zu beweisen. Nachdem er die ersten Kämpfe tatsächlich verliert, erkennt sie seinen Beweis an und fordert ihn auf, nun für sie zu gewinnen. William siegt, und beide werden ein Paar. Jocelyn ahnt bereits, dass er kein wirklicher Adliger ist, misst seiner Herkunft aber keine Bedeutung bei.

Beim großen Turnier in London beobachtet Adhemar, wie William seinen inzwischen erblindeten Vater besucht. Er verrät daraufhin Williams Herkunft. William weigert sich zu fliehen, weil Ritter seiner Ansicht nach nicht davonlaufen, wird verhaftet und an den Pranger gestellt. Prinz Edward befreit ihn. Wegen seines ritterlichen Verhaltens und seines Mutes erhebt Edward William offiziell in den Ritterstand.

Nun darf William unter seinem eigenen Namen gegen Adhemar antreten. Adhemar benutzt unerlaubt angespitzte Lanzen und verletzt ihn. Dennoch stößt William ihn mit Unterstützung Jocelyns, seiner Freunde und seines Vaters vom Pferd und gewinnt das Turnier. Damit verändert er, wie sein Vater es ihm vorausgesagt hatte, sein Schicksal: Er erreicht den gesellschaftlichen Aufstieg und kann mit Jocelyn zusammenleben.

Figuren, Aufbau und Konflikte

William ist mutig, entschlossen und leidenschaftlich. Er kann seine Freunde motivieren, fühlt sich in der höheren Gesellschaft aber teilweise unwohl und verhält sich gegenüber Jocelyn gelegentlich brüsk. Adhemar bildet seinen Gegenpol: Er ist ehrgeizig, arrogant und gnadenlos, verteidigt die Trennung von Adel und einfachem Volk und betrachtet Frauen als Trophäen. Jocelyn ist selbstständig, unkonventionell und fordernd. Geoffrey Chaucer ist spielsüchtig, wortgewandt und provozierend, steht William später jedoch treu zur Seite. Roland handelt ruhig und vernünftig, Wat dagegen jähzornig. Kate ist eine innovative Schmiedin, die sich in einer von Männern beherrschten Berufswelt behaupten muss. Prinz Edward erscheint trotz seines hohen Ranges als gerecht, tapfer und ehrenhaft.

Die Handlung gliedert sich in drei Phasen. In der Exposition werden bei den ersten Turnieren die Figuren und die Rivalität zwischen William und Adhemar eingeführt. Während der Entwicklung verschärft sich der Konflikt über Lagny-sur-Marne, Bordeaux und Paris bis zur Ankunft in London. Die Lösung erfolgt mit Williams Erhebung zum Ritter, seinem Sieg über Adhemar und dem Ende der Streitigkeiten zwischen Geoffrey und Wat.

Der wichtigste Konflikt besteht zwischen Adel und einfachem Volk. William widersetzt sich einer Ordnung, nach der Ruhm, Reichtum, Rittertum und Turniere nur dem Adel offenstehen. Adhemar verkörpert die Behauptung, gesellschaftliche Grenzen seien unveränderbar. Die Trennung wird auch räumlich sichtbar: Der Adel sitzt bei den Wettkämpfen auf einer Empore, während das einfache Volk um die Arena steht. Am Ende verdient William sich durch sein Verhalten den Ritterstand. Passend dazu beziehen die Herolde nach Geoffreys Vorbild auch das einfache Volk in ihre Ansprachen ein.

Ein zweiter Konflikt betrifft die Stellung der Frauen. Kate wird als Schmiedin zunächst nicht ernst genommen, doch ihre leichte Rüstung bewährt sich und sie wird in Williams Freundeskreis aufgenommen. Jocelyn wird von den Turnierkämpfern anfangs eher als Siegestrophäe denn als selbstständige Person behandelt. Sie weist Adhemar jedoch zurück, entscheidet sich ungeachtet seiner Herkunft für William und bewegt ihn dazu, seine Selbstbezogenheit zu überwinden.

Zeit und historische Bezüge

Im Film wird keine Jahreszahl ausdrücklich genannt. Aus den Lebensdaten der realen Figuren und dem Hintergrund des Hundertjährigen Kriegs lässt sich eine Spielzeit um 1370 ableiten; auch Regisseur Brian Helgeland ging davon aus. Geoffrey Chaucer erwähnt „Das Buch der Herzogin“, das frühestens 1368 entstand. Außerdem heißt es, der Papst sei Franzose, was für die Jahre 1305 bis 1378 zutrifft.

Ein Widerspruch entsteht durch die erwähnte Schlacht von Poitiers: Sie fand 1356 statt, lässt sich aber nicht mit Chaucers Alter im Film vereinbaren. Die Gegenwartshandlung umfasst ungefähr vier Monate. Drei Rückblenden zeigen William als Kind und spielen zwölf Jahre früher.

Nach Helgelands Aussage orientiert sich Williams Aufstieg an William Marshal beziehungsweise Guillaume le Maréchal (1144–1219). Dieser stieg unter anderem durch Erfolge als Turnierritter zum ersten Earl von Pembroke und zum Regenten von England auf. Der von William angenommene Name Ulrich von Liechtenstein gehört dagegen einem steiermärkischen Minnesänger, der ungefähr von 1200 bis 1275 lebte und in seinem Buch „Frauendienst“ das Leben des wandernden Ritters verherrlichte. Der englische Filmtitel ist den „Canterbury Tales“ von Geoffrey Chaucer entnommen, deren Erzählung jedoch nicht die Filmhandlung liefert.

Mittelalter und moderne Inszenierung

Der Film erzeugt einen mittelalterlichen Eindruck durch Titel und Anredeformen wie „Sir William“, „My lord“, „My lady“, „Count“, „Squire“ oder „my liege“. Hinzu kommen religiöse Wendungen und veraltete englische Formen wie „nay“, „aye“, „thee“, „ye“ und „shall“. Solche sprachlichen Mittel stehen jedoch neben bewusst modernen Ausdrücken und Verhaltensweisen.

Besonders deutlich sind die Anachronismen, also Elemente, die historisch nicht in die dargestellte Zeit passen. Der Tjost wird wie ein heutiger Profisport dargestellt: Zuschauer heißen „Fans“, veranstalten eine Welle, schwingen Fahnen, tragen Schminke mit Wappentieren und singen wie in einem Stadion. Herolde kündigen die Ritter wie Box- oder Wrestlingstars an, erfolgreiche Kämpfer werden als Berühmtheiten gefeiert, und das Londoner Turnier gilt als Weltmeisterschaft. Die erfundene Turnierliga folgt einem festen Punktesystem: Ein Körpertreffer zählt einen Punkt, ein Kopftreffer zwei Punkte und das Herunterstoßen des Gegners vom Pferd drei Punkte.

Auch Musik und Tanz sind modern. Schon in der Eingangsszene klatscht das Publikum zu „We Will Rock You“ von Queen; am Ende erklingt „We Are the Champions“ in einer von Robbie Williams gemeinsam mit Brian May und Roger Taylor neu aufgenommenen Version. Moderne Kleidung, Frisuren und Schminke verstärken diesen Stil. Kate bringt sogar das Nike-Zeichen auf Williams Rüstung an.

Das Verhalten der gesellschaftlichen Schichten und Geschlechter wirkt ebenfalls eher modern. Figuren aus dem einfachen Volk begegnen Adel und Klerus teilweise wenig respektvoll, Menschen küssen und umarmen sich öffentlich, klatschen einander ab und zeigen Gefühle offen. Einzelne sachliche Anachronismen gehen noch weiter: Eine angespitzte Lanze soll aus Zuckerwatte und Schuhcreme bestehen, obwohl Zuckerwatte erst 1897 erfunden und Schuhcreme erst 1901 patentiert wurde. Zudem war Jocelyn beziehungsweise Joscelin zur Handlungszeit ausschließlich ein Männername.

Für die Tjostszenen wurden leicht brechende, ausgehöhlte Holzlanzen verwendet, die mit ungekochten Linguine gefüllt waren. So sollten sie überzeugend splittern, ohne die Stuntleute ernsthaft zu verletzen. Die Verbindung von mittelalterlicher Handlung und moderner Sportkultur ist damit ein grundlegendes Gestaltungsmittel des Films.

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