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Philosophie des Absurden
Bei Camus besteht die Absurdität darin, dass es keinen Sinn des Lebens gibt, obwohl der Mensch an einen Sinn glauben will. ... Möglicherweise schenkt die Religion …
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Grundidee der Philosophie des Absurden
Die Philosophie des Absurden, auch Absurdismus, ist eine Richtung der Existenzphilosophie. Sie vertritt die These, dass menschliches Leben oder die Welt absurd ist. Im engeren Sinn bezeichnet der Begriff vor allem die Philosophie Albert Camus’.
„Absurd“ bedeutet hier nicht einfach ungewöhnlich oder lächerlich. Gemeint sind Sinnlosigkeit und die Tatsache, dass etwas mit dem Verstand nicht vollständig zu erfassen ist. Bezogen auf das menschliche Leben enthält das Absurde außerdem einen Widerspruch oder Konflikt: Menschen suchen nach Sinn, Orientierung und Erklärungen, treffen jedoch auf eine Welt, die keinen erkennbaren Sinn liefert.
Oft wird dieser Konflikt als Begegnung eines rationalen Menschen mit einer irrationalen Welt beschrieben. Absurdität kann auch im Scheitern menschlicher Vorhaben, in der Diskrepanz zwischen subjektiver Einschätzung und Realität oder in einer „Kollision in uns selbst“ liegen: Menschen können die Zufälligkeit ihrer höchsten Anliegen erkennen und sich dennoch nicht von ihrer Hingabe an diese Anliegen lösen. Nach einigen Auffassungen gehört zum Absurden auch das Bewusstsein der Menschen über diese Situation.
Camus: Sinnsuche und sinnleere Welt
Albert Camus beschrieb das Absurde in seinem Essay Der Mythos des Sisyphos (1942). Er greift den antiken Sisyphos-Mythos auf: Sisyphos ist dazu verdammt, einen Felsblock einen Berg hinaufzurollen; kurz vor dem Gipfel rollt er stets wieder ins Tal, sodass die Arbeit von Neuem beginnt.
Nach Camus ist der Welt kein Sinn abzugewinnen; sie bleibt unerklärbar. Daher bleibt das menschliche Streben nach Sinn in einer sinnleeren Welt vergeblich und kann in eine tiefe Krise führen. Camus nennt die Frage „Soll ich mich umbringen?“ das einzige „wirklich ernsthafte philosophische Problem“.
Camus unterscheidet drei Reaktionen. Selbstmord oder „Flucht vor der Existenz“ lehnt er ab, weil dadurch die Absurdität gesteigert werde. Auch die Hinwendung zu einem religiösen oder anderen Glauben verwirft er. Ein solcher Glaube kann zwar einen höheren Endzweck, etwa die Herrlichkeit Gottes oder Dienst an der Gesellschaft, sowie Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod bieten. Camus nennt dies jedoch „philosophischen Suizid“, weil es für ihn eine Flucht vor der Realität ist. Seine Antwort lautet, das Absurde anzunehmen, nicht zu resignieren und weiterzuleben.
In Der Mensch in der Revolte (1951) entwickelt Camus die Idee der „Revolte“. Sie bedeutet, unter widrigen Bedingungen Verantwortung zu übernehmen, Freiheit zu finden und die eigene Identität zu bestimmen. Neue Erfahrungen können ein intensives und kreatives Leben ermöglichen. Die Revolte beseitigt das Absurde nicht, gilt aber als bessere Reaktion als Flucht. Camus sieht darin eine Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen und das größte Maß an Freiheit zu erreichen.
Begründungen und Einwände
Als Gründe für die Absurdität werden die Grenzen menschlicher Erkenntnis genannt: Versuche, die Welt zu verstehen, seien zum Scheitern verurteilt, und die Welt beantworte nicht, was Menschen glauben oder wie sie handeln sollen. Das Universum erscheine gleichgültig gegenüber menschlichen Anliegen. Weitere Gesichtspunkte sind die Diskrepanz zwischen der Ernsthaftigkeit menschlicher Ziele und dem Einfluss des Zufalls sowie die Sterblichkeit.
Ein Argument besagt, heutige Handlungen seien in einer Million Jahren bedeutungslos; ein anderes verweist auf die räumliche und zeitliche Kleinheit des Menschen im Verhältnis zum Universum. Thomas Nagel kritisierte solche Argumente als zirkulär: Aus der Tatsache, dass Handlungen in einer Million Jahren keine Rolle spielen, folge nicht, dass sie heute keine Rolle spielen.
Eine weitere Argumentation betrifft die Begründung von Sinn. Wenn etwas nur durch die Beziehung zu etwas anderem Sinnvollem sinnvoll ist, entsteht ein infiniter Regress, also eine unendliche Kette von Rechtfertigungen. Ohne etwas, das aus sich selbst sinnvoll ist, wäre letztlich alles sinnlos. Außerdem wird eingewandt, dass Maßstäbe für Sinn wie andere Werturteile von Menschen abhängen; objektive Begründungen und ein Beweis für den Sinn des Lebens seien dann unmöglich.
Gegen die Philosophie des Absurden wird vorgebracht, Gott könne dem Leben Sinn geben. Auch ohne Gott werden mögliche Sinnquellen in der natürlichen Welt genannt; Sinn kann subjektiv beurteilt oder an Werten wie Moral, Wissen oder Schönheit festgemacht werden. Ein weiterer Einwand lautet, der Absurdismus führe zum moralischen Nihilismus, weil dann niemandem falsches Verhalten vorgeworfen werden könne. Camus erkannte jedoch Tugenden wie Aufrichtigkeit, Authentizität und Mut an. Dies führte zum Vorwurf der Selbstwidersprüchlichkeit und zum Hinweis auf Humes Gesetz: Aus einer Tatsachenbeschreibung lassen sich nicht logisch Normen oder Werturteile ableiten. Zur Verteidigung wird gesagt, Camus’ Tugenden seien keine allgemein gültigen Werte, sondern mögliche Hilfen für einzelne Menschen.
Weitere Reaktionen und verwandte Strömungen
Neben Camus’ Revolte werden weitere mögliche Haltungen genannt. Nach Thomas Nagel könnten Menschen entweder aufhören, sich ständig zu sorgen, oder etwas finden, das ihrer Sorge würdig ist. Andere empfehlen, die Absurdität zu ignorieren. Ironie kann den Ernst des Lebens abschwächen, weil sie Distanz zu ihm schafft. Manche Autoren meinen dagegen, es gebe keine angemessene Reaktion: Wenn nichts wirklich Bedeutung hat, seien auch Versuche zur Überwindung der Absurdität bedeutungslos. Jeffrey Gordon hielt dem entgegen, dass es trotz eines insgesamt absurden Lebens wichtigere und unwichtigere Dinge geben könne.
Camus wird oft dem Existentialismus zugerechnet, wies dies aber entschieden zurück. Er stand ihm zunächst nahe, ging mit der Philosophie des Absurden jedoch einen eigenen Weg. Anders als der Existentialismus gab Camus eine grundsätzlich pessimistische Antwort auf die Frage, ob Menschen Sinn im eigenen Leben finden oder schaffen können.
Die Aussage, das Leben sei sinnlos, ist eine nihilistische Position. Der Absurdismus geht darüber hinaus, weil er besonders den Konflikt zwischen menschlicher Sinnsehnsucht und dem fehlenden Sinn behandelt. Außerdem wird eine Nähe zum Skeptizismus der Erkenntnistheorie gesehen: Wie methodischer Zweifel vermeintlich sicheres Wissen erschüttert, kann eine skeptische Sicht das naive Vertrauen in einen Sinn des Lebens infrage stellen.
Erfahrung, Literatur und Theater
Das Gefühl des Absurden kann in alltäglichen Situationen auftreten. Einzelne absurde Erfahrungen bedeuten aber nicht automatisch, dass das gesamte Leben oder die Welt absurd ist. Dieser umfassendere Eindruck kann entstehen, wenn Menschen ihr Leben aus größerer Distanz betrachten und etwa erkennen, wie viel Aufmerksamkeit oder Energie sie scheinbar bedeutungslosen Dingen widmen. Schwere existenzielle Krisen können mit Stress, Angst, Verzweiflung und Depression verbunden sein und den Eindruck von Sinnlosigkeit hervorrufen. Umgekehrt kann der Gedanke an die Absurdität des Lebens zu Depressionen oder einer existenziellen Krise beitragen.
Die Idee wurde auch literarisch gestaltet. Camus bearbeitete sie in Der Fremde (1942), noch vor seinem Essay Der Mythos des Sisyphos; weitere Werke von ihm sind Die Pest (1947), Caligula (1938) und Das Missverständnis (1944). Schon vor Camus zeigte Franz Kafka Bilder des Absurden, etwa in Der Process. Als weitere Beispiele werden Tristan Tzara und Daniil Charms genannt.
Der Begriff Absurdismus wird besonders mit dem absurden Theater verbunden, etwa mit Werken von Eugène Ionesco, Samuel Beckett und Arthur Adamov. Das Lexikon der Filmbegriffe überträgt den Begriff auch auf Spielfilme und nennt unter anderem Der neue Schreibtisch von Karl Valentin (1914) sowie Horse Feathers mit den Marx Brothers (1932).