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Philosophische Praxis

Ebenfalls wird der philosophischen Diskussion manchmal ein Referat oder Vortrag vorangestellt, auf dessen Inhalt die darauf folgende Debatte basieren soll.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Ziel
  2. 2. Entwicklung und Anliegen
  3. 3. Angebote und Gesprächsformen
  4. 4. Philosophische Cafés und Salons
  5. 5. Unternehmen, Kinder und Einordnung

Begriff und Ziel

Philosophische Praxis bezeichnet eine außerakademische philosophische Tätigkeit, die in Deutschland etwa seit den 1980er-Jahren ausgeübt wird. Ihr gemeinsames Selbstverständnis ist noch nicht abgeschlossen; deshalb ist auch die Definition vorläufig. Nach Odo Marquard, der sich 1989 auf Gerd B. Achenbachs Begriffsprägung von 1981 bezieht, ist sie „professionell betriebene philosophische Lebensberatung, die in der Praxis eines Philosophen geschieht“. Sie gibt keine fertigen philosophischen Einsichten vor, sondern soll das Denken in Bewegung setzen.

Ziel ist, philosophisches Wissen und philosophische Methoden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und ihr praktisches Potenzial zu nutzen. Adressaten können Einzelpersonen, Organisationen und Unternehmen sein. Die Arbeit geschieht etwa in Einzel- und Gruppengesprächen, Seminaren, Vorträgen, Projekten, Reisen oder philosophischen Cafés. Philosophische Praxis soll Verständigung, Klärung und Sinnfindung durch philosophische Gespräche fördern.

Die einzelnen Praxen unterscheiden sich deutlich, da sie von Persönlichkeit, Ausbildung und Zielen der Praktiker geprägt sind. Meist sind sie privatwirtschaftliche Unternehmungen, seltener gemeinnützige Einrichtungen. Ihre Arbeitsweise ist gesetzlich nicht geregelt. Es gibt zudem Ausbildungslehrgänge, beispielsweise seit 2016 einen postgradualen Lehrgang an der Universität Wien.

Entwicklung und Anliegen

Die im Artikel dargestellte Entwicklung knüpft an die antike Philosophie an, die als Theorie und Praxis eines guten Lebens verstanden wurde. Gutes Leben bedeutete im antiken Griechenland und bei Konfuzius in China das Streben nach Harmonie mit dem Weltganzen und der Weltvernunft, dem Logos. In Zirkeln wie Platons Akademie, Aristoteles’ Lykeion, Epikurs Kepos und Zenon von Kitions Stoa war Philosophie auch geistige Übung und eine Art Seelenführung.

Seit dem 2. Jahrhundert verlagerte sich diese Aufgabe nach der Darstellung des Artikels in christliche Gemeinschaften. Die christliche Lehre verstand sich als „wahre Philosophie“, die dem göttlichen Logos verpflichtet sei. In Klöstern wurden geistliche Übungen wichtig; Philosophie wurde dort mit Seelsorge, Lebensschulung und gelebter Weisheit verbunden. Mit den ersten Universitäten im Mittelalter entfernte sich die Philosophie zunehmend vom praktischen Leben, wurde theoretischer Diskurs und galt als Vorbereitung auf die Theologie, als „Magd der Theologie“. Renaissance und Rationalismus brachten teilweise Befreiung, aber noch keine vollständige Rückkehr zur Lebensnähe.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts nennt der Artikel unter anderem Kant sowie Fichte, Schelling und Hegel; außeruniversitär werden Kierkegaard, Schopenhauer und Nietzsche als wichtige Gegenpositionen genannt. Für die Gegenwart wird ein Problem der Ethik beschrieben: Allgemeine Prinzipien seien oft schwer auf konkrete Lebenspraxis anzuwenden. Bereichsethiken wie Ökoethik, Medizinalethik, Tierethik, Rechtsethik oder Verkaufsethik sollen dies bearbeiten. Hans Krämer wird mit der Aussage zitiert, für praktisch werdende Ethik sei das philosophische Beratungsgespräch unverzichtbar.

Gerd B. Achenbach führte den Begriff Philosophische Praxis ein, weil er die universitäre Philosophie als zu wenig am Alltag orientiert und die Psychologie als theoretisch defizitär ansah. 1985 fand die erste Konferenz zur Philosophischen Praxis statt. Inzwischen existieren Praxen weltweit. Der historische Abschnitt ist im Ausgangstext allerdings als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet; zudem wird dort ausdrücklich eine fehlende Darstellung der Entwicklung in Asien vermerkt.

Angebote und Gesprächsformen

Ausgehend von der Philosophischen Beratung entwickelte sich ein breites Angebot: philosophische Bildungsveranstaltungen wie Seminare, Vorträge, Reisen und Lehrgänge, Diskussionsforen wie philosophische Cafés und Podien, Gesprächsgruppen, Unternehmensberatung und Coaching, Philosophieren mit Kindern sowie Orientierungshilfen.

Gemeinsam ist den Formen, dass sie philosophische Fragen nicht nur wissenschaftlich behandeln, sondern für konkrete Situationen, Entscheidungen und Gespräche erschließen wollen. Philosophische Beratung zielt dabei auf eigenständiges und kritisches Denken. Sie ist nicht einheitlich organisiert oder methodisch vorgeschrieben; die konkrete Gestaltung richtet sich nach der jeweiligen Praxis.

Philosophische Cafés und Salons

Ein Philosophischer Salon oder ein Philosophisches Café, auch „Café-Philo“, ist ein Diskussionsforum zu philosophischen Fragen. Es soll Menschen ermöglichen, fremde Meinungen zu hinterfragen, eigene Auffassungen überprüfen zu lassen und gegensätzliche Meinungen gelten zu lassen oder zu tolerieren. Im Mittelpunkt stehen überwiegend die Gedanken der Teilnehmenden, weniger die Auslegung bestimmter philosophischer Werke.

Marc Sautet hielt 1992 in Paris ein Café Philosophique ab. Sein Anliegen war, Philosophie über den wissenschaftlichen Diskurs hinaus für eine breitere Öffentlichkeit zu öffnen. Die Teilnehmenden sollten Themen demokratisch auswählen, ihre Meinung begründen und hinterfragen können; als Beispiele nennt der Artikel die Fragen „Ist Gewalt etwas Universelles oder etwas Menschliches?“ und „Was ist Schönheit?“. Zugleich sagt der Artikel, das erste Philosophische Café habe am 24. September 1989 im Kulturladen Spunk in Gelsenkirchen stattgefunden, veranstaltet von Marit Rullmann und Erika Kaldemorgen.

Die Leitung moderiert: Sie hält den Themenbezug aufrecht, reformuliert oder problematisiert Standpunkte und kann auf philosophische Ansätze verweisen, wenn das Gespräch festfährt. Sie soll auch verhindern, dass private Anliegen therapeutisch bearbeitet werden oder einzelne Personen ihr Wissen zur Schau stellen. Manche Veranstaltungen beginnen mit einem festgelegten Thema oder Vortrag, andere entwickeln ihre Frage erst im Gespräch. Sie sollen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Bildung sowie kulturellem und sozialem Hintergrund offen sein.

Ein Café-Philo ist ein semi-öffentliches Setting zur Förderung des eigenen Denkens und klareren Ausdrucks. Es kann Sinn, Glauben, Moral oder Gerechtigkeit behandeln und kennt grundsätzlich weder Tabu noch Zensur. Lou Marinoff nennt Höflichkeit als einzige Grundregel. Es hat keine therapeutische Funktion. Kritisiert wird, dass ein völlig offener demokratischer Ansatz die Ernsthaftigkeit gefährden könne, wenn Behauptungen ohne Quellenhinweise vorgebracht werden. Auch dieser Abschnitt ist im Ausgangstext als nicht hinreichend belegt markiert.

Unternehmen, Kinder und Einordnung

In Unternehmen kann Philosophische Praxis beispielsweise als Workshop oder Führungscoaching stattfinden. Im Führungscoaching versucht der Philosoph, Werte sowie Sinn und Zweck des Handelns strukturell zu erfassen. Der Führungskraft sollen ihre Prämissen, also vorausgesetzte Annahmen, und ihre innere Logik bewusst werden. Anders als psychologische Erklärungen von Ursachen geht es um das Verstehen von Sinnzusammenhängen. Dadurch sollen individuelle Entscheidungsprozesse bewusster werden, der Handlungsspielraum wachsen und ein bewusster Ethos entstehen, also eine Haltung, aus der gedacht, entschieden und gehandelt wird. Das sokratische Gespräch wird hierfür häufig eingesetzt.

Die Critical Management Studies entstanden in den 1990er-Jahren durch Mats Alvesson und Hugh Willmott. Sie beleuchten kapitalistische und neoliberale Systeme kritisch, etwa mit Positionen der Frankfurter Schule, des Poststrukturalismus und des Neomarxismus; kritisiert wurde jedoch ihr mangelnder Praxisbezug. Die Popularisierung von Philosophie für Unternehmen bereitet philosophische Texte etwa für Manager auf und verbindet Managementtheorien mit philosophischen Gedanken. Business Ethics befasst sich mit ethischen Normen und sozialer Verantwortung im Wirtschaftsbereich, wird aber eher der angewandten Ethik als der Philosophischen Praxis zugeordnet.

Philosophieren mit Kindern wird privat, halböffentlich und an Schulen betrieben und gilt als Teilgebiet der Didaktik der Philosophie. Die internationale Abkürzung lautet P4C. Matthew Lipman gründete 1974 an der Montclair State Universität das Institute for the Advancement of Philosophy for Children (IAPC). Seine dialogische Methode setzt auf das gemeinsame Lesen philosophisch anregender Erzählungen, weil Kinder nach seiner Auffassung zur rationalen Reflexion fähig sind. P4C wird heute in mehr als sechzig Ländern praktiziert. Weitere Methoden nutzen etwa nur den Anfang einer Geschichte, Bilderbücher, aussagekräftige Fotografien, Gedankenexperimente und besondere Fragetechniken, um logisches Argumentieren zu fördern.

Philosophische Praxis grenzt sich von Hochschullehre, traditioneller Erwachsenen- und Weiterbildung, medizinischer Therapie einschließlich Psychotherapie sowie zeitgenössischer Religion, Spiritualität und Esoterik ab. Systematisch gilt sie als junge Form der Praktischen Ethik neben der Angewandten Ethik und philosophisch-wissenschaftlicher Forschung: Sie erprobt philosophisches Wissen im menschlichen Leben. Verschiedene Verbände unterstützen Vernetzung und Professionalisierung; seit Mai 2009 besteht ein Berufsverband für Philosophische Praxis, der die Professionalisierung als Beratungsberuf anstrebt.

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