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Okavangodelta
Seit 2014 gehört das Okavangodelta zum UNESCO-Welterbe. Eine Erweiterung um Gebiete Namibias steht seit Ende Oktober 2016 auf der namibischen Tentativliste.
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Überblick und Aufbau
Das Okavangodelta ist das Binnendelta des Okavangos im North West District von Botswana. Der Fluss erreicht nicht das Meer, sondern fächert sich im Kalaharibecken auf; sein Wasser versickert oder verdunstet größtenteils. So entsteht inmitten der semi-ariden Kalahari ein über 20.000 km² großes Feuchtgebiet, das zu den größten und tierreichsten Afrikas gehört. Im Süden begrenzen die Kunyere- und Thamalakane-Spalten das Delta. Diese hydrologischen Barrieren sind eine südliche Fortsetzung des Großen Afrikanischen Grabenbruchs.
Seit 2014 gehört das Okavangodelta zum UNESCO-Welterbe. Die Welterbestätte umfasst 2.023.590 ha, ihre Pufferzone 2.286.630 ha. Sie ist nach den Kriterien (vii), (ix) und (x) eingetragen. Eine Erweiterung um Gebiete Namibias steht seit Ende Oktober 2016 auf der namibischen Tentativliste.
Geologisch handelt es sich genauer um einen Schwemmkegel. Das Gebiet gliedert sich in sechs ökologisch unterschiedliche Teile: den Panhandle („Pfannenstiel“), den ständig wasserführenden Unterlauf des Okavangos, die dauerhaften Sümpfe am Ende des Panhandle, die zeitweise trocken fallenden Randgebiete, die großen inneren Inseln wie Chiefs Island und Chitabe Island sowie die von Süden eindringenden Sandveld-Zungen.
Zwischen dem Beginn des Panhandle und Maun am Fuß des Deltas liegen rund 250 km, aber nur 60 m Höhenunterschied. Trockene Flächen und Inseln ragen höchstens 3 m über ihre Umgebung hinaus und reichen in ihrer Größe von wenigen Quadratmetern bis zu vielen Quadratkilometern. Sie entstehen durch Kanalsysteme, Termitenaktivität oder geologische Strukturen; bei den großen Inseln werden tektonische Ursachen angenommen.
Wasserhaushalt
Auf die lange Trockenzeit von April bis November folgt die Regenzeit von Dezember bis April. Der mittlere Jahresniederschlag nimmt vom Nordende des Panhandle bei Shakawe mit 550 mm nach Südosten bis Maun auf etwa 450 mm ab.
An den Popafällen am Anfang des Panhandle erreicht der Okavango schon im März seinen Höchststand. Die Flut benötigt anschließend etwa vier Monate bis zum Thamalakane bei Maun und überschwemmt dabei ungefähr 12.000 km². Wahrscheinlich verzögert die dichte Vegetation den Abfluss. Diese Verzögerung ist für das Ökosystem entscheidend: Das Wasser erreicht den südlichen Teil des Deltas gerade während des Höhepunkts der Trockenzeit und schafft damit die Grundlage für den großen Tierreichtum.
Bei einer starken Flut verlässt ein Teil des Wassers das Delta über den Thamalakane. Eine kleinere Menge fließt über Nhabe und Kunyere zum Ngamisee, der größere Anteil über den Boteti zum Lake Xau und in seltenen Fällen bis zur Makgadikgadi-Pfanne. Bei außergewöhnlich starkem Hochwasser kann über den Magwekwana, auch Selinda-Rinne genannt, eine Verbindung zum Linyanti beziehungsweise Cuando und damit zum Sambesi entstehen. Umgekehrt gelangt Hochwasser des Linyanti teilweise über den Savuti in die Mababe-Depression und somit in das Einzugsgebiet des Okavangodeltas.
Obwohl jährlich etwa 500.000 t gelöste Salze durch den Okavango eingetragen werden und 95 % des Wassers verdunsten, besitzt das Wasser Trinkwasserqualität und zeigt keine erhöhte Salzkonzentration. Als Gründe gelten mehrere Prozesse: Vor allem die Transpiration, also die Wasserabgabe durch Pflanzen, überwiegt gegenüber der Evaporation von freien Wasserflächen. Dadurch sammeln sich Salze besonders im Bereich der Inseln. Außerdem wechseln die überfluteten Flächen ständig, sodass sich Böden regenerieren können. Eine weitere Erklärung sind Torffeuer, durch die Salze in tiefere Schichten gelangen.
Pflanzenwelt
Im Delta sind etwa 1.300 Pflanzenarten bekannt. Ihre Verteilung richtet sich besonders nach Dauer und Höhe der Überflutung. Entsprechend lassen sich vier grundlegende Vegetationstypen unterscheiden.
An den Kanälen wachsen vor allem große Papyrusbestände (Cyperus papyrus). Im Panhandle kommt örtlich außerdem Pennisetum macrourum vor, dessen Synonym Pennisetum glaucocladum lautet. Die Zusammensetzung der Kanalvegetation kann sich von Ort zu Ort deutlich unterscheiden. Dauerhaft überflutete Gebiete außerhalb der Kanäle bilden ein Mosaik aus offenen Wasserflächen, schwimmenden Vegetationsinseln und stabileren Flächen.
In zeitweise überschwemmten Gebieten hängt die Vegetation vom Ausmaß der Überflutung ab. Lange und hoch überflutete Flächen ähneln den dauerhaften Feuchtgebieten. Mit zunehmender Trockenheit treten dagegen mehr Büsche und Bäume auf. Inseln und Sandzungen sind von Grasland umgeben, das in selten überfluteten Bereichen ebenfalls in Busch- und Baumbestände übergeht. Typische Pflanzen sind die Makalani-Palme (Hyphaene petersiana), Phoenix reclinata, mehrere Ficus-Arten, Syzygium cordatum, Acacia nigrescens und der Leberwurstbaum (Kigelia africana). Wegen der starken Verdunstung versalzen die Böden im Zentrum vieler Inseln. Dort wachsen vor allem salztolerante Pflanzen; manche Inselzentren sind vollständig baumfrei.
Tierwelt und Gefährdung
Die Verbindung aus großer Fläche und jahreszeitlich verspäteter Flut ermöglicht eine besonders vielfältige und dichte Tierwelt. Erfasst wurden 71 Fischarten, 33 Amphibienarten, 64 Reptilienarten, 444 Vogelarten und 122 Säugetierarten. Der seltene Braunkehlreiher kommt fast ausschließlich im Okavangodelta vor.
Zu den wasserlebenden Tieren gehören Flusspferd (Hippopotamus amphibius) und Nilkrokodil (Crocodilus niloticus). Sitatunga, Letschwe und Wasserbock sind an Sumpfgebiete gebunden. Daneben leben dort Arten, die das Wasser hauptsächlich zum Trinken benötigen, und sogar Tiere wie der Spießbock (Oryx gazella), die längere Zeit ohne Wasser auskommen.
Wenn die Flut während der Trockenzeit ihren Höchststand erreicht, ziehen viele wasserabhängige Tiere aus dem trockenen Umland ins Delta. Dazu zählen Afrikanische Elefanten (Loxodonta africana), Kaffernbüffel (Syncerus caffer) und Streifengnus (Connochaetes taurinus). Die zahlreichen Beutetiere ermöglichen hohe Bestände von Raubtieren wie Afrikanischen Wildhunden (Lycaon pictus), Hyänen, darunter Crocuta crocuta, Löwen (Panthera leo), Leoparden (Panthera pardus) und weiteren Raubkatzen. In den Sumpf- und Wasserflächen leben außerdem Hunderte teilweise sehr seltene Vogelarten.
Seit 2020 starben mehrere hundert Elefanten bei einem Massensterben. Forschern zufolge war das Bakterium Pasteurella multocida die Ursache. Im Sommer 2025 warnte die Deutsche Umwelthilfe außerdem vor geplanten Bohrungen des kanadischen Öl- und Gasunternehmens Recon Africa im Naturschutzgebiet.
Entstehung und menschliche Nutzung
Vor etwa 65 Millionen Jahren versickerte der Okavango noch nicht in der Kalahari. Er verlief parallel zu Cuando und Sambesi und mündete wie diese in den Limpopo. Auch Luangwa und Kafue, verlängert durch den Chambeshi, entwässerten damals auf diesem Weg.
Durch die Hebung der Ovambo-Kalahari-Simbabwe-Verwerfung entstand eine Wasserscheide, die den Okavango vom Limpopo trennte. Danach bildete sich im Makgadikgadi-Becken ein großer See. Seine höchste Uferlinie lag bei 995 m; seine Fläche war mit der des heutigen Viktoriasees vergleichbar und zeitweise deutlich größer. Bisher wurden fünf unterschiedliche Uferlinien nachgewiesen. Spätere Flussverlagerungen entzogen dem See schrittweise Wasser: Luangwa, Chambeshi, Kafue und Sambesi änderten ihre Abflusswege. Schließlich wurde auch der Cuando durch eine Sanddüne zum Sambesi umgelenkt, besitzt aber noch heute teilweise Kontakt zum Okavango. Vor rund 4.000 Jahren trocknete der Makgadikgadisee fast vollständig aus. Das Okavangodelta, der Ngamisee, die Makgadikgadi-Salzpfannen und die Mababe-Depression blieben als Relikte zurück.
Steinzeitliche Funde belegen eine menschliche Besiedlung vor über 100.000 Jahren. Das Delta gilt als erster Ort dauerhafter Sesshaftigkeit im südlichen Afrika und als Ausgangspunkt der dortigen Viehzucht; die Archäologie datiert beides in diesem Gebiet auf etwa 200 v. Chr. Im frühen 17. Jahrhundert wurde erstmals über Fluss-Buschleute berichtet. Im 18. Jahrhundert wanderten Stämme aus dem Norden sowie verschiedene Gruppen der Batawana aus dem Süden ein. Trotzdem blieb die dauerhafte Besiedlung gering, wahrscheinlich wegen der abgelegenen Lage und Krankheiten wie Malaria und Schlafkrankheit.
Heute ist das Delta wegen seiner Tierwelt und Sumpflandschaft ein wichtiges Ziel für Safari-Touristen, Angler und Jäger. Es gibt nur wenige, streng reglementierte Unterkünfte, meist teure Luxus-Lodges, daneben Campingmöglichkeiten für Selbstversorger. Viele Orte sind nur per Flugzeug erreichbar. Das Delta gehört zum grenzüberschreitenden Schutzgebiet Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area.