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Landnutzung

Als Landnutzung (auch Flächennutzung) wird die Art der Inanspruchnahme von Böden und Landflächen (Teilen der festen Erdoberfläche) durch den Menschen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Bedeutung und Erfassung
  2. 2. Flächennutzung in Deutschland
  3. 3. Intensität und Nachhaltigkeit
  4. 4. Klassifikation und Kartierung
  5. 5. Landnutzungsänderungen und ihre Folgen

Begriff, Bedeutung und Erfassung

Landnutzung oder Flächennutzung bezeichnet die Art, wie Menschen Böden und Landflächen, also Teile der festen Erdoberfläche, in Anspruch nehmen. Die Abgrenzung zum Landverbrauch ist unscharf; beide Begriffe überschneiden sich. Bei landwirtschaftlich genutztem Acker- und Weideland spricht man auch von Bodennutzung. Die forstwirtschaftliche Bodennutzung betrifft Forste beziehungsweise Wirtschaftswälder.

Zu den Nutzungsarten gehören unter anderem Land- und Forstwirtschaft, Industrie, Siedlungen, Verkehr und Brachland. Weil mehrere Nutzungen um dieselben Flächen konkurrieren und direkte sowie indirekte Folgen haben, entstehen Nutzungskonflikte. Betroffen sind der Alltag der Menschen, Wirtschaft und Kulturlandschaft ebenso wie Boden- und Wasserhaushalt, lokales Klima, Ökosysteme und Artenvielfalt. Ländliche Gebiete gewinnen zugleich als Ausgleichsräume für Städte und durch die Verlagerung städtischer Funktionen ins Umland an Bedeutung. Deshalb müssen Landnutzung und Landnutzungsänderungen regelmäßig erfasst werden.

Früher erfolgte die Erfassung vor allem durch die Finanzverwaltung zur Bestimmung von Ertrags- und Grundsteuern. Heute ist sie eine interdisziplinäre Aufgabe, an der besonders Landwirtschaft, Geographie, Geodäsie, Fernerkundung und Raumplanung beteiligt sind. Industrieländer verwenden gewöhnlich etwa 20 bis 50 Nutzungsklassen, Entwicklungsländer ungefähr 10 bis 15.

Flächennutzung in Deutschland

Nach einer Berechnung des Umweltbundesamtes zum 31. Dezember 2015 entfielen in Deutschland 51,6 % der Fläche auf Landwirtschaft, 30,6 % auf Wald, 13,7 % auf Siedlung und Verkehr, 2,4 % auf Wasser und 1,7 % auf sonstige Flächen.

Für 1936, bezogen auf Deutschland in den damaligen Grenzen, wurden 43,6 % Ackerland, 27,3 % Wald, 17,4 % Wiesen und Weiden, 4,9 % Wege, Wasser und Eisenbahn, 3,8 % Ödland sowie 1,4 % Siedlungsfläche ausgewiesen. Die Kategorien beider Erhebungen sind nicht vollständig gleich, dennoch fällt besonders die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen auf: Einschließlich der annähernd gleich gebliebenen Wasserflächen stieg ihr Anteil auf das 2,5-Fache. Im selben Zeitraum wuchs die Bevölkerung nur um etwa 26 %. Die Verkleinerung der deutschen Staatsfläche ist für diese Verhältnisbetrachtung von untergeordneter Bedeutung.

Intensität und Nachhaltigkeit

Zwischen intensiver und extensiver Landnutzung bestehen fließende Übergänge, weil jede Nutzung einen eigenen Intensivierungsgrad besitzt.

Intensive Landnutzung arbeitet mit kostenintensiven Investitionen und Maßnahmen zur Melioration, also zur Verbesserung der Nutzbarkeit einer Fläche, und zur Steigerung des Bodenertrags. Kennzeichen sind beispielsweise ein dichtes Wegenetz, wirksame Ent- und Bewässerung, starker Einsatz von Düngemitteln, Flurbereinigung, ein hoher Maschineneinsatz, Pflanzenschutzmittel, leistungsfähige Sorten und häufig eine starke Spezialisierung. Beispiele sind konventionelle Landwirtschaft, Gewächshausanbau, Massentierhaltung, die meisten Plantagen und Reisterrassen.

Extensive Landnutzung kommt mit geringen oder fehlenden Geldinvestitionen in die Flächen aus. Typisch sind wenig oder kein Dünger, viel Handarbeit, schonende Bodenbearbeitung, kleinparzellige Strukturen, traditionelle Sorten, der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und häufig eine große Vielfalt der Betriebsfelder. Beispiele sind viele, aber nicht alle traditionellen Landnutzungssysteme, außerdem Wanderfeldbau, Dreifelderwirtschaft, Plenterwald, Almen, mobile Weidewirtschaft und Nomadismus.

Nachhaltige Landnutzung bewahrt die wesentlichen Eigenschaften, die Stabilität und die natürliche Regenerationsfähigkeit einer Fläche. Viele traditionelle, jedoch nicht alle, und einige intensive Nutzungsformen gelten als nachhaltig. Nachhaltigkeit ist das zentrale Ziel der biologischen Landwirtschaft. Erreicht werden soll sie unter anderem durch den Ausschluss von Kunstdünger und Gentechnik, den Schutz des Grundwassers, die Erhaltung natürlicher Feldraine und Böschungen sowie den Rückbau von Gewässern.

Klassifikation und Kartierung

In Europa wird die Landnutzung seit etwa 1800 terrestrisch, also durch systematische Begehungen, erfasst. In Deutschland und Österreich-Ungarn geschah dies im Rahmen der Steuer- und Landesvermessung als „Kulturklasse“; die Ergebnisse gingen auch in die Steuerbemessung ein. Seit den 1970er Jahren ergänzen und verfeinern Satelliten- und Fernerkundungsverfahren diese Erhebungen.

Mitte der 1980er Jahre wurde die Klassifizierung der Bodenbedeckung EU-weit vereinheitlicht und aktualisiert. Im CORINE-Programm werten Fachleute in jedem EU-Mitgliedstaat digitale Satellitenbilder aus. Die Daten werden in einem Geoinformationssystem (GIS), einem System zur Verarbeitung räumlicher Daten, aufbereitet und stehen als digitale Karten ungefähr im Maßstab 1:100.000 zur Verfügung.

Der gemeinsame europäische Rahmen umfasst 13 Hauptklassen der Bodenbedeckung: Siedlungsflächen einschließlich Verkehrsflächen, Ackerflächen, Dauerkulturen, Grünland, Laub- und Mischwald, Nadelwald, alpine Matten, Latschen und Krummholz, Felsflächen, spärliche Vegetation, Gletscher, Feuchtflächen und Wasserflächen.

Einen anderen, globalen und gröberen Rahmen bildet das von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO vorgeschlagene Land Cover Classification System (LCCS). Seine acht Hauptklassen verteilen sich zu gleichen Teilen auf kultivierte beziehungsweise unkultivierte Landflächen und kultivierte beziehungsweise unkultivierte Wasserflächen. Vor allem Ackerflächen können innerhalb dieses Systems genauer untergliedert werden.

Landnutzungsänderungen und ihre Folgen

Direkte Landnutzungsänderung, kurz dLUC, bedeutet im landwirtschaftlichen Zusammenhang, dass zuvor nicht für Feldfrüchte genutztes Land in Anbauflächen für Pflanzenrohstoffe umgewandelt wird. Indirekte Landnutzungsänderung, kurz iLUC, entsteht, wenn Energiepflanzen auf Flächen angebaut werden, die zuvor der Nahrungsmittelproduktion dienten. Das kann das Lebensmittelangebot verknappen und Preise erhöhen. Gleichzeitig wird die Nahrungs- und Futtermittelproduktion verdrängt, sodass dafür an anderer Stelle neue Agrarflächen erschlossen werden.

Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie 2009/28/EG sah vor, ab 2020 mindestens 10 % der fossilen Kraftstoffnachfrage durch regenerative Energien zu ersetzen. Die EU förderte Biotreibstoffe deshalb durch Beimischungsquoten, Steuervergünstigungen und Subventionen. Als Ziel wurde vor allem Klimaschutz genannt. Kritiker verwiesen jedoch auf Treibhausgasemissionen durch iLUC, etwa bei Regenwaldrodungen für Ölpalmplantagen zur Biodieselproduktion. Umstritten war, ob und in welchem Umfang solche iLUC-Faktoren den Rohstoffen und ihrer Herkunft zugerechnet werden sollten.

Nach Berechnungen des Institute for European Environmental Policy hätte der gegenüber 2008 zusätzliche Bedarf von 15,1 Millionen Tonnen Rohöleinheiten Biotreibstoff bis 2020 indirekte Landnutzungsänderungen auf 4,1 bis 6,9 Millionen Hektar verursachen können. Das entspricht einer Fläche knapp größer als die Niederlande beziehungsweise etwas kleiner als Irland. Von der Europäischen Kommission beauftragte Studien kamen zu dem Ergebnis, dass iLUC die Klimabilanz von Biokraftstoffen deutlich beeinflusst. Biodiesel aus Palmöl, Raps oder Soja kann unter Umständen mehr Kohlenstoff freisetzen als fossiler Diesel. Als Reaktion sollten Biotreibstoffe wie das in Deutschland verkaufte E10 ab 2020 nicht mehr von der EU subventioniert werden.

Eine Studie zu sechs Hauptkategorien der Landnutzung und Bodenbedeckung ermittelte, dass Veränderungen seit 1960 insgesamt 17 % der Landfläche betrafen. Werden mehrfache Veränderungen derselben Flächen mitgezählt, sind es 32 % und damit „etwa das Vierfache“ früherer Schätzungen. Als Haupttreiber identifizierten die Forschenden den internationalen Handel, der die Landwirtschaft beeinflusst.

Landnutzungsänderungen wirken sich auf Klima, Nahrungsmittelsicherheit und Biodiversität aus. Drei Viertel der eisfreien Landoberfläche werden vom Menschen genutzt. Große Waldflächen wurden oder werden in Ackerland umgewandelt beziehungsweise durch Beweidung und Holzernte genutzt. Dadurch verändern sich die Kreisläufe von Kohlenstoff, Nährstoffen und Wasser; die Biodiversität nimmt in der Regel ab. Etwa ein Drittel des gesamten CO₂-Ausstoßes von 1850 bis 2000 wird auf Entwaldung zurückgeführt.

Flächenverbrauch bezeichnet die Umwandlung von Gewässern, Landwirtschafts- und Waldflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen. Deutschlands Nachhaltigkeitsstrategie enthielt das Ziel, den täglichen Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 ha zu senken. Flächenverbrauch beeinflusst Artenvielfalt und Landschaftsbild. Auf globaler Ebene bezeichnet Landverbrauch häufig den Verlust biologisch produktiver Flächen. Dazu zählt auch, dass Anbau- oder Abbauflächen Exportprodukte liefern, ohne dass die einheimische Bevölkerung davon profitiert. Der Begriff steht in enger Beziehung zum Modell des ökologischen Fußabdrucks.

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