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Pearl-Index
Er gibt an, wie hoch der Anteil sexuell aktiver Frauen ist, die trotz Verwendung einer bestimmten Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden.
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Bedeutung und Berechnung
Der Pearl-Index ist ein Maß für die Wirksamkeit beziehungsweise Zuverlässigkeit einer Methode zur Empfängnisverhütung. Er gibt an, wie viele von 100 sexuell aktiven Frauen trotz Anwendung der untersuchten Methode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Je niedriger der Wert, desto zuverlässiger ist die Verhütungsmethode.
Eine Berechnung verwendet die Anwendungsdauer in Monaten: Pearl-Index = (Anzahl der Schwangerschaften × 1200) / (Anzahl der Frauen × Anwendungsmonate).
Eine zweite Berechnung beruht auf den Menstruationszyklen: Pearl-Index = (Anzahl der Schwangerschaften × 1300) / (Anzahl der Frauen × Anzahl der Menstruationszyklen).
Der Faktor 1300 ergibt sich daraus, dass ein Menstruationszyklus durchschnittlich 28 Tage dauert und deshalb mit 13 Zyklen pro Jahr gerechnet wird. Ein Pearl-Index von 15 bedeutet beispielsweise, dass von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit der betreffenden Methode verhüten, 15 schwanger werden.
Optimale und tatsächliche Anwendung
Bei der Beurteilung müssen Methodensicherheit und Anwendungssicherheit unterschieden werden. Die Methodensicherheit beschreibt das Versagen einer Methode trotz optimaler, fehlerfreier Anwendung. Die Anwendungssicherheit berücksichtigt dagegen die Nutzung im Alltag einschließlich möglicher Anwendungsfehler.
Da Verhütungsmethoden meist wegen solcher Fehler versagen, können beide Werte deutlich voneinander abweichen. Besonders groß ist der Unterschied bei Methoden, die regelmäßig oder bei jedem Geschlechtsverkehr korrekt angewendet werden müssen. Der ermittelte Pearl-Index hängt deshalb auch von Kenntnissen, Erfahrung, Zuverlässigkeit und Motivation der anwendenden Personen ab und kann zwischen Studien stark schwanken.
Referenzwerte und Methoden im Überblick
Ohne Verhütung nennt die Übersicht einen Pearl-Index von 30 bis 85. Bei regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr dient der Wert zugleich als Maß der altersabhängigen Fruchtbarkeit: Er liegt bei 19- bis 26-jährigen Frauen bei etwa 92, bei 27- bis 34-Jährigen bei 86–87 und bei 35- bis 39-Jährigen bei 82. Mit dem Einsetzen der Menopause sinkt er ungefähr im Alter von 45 bis 50 Jahren auf 0.
Die angegebenen Spannweiten für einzelne Methoden lauten:
• hormonelle Methoden: Antibabypille 0,1–0,9; Dreimonatsspritze 0,3–0,88; Hormonimplantat 0–0,08; Hormonpflaster 0,72–0,9; Hormonspirale 0,16; Minipille 0,5–3; Verhütungsring 0,4–0,65.
• kupferbasierte Methoden: Kupferkette 0,1–0,5 und Kupferspirale 0,3–0,8.
• operative Methoden: Sterilisation der Frau 0,2–0,3 und Sterilisation des Mannes 0,1.
• Barrieremethoden und chemische Mittel: Diaphragma 1–20; Kondom 2–12; Kondom für die Frau 5–25; Portiokappe 6; Verhütungsschwamm 5–10; chemische Verhütungsmittel 3–21.
• verhaltens- und beobachtungsbasierte Methoden: symptothermale Methode 0,4–1,8; Temperaturmethode 0,8–3; Kalendermethode 3–9; Billings-Methode 5–35; Coitus interruptus 4–18.
Die teilweise breiten Bereiche zeigen, dass die Ergebnisse je nach Untersuchung und praktischer Anwendung unterschiedlich ausfallen können.
Vergleich nach Ausfallrate und Benutzeraufwand
In der ausführlichen Vergleichstabelle ist die Ausfallrate als erwartete Zahl der Schwangerschaften pro Jahr und pro 100 Frauen definiert. Die Farbcodierung ordnet Werte unter 1 % Blau und damit einem geringeren Schwangerschaftsrisiko zu. Grün steht für bis zu 5 %, Gelb für bis zu 10 %, Orange für bis zu 20 % und Rot für über 20 %. Grau bedeutet, dass keine Daten vorhanden sind. Methoden, bei denen höchstens einmal jährlich eine Benutzeraktion nötig ist, sind in der entsprechenden Spalte blau markiert.
Die Tabelle verdeutlicht den Unterschied zwischen Alltagsanwendung und optimaler Anwendung. Beim Etonogestrel-Implantat betragen beide Ausfallraten 0,05 % beziehungsweise 1 von 2000; eine Anwendung hält 3–5 Jahre. Für die Vasektomie werden 0,15 % bei üblicher und 0,1 % bei optimaler Anwendung genannt. Die Hormonspirale erreicht jeweils 0,2 % und wird für 3–7 Jahre eingesetzt. Beim kupferhaltigen Intrauterinpessar sind es 0,8 % gegenüber 0,6 %; es bleibt 3 bis über 12 Jahre eingesetzt.
Bei Methoden mit wiederkehrender Benutzeraktion sind die Abstände häufig größer. Für die Dreimonatsspritze mit Medroxyprogesteron werden 3 % bei üblicher und 0,3 % bei optimaler Anwendung angegeben. Beim wöchentlichen Hormonpflaster sind es 8 % und 0,3 %, bei der täglich einzunehmenden Antibabypille 9 % und 0,3 %, beim NuvaRing 9 % und 0,3 % sowie bei der täglich einzunehmenden Minipille 9 % und 0,3 %. Symptombasiertes Fertilitätsbewusstsein, bei dem Basaltemperatur und Zervixschleim täglich beobachtet werden, erreicht 1,8 % gegenüber 0,6 %. Tagezählen liegt bei 12 % gegenüber 5 %, die Knaus-Ogino- beziehungsweise Rhythmusmethode bei 25 % gegenüber 9 %.
Bei Methoden, die bei jedem Geschlechtsverkehr angewendet werden, nennt die Tabelle für das Diaphragma 16 % gegenüber 6 %, für das Latex-Kondom 18 % gegenüber 2 %, für Coitus interruptus 18 % gegenüber 4 % und für das Femidom 21 % gegenüber 5 %. Spermizide als Gel, Schaum, Zäpfchen oder Film erreichen 29 % gegenüber 18 %. Für ungeschützten Geschlechtsverkehr werden in beiden Spalten 85 % beziehungsweise ungefähr 6 von 7 Frauen angegeben. Bei einigen Varianten von Portiokappen und Schwämmen unterscheiden sich die Werte außerdem danach, ob eine Frau bereits geboren hat; teilweise fehlen Daten zur Methodensicherheit.
Mehrere Methoden können gleichzeitig verwendet werden, etwa Kondome zusammen mit Spermiziden. Ihre geschätzte Methodensicherheit könnte mit der eines Implantats vergleichbar sein. Eine rein mathematische Kombination der Ausfallraten kann jedoch ungenau sein, weil die Wirksamkeit der Methoden nicht notwendigerweise unabhängig voneinander ist.
Notfallverhütung und Grenzen des Index
Ist eine Methode nachweislich oder vermutlich fehlgeschlagen, beispielsweise durch das Reißen eines Kondoms, kann innerhalb von 72 bis 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eine Notfallverhütung eingenommen werden. Sie soll kurz vor beziehungsweise so bald wie möglich nach dem Geschlechtsverkehr verwendet werden, weil ihre Wirksamkeit mit zunehmender Verzögerung abnimmt.
Die Levonorgestrel-Notfallverhütung kann laut Artikel bei einer Frau, die nur wenige Male im Jahr Geschlechtsverkehr hat, auch kurz vorher als primäre hormonelle Methode eingesetzt werden, wenn sie nicht ständig Hormone einnehmen möchte. Die Ausfallrate bei wiederholter oder regelmäßiger Anwendung ähnelt derjenigen von Barrieremethoden. Für Plan B One-Step nennt die Tabelle allerdings weder zur Anwendungs- noch zur Methodensicherheit Daten.
Der Pearl-Index schreibt wichtige statistische Bedingungen nicht fest. Dazu gehören die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs, die Größe der Stichprobe und eine minimale Grundgesamtheit. Von Interessengruppen oder Herstellern veröffentlichte Werte neuer Verhütungsmethoden sind deshalb oft nur eingeschränkt aussagekräftig. Je verbreiteter eine Methode ist und je länger sie angewendet wurde, desto genauer lässt sich ihr Pearl-Index bestimmen.