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Portiuncula

Portiuncula (auch Portiunkula; lateinisch für „kleiner Flecken Land“; italienisch porziuncola) ist der volkstümliche Name der Kapelle Santa Maria degli …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lage
  2. 2. Franziskus und die franziskanische Gemeinschaft
  3. 3. Portiuncula-Ablass und Wallfahrt
  4. 4. Bau und künstlerische Ausstattung

Bedeutung und Lage

Die Portiuncula, auch Porziuncola oder Portiunkula genannt, ist die Kapelle Santa Maria degli Angeli in der Ebene drei Kilometer südlich von Assisi in Umbrien, Mittelitalien. Ihr Name bedeutet lateinisch „kleiner Flecken Land“. Sie wurde berühmt, weil die franziskanischen Orden hier ihren Ursprung nahmen. Am 3. Oktober 1226 starb Franziskus von Assisi dort im Kreis seiner Gefährten.

Über der Kapelle ließ Papst Pius V. ab 1569 die Basilika Santa Maria degli Angeli errichten; deren Bau wurde 1679 vollendet. Die Portiuncula steht unmittelbar unter der zentralen Kuppel der Basilika und hat dasselbe Patrozinium, also dieselbe Schutzheilige beziehungsweise Weihe: Santa Maria degli Angeli.

Franziskus und die franziskanische Gemeinschaft

Die Kapelle ist erstmals 1045 in einem heute im Archiv der Kathedrale San Rufino in Assisi aufbewahrten Dokument erwähnt. Nach der Überlieferung hatten Eremiten sie unter Papst Liberius (352–366) errichtet und Reliquien der Jungfrau Maria darin verwahrt. Einer Legende zufolge ging sie 516 in den Besitz Benedikts von Nursia über und hieß „Unsere Liebe Frau vom Tal Josaphat“ oder „Unsere Liebe Frau von den Engeln“.

Später lag die Kapelle als Ruine in einem Steineichenwald. Der Überlieferung nach stellte Franziskus von Assisi sie sowie zwei weitere Kapellen selbst wieder her. Auslöser war die Stimme Jesu vom Kreuz von San Damiano: „Siehst du nicht, dass mein Haus verfällt? […] stelle es wieder her!“ Danach entschloss sich Franziskus, Jesus entsprechend dem Evangelium nach Matthäus in Armut nachzufolgen.

1208 bot der Abt von Monte Subasio Franziskus die Kapelle unter der Bedingung an, dass sie Mittelpunkt seiner Gemeinschaft werde. Weil Eigentum seinen Grundsätzen widersprach, nahm Franziskus sie nur zur Miete an. Als Jahreszins wurde ein Korb Fische vereinbart; Franziskus ließ ihn sofort im Voraus bringen. Am Palmsonntag 1212, dem 18. März, erhielt Klara von Assisi hier von Franziskus einen Habit, um als Nonne zu leben. Später gründete sie mit Gefährtinnen in San Damiano die Klarissen. Zu Pfingsten hielten die Minderbrüder an der Portiuncula ihre Kapitel, also Versammlungen des Ordens, ab; 1221 nahmen bereits über 5000 Brüder teil.

Zunächst entstanden um die Kapelle weitere Franziskanergebäude. Diese wurden auf Geheiß Pius’ V. wieder abgerissen. An der Stelle, an der Franziskus gestorben war, entstand 1569–78 die Basilika über der Kapelle.

Portiuncula-Ablass und Wallfahrt

Auf Bitte des heiligen Franziskus gewährte Papst Honorius III. für den gläubigen Besuch der Portiuncula einen vollkommenen Ablass, wenn dieser mit dem Empfang des Bußsakraments verbunden ist. Ein vollkommener Ablass bedeutet im katholischen Verständnis den vollständigen Erlass zeitlicher Sündenstrafen. Dadurch wurde die Kapelle zu einem wichtigen Wallfahrtsort.

Papst Sixtus IV. weitete dieses Ablassprivileg 1480 auf alle Franziskanerkirchen aus. An vielen dieser Kirchen wurden daraufhin eigene Portiunkulakapellen als freie Nachbildungen des Originals angebaut. Der Portiuncula-Ablass kann jährlich am 2. August, dem Portiunculafest (in festo Portiunculae), erworben werden.

Bau und künstlerische Ausstattung

Die Kapelle wurde in späteren Jahrhunderten künstlerisch ausgestaltet. Besonders bekannt ist das farbenfrohe Fresko von Friedrich Overbeck aus dem Jahr 1829. Overbeck gehörte den Nazarenern an, einer deutschrömischen Künstlergruppe. Das Fresko zeigt die Vision des Franziskus, die ihn veranlasste, beim Papst den Portiuncula-Ablass zu erbitten.

Seitlich liegt die Grabplatte von Pietro Cattani, einem Mitbruder des Franziskus, der hier 1221 starb. Auf dem rückseitigen Giebel über der Apsis befindet sich ein an den Rändern stark beschädigtes Fresko mit einer Kreuzigungsgruppe vom Ende des 15. Jahrhunderts. Die Zuschreibung an Perugino ist nicht allgemein anerkannt. Die Tür aus dem 15. Jahrhundert trägt Blumenmotive.

Der Innenraum mit seiner Spitztonne, einem spitz zulaufenden Tonnengewölbe, ist weitgehend undekoriert. Franziskus soll einige Steine vom Monte Subasio selbst für den Wiederaufbau herbeigeschleppt haben. Die rückseitige Giebelwand umfasst eine auf 1393 datierte Altartafel von Hilarius von Viterbo: Um eine Verkündigung ordnet sie Szenen aus dem Leben des Franziskus an.

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