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Partito Liberale Italiano

Partito Liberale Italiano (PLI) war eine liberale, konservative und laizistische Partei in Italien. Sie war zu Zeiten des Kalten Krieges an einigen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und politische Ausrichtung
  3. 3. Entwicklung, Regierung und Niedergang
  4. 4. Wahlen und regionale Hochburgen
  5. 5. Auflösung und Nachfolgeorganisationen
  6. 6. Parteiführung

Profil und Bedeutung

Der Partito Liberale Italiano (PLI) war eine liberale, konservative und laizistische Partei in Italien. Laizismus bezeichnet hier die Trennung von Staat und Kirche. Wirtschaftspolitisch trat die Partei für die Marktwirtschaft und den Wirtschaftsliberalismus ein. Ihr Hauptsitz befand sich in der Via Frattina in Rom.

Der 1943 gegründete PLI gehörte während des Kalten Krieges zeitweise der italienischen Regierung an und unterstützte ein westliches Bündnis mit den USA. International war er von 1947 bis 1993 Mitglied der Liberalen Internationale; auf europäischer Ebene gehörte er der ELDR an. Seine Parteizeitungen waren von 1943 bis 1948 „Risorgimento Liberale“ und ab 1949 „L’Opinione“.

Die Partei wirkte in mehreren politischen Bündnissen mit: im „CLN“ von 1943 bis 1946, im „Centrismo“ von 1947 bis 1950 und 1954 bis 1957, im „Centro-Sinistra“ 1972 sowie mit Unterbrechungen von 1979 bis 1993 im „Pentapartito“. Infolge der Korruptionskrise von 1992/93 verlor sie ihren Einfluss und löste sich am 6. Februar 1994 auf.

Entstehung und politische Ausrichtung

Benedetto Croce gründete den PLI kurz nach dem Sturz Benito Mussolinis. Die Partei trat dem Comitato di Liberazione Nazionale (CLN), dem Zusammenschluss wichtiger antifaschistischer Kräfte, bei. Sie berief sich auf die italienische liberale Tradition des 19. Jahrhunderts und auf den Staatsgründer Camillo Benso von Cavour.

Bereits im Oktober 1922 war in Bologna eine Partei gleichen Namens gegründet worden. Nach einem zweiten Kongress 1924 in Livorno schlossen sich große Teile von ihr unter faschistischem Druck dem Regime an. Der erste Kongress nach dem Zweiten Weltkrieg hieß dennoch im April/Mai 1946 „III. PLI-Kongress“. Damit betonte die Partei die Kontinuität mit dem vorfaschistischen Liberalismus. Sie deutete den Faschismus als Unterbrechung in der Geschichte des geeinten Italien und wies die besonders von linken Kräften vertretene Auffassung zurück, der Faschismus sei ein Produkt des liberalen Italien gewesen. Der 1942 aus liberal-sozialistischen Erneuerungsvorstellungen entstandene Partito d’Azione forderte dagegen einen grundlegenden republikanischen Neuanfang.

Der PLI ging zunächst aus einer Spaltung der antifaschistischen Liberalen im Untergrund hervor. Die von Leone Cattani und Nicolò Carandini sowie maßgeblich von Croce beeinflusste Gruppe lehnte Ende 1942 den Beitritt zum entstehenden Partito d’Azione ab. Sie sammelte gemäßigte Liberale, verteilte bereits vor Mussolinis Sturz in Rom Flugblätter und bildete später eine eigene, gegenüber den Massenparteien allerdings schwach organisierte Gruppe im CLN.

Viele lokale liberale Gruppen arbeiteten ohne Verbindung untereinander. Im befreiten Süditalien mobilisierten örtliche Honoratioren 1943 und Anfang 1944 frühere Anhängerschaften. Raffaele De Caro aus Benevent vertrat die Liberalen in der ersten Regierung von Marschall Badoglio und gründete den Partito della Democrazia Liberale. Während der deutschen Besetzung Roms von September 1943 bis Juni 1944 gewann die Untergrundgruppe um Cattani und Carandini bei den anderen CLN-Kräften antifaschistisches Ansehen. Nach der Befreiung formierten sich die Liberalen als PLI und vereinigten sich bald mit De Caros Partei. Weil De Caro bis Anfang der 1940er-Jahre dem Partito Nazionale Fascista angehört hatte, schadete dies ihrer Glaubwürdigkeit. Der CLN schloss den PLI unter anderem von der gemeinsamen Leitung der neuen Gewerkschaft CGIL aus. Sozial fortschrittliche Liberale wie Carandini wurden zunehmend aus der Parteiführung gedrängt.

Entwicklung, Regierung und Niedergang

Neben dem PLI bestand mit dem Partito Repubblicano Italiano (PRI) eine zweite liberale Partei. Der PRI berief sich auf das Risorgimento und Giuseppe Mazzini und vertrat eine entschieden antimonarchistische, antiklerikale und antifaschistische Haltung. Der PLI konzentrierte sich stärker auf den Wirtschaftsliberalismus und war eng mit alten Eliten verbunden, die in Süditalien teilweise noch in quasi-feudalen Strukturen herrschten. Beim Referendum über die Staatsform 1946 unterstützte er die Monarchie. Gemeinsam waren beiden Parteien der Laizismus, die Marktwirtschaft und im beginnenden Kalten Krieg die Westbindung.

Mit Enrico De Nicola, dem früheren Präsidenten der Abgeordnetenkammer, und Luigi Einaudi, dem Gouverneur der Banca d’Italia, stellte der PLI die ersten beiden italienischen Staatspräsidenten der Jahre 1948 bis 1955. Der linksliberale Flügel trennte sich 1955 und gründete den Partito Radicale. Danach verlor der PLI sein Interesse an sozialen Reformen, galt als konservativ und wurde als Sprachrohr des Arbeitgeberverbands Confindustria wahrgenommen.

Der PLI war in sechs Zeiträumen an der Regierung beteiligt: 1947–1950, 1954–1957, 1972–1973, 1979–1980, 1981–1987 und 1987–1992. Zu seinen wichtigen Regierungsmitgliedern gehörten Gaetano Martino als Außenminister 1954–1957, Renato Altissimo als Gesundheitsminister 1979–1980 und 1981–1983 sowie als Industrieminister 1983–1986, Valerio Zanone als Umweltminister 1984–1986 und Verteidigungsminister 1987–1989 sowie Francesco De Lorenzo als Umweltminister 1986–1987 und Gesundheitsminister 1989–1993.

In den 1970er- und 1980er-Jahren verlor die Partei deutlich an Wählern. Als Ursachen nennt der Artikel unter anderem ein wenig überzeugendes Führungspersonal, besonders nach dem Rückzug Valerio Zanones von der Parteispitze und der Übernahme durch Renato Altissimo. Der konkurrierende PRI gewann dagegen unter Giovanni Spadolini an Beliebtheit, löste den PLI als stärkste liberale Kraft ab und erhielt zunehmend Unterstützung aus der Wirtschaft und von der Confindustria. Giovanni Malagodi, langjähriger Leiter des PLI und der Liberalen Internationale, war 1987 kurzzeitig Präsident des Senats. In den 1980er-Jahren gehörte der PLI zum „Pentapartito“, einem Fünfparteienkartell aus DC, PSI, PSDI, PRI und PLI.

Wahlen und regionale Hochburgen

Bei den Parlamentswahlen erzielte der PLI folgende Ergebnisse: 1946 6,9 % und 41 Mandate im Wahlbündnis Unione Democratica Nazionale; 1948 3,8 % und 19 Mandate im Blocco Nazionale mit dem Fronte dell’Uomo Qualunque; 1953 3,0 % und 13 Mandate; 1958 3,5 % und 17 Mandate; 1963 7,0 % und 39 Mandate; 1968 5,3 % und 31 Mandate; 1972 3,9 % und 20 Mandate; 1976 1,3 % und 5 Mandate; 1979 1,9 % und 9 Mandate; 1983 2,9 % und 16 Mandate; 1987 2,1 % und 11 Mandate; 1992 2,8 % und 17 Mandate. Den höchsten Stimmenanteil dieser Reihe erreichte die Partei 1963 mit 7,0 %, die meisten Mandate jedoch 1946 mit 41.

In den 1950er-Jahren war der PLI besonders in Süditalien stark. Seine besten Ergebnisse von 1953 lagen in Molise bei 14,7 % und im Osten Siziliens bei 6,2 %. Deutlich schwächer war er in Mittel- und Norditalien, darunter in der westlichen Toskana mit 1,3 % sowie im Osten der Lombardei, in Emilia und in Friaul-Julisch Venetien mit jeweils 1,5 %. Eine nördliche Ausnahme bildete die Provinz Cuneo im Piemont mit 9,25 %. Aus dem Piemont stammten mehrere historische Führungspersonen des italienischen Liberalismus und frühen PLI, darunter Giovanni Giolitti, Luigi Facta, Luigi Einaudi und Manlio Brosio. In Trentino-Südtirol spielte die Partei mit 0,8 % kaum eine Rolle.

Später verlor der PLI seine Verankerung im Süden. Bei seiner letzten Wahlteilnahme 1992 war Piemont seine stärkste Region, besonders die Provinz Cuneo mit 13,5 %. In der Gemeinde Magliano Alpi erreichte er 44 %. In Turin stellte die Partei von 1990 bis 1991 mit Valerio Zanone den Bürgermeister. Weitere gute Ergebnisse gab es in der Provinz Messina auf Sizilien mit 8,9 % und in Lucca in der Toskana mit 7,8 %. Sehr schwach war der PLI in Basilicata mit 1,24 %, in der früheren Hochburg Molise mit 1,35 % und in den Marken mit 1,45 %.

Auflösung und Nachfolgeorganisationen

Im Mai 1993 trat Renato Altissimo wegen seiner Verwicklung in den Korruptionsskandal Tangentopoli zurück. Sein Nachfolger Raffaele Costa gründete kurz darauf die Unione di Centro, um das Mitte-rechts-Spektrum zu sammeln. Sie blieb erfolglos, wurde zu einem Anhängsel der 1994 von Silvio Berlusconi gegründeten Forza Italia und verschmolz 1998 mit dieser. PLI-Politiker wie Antonio Martino und Giancarlo Galan wechselten bereits 1994 direkt zu Forza Italia.

Valerio Zanone verließ den PLI im Juni 1993 und gründete die Unione Liberaldemocratica. Sie trat bei der Parlamentswahl 1994 im Mitte-Bündnis Patto per l’Italia an. Die verbliebenen Teile des PLI benannten sich im Februar 1994 in Federazione dei Liberali (FdL) um; Raffaello Morelli übernahm ihre Führung. Die FdL erbte die Parteizentrale und die Vertretung in der Liberalen Internationale und schloss sich 1995 dem Mitte-links-Bündnis L’Ulivo an.

Parteiführung

Die Ämter im PLI waren unterschiedlich gewichtet: Der „segretario generale“ (Generalsekretär) leitete die laufende politische Arbeit, während der „presidente“ (Vorsitzende) vor allem zeremonielle Aufgaben hatte.

Zu den länger amtierenden Generalsekretären gehörten Bruno Villabruna (1948–1954), Giovanni Malagodi (1954–1972), Agostino Bignardi (1972–1976), Valerio Zanone (1976–1985), Renato Altissimo (1986–1993) und zuletzt Raffaele Costa (1993–1994). Weitere Generalsekretäre waren Giovanni Cassandro, Manlio Brosio, Leone Cattani, Roberto Lucifero d’Aprigliano und Alfredo Biondi.

Den Parteivorsitz führten Benedetto Croce (1946–1947), Raffaele De Caro (1947–1961), Gaetano Martino (1961–1967), Vittorio Badini Confalonieri (1967–1972), Giovanni Malagodi (1972–1976), Agostino Bignardi (1976–1979), Aldo Bozzi (1979–1987), Salvatore Valitutti (1987–1991), Valerio Zanone (1991–1993) und Alfredo Biondi (1993–1994).

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