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Natürliche Arbeitslosenquote

Die natürliche Arbeitslosenquote kann auch als die Arbeitslosenquote verstanden werden, zu der die Wirtschaft auf mittlere Sicht immer wieder zurückkehrt.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Langfristige und zyklische Arbeitslosigkeit
  3. 3. Dauer und Häufigkeit der Arbeitslosigkeit
  4. 4. Theoretische Herleitung
  5. 5. Abgrenzung und Kritik

Definition und Bedeutung

Die natürliche Arbeitslosenquote ist eine ökonomische Hypothese über das langfristig normale Niveau der Arbeitslosigkeit. Sie wird auch NRU (englisch natural rate of unemployment), normale, strukturelle oder gleichgewichtige Arbeitslosenquote genannt. Danach besteht selbst im gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht bei gegebenem Reallohn eine gewisse Unterbeschäftigung. Ursachen sind Marktunvollkommenheiten wie Informationsmängel, Mobilitätshemmnisse, Anpassungskosten, demografische Veränderungen und Zufälligkeiten. Deshalb fällt die Arbeitslosenquote nicht auf null, sondern schwankt um ein durch diese Bedingungen bestimmtes Niveau.

Nach der Theorie von Milton Friedman besitzt jede Volkswirtschaft eine eigene natürliche Arbeitslosenquote. Sie entspricht einem makroökonomischen Gleichgewicht, in dem die erwartete Inflationsrate mit der tatsächlichen Inflationsrate übereinstimmt. Zugleich lässt sie sich als die Arbeitslosenquote verstehen, zu der eine Volkswirtschaft mittelfristig immer wieder zurückkehrt. Sie kann langfristig vor allem durch Ordnungs- und Strukturpolitik beeinflusst werden.

Langfristige und zyklische Arbeitslosigkeit

Die Makroökonomie unterscheidet zwei Betrachtungsweisen: Die natürliche Arbeitslosenquote beschreibt Arbeitslosigkeit als langfristiges Problem. Zyklische Arbeitslosigkeit bezeichnet dagegen die kurzfristigen Abweichungen der tatsächlichen Arbeitslosenquote von diesem natürlichen Niveau. Diese Schwankungen hängen eng mit dem Auf und Ab der Konjunktur zusammen.

Das langfristige Niveau wird unter anderem von der Marktmacht der Unternehmen und von institutionellen Bedingungen des Arbeitsmarktes beeinflusst. Als relevante Maßnahmen beziehungsweise Einrichtungen nennt der Artikel technologische Weiterentwicklungen zur leichteren Arbeitsplatzsuche, gesetzliche Mindestlöhne, Gewerkschaften und Effizienzlöhne. Effizienzlöhne sind Löhne, die Unternehmen aus betrieblichen Gründen oberhalb eines niedrigeren möglichen Lohnniveaus zahlen.

Auch gesamtwirtschaftliche Schocks können wirken. Steigt beispielsweise der Ölpreis, sinkt mittelfristig der von Unternehmen gezahlte Reallohn. Dadurch steigt die natürliche Arbeitslosenquote, während die natürliche Produktion sinkt.

Im Zusammenhang mit der Phillipskurve gilt die natürliche Arbeitslosenquote als jene Quote, bei der tatsächliche und erwartete Inflation übereinstimmen. Nach Friedman und Edmund S. Phelps besteht langfristig kein Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Inflationsrate. Die Inflationsrate werde allein durch das nominale Wachstum der Geldmenge bestimmt, während die Arbeitslosenquote unabhängig davon zu ihrem natürlichen Niveau tendiere.

Die im Artikel zusammengefassten Studien für Zeiträume zwischen 1960 und 1996 liefern nicht bei allen Einflussgrößen einheitliche Ergebnisse. Steuern werden durchgehend mit höherer, Koordination durchgehend mit niedrigerer Arbeitslosigkeit verbunden. Bei Ersatzquoten, Bezugsdauer beziehungsweise Arbeitsunfähigkeitsdauer, Organisationsgrad, aktiver Arbeitsmarktpolitik sowie makroökonomischen Schocks fallen die Ergebnisse je nach Studie unterschiedlich aus oder sind teilweise statistisch insignifikant.

Dauer und Häufigkeit der Arbeitslosigkeit

Die Bestimmungsfaktoren der natürlichen Arbeitslosenquote lassen sich danach ordnen, wie lange Arbeitslosigkeit dauert und wie häufig sie auftritt.

Die Dauer hängt sowohl von der Konjunktur als auch von strukturellen Merkmalen ab. Dazu gehören die Organisation des Arbeitsmarktes, etwa das Vorhandensein von Arbeitsvermittlungsstellen, die demografische Struktur der Erwerbspersonen und die Suche Arbeitsloser nach einem besseren Arbeitsplatz. Diese Suche steht häufig mit der verfügbaren Arbeitslosenunterstützung in Zusammenhang.

Ein typischer Fall ist die Sucharbeitslosigkeit oder friktionelle Arbeitslosigkeit: Eine Person gibt freiwillig ihre Beschäftigung auf, um nach einer neuen oder besseren Stelle zu suchen. Sind alle Stellen gleichwertig, nimmt sie voraussichtlich das erste Angebot an. Unterscheiden sich die Stellen in ihrer Qualität, kann sich längeres Suchen trotz Wartezeit lohnen. Je höher die Arbeitslosenunterstützung ist, desto wahrscheinlicher kann eine längere Suche oder die Aufgabe der bisherigen Stelle zugunsten einer besseren werden.

Für die Häufigkeit von Arbeitslosigkeit sind besonders zwei Faktoren wichtig: die unterschiedlich starke Arbeitsnachfrage einzelner Unternehmen und die Rate, mit der neue Arbeitskräfte zu den Erwerbspersonen hinzukommen. Auch bei gleichbleibender Gesamtnachfrage können einige Unternehmen wachsen und Personal einstellen, während andere schrumpfen und Beschäftigte verlieren. Je größer diese Unterschiede sind, desto höher ist die Arbeitslosenquote.

Die Bedeutung dieser Faktoren verändert sich im Zeitablauf. Arbeitsmarktstruktur, Zahl und Zusammensetzung der Erwerbspersonen sowie die Unterschiede in der Arbeitsnachfrage der Unternehmen können sich verschieben.

Theoretische Herleitung

Die Herleitung verbindet Lohnsetzung und Preissetzung. Für das natürliche Gleichgewicht wird angenommen, dass das tatsächliche Preisniveau P dem erwarteten Preisniveau Pᵉ entspricht:

Pᵉ = P

Durch Einsetzen ergibt sich W = P F(u,z). Als Lohnsetzungsgleichung gilt:

W/P = F(u,z)

Dabei wirkt u negativ und z positiv auf die Funktion F. Die Preissetzungsgleichung lautet:

P/W = 1 + μ

beziehungsweise:

W/P = 1/(1 + μ)

Werden Lohn- und Preissetzung gleichgesetzt, folgt für die natürliche Arbeitslosenquote:

F(uₙ,z) = 1/(1 + μ)

P bezeichnet das tatsächliche, Pᵉ das erwartete Preisniveau, W den Nominallohn, u die tatsächliche und uₙ die natürliche Arbeitslosenquote. z ist eine Strukturvariable, die Merkmale des Arbeitsmarktes wie Arbeitsschutz oder Arbeitsbedingungen umfasst. μ ist der Gewinnaufschlag; W/P bezeichnet den Reallohn.

Wenn das tatsächliche Preisniveau vom erwarteten Preisniveau der an der Lohnsetzung Beteiligten abweicht, muss die tatsächliche Arbeitslosenquote nicht der natürlichen Arbeitslosenquote entsprechen.

Abgrenzung und Kritik

Die natürliche Arbeitslosenquote ist von der NAIRU abzugrenzen. NAIRU steht für Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment und bezeichnet die Arbeitslosenquote, die langfristig mit einer konstanten Inflationsrate verbunden ist.

Der Ausdruck „natürlich“ ist umstritten, weil er den Eindruck erwecken kann, dieses Niveau sei wünschenswert oder grundsätzlich unvermeidbar. Gemeint ist jedoch nur, dass diese Arbeitslosigkeit langfristig nicht von allein verschwindet. Ihre Ursachen sind nicht naturgegeben, sondern häufig strukturell und daher durch politische Maßnahmen beeinflussbar. Edmund S. Phelps schlug deshalb die Bezeichnung „strukturelle Arbeitslosigkeit“ vor; sie konnte sich bislang nicht durchsetzen.

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