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Phillips-Kurve

Die Phillips-Kurve, oder auch Phillipskurve, ist eine Grafik, die einen hypothetischen Zusammenhang zwischen Lohnänderungen bzw.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Ursprüngliche empirische Kurve
  3. 3. Inflation, Lohn-Preis-Spirale und wirtschaftspolitische Deutung
  4. 4. Langfristige Grenzen und Inflationserwartungen
  5. 5. Erwartungsmodifizierte Phillips-Kurve

Grundidee und Bedeutung

Die Phillips-Kurve ist eine grafische Darstellung eines hypothetischen Zusammenhangs zwischen Änderungen von Löhnen beziehungsweise Preisen und der Arbeitslosenquote. In ihrer heute meist gemeinten, von Paul A. Samuelson und Robert Merton Solow 1960 modifizierten Form beschreibt sie die Beziehung zwischen Inflationsrate und Arbeitslosigkeit.

Die Grundidee lautet: Bei niedriger Arbeitslosigkeit können Löhne und Preise stärker steigen; bei hoher Arbeitslosigkeit sind die Steigerungen geringer. Diese Beziehung wurde mehrfach erweitert. Sie ist für die Wirtschaftspolitik bedeutsam, weil sie lange als möglicher Zielkonflikt zwischen niedriger Arbeitslosigkeit und niedriger Inflation verstanden wurde. Wegen der starken Vereinfachung und zusätzlicher Einflussfaktoren werden politische Empfehlungen allein auf Grundlage einer Phillips-Kurve heute kritisch beurteilt.

Ursprüngliche empirische Kurve

Alban William Housego Phillips veröffentlichte 1958 die erste Variante in der Zeitschrift Economica. Sie stellte für Großbritannien Daten aus den Jahren 1861 bis 1957 dar und zeigte eine historisch-empirische Korrelation zwischen der durchschnittlichen Steigerung der Nominallöhne und der Arbeitslosenquote.

Phillips nahm folgende Beziehung an: Je höher die Arbeitslosigkeit, desto niedriger sind die Nominallohnsteigerungen – und umgekehrt. Er erklärte dies mit der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer. Bei hohem Beschäftigungsstand gibt es weniger arbeitsuchende Arbeitslose. Arbeitnehmer können deshalb höhere Löhne verlangen, weil Arbeitgeber schwerer günstigeren Ersatz finden. Um zusätzliche Arbeitskräfte von anderen Firmen zu gewinnen, die stille Reserve zu aktivieren oder Arbeitslose zur Aufnahme einer Stelle zu bewegen, müssen Arbeitgeber einen höheren Preis für Arbeit zahlen.

Die ursprüngliche Kurve behauptete nicht, hohe Lohnsteigerungen verursachten mehr Beschäftigung. Als entscheidend galt vielmehr die Größe der Arbeitsreserve und die daraus folgende Verhandlungsposition der Arbeitnehmer. Phillips verwendete noch kein makroökonomisches Modell, das beschäftigungspolitische oder andere gesamtwirtschaftliche Folgen einbezog.

Inflation, Lohn-Preis-Spirale und wirtschaftspolitische Deutung

Samuelson und Solow ersetzten die Lohnerhöhungsquote durch die Inflationsrate und unterstellten eine feste gleichgerichtete Beziehung zwischen Änderungen der Nominallöhne und des Preisniveaus. Diese Keynesianische Phillips-Kurve rückt damit Inflation und Arbeitslosenquote in den Mittelpunkt.

Die Begründung ist die Lohn-Preis-Spirale: Steigen Löhne, können Unternehmen höhere Lohnkosten durch höhere Produktpreise weitergeben. Ein höheres Preisniveau bedeutet Inflation, also Geldentwertung. Wenn Produktivitätssteigerungen die Produktion nicht ausreichend verbilligen, führt ein höheres Lohnniveau mittelfristig zu einem höheren Preisniveau. Steigende Preise lösen wiederum neue Lohnforderungen aus.

Die negative Korrelation zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit beweist jedoch keine Kausalität. Phillips verstand höhere Löhne oder Inflation als Folge niedriger Arbeitslosigkeit, nicht als politisches Mittel, um Beschäftigung zu erhöhen. Dennoch wurde das modifizierte Modell zeitweise als „Speisekarte“ für die Politik gedeutet: Sie könne zwischen mehr Inflation und weniger Arbeitslosigkeit wählen. Als Beispiel für diese politische Brisanz wird Helmut Schmidts Aussage angeführt: „Fünf Prozent Inflation sind leichter zu ertragen als fünf Prozent Arbeitslosigkeit“.

Langfristige Grenzen und Inflationserwartungen

In den 1970er und 1980er Jahren trat Stagflation auf, also die Verbindung von Inflation und hoher Arbeitslosigkeit. Damit entsprach die angenommene wechselseitige Beziehung nicht der beobachteten Entwicklung. Eine Politik, die durch Zinssenkung und eine höhere Geldmenge Geldentwertung erzeugen sollte, führte nicht zum erwarteten Erfolg.

Milton Friedman und Edmund S. Phelps kritisierten bereits in den späten 1960er Jahren unabhängig voneinander die Deutung eines dauerhaften Zusammenhangs. Langfristig könne zwischen einer nominalen Größe wie Inflation und einer realen Größe wie Arbeitslosigkeit kein stabiler kausaler Zusammenhang bestehen, wenn Geld langfristig neutral ist. Antizipieren Arbeitnehmer die Inflation richtig, rechnen sie die erwartete Preissteigerungsrate in ihre Lohnforderungen ein. Dann hat Inflation keine dauerhaften realen Wirkungen.

Friedman und Phelps folgerten, dass die Beziehung allenfalls kurzfristig gelte. Langfristig stelle sich eine „natürliche Arbeitslosenquote“ ein; die langfristige Phillips-Kurve wäre dann senkrecht. Heute wird zwischen kurz- und langfristiger Phillips-Kurve unterschieden. Umstritten bleibt, ob die langfristige Kurve tatsächlich senkrecht verläuft.

Erwartungsmodifizierte Phillips-Kurve

Die erwartungsmodifizierte Phillips-Kurve berücksichtigt, dass Lohnsetzer für die Nominallöhne des nächsten Jahres die künftige Inflation erwarten. Nach Blanchard/Illing lautet die Beziehung:

πₜ = πₜᵉ + (μ + z) − α · uₜ

Dabei ist πₜ die Inflationsrate des betrachteten Jahres, πₜᵉ die erwartete Inflationsrate, μ der Gewinnaufschlag-Faktor der Preise über die Löhne, z die Faktoren der Lohnsetzung, α die Wirkung der Inflationsrate auf die Arbeitslosenquote bei gegebenen Inflationserwartungen und uₜ die Arbeitslosenquote des betrachteten Jahres.

Für die Erwartungsbildung wird verwendet: πₜᵉ = θ · πₜ₋₁. θ gibt an, wie stark die Inflationsrate des Vorjahres berücksichtigt wird. Bei θ = 0 ergibt sich πₜ = (μ + z) − α · uₜ: Die Inflation hängt nur negativ mit der Arbeitslosenquote zusammen. Bei positivem θ hängt sie zusätzlich von der Inflationsrate des Vorjahres ab.

Bei θ = 1 gilt nach Subtraktion der Vorjahresinflation: πₜ − πₜ₋₁ = (μ + z) − α · uₜ. Dann beeinflusst die Arbeitslosenquote nicht das Niveau der Inflation, sondern deren Veränderung: Hohe Arbeitslosigkeit geht mit sinkender Inflation einher, niedrige Arbeitslosigkeit mit steigender Inflation. Die erweiterte, auch akzelerierende Phillips-Kurve beschreibt daher den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und der Veränderung der Inflation. Der Zusammenhang kann sich mit Höhe und Dauerhaftigkeit der Inflation verändern.

Eine weitere vorgeschlagene Erweiterung stammt von David Ratner und Jae Sim (2022): Seit den 1990er Jahren seien Löhne und Inflation trotz niedriger Arbeitslosigkeit kaum gestiegen. Sie schlagen vor, die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer, etwa den gewerkschaftlichen Organisationsgrad, einzubeziehen. Laut Artikel nahm diese Verhandlungsmacht seit den 1980er Jahren deutlich ab, weil Gewerkschaften geschwächt wurden.

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