Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Personal Carbon Trading
Das Personal carbon trading (PCT) ist ein Sammelbegriff für diejenigen Emissionshandelskonzepte, welche die Emissionen der Privathaushalte miteinbeziehen.
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee des persönlichen Emissionshandels
Personal carbon trading (PCT) ist ein Sammelbegriff für Emissionshandelskonzepte, die auch die Emissionen von Privathaushalten einbeziehen. Gebräuchliche deutsche Bezeichnungen sind unter anderem „Ausweitung des Emissionshandels“, Kohlenstoff-Lizenz, privater CO₂-Emissionshandel, Pro-Kopf-Emissionsquote und Emissionshandelsrechte für Privathaushalte.
Beim Emissionshandel darf CO₂ nur ausgestoßen werden, wenn dafür Zertifikate vorhanden sind. In der Europäischen Union erfasst der EU-Emissionshandel bislang etwa 45 % der CO₂-Emissionen; einbezogen sind Industrie, Energieerzeuger und Luftfahrtunternehmen. Die geltenden EU-Vorschriften erlauben neben einer EU-weiten Erweiterung auch eine landesspezifische Ausweitung, zum Beispiel auf den Straßenverkehr.
PCT soll die begrenzte Menge erlaubter Emissionen sichtbar machen und Anreize setzen, weniger klimaschädlich zu handeln. Je nach Modell werden Zertifikate direkt an Personen verteilt oder von Unternehmen erworben, die ihre Kosten über Preise weitergeben.
Modelle für Verkehr und Kraftstoffe
Beim Verkehrsteilnehmer-Ansatz erhält jeder Bürger zu Monatsbeginn kostenlos gleich viele Zertifikate auf einem eigenen Zertifikate-Konto. Beim Tanken werden zusätzlich zur Bezahlung des Kraftstoffs Zertifikate für das dadurch entstehende CO₂ abgegeben. Nicht benötigte Zertifikate können am Monatsende verkauft werden; wer sein Kontingent überschreitet, muss weitere kaufen. Das belohnt Personen finanziell, die das Klima stärker schonen, und vermittelt unmittelbar ein Gefühl für die eigenen CO₂-Emissionen. Als Hauptnachteil gilt die Verwaltung sehr vieler CO₂-Konten.
Beim Kraftstoffbereitsteller-Ansatz kaufen Raffinerien und Importeure von Öl und Gas die Zertifikate für die an Verbraucher gelieferten Mengen. Sie können die höheren Kosten durch Preisanpassungen weitergeben. Dadurch entstehen geringe Transaktionskosten und es müssen weniger CO₂-Konten verwaltet werden; Verbraucher brauchen keine neuen Konten, weil der Handel im Hintergrund erfolgt. Der wesentliche Nachteil ist die Preiserhöhung, die im Wesentlichen Verbraucher tragen.
Beim Kraftstoffbereitsteller-Ansatz mit sozialem Ausgleich erhalten alle Verbraucher zunächst kostenlose Zertifikate. Sie können diese sofort zum aktuellen Börsenkurs an eine Art Bank verkaufen; Raffinerien und Importeure kaufen ihre Zertifikate dort. So bleiben die Transaktionskosten gering, während CO₂-Knappheit in die Preise eingeht. Wer im Vergleich zu anderen weniger klimabelastend verbraucht, wird gegenüber Vielverbrauchern begünstigt. Anders als bei einer Steuer sollen nicht ärmere Bevölkerungsschichten, sondern Vielverbraucher entsprechend ihrem Verbrauch stärker von Mehrkosten betroffen sein. Im Zusammenhang damit wird auf die Klimadividende verwiesen.
Bei einer Steuer wird der Preis pro Emission politisch festgelegt, während die nachgefragte Menge der Markt bestimmt. Bei Zertifikaten ist die Menge festgelegt und der Preis ergibt sich aus der Nachfrage. Beide Varianten verteuern aus Sicht der Verbraucher den Verbrauch und können die Nachfrage verringern. Werden so viele Zertifikate verteilt, dass keine Verhaltensänderung nötig ist, kann ihr Preis gegen null sinken.
Preise und mögliche Ausweitungen
Würde der Straßenverkehr bei einem Zertifikatepreis von 30 Euro pro Tonne CO₂ in den Emissionshandel einbezogen, verteuerte sich ein Liter Benzin um 7 Cent. Bei den derzeit gehandelten CO₂-Preisen läge der Mehrpreis bei 1,4 Cent pro Liter Benzin.
Das Prinzip könnte auf den gesamten Verkehrssektor übertragen werden. Für Inner-EU-Flüge wäre eine Ausnahme nötig, weil Luftfahrtgesellschaften bereits dem Emissionshandel unterliegen. Außerdem könnten Gebäudesektor und Landwirtschaft einbezogen werden. Die im Artikel genannten Anteile an den CO₂-Emissionen der EU betragen 20 % für den Straßenverkehr, 13 % für Gebäudeheizung und 10 % für Landwirtschaft. In der Schweiz wird neben CO₂ unter anderem Heizöl durch die Lenkungsabgabe besteuert.
Grundsätzlich lassen sich neben CO₂ auch alle anderen Treibhausgase berücksichtigen. Als weitere mögliche Gegenstände nennt der Artikel Nitrate, Ammoniak, Phosphor, Feinstaub, Quecksilber, seltene Erden sowie alle aus dem Boden entnommenen nicht nachwachsenden Rohstoffe. Verwiesen wird dabei auf planetarische Leitplanken. Für eine Ausweitung des Emissionshandels, insbesondere auf den Straßenverkehr, haben sich laut Artikel Fachleute und Wirtschaftsvertreter ausgesprochen; genannt werden Daimler, BMW, Opel sowie Experten der Deutschen Bank und der FAZ.
Ansätze in Deutschland und der Schweiz
In Deutschland propagiert der Klimaschutzverein SaveClimate.Earth auf Grundlage des Prinzips „Cap, Personalize and Trade“ einen persönlichen Emissionshandel mit der komplementären CO₂e-Währung ECO (Earth Carbon Obligation). ECO wird allen Bürgern monatlich kostenlos und in gleicher Höhe als ökologisches Grundeinkommen ausgezahlt und soll den individuellen CO₂-Konsum bezahlen. Waren und Dienstleistungen erhalten ein separates ECO-Preisschild, das die entlang der vollständigen Wertschöpfungskette entstehende CO₂-Menge angibt. Damit sollen Verbraucher die Klimaschädlichkeit von Produkten vergleichen und klimabezogene Kaufentscheidungen treffen können.
SaveClimate.Earth bezeichnet ECO als das einzige CO₂-Bepreisungssystem, das sämtliche Treibhausgas-Emissionen lückenlos erfasst, transparent abbildet und gerecht abrechnet. Dem stellt der Artikel gegenüber, dass EU-ETS nur etwa 45 % aller Treibhausgase in der EU abbildet und die CO₂-Steuer nur die Sektoren Wärme und Verkehr betrifft. ECO wurde zunächst für CO₂-Emissionen entwickelt, soll sich aber auch auf andere Treibhausgase wie Methan (CH₄) und Lachgas (N₂O) übertragen lassen.
In der Schweiz erhält bereits heute jeder Bürger denselben Betrag aus den Einnahmen der Schweizer Lenkungsabgabe zurück. Es gibt Überlegungen, diese Abgabe auf alle Emissionen auszuweiten.
Englische Konzepte und Forschungsstand
In England werden unter PCT mehrere Konzepte diskutiert. TEQ bedeutet Tradable Energy Quotas, auch DTQ (Domestic Tradable Quotas). Es soll alle Emissionen von Gesellschaft und Industrie erfassen. Verbraucher versteigern die ihnen zugeteilten Rechte in wöchentlichen Tendern an Emittenten; TEQ würde damit den bisherigen Emissionsrechtehandel ersetzen. David Fleming entwickelte das Konzept Anfang der 1990er Jahre, seit 2003 wird es am Tyndall Centre for Climate Change Research erforscht.
PCA steht für Personal Carbon Allowances und wurde von Mayer Hillman und Tina Fawcett am Environmental Change Institute in Oxford entwickelt. Gewerbliche und private Emissionen werden dabei getrennt erfasst und vermarktet. PCA ergänzt den bisherigen Emissionsrechtehandel und berücksichtigt besonders Transport einschließlich ÖPNV sowie Heizen. „Carbon Credit Card“ ist vor allem eine in Medien verwendete populäre Bezeichnung.
Das britische Umweltministerium kündigte eine Carbon Credit Card konkret an: Verbraucher sollten neben dem Marktpreis mit CO₂-Punkten bezahlen, die jährlich in geringerer Menge zugeteilt werden. Reichten die Punkte nicht aus, sollten zusätzliche Punkte über eine Börse von Personen gekauft werden können, die sie etwa wegen fehlenden Autos und eines Nullenergiehauses nicht verbrauchen. Die britische Regierung beschloss 2008 jedoch, das System vorerst nicht einzuführen.
Eine Studie in Nature Sustainability beurteilt persönliche Emissionsgenehmigungen (PCAs) als mögliche wirkungsvolle Komponente zur Eindämmung des Klimawandels. Die wirtschaftliche Erholung von COVID-19 und neue technische Kapazitäten könnten ein günstiges Zeitfenster für erste Testläufe in geeigneten Regionen bieten. PCAs umfassen etwa monetäre Credit-Feedbacks und sinkende Mengen standardmäßig erlaubter Emissionen pro Kopf. Die Studie nennt zugleich Umsetzungsprobleme, die weiter erforscht und gelöst werden müssten; der Artikel führt diese Probleme nicht näher aus.