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Orgelimprovisation
Der Begriff Orgelimprovisation bezeichnet allgemein jegliche Form von Improvisation auf der Orgel. Im kirchlichen Kontext ist damit das Improvisieren auf …
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Begriff und Bedeutung
Orgelimprovisation bezeichnet allgemein jede Form von Improvisation auf der Orgel. „Improvisation“ bedeutet dabei, dass Musik während des Spielens entsteht und nicht vollständig als fertige Komposition vorliegt.
Die Orgelimprovisation kommt in verschiedenen Zusammenhängen vor: im Gottesdienst, im Konzert, als Bühnen- und Stummfilmmusik sowie im Jazz und Blues. Je nach Rahmen erfüllt sie unterschiedliche Aufgaben. Im Gottesdienst ist sie Teil des liturgischen Orgelspiels und dem Ablauf des Gottesdienstes untergeordnet. Im Konzert tritt sie als eigenständige musikalische Disziplin hervor.
Improvisation im Gottesdienst
Orgelimprovisation im Gottesdienst ist kirchliche Gebrauchsmusik. Das bedeutet, dass sie einem praktischen kirchlichen Zweck dient und nicht in erster Linie als selbstständiges Konzertstück gedacht ist.
Sie ist dem liturgischen Geschehen untergeordnet. Ihre Bedeutung ergibt sich daher aus ihrer Einbindung in den Gottesdienst und aus ihrer Beziehung zu dessen Ablauf.
Improvisation im Konzert
In der klassischen Konzertkultur ist das Improvisieren heute ein Alleinstellungsmerkmal der Orgel. Damit ist gemeint, dass die Orgel unter den Instrumenten der klassischen Konzertkultur eine besondere Stellung einnimmt, weil Improvisation hier weiterhin eine wichtige Rolle spielt.
Im Instrumentalkonzert des 17. und 18. Jahrhunderts waren konzertant-improvisatorische Elemente auch bei Instrumenten wie Violine oder Klavier üblich. Später traten sie bei vielen Instrumenten zunehmend in den Hintergrund. Seit dem 20. Jahrhundert verläuft die Grenze zwischen Improvisation und Komposition bei vielen Instrumenten parallel zur Grenze zwischen Jazz, ethnischer Musik oder Unterhaltungsmusik einerseits und klassischer Musik andererseits.
Beim Orgelspiel wurde diese Trennung jedoch nie ebenso deutlich vollzogen. Interpret, Improvisator und Komponist treten hier häufig in einer Person zusammen. Das gottesdienstliche und das konzertante Improvisieren sind handwerklich, ästhetisch und geschichtlich eng miteinander verbunden. Dass die Orgelimprovisation im Konzert erhalten blieb, wird vor allem mit ihrer kontinuierlichen Pflege als eigenständige Disziplin der Kirchenmusik erklärt.
Bühnen- und Stummfilmmusik
Ein Sonderfall der Orgelimprovisation ist die musikalisch-illustrative Begleitung von Theaterstücken, Pantomimen, Revueaufführungen und später Stummfilmen. „Musikalisch-illustrativ“ bedeutet, dass die Musik das Geschehen begleitet und musikalisch veranschaulicht.
Ihre Blütezeit erlebte diese Form in der Stummfilmbegleitung auf der Kinoorgel in den 1910er und 1920er Jahren. Mit dem Aufkommen des Tonfilms verschwand sie anschließend rasch.
Seit den 1990er Jahren werden alte Stummfilme wieder als Veranstaltungen mit Livemusik aufgeführt. Dadurch erlebte auch die Improvisation auf der Kinoorgel eine gewisse Renaissance. Neu war außerdem, dass säkulare Unterhaltungs-Stummfilme in kirchlichen Räumen gezeigt und mit einer Kirchenorgel begleitet wurden.
Jazz und Blues
Auch im Jazz und im Blues entwickelten sich eigenständige Traditionen der Improvisation auf der Orgel. Neben der Pfeifenorgel spielte dabei vor allem die elektronische Hammond-Orgel eine wichtige und stilprägende Rolle.
Beispiele für Orgelimprovisation
Die Klangbeispiele zeigen unterschiedliche Formen der Orgelimprovisation:
- Enno Gröhn improvisiert 2024 auf der Schnitger-Orgel in Steinkirchen eine Folge aus Toccata, Adagio und Fuge.
- Peter Planyavsky improvisiert 1998 über den Choral „Gelobet sei der Herr“ auf der Rieger-Orgel der Neanderkirche Düsseldorf.
- Christoph Preiß improvisiert 2025 über „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ auf der Schlimbach-Orgel der Spitalkirche Aub.