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Nationalpark Sächsische Schweiz

Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein deutscher Nationalpark. Er erstreckt sich auf einer Fläche von 93,5 km² über die rechtselbischen Kerngebiete des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Schutzgebiet und Lage
  2. 2. Entstehung und Schutzordnung
  3. 3. Lebensräume, Pflanzen und Klima
  4. 4. Tierwelt und Rückkehr verschwundener Arten
  5. 5. Erholung und Besucherlenkung
  6. 6. Konflikte, Waldschäden und Brände

Schutzgebiet und Lage

Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein deutsches Schutzgebiet der IUCN-Kategorie II im Freistaat Sachsen. Er umfasst 93,5 km² der rechtselbischen Kerngebiete des Elbsandsteingebirges und wurde am 1. Oktober 1990 im Rahmen des Nationalparkprogramms der DDR gegründet. Gemeinsam mit dem bereits 1956 eingerichteten Landschaftsschutzgebiet bildet er die Nationalparkregion Sächsische Schweiz. Auf tschechischer Seite schließt sich der Nationalpark Böhmische Schweiz an.

Das Gebiet besteht aus zwei räumlich getrennten Teilen. Zum westlichen Teil gehören unter anderem Bastei, Lilienstein und Polenztal. Bedeutende Erhebungen sind der Lilienstein mit 415 m ü. NHN, die Bastei mit 305 m, der Brand mit 317 m und der Hockstein mit 291 m. Wichtige Gewässer sind die Polenz sowie der durch den Amselgrund zur Elbe fließende Grünbach mit dem Amselsee.

Der östliche Teil umfasst unter anderem die Schrammsteine, den Großen Winterberg, den Großen Zschand und die Hintere Sächsische Schweiz. Im Osten und Süden grenzt er an das tschechische Schutzgebiet; zwischen Schmilka und Bad Schandau bildet die Elbe seine südliche Grenze. Bedeutende Berge sind der Große Winterberg mit 556 m ü. NHN, der Raumberg mit 459 m und der Neue Wildenstein mit dem Felsentor Kuhstall mit 337 m. Das einzige nennenswerte Gewässer dieses Teils ist die Kirnitzsch.

Entstehung und Schutzordnung

Erste Schutzbestrebungen gab es seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1850 wurde beispielsweise der Tiedgestein durch Erhaltungsmaßnahmen geschützt, 1912 folgte das Polenztal als erstes Schutzgebiet. Später entstanden unter anderem die Naturschutzgebiete Bastei (1938), Polenztal (1940), Großer Winterberg (1961) und Kirnitzschklamm (1961). Ein einheitliches Landschaftsschutzgebiet von 368 km² wurde 1956 geschaffen. Daneben wurden sogenannte Totalreservate festgelegt, die nicht betreten werden durften. Da die DDR zunächst keine entsprechende Schutzkategorie vorsah, entstand der heutige Nationalpark erst durch einen Ministerratsbeschluss vom 12. September 1990 zum 1. Oktober 1990. Die offizielle Eröffnung fand am 28. April 1991 statt.

Besonders geschützt sind Bereiche, in denen natürliche Vorgänge möglichst ohne menschliche Eingriffe ablaufen sollen. Ausnahmen gelten unter anderem für die Begrenzung massenhafter Forstinsekten, die Förderung einzelner Weißtannen, die Zurückdrängung expansiver gebietsfremder Baumarten, den Erhalt markanter Aussichten und die Gewinnung von Holz zur Wegeunterhaltung in schwer zugänglichem Gelände.

Die Flächen sind in vier Schutzstufen gegliedert:

  • Die strengsten Bereiche umfassen 23 % der Nationalparkfläche.
  • Ein Ruhebereich, der die strengsten Flächen einschließt, umfasst insgesamt 37 %; dort finden keine lenkenden oder nutzenden Eingriffe statt.
  • Eine Entwicklungsstufe umfasst 58 %; hier erfolgen nur noch lenkende Eingriffe.
  • Dauerhaft betreute Flächen machen 5 % aus.

Für die internationale Anerkennung als Schutzgebiet der Kategorie II sollen mindestens 75 % der Fläche der natürlichen Entwicklung dienen. Dieses Ziel soll nach der genannten Planung erst 2033 erreicht werden.

Das Gebiet gehört außerdem zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 und ist als Europäisches Vogelschutzgebiet sowie als FFH-Gebiet rechtlich gesichert. Geschützt werden etwa Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation, Flechten-Kiefernwälder, verschiedene Buchen- und Mischwälder sowie Fließgewässer mit Unterwasservegetation. Zu den besonders bedeutsamen Arten zählen Prächtiger Dünnfarn, Atlantischer Lachs, Westgroppe, Großes Mausohr, Mopsfledermaus, Kleine Hufeisennase, Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch.

Lebensräume, Pflanzen und Klima

Die stark gegliederte Felslandschaft erzeugt deutliche Klimaunterschiede. Tief eingeschnittene Schluchten besitzen wegen geringer Sonneneinstrahlung und schwacher Luftbewegung ein kühles, feuchtes Kellerklima. Unbewachsene Felsriffe können dagegen im Sommer Temperaturschwankungen von bis zu 60 Grad zwischen Tag und Nacht sowie im Herbst und Winter starken Wind aufweisen. Die Durchschnittstemperatur beträgt 7 °C und ist im Elbtal höher als in der Hinteren Sächsischen Schweiz. Jährlich fallen 700–900 mm Niederschlag; am trockensten ist das Elbtal. Im Hitzesommer 2018 ereigneten sich 15 Waldbrände.

Ohne frühere forstwirtschaftliche Nutzung würden überwiegend Eichen-Hainbuchen-Wälder wachsen. Große Teile dieses Naturwaldes wurden jedoch in den vergangenen etwa 200 Jahren durch Fichtenwald ersetzt. Dieser wird langsam wieder in einen naturnahen Laubwald umgewandelt. Auf Böden, die durch frühere vulkanische Vorgänge geprägt sind, kommen besonders Buchen vor, etwa um Großen Winterberg und Raumberg. Auf freien Felsriffen wachsen windgeprägte Kiefernwälder. In den kühlen Schluchten sind die üblichen Höhenstufen der Vegetation umgekehrt; dieses Phänomen heißt Inversion. An Hängen stehen vereinzelt Weißtannen.

Die bodennahe Pflanzenwelt umfasst unter anderem Heidekraut, Farne, Heidelbeerkraut, Sumpfporst und Fuchssches Kreuzkraut. Nachgewiesen wurden rund 500 Moosarten, darunter das auffällige Leuchtmoos, rund 370 Flechtenarten sowie 30–40 Farnarten. Das feuchte, schattige Klima der Schluchten bietet besonders Laub- und Lebermoosen geeignete Bedingungen. Eine Besonderheit sind Bergpflanzen in vergleichsweise tiefen Lagen, beispielsweise Bergveilchen, Weiße Pestwurz, Quirlige Weißwurz und Silberblatt. Gebietsfremde Pflanzen sind unter anderem Drüsiges Springkraut und Weymouthskiefer.

Tierwelt und Rückkehr verschwundener Arten

Die großen, teilweise nahezu unbesiedelten Waldflächen auf deutscher und tschechischer Seite bieten zahlreichen seltenen Tieren Rückzugsräume. Mehr als 250 Vogelarten wurden nachgewiesen; etwa 120 brüten im Elbsandsteingebirge. Wanderfalke, Uhu und Sperlingskauz sind stark verbreitet, der wieder angesiedelte Schwarzstorch besitzt eine stabile Population. Auerhuhn und Ziegenmelker sind dagegen im gesamten Gebirge verschwunden.

Bei den Säugetieren kommen vor allem Rothirsche und Wildschweine vor. Mufflons und Gämsen wurden zu Jagdzwecken durch Menschen angesiedelt. Braunbär und Wolf wurden vor mehreren Jahrhunderten ausgerottet. Hinweise wie Fährten, Kot und gerissenes Wild lassen eine kleine Luchspopulation vermuten; bestätigte Sichtungen in freier Wildbahn gibt es laut Artikel jedoch nicht. Außerdem leben hier Dachse, Baummarder und Fischotter. Von den 18 in Deutschland heimischen Fledermausarten kommen 16 im Gebiet vor. Der Braunbrustigel nimmt wegen des zunehmenden Straßenverkehrs stark ab. Der Biber wurde an Elbe und Nebenflüssen erfolgreich wieder angesiedelt.

Nachgewiesen sind sechs Reptilienarten. Dazu gehören Blindschleiche, Wald- und Zauneidechse, Ringelnatter, die gefährdete Glattnatter sowie die Kreuzotter als einzige Giftschlange der Region. Zwischen 1955 und 1975 wurde kein Todesfall durch ihren Biss festgestellt. Häufige Amphibien sind Grasfrosch und Erdkröte; seltener sind Feuersalamander, Springfrosch und Teichmolch. Der Laubfrosch wurde seit mehr als 50 Jahren nicht mehr nachgewiesen. Das Fließgewässernetz beherbergt 40 Fischarten, darunter Quappe, Elritze und Bitterling.

Der in den 1970er Jahren verschwundene Wanderfalke wurde seit Anfang der 1990er Jahre wieder angesiedelt und besitzt heute eine stabile Population. Von März bis August schützen zeitweilige Sperrzonen seine Brut- und Aufzuchtplätze. Auch der Atlantische Lachs wurde erneut angesiedelt. Das Wildschwein kehrte seit den 1950er Jahren ohne menschliche Hilfe zurück. Versuche beziehungsweise Vorschläge zur Rückkehr des Auerhuhns führten dagegen bislang nicht zu einer neuen Population.

Erholung und Besucherlenkung

Der Nationalpark ist eine der wichtigsten Attraktionen des Elbsandsteingebirges. Jährlich kommen etwa 1,7 Millionen Besucher; die dadurch erzielten Einnahmen sichern rechnerisch den Lebensunterhalt von 1.878 Personen. Allein die Bastei zählt ungefähr 1,5 Millionen Besucher pro Jahr und besitzt damit die höchste Besucherdichte eines einzelnen Punktes in den deutschen Nationalparks.

Für Wanderer stehen etwa 400 km markierte Wege zur Verfügung. Im gesamten Gebiet gilt Wegepflicht. Außerhalb der besonders geschützten Bereiche dürfen alle Wege benutzt werden, innerhalb davon nur markierte Wege. Hauptwanderwege tragen ein weißes Quadrat mit farbigem Strich oder Kreis: Blau kennzeichnet überregionale, Rot regionale sowie Grün und Gelb lokale Wege. Nur schwach ausgebaute Bergpfade verlangen Trittsicherheit und teilweise Schwindelfreiheit. Besondere Zugänge zu Klettergipfeln dürfen ausschließlich Bergsteiger benutzen. Hinzu kommen Lehrpfade, der Europäische Fernwanderweg E3 und der historische Malerweg.

Ein 2001 veröffentlichtes Wegekonzept nahm einige historische Strecken aus dem offiziellen Netz. Über den etwa 4 km langen Grenzweg zwischen Großem Winterberg und Großem Zschand besteht zwischen deutscher und tschechischer Verwaltung keine Einigung. 2014 wurden zwölf neue Wege markiert. Eine gesetzlich garantierte Arbeitsgruppe aus Verwaltung, Gemeinden, Tourismus, Bergsport, Naturschutz und Ministerium berät mindestens zweimal jährlich über das Wegenetz.

Im Gebiet liegen 1.147 Klettergipfel mit mehr als 15.000 Kletterwegen. Klettern ist nur nach den sächsischen Kletterregeln erlaubt; zum Schutz brütender Tiere werden einzelne Gipfel zeitweise gesperrt. Für Fahrräder sind gut 50 km Wege ausgewiesen. Sie sind meist nicht asphaltiert und werden auch von Wanderern benutzt, die Vorrang haben. Während der Dämmerung wird vom Radfahren abgeraten, weil Wildtiere dann besonders störungsempfindlich sind.

Konflikte, Waldschäden und Brände

Eine 2012 abgeschlossene Bewertung kritisierte, dass zentrale Qualitätsstandards noch nicht erreicht seien. Die Flächen ohne menschliche Eingriffe seien stark durch Straßen, Wander- und Kletterwege zerschnitten und intensiv touristisch genutzt. Auch die fast flächendeckende Jagd stehe einer streng geschützten Fläche ohne Management entgegen. Weitere Kritikpunkte waren die hohe Wegedichte, der große Anteil nicht standortgemäßer Fichtenforste, die geringe Naturnähe und zu wenige Ranger für Besucherinformation und Kontrolle.

Nach mehreren heißen und trockenen Sommern breitete sich der zuvor örtlich begrenzte Borkenkäferbefall ab 2017 stark aus. Begünstigt wurde er durch überalterte, nicht mehr bewirtschaftete Fichtenbestände. Besonders betroffen waren Großer Winterberg, Großer Zschand und Thorwalder Wände; 2021 waren dort die meisten Wege unpassierbar. Für das Fällen von Totholz neben einem Weg ist jeweils eine FFH-Prüfung nötig. Über die Wiederherstellung der Wege bestand Streit: Bergsteigerbund, Gemeinden und Tourismusbranche verlangten eine schrittweise Öffnung, während der BUND Sachsen eine Verringerung der Wege forderte.

Gemeinden kritisieren außerdem Einschränkungen ihrer Entwicklung und die Vorgabe, natürliche Prozesse weitgehend sich selbst zu überlassen. Nach dem Großbrand von 2022 verschärfte sich der Streit über liegen gelassenes Totholz und dessen mögliche Bedeutung für Feuer. Eine 2022 gegründete Bürgerinitiative fordert die Umwandlung in einen Naturpark. Eine Expertenkommission untersucht den Brand; zu möglichen Schutzmaßnahmen gehören Totholzräumung, Schneisen, Pflanzungen, angepasste Löschtaktiken, Früherkennung sowie bessere Technik und Ausbildung der Feuerwehren.

Ein großer Brand begann am 30. August 1842; andere Quellen nennen den 31. August und einen abweichenden Entstehungsort. Trockenheit und wechselnde Winde förderten seine Ausbreitung. 2.250 Menschen beteiligten sich an den Löscharbeiten, bis lang anhaltender Regen ab dem 9. September das Feuer beendete. Auf sächsischer Seite verbrannten 95 ha, auf böhmischer Seite 141 ha.

Der Großbrand von 2022 entstand am 24. Juli oberhalb von Hřensko und griff am 25. Juli beim Großen Winterberg auf Sachsen über. Schwer zugängliches Gelände erschwerte die Bekämpfung. Für Bad Schandau wurde am 26. Juli, für Sebnitz am 28. Juli Katastrophenalarm ausgelöst. Das Feuer erstreckte sich entlang der Grenze über etwa 5 km; Funken und brennendes Holz verursachten weitere Brände. Nach dauerhaftem Regen durfte der gesamte Nationalpark ab dem 27. August 2022 wieder betreten werden.

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