Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
POL&IS
POL&IS (Politik & internationale Sicherheit) ist ein von der Bundeswehr durchgeführtes, interaktives Planspiel, das politische, ökonomische und ökologische …
Inhalt5 Abschnitte
Zweck und Grundidee
POL&IS („Politik & internationale Sicherheit“) ist ein interaktives Planspiel der Bundeswehr. Es bildet politische, wirtschaftliche, militärische und ökologische Aspekte internationaler Politik in vereinfachter Form nach. Teilnehmende gestalten als politische Akteure ihre Region, treffen Entscheidungen und erleben deren Folgen. Betreut wird die Simulation durch Jugendoffiziere der Bundeswehr; sie wird vor allem mit Jugendlichen unter Aufsicht von Lehrkräften durchgeführt.
Entwickelt wurde POL&IS in den 1980er Jahren von Wolfgang Leidhold mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe an der Universität Erlangen, zunächst für Politikstudierende. 1989 übergab Leidhold die Rechte an die Bundeswehr. Seither richtet sich das Spiel hauptsächlich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II, Auszubildende und Studierende. Die Simulation wird unregelmäßig an veränderte politische Gegebenheiten angepasst.
Weltmodell und Rollen
Die POL&IS-Welt besteht modellhaft aus dreizehn Regionen: Nordamerika, Europa, Japan, Arabien, Russland, China, Südamerika, Indien, Südostasien, Afrika, Ozeanien, Zentralasien und Mittelamerika. Jede Region fasst mehrere reale Staaten zusammen; wie viele Regionen mitspielen, hängt unter anderem von der Teilnehmerzahl ab.
Die Ausgangslage jeder Region umfasst realitätsnah gestaltete Werte, etwa Mindestlebensstandard, Energie- und Rohstoffvorkommen, Sicherheitskräfte und Produktionszentren. Diese Werte bilden die Grundlage für Entscheidungen der jeweiligen Regierung.
In jeder Region übernehmen Teilnehmende die Ämter Regierungschef, Staatsminister, Wirtschaftsminister und Umweltminister. Überstaatliche Rollen sind UN-Generalsekretär, Weltbank, Weltpresse sowie nichtstaatliche Organisationen wie Greenpeace oder Amnesty International, die als regionale oder globale Opposition zusammengefasst werden.
Module und Handlungsmöglichkeiten
Die Grundmodule sind Politik, Wirtschaft, Sicherheit und Umwelt. Die Simulationsleitung kann sie je nach Ziel und Gruppe verändern oder durch Zusatzbausteine ergänzen.
Im Politikmodul formuliert die Regierung ein politisches Programm mit Grundsätzen und Zielen. Möglich sind auch weitere Bereiche wie Entwicklungs-, Bevölkerungs-, Innen- oder Sozialpolitik. Teilnehmende können Verträge schließen, Demonstrationen durchführen, Wahlen ansetzen oder in einigen Regionen putschen.
Das Wirtschaftsmodul betrifft vor allem die Versorgung der Bevölkerung sowie den Ausbau von Energie, Rohstoffen, Industrie und Agrar. Misslingt dies, können Streiks, Hungersnöte, Demonstrationen oder Guerilla-Armeen entstehen. Im Sicherheitsmodul steht „Vernetzte Sicherheit“ im Mittelpunkt: Je nach Entwicklungsstand stehen Land-, Luft- und Seestreitkräfte, Polizei, Entwicklungshelfer und Diplomaten als Spielsteine bereit. Sie können beispielsweise gegen organisierte Kriminalität, Guerillaeinheiten oder Piraterie eingesetzt werden.
Das Umweltmodul berechnet Verschmutzung anhand von Produktionszentren und Einwohnerzahl. Umweltminister können Industrieauflagen verschärfen, Umweltbewusstsein fördern und Müll recyceln. Zusatzbausteine können etwa Umweltkonferenzen, Sitzungen des UN-Sicherheitsrats, Ernten, Finanz- und Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen sein.
Ablauf, Lernen und Rahmen
Die Simulation verläuft in einzelnen POL&IS-Jahren. Zunächst plant jede Region Haushalt, Umweltplan, politisches Programm und militärische Strategie; außerdem werden wirtschaftliche und ökologische Investitionen sowie Auf- oder Abrüstung festgelegt. Nach einer kurzen innenpolitischen Beratung handeln Wirtschaftsminister Güter an der Börse. Regierungschefs verhandeln Verträge über Ressourcen, Bündnisse oder Mandate. Staatsminister können stationierte Kräfte einsetzen, etwa Entwicklungshelfer zum Aufbau von Produktionszentren. Eine zweite Kurzberatung stimmt Außen- und Innenpolitik erneut ab. Zum Abschluss berichtet jede Regierung in der UN-Vollversammlung über ihr Jahr. Bei Bedarf folgen etwa Wahlen, Sitzungen des Sicherheitsrats oder besondere Konfliktberatungen.
Die Regeln werden vorab erklärt und durch funktionsbezogene Regelhefte ergänzt; sie sind offen und weiterentwickelbar. POL&IS greift Lernziele aus Politik, Ethik, Religion und Geschichte auf und eignet sich etwa für Projektwochen. Es soll Wissen über Weltregionen, Ressourcen, politische Systeme, Verträge wie UN-Charta, EU, NATO und OSZE, militärische Kräfte sowie Bevölkerung vermitteln. Länder und Interessen innerhalb einer Region werden dabei aus spieltechnischen Gründen vereinheitlicht.
Teilnehmende sollen Abhängigkeiten, gemeinsame Interessen, Zwänge politischer Entscheidungen und kooperative Konfliktlösung verstehen. Außerdem trainieren sie Kommunikation, freies Sprechen, Verhandeln, Perspektivwechsel und das Mobilisieren von Mehrheiten. POL&IS dauert normalerweise 2–5 Tage und benötigt für eine sinnvolle Durchführung 37–55 Teilnehmende. Es wird grundsätzlich kostenlos angeboten; für Reise, Unterkunft und Verpflegung können Selbstkosten entstehen.
Kritik
Aus der Friedensbewegung kommt Kritik am militärischen Grundaufbau. Kritiker beanstanden, Schülerinnen, Schülern und Studierenden werde Militär als Mittel der Konfliktlösung vermittelt; dabei stehe für die Spielenden immer die Frage im Raum, wann und wie Militär einzusetzen sei. Die Informationsstelle Militarisierung kritisiert zudem die Möglichkeit, Atomwaffen einzusetzen, und dass die Teilnahme häufig verpflichtend sei.
Auch politikwissenschaftlich wird kritisiert, dass innenpolitische Faktoren nicht ausreichend einbezogen würden. Die Simulation könne zwar Akteure mit unterschiedlicher Ressourcenlage darstellen, vertrete aber möglicherweise ein neorealistisches Außenpolitikverständnis, das Außenpolitik weitgehend von Innenpolitik löst. Neuere Denkmodelle wie der Konstruktivismus betonten dagegen den starken Einfluss der inneren Verfasstheit eines Staates, besonders bei Krieg und Frieden, sowie innenpolitische Ziele von Verhandelnden. Der Artikel weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass dieser Kritikabschnitt nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet ist.